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Freies Blatt · 1895-01-20 · 146 (20.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
146 (20.1.1895)
Date
1895-01-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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>Tr. 146. .freies streiche» in Folge von Wegzug oder Tod mit Sorgfalt geschehe. Man! >,at niemals auf diese so gerechtfertigten Wünsche geachtet; man zieht e? vor, den Inden ihre Antipathie gegen den Militärdienst vorznwcrfc»." . i (Tic Inden im KtIllllINls.j Ter Charakteristik der kaukasische»! finden widmete kürzlich die in Tiflis erscheinende „Rowoje Obosrenijc" .ine» längeren Artikel, dem die „Lodzcr Zeitung" 'Nachstehendes ent' niuimt: Tie kaukasischen Juden, die mehrere Jahrhunderte lang ge-! uicinsam mit den verschiedenen dortige» Bölkcrstüminen dahingelcbt - i-iden, sind so mit denselben verschmolzen, daß sic sich, außer der - Konfession, in keiner Weise von ihnen unterscheiden. Tic kaukasischen .nidcn standen unter der russischen Herrschaft im Genüsse aller Rechte :inb Privilegien, wie die Personen nicht christlicher Confcfsion, und - 'ämmtliche die Rechte der russischen Juden beschränkenden (Hesepe : fanden auf sie keine Anwendung. DaS spcciell für die Juden crlasicnc . Gesetz der Korobkasteuer wurde ans a. h. Befehl bei den Iransiaukasischcn Inden nicht cingcftthrt. In allen Füllen, wo Angelegen-. 1 eiten der kaukasischen Juden sowohl auf administrativem als auch , richtlichcm Wege an den Senat gelangten, uiachtc dieser ans Grund - erwähnten gesetzlichen Bcrordnung zwischen der örtlichen Bcstternng »nd den Juden in Bezug ans deren Cwilrechtc keinen ‘ Inicn'chied. Besondere Beachtung, verdient die jüdische Bevölkerung des; <Gouvernements KutaiS, die sich aus circa 7000 Personen beläuft; nb in mehreren Dörfern, hauptsächlich aber in der Stadt Kulais i. Alle diese Inden wurden in den Lcibcigencnslaiid anfgenommen .:algebürten Kirche», Klöstern und mehreren Fnrjtcn. Nicht selten j achte sich hiebei eine sonderbare Metamorphose bemerkbar-, diese j .»de» wurde» nämlich zu eifrigsten leibeigenen Tiencrn der Kirchen, i neu sie als Steuer Wachs und Weihrauch entrichteten. Während Statthalterschaft im Kaukasus wurde den Kutaner jüdischen Kanf- >len daö Recht cingcränmt, sich ebenso, wie die übrigen örtlichen 'iantlcutc christlicher Confcssion, „Mokalaki" d. h. Städler) zu nennen. -..ich der Aufhebung der Leibeigenschaft kauften diese Inden ihre Land-; uiheilc, Gehöfte :c. aus, erwarben in verschiedenen Ortschaften imlobilcS Vermögen und wurden in den Törfern zum Bauernstände, » der Stadt KutaiS zum Klcinbürgcrstandc angefchricben. Tie zum Eeüandc von Landcommunen gehörigen Inden nehmen au allen! Wahlen Antheil und werden selbst zu Richtern und Gehilfen der Aelleskeii gewühlt, trotz der geringen Zahl jüdischer Wühler. In Kulais aber wurde vor der Einführung der neuen Städtcordnung von der lädlischen Bevölkerung;n der Zahl der Stadtverordneten stets auch .i Jude gewählt. 2lus antisenlitischen Vereinen und Der scnmnlungen. Saul unter den Propheten.) Bei der jüngst erfolgte» Constittiirnng der erste» uiederösterreichischeu öraiholikenlag gewählten .ständige» Eommffsioii arte Baron Victlinghoss-Schell zum Obinan» und Tr. Lueger zum Weeobmaiin ernannt Saul unter de» Propheten. Tie „Sstdeullche Rundschau" vergleicht unter reichlicher Ausnützung der poetischen Freiheit Lueger mit Iscoolomiiii, der über die Leiche Wallenstein'S hinweg seinen Loli» i»> Fürsten uni erhielt. .»Auch er," sagt das Blair von Lueger, „hat de» Lohn kur seine Irene zu jener Macht erhallen, welche in de» einst unter Schönerer'S Fahnen läinpscnden Heerschaaren