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Freies Blatt · 1895-01-13 · 145 (13.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
145 (13.1.1895)
Date
1895-01-13
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 145. Seite!>, .freie» bereits den dritte» Theil vollendet hntte. Scho»'im Februar desselben Jahres schrieb er Moser,lu) daß er fleißig Chroniken, lese, und im Mai 1823 erwähnt er bereits als.Hauptquelle für seine Ltudien die Geschichte der Jude» von BaSnage. 's) Cr ist als» ohne Zweifel schon ein Jahr früher an diese Arbeit gegangen, und cs ist nicht unmöglich, daß der Durchfall des „Almansor" die \ . äußere Anregung dazu gegeben hat. Während Moser sich nun der Hoffnung hingab, daß „der s' Rabbi" fast vollendet sei, belehrte ihn ei» Brief Hein'es vom 25. Cctober desselben JahreS, daß der Roman noch immer nicht über das erste Drittel hinausgekommen. Dieser Brief ist für den Charakter des Werkes, selbst von maßgebender ^Bedeutung. Ich muß ihn daher ganz eitiren:'-) „Blutwenig habe ich diesen Sommer geschrieben. Ci» paar Bogen an den Memoiren. Berse gar keine. Am Nabbi wcniF, so daß kaum'',', davon geschrieben ist. Cr wird aber sehr groß, wohl ein dicker Band, und mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werk in der Brust. Ist eS ja doch ganz aus der Liebe hervorgehend, nicht auS eitel Ruhnigier. Im Gegenthcil, wen» ich der! glimme der äußeren Klugheit Gehör geben wollte, so würde ich es gar nichk schreiben. Ich sehe voraus, wie viel ich dadurch verschütte und-Feindseliges h'crbcirufe. Aber eben" auch, weil cö aus der Liebe hervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden,- eine ewige Lampe im Dome Gottes, kein verprasselndes Thcaterlicht, : Ich habe viel Geschriebenes indiesem Buche wieder ausgeloscht, jetzt erst ist cs mir gelungen, diS Ganze zu fassen, sind ich. bitte nur Gott, mir gesunde Stunden zu geben, es ruhig nicderzufchreiben. Lächele nicht über dieses Gackern vor dem Eierlegen. Lächele auch nicht über mein langes Brüten, so ein gewöhnliches! Gänscci (ich meine nicht Dr. Ganö) ist schneller auSgebrület. als das Taubenci des heiligen Geistes. Du hast vergesse», mir paar Notizen mitzutheilen, die ich in meinem letzten Briefe zum Behuf dcS Rabbi verlangte. Dem Dr. Zunz lasse ich für seine Mitthcilung über die spanischen Juden tausendmal danken. Obschon sic höchst dürftig ist, hat Zu»; mir doch mit einem einzigen scharfsinnigen Wink mehr genutzt, alS einige vergeblich durchstöberte Onarlbände, und er wird unbewußt auf den Rabbi inflUenzirt haben. Da Zu»; kein Formelmensch ist, so kann ich einen besonderen Brief sparen, indem ich Dir mitlheilc, was Du ihm sagen sollst. Dieses besteht »och darin: l. daß ich ihn liebe, 2. daß ich ihn; g'chätze, 3. daß ich wünsche, er hätte die Güte, mir anzuweise», "wo ich gute Notizen finde über die Familie der AbarbanelS tauch \ AlnavanelS genannt). — Im BaSnage habe ich wenig gefunden.! Die schmerzliche Lectürc deö Basnage ward Mille vorigen MonatS : endlich vollendet. Was ich speciell suchte, habe ich eigentlich nicht- \ darin gefunden, aber viel RcueS entdeckte ich und viele neue Ideen! und Gefühle werden dadurch in mir aufgcrcgt Das Ganze deS i Buches ist großartig, und einen Theil deS Eindrucks, den cs auf-, mich gemacht, habe ich den 11. September in folgender Reflexion angkdcutet: ") - ">» vTTT 420. ") VIII. 373. ' Ib. 438 ss. Interessant zjt auch sein Unheil über Basnage, VIII. 434. -Inch tie Romanze: Tanna Clara (I. 131) ist ein Beweis hiesür. Dieselbe i im Herbst 1823 entstanden. (VIII. 403.) Mil dein dorr citirten „Abraham - a;!-‘ Laragossa" hat Heine übrigens wahrscheinlich jenen Abraham gemeint, der!!'i* ca. 82.5 dem Kaiser Ludwig empfahl und in beste» Schutz ausgenommen! :irde. tllebnen? Abraham, Iiabitaus in eiwtate t'esar-Ati^iisst.i. t Bgl.! :ironiti4: Regesten zur Geschichte der Jude», L. 32 ss. u. 8. ") TaS Autograph dieses Gedichtes befindet sich jetzt in meinem Besitze,! und ich möchte danach einige Fehler berichtigen, die ans dem ersten Abdruck - Briefe von Heinrich Heine an seinen Freund Mole» Moser, S. 114 ss.) sich m alle Heine-AuSgaben eingeschlichen haben. „8. 