Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 146 (20.1.1895)
- Date
- 1895-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4886575-5439167-5441591--1754-4888185- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
H 'S) Freies Blatt. reit« »»: Nr. 14t!. 'Autö .U’U'iC'tiiet u'iir, später aber auS taktischen Rücksichten wenigstens ein -undcrcs AiiS-ehcn belomincn hat, den Berit,ch unternommen, die/Lchlappe, tvelche die aiili'ewiliiche Partei sowobt in unterer Stadl wie im ganzen denl lchei, Pa'erlande durch den Ausgang des Falles Leng erlitten hat, dadurch ansznwepe», das; er den meineidigen Ehebrecher von den Rock'chößcn der aniikenntlichen Partei ab'chiiltelke und die Partei als iiiiveiaiit.r'ortlich binstcUlc für :as Perbrechen eines ihrer Mitglieder.' 'R'ach welchen Gesichlspunkl.'n sich dieser .,Ne:niqiliigSver>uck> der anli'emili'chen Partei" gestalten würde, ließ sich bereits rolber-erkennen aus dem „onenen Blies dcS Herrn Licbermann v. Lonnenderg an d,e anli-einitixben Wähler des Wahlkreises Efchwege Schmalkalden", aiiil heißt cs bezüglich eines gegnerischen Flugblattes, worin dem Leuß allerlei chlechtigkeilcn vorgebalien waren: „Es ist gerichtlich erwiesen, daß die »leiste»;ener Be'chiildignngeli auf Perleumduiigen beruhen uild daß Leuß damals noch ein Ekrenmann irar," TäS in gelinde gesagt — eine Berdrehnng der Ttal 'achen. nn gerichtlich «.wiesen ist: l, daß Leuß a>S -llähmaschinenagent bcretlS EoncurS gemacht nnd seine, Gläubiger auch später, alS er in heiserer Bern'.ogenslage war, nicht befriedigt batte: 2. daß er de» SnenbarungSeid geleistet baue: daß er wegen geschäftlicher Tifferenzen auS der Redaclion des „Volk" aiiSget'chieken war: endlich 4, daß Leuß seinerzeit in Henidärineln ans dem Cio'ei des Tbearerea'.-S in Hannover entstoben war. alles Tinge, die höchstens nach anliscinitiücher Äilsfa»iliig mit dem Charakter eines EbreniiianneS vereinbar ,n»d Feiner bar Herr v Liebermai,II behauptet, Leuß habe in Fottze van Ge!vi»en»b!»e,i keine Rune inebr gefnnden zu stetiger Arbeit, Wie tief die Ge :r:>senSbl''ie des Leuß gewesen sind, kaS mag benrtheill werden ans der Tbat ^aäe, taß die-'er >c:be Leuß, während schon die Untersuchung wegen Meineids ge,:e„ ibn schwebte, in. der 'Woche,iMuift „TaS Land" einen Artikel verötsent. ,,ch,e: „Tie Suilübkeil in Stadt nnd Land"! Unwahr ist es ferner, daß seine Paiieigciios'en von 'einem 'caiidalö'en „nniilichen Treiben keine Ahiiung gehabt b inen, Nenn ,'elbst bat damit am itneivri'chk öffentlich geprahlt und hat in der S.4irurac.:.ch!:veiband!l>»g tu seinerPerlbeidigiing lediglich vorgebrachl, er habe ini: ''einem Cb:istetitbnm nicht mehr gepinnk:, 'eilte,n seine Parte,genossen ihm, de:n verbetratelen Maniie, Borbalkungen über sei» Zn'aninieiilebcn mit eine'» nerbeiraieten Fraueuziiniiier in Hannover gemacht hätten. Also mußte» dieie ,'e.ch davon ivinen. Und ivenn ne es nicht gewußt hätten', Tr, Schnitt? bat den Pariei'nbtcrn L:eber„:an,n v. Sannenberg, Tr, Xüiiig n, A., wie auS deren .-newBri.fen bcn".."'ei, werden kann, wwie den Redactionen der aiiti>'e»,ilii>hen B,alter, n A. der „Hannoverschen Post", der „Teiil>chcii Warte" :e an der Hand des von ibm ge-ammellen Material? de,: ganzen 'chinuvigen Handel deS EKrciinianneS L.nß mit s.iner. des Tr, Säniutz, Frau unlerbreilet. und die aan;e Angelegenheir Leuß ist auf dem Parteitag in Eisenach in mehrstündiger gebeinier Bera:bung verbanden worden, und doch baden sie Ehren Leuß nicht ßillen lanen. Tenn er war >a „noch iinmer em Ehrenmann". I» der Tbat, es widersteht einem, den Schmm? noch einmal auideckeil zu i»ü>se,i. Ter „Fall Leus;" ist in den Preßorganen aller Parteien bi? zur völligen Ermüdung der be'-r beb.indtlr ivcrden, und da Neues zu demselben kaum vorgebracht werden *.