Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 146 (20.1.1895)
- Date
- 1895-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 14G. , Seit» 7. s ,1 Freie» (ff jst daher unwahr, daß ich im vorigen Jahre al« Professor öder Heuer Rector um die Venia lexeurli a» der philosophischen Facnltät augesuchl tade. und ebenso unwahr, daß ich mit einem solchen Ansuchen abgewiescn irnrde. Wie», II. Jänner 1895. M ü l l n e r. 2. Xtr gefertigte Tcca» der rhilosophi'chen Facnltät der Wiener Universität erklärt hiermit »liier Berusnng ,-„s? I!> de» PreßgesetzeS, daß die Leine Magni^ccnz den Rector betresseudc M „Deutschen VolkSblatteS" vom II. Januar 1895, Leite 5, wonach )>err Rector Müllner »in dje Venia lexsncki für Philosophie »achgesuchl oder i'gend welche Schritte zur Erlangung derselben gelha» hätte, unwahr ist, und - in daher auch ein derartiges Ansuchen nicht abgewiesen werde» konnte. Wien. ]J. Jänner 1895. .st a rabac e k. , Deutscher Adel und Jlldenthinu.) An den „chlisttichen Adel deutscher. Ration" wendet sich die Dresdener „Deutsche Wach t" mit der Auifordernng. ■>' angeblich immer inniger werdenden Pcrbindung teS de,ll>chcn GeburiS- ..dlte mit dem „Geldjudenlhum" entgegenznlretc». Lie schreibt: „beider hat der . enl'che Adel bisher vcriäumt, öffenlüch als Genossenschaft gegenüber lenen Abirnnnisje» Ltellnng zn nehme», welche sich mit' dem Jndeiithnm vcrmiiche». müßten ansicheiden ans den Streiten des Adels und nicht mehr als zn gehörig betrachtet tverde». Gegen eine blüße Ablegung deS AdclSprädicateS a! / uiiißtc sich das Bürgerthui» erklären. ES mußte cs alS eine Beleidigung b-.a.htcn, wenn man ihm Verächter deS TentschchumS zrischicben wollte. Der . : stolra'. welcher eine Jüdin heiratet/ müßte standesamtlich gezwungen werden, -Rainen der jüdischen Familie. mit der er sich verbindet, in einem Doppeloi, zu sichren, z B. Fürst Ludwig v. Lati»'Wittgenstci»-La»,n Liliembal, V >-,o.z DecazeS Singer, Gras Ludwig v. Dohna Aronsohn. Gras Gotthardt : - rnia Jcltzi'ch TreifuS, Graf v. DonnerSperg Würzbur-ger, Baron v. d. Hagen rä /inchu, Hugo v. LüttgendorstLeinburg Löwenleld, Freiherr v. Rcchcnlhal >>..; s. w." Ter ebenerwähnte Vorschlag ist nur deshalb interessant, weil . . v?n der Zeitung einer ManneS anSgcht, der nach gerichtlicher Feststellung .>t,»g in 'ebr herzlichen Beziehungen zur Fra» eines anderen Antisemiten 'anvilingd stand, welche direct vom Cantor der Tessaucr Jndengemciiite. abn u miie. Roch interessanter ist cS, daß dieser Vorschlag einem Wiener Organe, noi.bos sonst vor dem Gatten eincS Enkelkindes des Pohrlitzer Patriarchen Llmucl Leeb stöhn im Staube liegt, außerordentlich gefällt Lie halten mit r Raccnlheorie ihr Publicum gehörig zum Beste», diese Herren antisemitischen " -iter! >Lantcr Juden.) Ein Reichenberger Schönerer-Blättchen „Die -Reuzeit" :. den bekannte» Aegyptologen und Romancier Georg Ebers zun» Inden - In. EberS richtete diesfalls an den Herausgeber des Blättehens, Theodor '? n! I e r 'olgendeS Lchreiben : „Ich bin PosthuinuS, das heißt nach deS Vaters 0. > geboren. Vierzehn Tage nach ihm kam ich vor beinahe 58 Jahren zur „'.-■i: und mein Vater, jetzt auch leider meine thenre Mutter ruhen in dem. ■ vio'ichen Erbbegräbnisse aus dem TreisalligkeitSkirchhofe zu Berlin.. Rcid nn' -Riedertracht dennncirten »»ich schon mehrmals lügenhaslerweisc alS*.gel,,n-^-i! Inden, während ich, wie gesagt, von christliche» Eller» stamme tnd . o-er besten Christi», die mir je begegnet, meiner Murner, in ihrem <imv e. z -» bin." j Llölkcr cinpsiehlt einen LlaatSstreich.» In der „Deutschen evangel/! - It st irchenzeitnn g ' befaßte sich jüngst Herr Llöcker mit den stampsmiileln!