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Freies Blatt · 1895-01-13 · 145 (13.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
145 (13.1.1895)
Date
1895-01-13
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 145 -rtte t Freie» ein Schiff, die „Eclipse" genannt, bei Apotiki vor Anker ging, wurde eS sofort mit Beschlag belegt, „und die Paffagiere brachte man ,n Gewahrsam, CapitSn Levy blieb durchaus unbehelligt, weil er!ein Christ, sondern ein Jude sei, und die Hauhaus (Neuseeländer) Äcrth darauf legen, mit dem auScrwähltcn Volke JchovahS in Verbindung zu stehen". Die unglücklichen Maori hatten zu sehr unter -cm Christcnthum" der Engländer leiden muffen und hofften nun us den jüdischen Jehovah. (Siehe „GlobuS" 1866, Bd. 0, S. 7.) Bekehrungen der Indianer finden außerordentlich leicht statt, aber sie sind ausnahmslos ohne bleibenden Erfolg, worüber -unter allen Missionäre» Stimmencinhelligkeit herrscht. 1i Sch. Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. (Nene Lcandale in Sicht.) In einer Neubauer Aiiliscmiteuversanimluiig ••u-.k iSeßinan», daß die Affaire Schebek-Biel »och lange nichi erledigt sei, .'un bei dem nächsten Zusammenlrille de» ReichSrathe» werden die Antisemiten ranlaisniig nehmen, ans dieselbe noch des Eingehenden zurückzukomnien. Der -.i »ic Geßntan» mag eS schmerzlich empfinden, daß er bei der gegenwärtigen Vlciion" seiner Sireitgcnosie» int niederösterreichischen randtage nicht mitihnn; ,:.n. Ans die Unterstützung Derer um Sleiinvender scheinen aber die Wiener mii'emiten in der Affaire Schebck-Biel nicht zu rechnen, da sonst nicht in der : Hauer Versammlung Lueger, der nach (Aeßmaun zum Worte kam, mit - u:g auf den Zwischensall Madejski-Scheicher gesagt hätte: „Die Steincnker Partei, die stets mit so großem Aplomb auflritt, hat die Minorität im -che gelaff,n. Da« war nicht deutsch gehandelt, denn der Deutsche ist mulhig, . Vorgehen dieser Partei war aber fein muthigeS." ^WaS Lueger und die nie» unter „Mulh" verstehen, ist hinlänglich bekannt. i(vüi tschechisch-autiskmitischlr bi rach.) Man schreibt un« aus G a i, a : : :.i„i 8, d M : Bor ungefähr drei Jahren war seiten» der hiesigen tschechi ä'cn Antisemiten die Parole ausgegeben worden, die 'hiesigen Jude», welche Ilramm und fest am deutsch-liberalen Programme sesthalien und den süßesten : ä-< chischcn Syrenenklängen kein Gehör geben, wirihschaftlich kalt zu stellen, .ml dieser Boycott wurde denn auch in der rasfinirtesten Weise durchznsühren nicht. Tie Häuser der Juden und die der deutschen Christen wurden mit lodienköpfen, Galgen rc. bemalt, Ausrufe de» Inhalte»: „Kaufet nicht bei luden" wnrden an alle Orte geliebt, und schließlich, da all diese Mittelchen :äii verfangen wollten, wurde der Boycott praktischer angesaßt. E» wurden ein -chechucher Eisenhändler und ein tschechischer Glasermeister hkeher berufen, um i. iüti'chen GeschästSleuIe zu ruiniren, und endlich wurde unter großem Tamtam 1‘rvni zäsöbni spolek zivnostiku v Kyjove gegründet. Diese» A-lieiiuniernehmen sollte billige» und gute» „nationales" Leder den Schustern Gatia» und auch reiche Dividenden tragen. Da aber da» Leder schlecht und lhcner war und die Dividenden ausblieben, so übertrug man da» Actienunler- .i'bnicn lammt den nicht übel gedruckten, aber nur Papierwerlh besitzenden Aclien