< -,ile. I ä::e man erwarten können, daß namentlich tie' Partei, mehr wie ,ede andere dazu Ursache gehabt hätte, dieie schmutzige Asfaire mit Stillschweigen überganae» baue, Ta die Antisemiten aber auch diesen für sie w lraurigen Fall zur Sainmlnng von Eintrittsgeld benützen — so zwingen sie damit 'auch d:e politischen Gegner, so ekelhaft auch für >eden anständigen Menschc» die'er ifiegenstanS geworden ist, noch einmab dazu Stellung }ii n.binen . , Am 4, d Bi, ist daS Urtheil g'gen Hans Leuß schon rechtskräftig genarden, da der Pernrtbeilie keine Revision eingelegt hat. Leuß wird seine S:ra'c im Celler Zuchlbanie verbüßen, wohin seine Uedecsührnng bereit? erfolgt, ist, «Wie sich nianchc Anliseniitenblatter mit dem Falle Leuß abfinden, zeigt die weiter „ulen ve-.Lfieyllichre Ronz: „Wie'» gemacht wird",) Tik „vrrjuöckk" Musik.! Ei» antisemitischer Gesangverein Hamburg? reranstaUe:«' a:n zweiten WeihnachtStage in einem renommiitcn Locale ei» Tanzvergnügen. T:e Musik stellte der Wirth, W:e erstaunten die AnliS und ihre Taute:, aber, als sie iahen. wie sänimilichc Musiker durch ihre B»'age ' 'naben, daß ne zu den Abkömmlingen Sein» zählte», Ersatz war nicht zu : ch.ffen, und w bli.b den „keutichen" Jünglingen. da sie de? PcrgnügenS, ,, :: chie::,men „icut'chen" Jungfrauen wegen, doch nicht gänzlich entsagen ,:-ch.:s Anderes übrig, alS nach der Pfeife der verhaßten Juden zu :: , Tu , .,-tiidete" Munk >'oll die Tanzlnst iiiteß nicht im Geringste» be-. Sonst nichtsL :e Pariser Äiitiemilcii habe» — wie die „Straßburger o :' 1’ , -: ■■: —! :■ bin unter Führung ihre? Häuptlings Marquis deMoreS '!,' ' M ,a Billette ein antisemitisches Meeting abgkhalren, welches sta a:?;,>c,:„..'end .b'>" >'r»».,-s" oder Bollblutfranzofen zusammen- 'etzt' C::,e, ,on d,e>e» Z'.ve,lau-end angenommene, an den seither von der P '.isie Ziirückgetielenen Caiimir.Perrer gerichtete Entschließung ver> .andaß die Regierung: 1 r:e Prägung des Silbers freigebe: 2. daß sie die BesttN'.muitgen aufhcve. n lche die französische Handelsmarine durch Begünstigung der fi-'mden Flagge wdt.: 3, dag in Algerien und in Afrika überhaupt Frank- .4, mi' dem Islam, Hand ,n Hand gehe: 4. daß die Söhne Abdel-Aader» nach A.gerien bennkebien därs.'»: '>. daß das „Anonpmat für Grundbesitz" nicht! länger geduldet werde; 6 daß de» Juden das sranzösische Bürger- > recht, dessen sie sich unwürdig gezeigt hätten, entzogen werde, , Bo» der Errichtung staatlich snbveiilioiiircr Scheiterhause» wird vorderhand »och! abgesehen, fügt die „Straßburger Post" Hinz».! 2tus antisenntischen Blättern. t Also sprach Confusills...) In einer schwülstige» Epistel „an die deutsche ■ Lehrerschaft" sucht die „Tstdeulschc Rnndschau" diese für de» Anti-; s.miiNsiiins Tührittg'schcn BekeiintillsseS ZN entflammen und von den Christlich : Sociale», in deren Lager sich heute eingroßer Theil der Lehrerschaft benndei, wegzulocken. „Tiefe Sippe," heißl es in dem Schreiben, „hat ihre Muster in den Bibelhebräer», Moral und BcrhaltuiigSart sind augejüdclt. Ficiheil im Tenleu und Forschen ist ihnen ein Greuel, Hievon gibt jede? Blatt deutscher Geschichte beichte? Zeuguiß De», gerinaiiliche» Geiste ividcrstrcbl die rückständige, bornirle! und verdummende All der Römlinge. Tcutsch und jüdisch.christlich sind d ic größte n Gegensätze." 'Aach diesem anthropologischen Grundnnd : Fnndamentalsatz, der zwardem i» deinielben Blatte oft gelesenen Schlagworte l „Christlich-germanisch" eiiiigermäße» ividerspricht, weiden die deiilschen Lehrer l ebenso eindringlich vor eincin Anschluß an die Freisiniiigeii wie vor dem „herrsch i süchtigen zelotischen Psafienthum" gewarnt., E« ist dies »m so logischer, al? der i Verfasser des journalistischen SiunststückeS kurz vo-her die historische Thatiache zugegeben, daß e? gerade Liberale ivare», welche einzig und allein mulhvoll und , rücksickilSlos die Besceiung der Lehrer vom geistlichen Joche unternommen. „Ein k.areS Auge bemerkte früher schon," sagt unser