4"ist das Wort „rasest" vom Dichter «nterstrichen. Z. ü lautet wörtlich: Freilich oft in dunkel» Zeiten. Z- '< heißt eS war statt ward. Z. 7 heißt eS lieben, srommen statt liebefroiiime». Z .* ist die Bariante tauftest statt färbtest wieder durchgestriche». („mit Deinem Blut" ist I. c. wohl nur ein Druckfehler.) Z.!' heißt eS ist statt wird. 81 a t t. (Aiz Ekom!> Cin Zahrlar.seud schon' und langer Dulten wir uns brüderlich: '' -Du, Du duldest, daß ich aihme, Daß Du ra'est, dulde ich. Manchmal nur, irr stille» Zeiten. - . Ward Dir wunderlich zu »iutl,. Und die liebesroiiiiiien Tätzche» Färbtest. Tu mit Deinem Blut! Fetzt wird unsre Freundschaft fester-. Und noch täglich niminl sie zu, Denn ich selbst begann zu raten,' ... ^lkiid ich werde sast-wie^Du! Aber wie ein Wort das andere gibt,. so gibt auch cin BerS den anderen, und ich will Dir zwar unbedeutendere Berfe mittheilen, die ich gestern Abend machte, als ich über die Wcendcrstraße trotz Regen und Wetter spaziren ging und an Dich dachte, und an die Freude, meint ich Dir mal den Rabbi zuschicken kann, sind ich dichtete schon die Berse, die ich auf den weißen Umschlag des CxcmplarSals Borwort für Dich schreiben würde — und da ich keine Geheimnisse für- Dich habe, so will ich Dir schon hier jene Berse miltheilen: Brich auS in lauten .»läge». Du düst res Martyrerlied, DaS ich so laug getragen , ön slaniinenstille» Gemülh! - ' * Er dringt in alle Dhren, Und durch die Dhreu ins Herz: -- Ich habe gewaltig beschwören De» tausendjährigen Schmerz. ES weinen die Großen und Kleinen, - Sogar die kalten Herrn, Die Frauen und Blumen weinen, . - ES weine» am Himmel-die Stern Hi" Und alle die Dhräne» fließen' •Jifld) Lüden, im stillen Berei», Lie fließe» und ergießen Licki all' in de» Jordan hiueiu." . l' i Fortsetzung folgt. pac> jüdische Weib?! Das Wcib erscheintbei fast alten anderen Völkern als nicht viel mehr denn ein macht- und willenloses HauSgeschöpf oder allenfalls im öffentlichen Dienst als ein Luxus- und Bergnügungsgegenstand. Sehen wir jetzt zu, wie Bibel und Talmud daß Weib behandeln. Wir sehen, dem Werbe eine Würde und Selbstständigkeit gewahrt, wie bei keiner anderen Ration damaliger Zeit. Tie hebräische» Gesetze sind nicht nur menschenfreundlicher und seelenkundiger, sondern auch die iliigeschriebenen Gebräuche 'zeugen für Zarlbeil ünd Rücksichtnahme. Die jüdische Aussassuug der Che ist eine durchaus höhere, als man sie sonst findet, Richt die Unterthänigkeit der Frau und ihr blinder Gehorsam wird zum Hauptgesetz, sondern es wird vor Allem Sitte und Sittlichkeit gefordert. Richt von schweigender, dumpfer Unter - ordnnng ist die Rede, sonder» von liebevoller Gesellnng, von einem Hand in Hand gehen in allen« Dhnn und Wollen, denn Man» und Frau zusammen geben erst den ganzen Menschen. Jsch und Jschoh heißt es. Man» und?Rannin oder Gatte und Gattin. DaS Weib ist nicht die Sclavin ihres Mannes, sondern 'eine- „Gehilfin", wie Gott selbst sie nennt. Sie soll ihm helfend und rathend zur Seite stehen, sie sott ihm Liebe und Frieden wie ci» schlitzendes Obdach bereit halten. „Sein HauS" in der Bibel wird im Talmud geradezu gedeutet: „sein Haus, daS heißt sein Weib". Wird dem Mann im Talmud irgend ein wichtiger „Borschlag gemacht, z. B. nach einem anderen Orte;n ziehen, dann sagt er: „Ich will gehen und eS mit meinem Weibe berathen." Die Sorge der jüdischen Frau für alle häuslichen, ja auch geschäftlichen Angelegenheiten, welche zur Führung und zum Unterhalt deS Hausstandes nothwendig waren, damit der Mann Muße zum Studium behielt, ist eine durch fast alle Jahrhunderte dauernde Erscheinung. *- Rahida Remt>: „DaS jüdisckie Weib" (Leipzig, G. Landie». 18!>2> aus bei» „Antisemitenhammer" von Loses Schrattenholz (Düsieldorf, Ed. Lintz 1831,. ,

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