>•■ .. den „Umsturz" und bemerkte: „Eine Auslösung deS Reichstages, zpo-iter man mit Entschlossenheit schreiten könnte, hätte vielleicht den verbündeten Re - rnngen die Majorität gebracht. Hals auch die» Mittel nicht, so tväre eine Reianderniig der Reichrvcrfassnng, des Wahlrechts, deS Reichstages z» erwäge» owoion. Auch ein LtaatSstreich, der ja im Reich, wo keiner die Verfassung be> 'chiooren bat, anders zn benrtheile» ist als in den Einzelstaate», »vürdc der .'Rotuheil de» Volkes keine großen Bedenken verursachen." Daß feierliche Erliäruiigen in össentlichcn Angelegenheiten keine geringere Bedeutung haben als l k'änrorene Zusicherungen, leuchtet Herrn Llöcker nicht ein. Ihm dürften auch j Aumimler bekannt sein,- denen selbst Eide nicht viel Lcrupel machen, allein nach i'olchen Jndividne» darf man doch nicht die Mehlhcit deS deutschen Volke» ' -uithcilen. (Ohne Eoncurrciiz.> Ter nach der AnSweisnng des Tr. Bö ekel von Rarbnrg nach Berlin verlegte „Reich«Herold" theilt als „hochwichtige« Er >ig»iß" Folgendes mit: „Die Verschmelzung der drei in Berlin bestehenden Paetciblätler .Frei-Deutschland-, ,B»ndsch»h- und .Reichsherold' ist con einer-au« Vertretern aller Vereine Berlins bestehenden Commission be- 'chlcssen worden. An Stelle der drei Blätter soll ei» Tageblatt treten, das dcr öanei gehören und unterstehen soll. Diese« Tageblatt soll da» einzige Blau er Partei für ganz Ro»ddeutschla»d werde» und i» der als Parteidruclerei zn .riverbcnden .Deutschen Druckerei' erscheine». Tie RcichStagSabgcordnetc» Ablwardt, Professor Dr. Förster und Dr. Böckel solle» an der Spitze deS Tageblattes, Herr v. Mosch alS Redactenr in dasselbe eintretcn. Das nene Tageblatt ist von alle» Richiungcn in Berlin als gemeinsamcS Organ ancrkannl liid ivirD arlch von allen Vereinen in der Provinz begrüßt. TaS Unternehme», >aL ohne Loncurrenz dasteht, muß gedeihen." Ta« „Volk" knüpft an diese Rachricht folgende boshafte Bemerkung: „Ohne Concurrenz — ^ja, was meint 0-n» die .Staatsbürgerzeitung' dazu, die doch bisher auch als anti-' Blatt. - seinilischeS Parleiblalt gälte TaS Blatt ioll am 1. Mar; erscheinen. Bis dahin soll das erforderliche Capital von 2> 0.1<S, Marl von' einer eigens zu die'eni Zwecke eingesetzten Finänzcominiisio» ansgebrächi werden Arme Finanzcoin mifsion!" „Frei Deutschland" aber läßt die -Rachiichl .-on der Venchmolzniig der drei Blätter in aller Form dcmenliren. Armer Bocket! lWtk's gkinachl wird.l Unsere Berliner Collegin sck rcibt: Wie außer ordentlich leichtgläubig und ohne jede Prnsnng die Aniiscinlien -Rachricht.^i, tvelche ihnen von irgend einer rrnbeglanbigten Leite zugcben. i» ihre Blälter ausnehmen, beweist folgender humoristisch klingender Fall: Ein AnonmnnS Kalte sich den Lchcrz gemacht, der in Halle erscheinenden „L aalo-Zei rn ng" inn der Unterschrift l»r. l>. die Mitlheilung zn mache», daß der tnrzlich z.r dreijährigem Zuchthaus verurlheilte Abgeordnete Lenß von Jideir abslainnre.' daß dessen Großvater Limon Leiser beiße u. i w. Ohne die Legiiimai-.on desRino nlstnen Einsenders irKndwie;» prilsen oder auch »irr den Vernich;n ingchen, ob seine Mitlheilung ans Wahrheit beruhe, brachte die „Hallesche Re'c am I Jänner H!