eine Gefahr für ihr volksbethörendes Regiment witterte und dieselben nach Lahmlegung des Gehaßten aUinälig, Schritt für Schritt, in »re Dienste zog. Ob der Lohn für eine» so ungehenre» Dienst auch der geistigen Bedentung und der jahrelangen Schweukungsarbeit Tr. Lneger's entspricht? Thatsache ist, daß sich der geseierte Führer der einst unabhängig gewesene» Wiener Antisemiten, der aussichtsreiche Bewerber um den Wiener Bürgerinciste-.stnhl, heute dem Obmanne genannler Coimnijsion zur Turchsührung der elericalen Forderungen, einer geistigen Null, wie Baron Biettinghoff-Schell, der aber dasür ein in der Wolle gefärbter Elericaler ist, unlergeordnct hat. Freilich, daß Tr. Lueger in der Wolle gefärbt wäre, kan» inan ihm nicht nachsagen, deshalb ist er aber auch nur.Lbi»a»nstellvertreter. Ta« Berdienst aber, den geivaltige» Strom des Antisemitismus auf das Mühlrad, da» um Rom sich dreht, gelenkt zu hoben, das piußle in irgend einer Weise belohnt werden. Tu hast'S erreicht, Octavio!" Sehr schön, nur dürste eS nicht lange währen und Carl Hermann Wolf wird wieder dieses modernen Piccolomini ergebener Jsolani sein. iTie Geilkralpächter des Dcutschthums.) Der „Lese- und Redeverein der deutschen Hochschüler i» Wien", deffen Mitglieder zu de» lRäubigen teS Rosenauer Antisemitismus gehören, hat an die „Münchener Allgemeine Zeitung" folgende sonderbare Kundgebung zur Veröffentlichung gesendet: „Ende dieser MonatS wird in Wien eine Besprechung der Vertreter aller österreichischen Hochschulen über die Feier deS 80. Geburtstages deS Blakt. ' Seile ’>. ' Fürste» B i S m a r. ck stannnden. Man will nicht 'mit der reichSdent'chcn Ltndentenschast gemeinsain diese Feier veranstalieu. da >m Tenlichei, Reich, wie mau glaubt, auch manche Elemente, die nicht dem reine» alldenlschcn Gedanken folgen, nur als Angehörige einer Hochschule'sich an der Feier beiheiligen." Tie reichsdentiche Studentenschaft ist al>o diesen österreichischen Hochschüler» nicht „alldeutsch" genug, »nd sie ivolleu deutscher sein als die Tenlstben Tciltstkilands! lleber die Einzelheiten dieser geplanten österreichisch alldcnt'cheu Feier melde» die Herren- Sludenten de,»' Btünchcner Blatte „ob, daß sie von München ans die gemeinsanie Hnldignngssahrt nach Fncdrichgnch unlernrlnnen wollen. Tie» erinnert an die Antwort, welche ihnen vor etwa zwei Jahren vom Bürgermeister eben derselben Sladt München znlhcil ivn.-de. Tanials hatten die „»rleulschc»" Skndenteii in ttziap dke Blünchcner Sladtvertt-eliliig ausgefordert, dieselbe möge sich an einer Actio»- gegen die Errichkliiig eziies Heine.TenkmalS belheilige». Taranf erwiderte der Bürgetinei'ier der baneri'cheii Hauptstadt, daß.jene Herren, welche in Oesterreich das Tenlschtbujn allein ge pachtet zu haben glauben, ihm dasselbe eher zu coinproiuiltiren scheine», und * daß er für ihre Eiitgabe keinen besseren Platz lvisse als das Miinchcner Rgriläleiicabinkl. Tahin gehört auch die neueste .Uundgebnug der „llrien! ch <Jn Cer Praterschenkc.i Ter katholisch politische Bereiii „Leopoldi'ladi - hielt ain l l. d. M. i» einer Piaierschenke eine Beisatninlilug ab, uachd -in es ihm trotz vielen Hausirens nicht gelnugeu war, int II Bezirke selbst ein Leeale^ anszulrcibeni Trotz der großen Entfernung war Tr. Paitai ans Bl.inabili herbeigeeitt, uni die Beriainuilung in der Pralcrschcüka durch seine GegrinvaA /. zu verherrlichen. Er sprach über die.conjessioi-.elle Schule und wies nach.' daß in der Leopoldstadt die classcniveije Treniinng der .stindcr nach vioiife'fioiu i-. vom pädagogischen Standpunkte ganz außerordentlich nokhwendig sei, was seine In Hörer .mit begeistertem Beisalle ansnahinen. Tr. Pailai llnteuieß es auch