Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 146 (20.1.1895)
- Date
- 1895-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Freies Blatt. reite s. / und C.uellfni^rirtfteUcr ... an die Fortsetzung meines armen Rabbi darf ich in diesem Augenblick nicht gehen." Ebenso theilt er | an vudwig Robert mit >4. Mürz 1824.: '•’) „Ich schrieb blos . . . | und an meinem Rabbi, der noch nicht zur Hälfte fertig und eben-! falls nickt für jepige Nkitlheiluiig geeignet ist." Fast in jedem Briefe an Moser spricht er von der Arbeit an dem Roman. So! am l. April!825:I> „Dieses uneigennützigste Werk wird auch! das. gediegenste werden." Die Borarbeilcn zur Promotion hinderten; allerdings den Dichter, nnnnterbrocheu an seinem Lieblingswerk i zu arbeiten. Doch zeigt unS ein etwa drei Wochen vor dem Examen j geschriebener Brief, daß er den Plan unaufhörlich verfolgte;'' | er iU'1'fitlk in jenem Sommer ,,'o angestrengt als nur möglich! Jurisprudenz, Geschichte und den Rabbi, letzterer schreitet nur laugsain vorwärts, jede Zeile wird, abgekämpft, doch drängt'S mick unverdrossen weiter, indem ich das Bewußtsein in mir trage, daß nur ich dieses Buch schreiben kann, und daß daS Schreiben desselben liiic nützliche, gottgefällige Handlung ist. Doch ich breche! Iliervon ab, iüdcm dieses Thema mich leicht dazu bringen kann, > von der eigenen Seelengröße selbst bespiegelnd zu renommire». —! Zun; bat mir zwar schon mal durch Dich geschrieben, wo im ' X V. Jabrhunderl die vornehmste Schule der spanischen Juden i war, nämlicb in Toledo: aber ich möchte wissen, ob dieses auch! vom Ende keS XV. Jahrhunderts zu verstehen ist? Er nannte j mir auch Sevilla und t^ranada, aber ich glaube im BaSnagc i gcleien zu habe», daß sie früher schon mal aus Granada vertrieben! worden. Auck, wie ich Dir nolirt, möchte ich über die Abarbanels! etwas erfahren, was ich nicht auö christlichen Onellen schöpfen! kaiüi. Wolf hat dicseValle in seiner Bibliothek angeführt. Bagl! ist dürftig. Schndl hat ebenfalls etwas znsammengeraffl. Bartoloeci j Hab' ick nock nicht gelesen. Wenig, imbegreiflich wenig cnthallcn! die spanischen Historiker von den Juden. Ucbcrhaupt hier ist eghpnsche Finstcrnjß. Ende dieses Jahres denke ich den Rabbi fertig zu haben. Es! wird ei» Buch sein, daS von den Zungen aller Jahrhunderte alö! Oucllc genannt werden wird." j Run folgt die Promotion des Dichters und — seine Taufe. i Es ist vom pilickologischen Slandpnnkle aus charakteristisch, daß ' er gerade in jener Zeit am eifrigsten'an seinem „Rabbi" arbeitete. ES scheint in der Thal, als hätte, er mit diesem Werke eine Art Ehrenrettung oder Selbstvertheidigung beabsichtigt. „Grüße mir Znnz recht herzlich," schreibt er am 22. Juli 1825.18) „Sage ihm, daß ich ihm recht sehr danke für seine Notizen. In Granada haben I4'.'2 wirklich Juden gewohnt, denn sie werden i» der Eapitulation dieser Stadt ausdrücklich erwähnt, lieber Abarbancl! habe ich die Dissertation von Majus «ritu Abarhanelis) über ' ihn au-fgclrieben, alle christlichen Ouellen zusammengestellt, aber j sehr dürftig." Für den Seelenzustand Heine s in jener Zeit, in der er um äußerer Borlheile willen der Idee treulos wurde, die er durch seine Studien und Arbeiten liebgewonnen hatte, ist die Stelle in dem nun folgenden Briefe an Mdser, wahrscheinlich aus Lüneburg j von Anfang Cctober 1825, sehr merkwürdig. '■’> „Da mal die | Rede von Büchern ist, so empfehle ich Dir Golowin's Reise nach! Japan. Du ersiehst daraus, daß die Japaner daS civilisirteste, urbanste Volk auf der Erde sind. Ja, ich möchte sagen: daö christlickste Bolk, wenn ich nicht zu meinem Erstaunen gelesen, wie eben t:esc:n Volke nichts so sehr verhaßt und zum Greuel ist, als eben das Ehrnieulh.ini. Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts so verhaßt wie daS Kren;. Ich will ein Japaner 1 i.YII! 117 . i 1' 1t.'