«5 folgenden Artikel, der einzig und ällein an> dieser anonvmei!. durch nichts begründeten Mitlheilung beruhte: ..Wieder ein Beweis, daß durch . Heuchelei und große Verworse'nhcit eine ganze Partei genasführi werden Die Wähler im Wahlkreise Eschrv/ge-Lchmalkalden scheine» in der Wahl 'chreS Vertreters nicht vorsichtig gewesen zu sein. Ls wird uns von bc'i.-iindeler Loire die Miliheitnng. daß der Großvater, des Lenß Jude >var, und — Limon Lern-r hieß, er hat sich vor 'cliva -t>> Jahren lausen lasten, nnd den -.'lamen Lenß an genomznen. Der Linion Leiser wohnte damals in Hamburg und zog 'varek nack Bremen.Verwandte wohnen »och heute in Hamburg in der >ör. Bureiba sFamilic Leisee) In dieser Familie war Lenß stet» ein gern ge'ehener Hoifen >r>ir, daß die getäuschten Wähler sich von vorstehendei, Angabei, r»e:viß beit verschassen und damit osten helvorlreten. Der Wählt,eis ist in zwei Perioden aiiliseinili'ch vertreten gewesen, durch den ehrlostn Berlreier ist earre -Renivahl erlorderlich nnd Kosten wir, daß der Fall Lenß die Wähler »ichr aus sal'che Bahnen sührcn wird. Die. L a a l e -Zeit n n gstchreibi: -R'a.ti stnche» Cr'abriiiigen wird der Wahlkreis hossenllich die Lrist an eurer.Nenen aiil>st-i»,ii'ch>» Per lrelnng verloren haben, nnd diele Lchande diirch ükncklehr zu einer ehrbaren arislö'chcn. Wir meinen /ic Lchande sätckt an' teii Llami» Len, zurück, sobald der WahlersreiS die Herlnnst des Verbrechers aeienniaßig testgestellt hat. Habe» wir nicht in Halle anch getankte Inden, die es mit Ebne und Lchande nicht >o genau »ehme»'' Ern ehrlicher Äiuiieinil läßt sich durch solche Lchurken von ieincm Wege nicht ablcnke». Leider kommt es gar ost vor, daß Inden sich lausen lasten, um als Wolf in ^chasskleidern „niherlause» z.r können. Sollte der Bangnier Heßlein in Bainberg, der seinen Verdienst „>» die christliche "Menschheit;„>- Zeit in, Znchthansc absitzt, a,,S^ lleberzengun.z;n,n Christenlhnin übergetretcn sein? —, Wir glauben cs nicht." Ferner enthielt diese Rümmer der „Reform" auch noch folgende Beie'lastennoli;: „Herr Or. I». Warum haben Lie den Lenß nichi fiüher entlarvt!? Wen»'Lie es jetzt für II,re Pflicht halten, stRitthcilnngen zn machen.!o war diese si über noch größer, denn e« wäre der Partei die Lchande nicht widersaKren." In ähnlicher leichtfertiger Weise mag wohl der größte Tbeil der von den Anliieinilen gegen die Juten geschlenderten Vcrlcnindnngen und Verdächtigungen znstande lonimen. l-Hepp! Hepp! ill Quebec., Französische Zeitungen i» Quebec greisen die wenigen jüdische» Einwandercr, welche dort ihre Eristenz;» srrsten suchen, ans das Heftigste an und verlangen von der Regierung, daß sie dieselben ansrvcise oder ihnen wenigstens die Möglichkeit entziehe, „größere BoriKeile" zn erstangcn. Herr Edouard Tiumont, der entartete Rachkot»,»e cdriamer Württenibergrscher Lchächlcr, wird nicht wenig stolz daran' sein, daß er gelehrige Lchüler im serneii Quebec findet. „ fruillrrnn. IX'inridi IX’iiu' . und ' F)ev ^crbbi von WcrchcrrcrcL). •^on Gustav Karprle » / ' (a.^Forrsezung ) .v Nicht ohne innige Rührung wird inan diese Bckcnnlnisse lesen; cs liegt denselben ein wahres Gefühl und eine tiefe Empfiildung zu Grunde, „tienlnerschwer" lag ihm die Bollcndung deS Werkes auf der . Seele. Am 11. Jänner 1 s^r» schreibt er wieder an Mvscr:H) „Ich schreibe wenig, lese viel. Immer noch öhronikri» ") Ib. 413..