Pkann, „daß durch Anshcbniig dcS ConcordalS die Macht der Cleriiei nicht gebrochen und das Schulgesetz von! I»>9 ein nur mit großer Mühe crriiiigenec Erfolg war. Tadurch wurde die Zahl und Hingabe der Perlhcidiger zusehends immer geringer: Tder redete . dic Behandlung eines BeziikSschulinspeclorS BodieS, des mit echt männlicher Gesininliig anSgestalleten »inlhigen Lehrers Rohrweck und anderer rräinpser : nicht die deutliche Sprache deS berciubcechclide» Rückiallcs'f Tie Grund bedliiguiigeii einer freien Entwicklung der -Neuschule, nämlich Inter. I consessionaliläl und Zurückdrängniig dcS jüdisch-chrisiliche» Pfassemhums in feilte gebührenden Schranken, fanden in diese» Bkännern sclbstlose Berlreter, s und die Vorgesetzte Behörde wollte oder durfte nicht ans Seile unserer .Näinprer , in diesem Riügen stehen. Tie Schulgeictznovelle < Idölls öffnete Manchem, der bisher nicht sehen wollte, die Augen, und von dieser Stunde an ging es mit : Eilschritten der christlich-socialen clericalen. Partei entgegen." Ali? spricht linier; CoiisnsiuS, Er folgen aus dem Umsiaude, daß der Liberalismus die Lehrer, > icha't nach Sträslcn vom geistlichen Joche befreit, daß hervorragende und proiioneirlc Liberale wie BobieS i>nd Rohr weck sich unvergeßliche Berdiciisic um den Freisiun und ihren Stand erworben haben, endlich sogar an? der Jnler- > coiisc sionalität der Schule, daß die Lehrer sich dem AnliseinitiSinns anichließen ' müffc», demselben Antisemitismus, der auch In deulsch-iialionaler Marke zu jeder Zeit mit den Schiilreforinprojecte» der Clericalen geliebäugelt hal und ' auch wieder liebäugeln wird, falls nur die frommen Herren eine Gehaltsi ausb-iseiu, g von 2 fl. M kr. per ,'iops für jeden Lehrer — persprechen, liniere; Jugeudbildner müßten cutweder sehr gelehrt oder sehr dumm sei», ivenn sie sich in dieser Consusiou zurechlsäiitcu. > tEilie TkllLcuzlÜge.) Zur Herabsetzung des UiiiversitätS Rectors Tr, Laurenz Mülluer brachte daS „Tentsche BolkSdlalt" folgende Tendenzlüge: „Schon seil längerer Zeit, vo» dem Augenblicke an, alS eS sicher galt, daß Tr. Brentano die ordentliche Professur für die Philosophie nicht erhallen würde, trug sich Tr, Müll »er mit dein Gedanken, die theologische mit der philosophischen Faculläl zn vertauschen, sei es, daß ihn die höheren Collegien-, geldcr lcutc», fei cS, »in seiner Borliebc >sür Spinoza, sowie etwaige andere, durch die theologische Professur beschränkte Reigungcii iiachzugche». Zu diesem Behufc machte er bei den Vertretern der philosophischen Facultät die geeiguele» Schritte, uni die Venia legendi an derselbe» zu erlangen, Ter von der Judenpresse heule so überschwänglich als Gelehrter gepriesene Professor Müllner wurde aber mit diesem feinem Ansuchen abgAviescn. Ein ähnlicher Versuch, vor kurzer Zeit wiederholt, fand dasselbe Schicksal, Wie es somit scheint, war, wenigstens bis vor kurzer Zeit, entweder die Meinung über dic wissenschaftliche Bedeutung dcS Herrn Rectors Tr, Müllner bei seinen engeren BecusSgenosfen keine allzu hohe oder er mußte selbst die .Tbjectiviläl' seiner College» am eigene» Leibe vcrspüren." Tas autiseinitische Lügenblatt sah sich in.Folge dessen bemüsstgt, nachstehende Berichtigungen z» veröfsentlichc»: 1. Löbliche Redacliosi! Ihre mich betreffende Notiz in der' Nr, 2164 dcS „Deutschen BolkSblatt" ersuche ich unter Berufung aus H l‘d der Preßgesetzes dahin zu berichtigen, daß ich mich auch nicht bei Eine in Vertreter der philosophischen Facultät weder mündlich noch ' schriftlich, tveder direct noch indirect um »teilte Nominirung für die erledigte Lehrkanzel der Philosophie' an der philosophischen Facultät der Wiener Universität beworben habe. Als nach meiner Wahl zum Rector der Sache aberinals gedacht wurde, habe ich erklärt, daß ich jeden, wie immer gearteten Schritt meinerseits bei den Mitgliedern der philosophischen Facultät unpassend fände.