. 1 , II, ", II,. 1>. 1;!l lOI fr ffif.oann'« Reise nach Japan, deul-ch von Schulz. (Leipzig Nr. 146. werden. — Bielleicht schicke ich Dir heute noch ein Gedicht aus dem Rabbi, worin ich leider wieder unterbrochen wordeit. Ich bitte Dich sehr, das Gedicht sowie auch, was ich Dir von meine,, Privatverhältnisseil sage, 'Niemandem mitzutheilen. Ein junger, spanischer Jude, der sich aber aus Luxusübermuth taufen läßt: correspondirt mit dem jungen Jehuda Abarbanel und schickt >!>„, jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er eS doch,, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jeneS Gedicht. — Denk niäu darüber nach — — — Sobald ich in Hamburg oder in Berlin zur Ruhe komme, will ich den Rabbi fortsctzcn." So geht cs auch im nächsten Jahre, fort. Am L. Jänner 182' schreibt er an Moser:.".") „Wenn ich nur Ruhe gewinne, den Rabbi auSschrcibcn zu können!" Und im folgenden Briefe (14. »u brnar 1826):21) „Auch den Rabbi will ich — gegen Deine eng herzige Mahnung — hier fertig machen, und er soll schon im " zweite» Thcil meiner Rciseschriflen erscheine», deren erster.Tbeil im Berlage von Hoffman» & Eampe diese Ostern heranskommi.' 'Noch im Mai desselben Jahres schreibt er an Z»n;:22) „Im zweite» Theil der ,Reisebilder' erscheint der Rabbi, und zwar sehr beschnilie» — doch sollen in demselben Theil noch viele Euriosa enthalten sein." Und ebenso an Josef Lehmann 23) (26. Mai 1826,: „Im zweiten Bande soll ebenfalls der Rabbi erscheinen, und ick bin darauf gefaßt, daß ich alSdann in der fromm-christlichen Well ganz verhaßt bin. Ich hoffe, es wird mir alsdann nicht viel mehr daran gelegen sein." Roch zwei Monate später2') (8. Juli 1>26> bleibt er, gegen die engherzige Mahnung Moser's, bei seiner,Ab sicht: „Der zweite Theil soll Ende des Jahres gedruckt werden. Er soll viel Verwunderliches enthalten, z. B. den Rabbi. .Und Dich hat niemals, rathcnd beschützt die Göttin der Klugheit, Pallas Athene!' Du hast recht, und hast immer recht." Und nun wird es still von dem Werke in Heine'S Briefen. Im zweiten Theil der „Reisebilder", der zu Ostern 1827 erschien, war der. „Rabbi" nicht enthalten. Erst fünf Jahre später, in einem Briese an Friedrich Merckel qüs Paris 2:') (24^ August 1882 wird das Werk wieder erwähnt: „Ein Roman ist mir mißglückt: doch wcroe ich wohl in einer Sammlung, welche ich diesen Winter besorge, und worin ich auch den Rabbi hineinschmeiße, einige Romanstücke geben." Heine hatte also damals wahrscheinlich die Absicht, das Werk in den ersten Band des „Salon" aufznnehmen. Diese Absicht wurde jedoch durch die traurige Katastrophe einer Feuersbrunst vereitelt, welche im Hause seiner Mutter, die damals auf dem Neuenwall 28 in Hamburg wohnte, ausbrach und alle Manuscripte des Dichters, die er seiner Mutter in Verwahrung gegeben halte, vernichtet. Unter diesen Manuscripte» befanden sich nach seinen eigenen Mitthcilungcn20) (17. März 1837) die Memoiren, „der Roman seines Lebens", ferner (16. Juli 1833 sämmtliche Briefe von Rahel bis auf einen, und endlich der „Rabbi von Bacharach". Nach den bestimmten Versicherungen der Frau Eharlotte Em bden war der „Rabbi von Bacharach" vollendet, als das Manuscript in ihrer Wohnung verbrannte. Wir haben, kein Recht, an diesen Versicherungen zu zweifeln. Auch nach den eigenen Mit theilungen Heine's, die noch folgen werden, sind wir zu dieser Annahme berechtigt. Wie mir Frau Embden erzählte, habe der' /, bekannte Hamburger Tempelprediger Dr. Gotthold Salomon das ganze. Werk gelesen und es als ein vollendetes Sittengemälde lb. 497. 21) lb. 480. =*) lb. 480. **) lb. 489. *‘) lb. 492. «) IX. 13. ,6j lb. 22 76. Vgl. auch die Schilderung dieser Feuersbrunst in den Ec innerungen der Fürstin della Rvcca S. 37 und in ihren Skizzen S. 37 ff. » 1M 7