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Freies Blatt · 1895-01-13 · 145 (13.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
145 (13.1.1895)
Date
1895-01-13
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Freies Blatt. Nr. 145. Noch in den letzten Jahrzehnten, vielleicht noch heute — in Polen und Rußland gewiß! — gehen die jüdischen Frauen alS „Gehilfinnen" ihrer Männer neben ihrer häuslichen Pflicht dem Erwerbe und allen weltlichen Geschäften nach, um den Mann, der sich der Mifienschaft widmet, zu unterstützen oder ihn gänzlich zu vertreten. Eine Thatsachr, welche wohl bei keinem anderen Bolle wieder vorkommt. In allen Rechtsbestimmungen (der Juden) waltet vor Allem die Borsorge, daß „daS Weib nicht verödet sitzen bleibe". (Agunoh.) Dieser talmudischen Weisheit, dieser energischen Rücksicht auf die klar erkannte menschliche Natur ist eS zu verdanken, daß auch in jenen wilden Zeiten des west- und oströmischen Reiches und der Bölkerwanderungen Zucht und Sitte sich gerade bei den Juden erhalten * habe», während viele Böller und Stämme nicht am Kriege allein, sondern an der daraus gefolgten Zuchtlosigkeit des Privatlebens zugrunde gegangen sind. Nicht der Krieg hat alle jene Bölkerschaften aufgezehrt nnd ausgetilgt, von denen, trotz einstiger weltbeherrschender Größe nur noch die Namen übrig geblieben sind. Dies beweisen, was nicht oft genug wiederholt werden kann, die Juden! Tenn schwerer und härter und grausamer als irgend ein Bolk sind sie vom Kriege bctrq/fen worden. Aber der innerste, der keiinkrüftigste Kern der Littlichkeit, die Strenge der Zucht und die Innigkeit des Familienlebens blieb allezeit lebendig, lind diesen Kern der Sittlichkeit zu hegen und zu pflegen lag in der Hand der Frauen. „Dem jüdischen Weibe ist die erstaunliche und rüthlelvolle Erhaltung des. jüdischen Stammes gelungen. Tos ist sein Ruhui, nicht bloß in der Geschichte deS eigenen Stammes, sondern in der Weltgeschichte." (Lazarus.)-— Es ist ein merkwürdiges Schauspiel, zu beobachten, wie der von allen Künsten und Kunstgewerben ausgeschlossene jüdische Geist, der anderthalb Jahrtausende hindurch in der Zwangsjacke verfolgungssüchtiger Tyrannen geschmachtet hatte, wie cr kaum seiner Fefieln entledigt, Talente und Fähigkeiten zeigte, alS hätte er diese tausend und fünfhundert Jahre hindurch AlleS gethan zur Uebung dieser Talente/ statt sie völlig verkümmern lasten zu niüsten. Man muß annehmen, ^aß gerade die 'Welt der Töne der so empsindungsreichen, bewegten und beweglichen Natur der Juden angemesten ist; gerade in dieser Kunst haben jüdische Künstler und Künstlerinnen ihre ersten und reichhaltigsten Erfolge errungen. Mehr noch als.in der auf den lauten Beifall deS Publicums hinzielenden öffentlichen Ausübung ihrer Kunst haben zahlreiche jüdische Pianistiünen und Sängerinnen eine erfolgreiche Thatigkeit im kehrfach entwickelt. Durch Fleiß und Erfahrung vorzüglich zum Lehrfach geeignet, zeigen sie Ausdauer, Energie und Klugheit im Benehmen mit den Schülern. Die Betheiligung der jüdischen Frauen an anderen Künsten, wie Malerei und Bildhauerei, scheint geringer zu sein als wie bei der Tonkunst. Für diese bringen sie entschiedene Naturanlage mit; für die bildenden Künste ist eine Objectivität des leiblichen und geistigen AugeS nöthig, die dem fubjectiven jüdischen Charakter weniger angeboren war und noch nicht anerzögen ist. Literatur. Tie drei Besser. EuUurbilder auseGalizien von Marek Firkowiez. Wien 1804. Buchhandlung Mori; Perles,. I., Seilergaffe 4. <Dein wahrhaft liberalen, um Cultur nnd Fortschritt hochverdienten Herrn Eduard Ritter v. Gniewosz-Olexow, k. k. Seetionschef, k. und k. Kämmerer, ReichSrathSabgeordneten re. re. gewidmet.) Llsterreichisches Rechtslexikon. Praktische« Handwörterbuch des öffentlichen und privaten Rechte« der im ReichSrathe vertretenen Königreiche und Länder. Herausgegeben und redigirt von Tr. Friedrich Dlischene«, Tr. Denzel Ritter v. Belsky, Advoeaten in Prag, und Earl B ar e Na, LandesauSschußrath in Prag, unter Mitwirkung zahlreicher Fachkräfte. Prag 1894. Perlag von Hofer & Klausel. 22. Lieferung. „Versöhnung.'' Tieam 2. Jänner zur Ausgabe gelaugte erste Nummer de« zweiten Jahrgang« der von M. v. Egidy herauSgegebenen Wochenschrift „Persöchuung" hat folgenden Inhalt: M. v. Egidy: Ei» neue« Jahr. — Tr. Max A'ch: Ist eine Ueberbrückung der Gegensätze im Heilverfahren möglich? — Ludwig Asch: Die Politik während der WeihnachtSferie». — P. R.: Gott im Menschen. — Mittheilungen. — Anzeigen. Eine eingehende Besprechung der nachfolgenden Werke behäli sich die stiedaction vor: Herrn Eugen Tühriugs Umwälzung der Wissenschaft. Bon Friedrich Engels. Triite durchgesehene Auflage. Berlag von I. H. W. Dietz. in Stritt gart. Preis broschirt Mk. 2.50. Ter christliche Staat und seine Zukunst. Bon Tr. Ludwig Ja eobowrki. Berlin XIV. 6. Berlgg von Carl Tuncker, 1894. Briefkasten. I. Hoffmann, Buchhalter, Hreutz. Nein. Wir danken für Ihre Bemühung. »., Lftrau. Wird geschehen. T., Salzburg. Notizen kommen nächste Nummer. Ankündigungen des „Freien Blattes". Inserate werten aiigenonimen, sowohl in unserer Administration, als auch im Anuoneen-Bureau M. Duke». Goldman & Salatsch Tailors, I. Graben 20 empfehlen ihr hei der vornehmen Herrenwelt so beliebt gewordenes Abonnement-System für Herrenbekleidung nach englischem Muster. W osr M m tjW~ Soeben erschienen: Collection „Zweien Weites". i- Banb II. Wilismiis, Pietismus, Antisemitismus am Ende 5es XIX. Jahrhunderts. Pon Lrm't Victor Lenker. ( prri» \;i r;::: Band her Collection.: iür Oesterreich-Ungarn ö. W. fl. 1—, 'ür ca« gelammte Ausland Ä Mark. Band I der Collection: A. 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