dem Geschäftsführer de» Bereine», Otto B i t t n e r, der dennauch unter der Actienfirma da» Geschäft weiter führte. Am 5. d. M. verließ jedoch ■- lio Billner mit Zurücklaffung eine» auf kaum 400 fl. geschätzten Waaren- :ager» und inannigsacher ans mehrere Tausende sich beziffernder Schulden die ckcin Boycott abholde Stadt Gaya. Tie tschechifch-nationale» Schuster" haben in der Hand werihlose Aclien und die Lehre, den antisemitischen Boycoliisten in Hinkunft kein Bertraueu zu schenken. Diese Probe tschechisch-antisemitischer Nationalökonomie dürste übrigen» aller Wahrscheinlichkeit nach ein gerichtliche» Nachspiel haben, da» ein getreue» Bild vo» de» hiesigen tschechisch-antisemitischen Faiieurs geben dürste. >Tas Slrasversahren ist bald zu milde, bald zu slreug.) Tie ami- .mitische Internationale findet da» Strafverfahren bald zu milde, bald zu ureng. In Luxemburg erklärte ein Antisemit i» einer dort abgehaltenen Versammlung, das Strafverfahren mllffe verschärft werten, denn er sei von einem Juden Ubervortheilt worden, allein seine Klage beim Staatsanwalt sei ebne Erfolg geblieben, weil die bestehenden Gesetze zu einem gerichtlichen Einheiten keine Handhabe bieten. JnDeutschland aber findet die antisemitische Internationale, deren hervorragende Vertreter in jüngster Zeit al» Verbrecher abgeurtheilt wurden, daß die sich in bedenklicher Weise mehrenden Fälle von Meineid durchgreifende Reformen im Verfahren der Zeugenvereidigung nothwendig machen und daß Niemand zu einer ihm selbst oder seinen Angehörigen abträglichen beeidete» Zeugenaussage verhalte» werden solle. Gewisie anti» 'emitische Gesetzgeber gehen von dem Grundsätze au«: Der angekiagte Jude muß verurtheilt werde», wogegen der antisemitische GesctzeSverächter nicht einem Martiryum de« nüchternen Gaumen» preisgegeben werden darf. Nach Weihnachten schrieb ein ostmärkischer Futharker mit Rücksicht auf die Menge von Christbäumen, denen so viele Tannen und Fichte» zum Opfer fielen: „Wer hat Blatt. dich, du schöner Wald — abgesägt io hoch da drob,Haue ein Jude oder auch nur ein Nichlaiitisemil einen ähnlichen Auriviuch gethan, welcher' ans die Beschuldigung einer Verwüstung de» Walde« binausl.iu'i, >o winken leuliche Lykurge, darunter auch sonstige Diener de» Wodan Euliu«, in Veriaininlinigen die Feslittz-ng strenger Strafen sn» die Perhöhnung uns Herabsetzung einer schönen christlichen Sille fordern. (Gille „deutsche Freihtiispartci".! Ablniardt, der ieiuc Wandervorlräge in Deutschland fleißig "körlsetzl und in nächster --seit geschäiilich Bayern bereuen soll, kündigte für den Fall, al» die „Deutsch >ociale Reioiinparlci" seiu-Bundschuh-Progranim nicht annehinen sollte, die Gründung einer eigenen Partei, der „deutichcn Freiheilspartci", an, welche selbstverständlich »ür die Bcbandlling der Juden al» „Menscher" fechten würde. „Lassen Sie den ststlen. Mov« bellen". - schrieb Lieberniann v. Sonnenberg zu Willielm i^corg. al« dieser im Sommer 1804 sich erkundigte, ob er ani eigen Angri'i AHIna.di'S autwarten solle. - (Nach det Ausweisung Böckels. > Bon einem Landwirih, d,r bi« vor einem halben Jahr ein nene».Mitglied de« „Mitteldeutschen Bauern verein»" war, erhält die „Hessische Laute« Zeitung!, die folgei.de ,Zu>chrisi: Nachdem Tr Böikel von leinen sogcnannieu irüheren „Freundin" ans die schnödeste