nicht, Rector Tr. Mnllner anzugreifeii und Herrn Gregorig;ii verherr lichcn, und lvir zweifeln nicht, daß sein Auditorium in der Praterichenle sich mit serncin ivissenichasilichen Urlbcile cnlschikke» ' auf Seilen Gregorig s gestelll haben wirk. Wenn eS »ach dein stopfe dieidr Leute ginge, müßte Tr. üJfiiUncr mit jüdischem Ercdil cftu Pfaidlerge'chäst in der Mariahilserstraße eröffnen, ivährcud Gregorig die Lehikanzel für Philosophie lind Aesthelik beziehen iviiide. Leider ist Geigen nicht Blaien, so an'dringlich auch die Fiedeln i» der Prater schenke kreischen mögen. >A»S Meidling. Am 12. d. M. fand in -.'Reidling eine Aitli'emuen verfammlnnj^ stau. In. er Tiscuiüo» ergriffen unter. Anderen die Herren Piosessor Schlesinger, Geßman» und Tomola da» Wort und gaben ihre sattsam bckamitc» Weisheiten über die Goldwährnlig, die Borkoniilmlsfe im Gtmeindcralhc :c. zui» Besten. An der Periänunlniig nahtiicn auch die Coovcratoren P a u k und Gottfried und Honoratioren a»S dem Laiep. stände voln Range Hawranek'S unb Ttehll t’-3 lheil. Tie christlich iocl.rle Partei, bemerkt zutreffend die „Rcichspost", darf mit dem Berlanfe der Meid linger Perfanimluiig zufrieden iciti. Eiubernfen und geleitet ivmde dieselbe durch den Obmann deS „Tentfche» Beee iucs", Prostnor Tr. Gegen bauer. Und so was muß sich der sitienstveuge S.leinwender gefaUen lassen! lAlltiscniilische Ttirnvercillc.s Ter. preußische Minister des Innern . v. diölle r hat unter dein 2l. Roveinbcr ld>!»4 an die Regiernngspräsidenlcii einen Erlaß betreffend die Agitation der Social Temökratie au> dein Gebiete deS Turnivkien« gerichlcl. Tenclbe scheint sich il:ki-.-,ci amti gegeli die öiiti seinitischen Turnvereine zu kehren. Ter Eilaß nntclicheidri nämlich drei tViinopen von Turnvereinen: 1. die TeilNche Tnruerichasl, die alle dn senigeir Silrii: ereine uinsaßi, welche die Psiege valirländiichcr Gesinnniig als Beici>ls;iv>tk aneil :>»eu: 2. den Tculsthen Tnrnerhnnd, ivelchcr vorzugsiveise dieienigen Beiclne nnisaßl, die seinerzeit wegen auSgelpröchener antisemitischer Tendenzen von der Turner schaff anSgeschlosse» wurde»; ff. den Arbeiter-Tnrneibnnd Tentfäilands, irelcherdnrchaus im Tienste der social demokratischen Llgilation stehn- Es heißt nun weiter: „2,ach Mitlheilung deS Herrn Ministersder geistliehen, Unterrichts- und Medicinalaiigelegenheite» ist von Seite der Umerrlchlsverwallung gegen das Lreibe». staatSgesährlicher Tnrnvereine" durch drei Maßnahmen zu lvirken versucht worden: 1. durch da-s Petbol der Tbeilnahme. von Schüler» und Schülerinnen an ihnen; 2. durch ablehnende Halmiig ekiöaige»Gesuche» gegen über um Gestattung der Bc»uvllng von Tnrnrämnen und Turngerälhcn, die Schulen gehören, und ff. durch Fernhattnng. solcher Personen von den staatlichen Cnrseii znr AnSbildnng von Turnlehrer» und Lehrcrinnen sowie von den Tnriilehker^und Tnrilleklrerinllenpriisunge», die möglicherweise die Leitung des Turn unterrichtS i» de» nicht znr Tnilichen Turnerlchaft gehörendeil Vereine» über iichmeii köviilen." In anlisemililchen Kreisen ist man aus diesen Erlaß sehr schlecht zu spreche». Ihrem Mißvergnügen geben insbesondere die Orgaile des Herrn v. Lieb ermann Ausdruck, welcher im Reichstage neulich sagte: „Das Jndeulhum müsse man bekämpfen dürfen, dg eS allezeit an dem Umsttlrze eine große Mitschuld gehabt habe." ZLiedkrmailll und LkUß.) Der Sckriststeller ft. W e i g l macht zit einem Bortrage, welche» Liebermann b. Soiinenberg am 12. d. M. in Hannover hielt, solgendö Beinerknngen: Herr )>ieichsralhrabgeordneler Liebernian» v. Soniienberg hatte in seiuem heutigen Borlrage, welcher an'änglich dein Falle

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