Weiie au« dem „Milteldeinichen Bauernverein" veidrängt ivordcu, ist nur ein Schattenbild der seitherigen Herrlichkeit geblieben. Bollel verstand cs, trotz Allem, die Mafien zuiainnicnzuhalieii und für »eine Ideen zu begeistern, seine Nachfolger sind gegen ihn stüinperhasie Schüler, lind io ivirddenn nach Ulld nach der Bau zerbröckeln, an dem er jahrelang gearbeitet Kai. Denn da« Vertrauen, welche» die Mitglieder dem Stifter ihrer Vereinig,mg eiilgegenbrachtt», kanir sich nie aut seine Verdränger übertragen, iim>owe»igcr, als man mit den z» seinem Sturze erlonnene» Machinationen nach und nag, „aber be kannt wird. Ter „ReichSherold", ha« fiiiliei.e Parteiorgan, de« Verein«, besteht nicht mehr al» solche». Er ist. ein Berliner Loealblatt gcwordensnicht mehr EigentK»!» Böckels und kümmert sich um die Interessen de« hessische» Bauer» verein» absolut nicht mehr. Statt dessen ist ei» Vernich.gemacht worden, cm neue« Parteiorgan in Gestalt der r» Ottenbach erscheinenden sogelianiilcii ' „Deutschen VollSwacht" de» Banein anszudrängeii und dadurch dem „Reich« Herold" den letzten Stoß z» versetzen. Daß die» 'zweimal in der Woche er-, scheinende Blättchen, rcdigirl von „architektonischer" Hand unter Znhilseuahmc von „malerisch phantastische»" Ausschinückuiige», Eriolg bei de» Bauer» haben wird, bezweifle ich. denn da» Vertrauen ist erichütierl und nach den Vorgängen der letzten Zeit wird Niemand mehr an die' „Uneigennntziglcit" geivifier Herren glauben. Wofür bezahlt dep» »un eigentlich der Bauer den Jahresbeitrag von einer Mark? Etwa dafür, daß er die Zeitung lesen kan»? Nein! Den» dic-e muß er besonder» bezahlen. Oder dafür, daß er sich a» den gemeiiischaftlichen Einkäuse» der Ortsgruppe betheilige» kann? Abermals »ei»! Dcnu-inau kann, ohne Mitglied e»ie« Verein« zu sein, gemeinschastlich einkauleu, >o viel man will, ohne in Confliet mit der Steuerbehörde zu geralhe». Vielleicht dasür, daß man da» „Rechtjschutzburean" unentgeltlich besuchen kann? Wiederum nein! Denn man kan» den kurhessischen Bauer» und den Hinterländern doch nicht zumulhe«, eine theure Reise »ach Osienbach zu mache». Aber für die Agitatorenfür die „Geschäftsreisenden", welche den Bauer in da» richtige Fahrwasser leite» sollen, ist Geld nölhig, viel Geld. Solche Ausgaben könne» au« den so bekannt gewordene» „zwei Percent" sür Thomasmehl :c. doch nicht bestritten werden, diese wandern in die Taiche de« Zwischenhändler». Vor nicht langer Zeit wurde mir von einem glaubhasten Manne initgelheill, daß ein Händler "an die betreffende Ortsgruppe geschrieben habe, dieselbe möge die Waare direct bei ihm bestelle», dann ersparten die Besteller die zwei Percent Provision. Gm andere» Mitglied einer Ortsgruppe erklärte mir, sie bestellten direct bei der Firma, um die zwei Percent zu ersparen. Wosüx bezahlt denn eigentlich der Bauer seinen VereinSbeitrag? Ich wüßte nicht einen einzigen Punkt anzugebcn. (Eiie pfiffige Versicherungsgesellschaft.) Zur Eutwickluiig de« Geschäsi» antisemitisinn» veröffentlichl die „BreSlauer Zeitung" eine» .bezeichnenden Beitrag. Ter Vorsitzende de» „Deutsch-socialeil Verein«" in Strehlen in Schlesien hat ein Rundschreiben an jämmlliche Vorstände der „Deutsch socialen Reiormpariei" versandt, in welchem er sie anssordert, die Lebenroersicherunge» zu benütze», um de» antisemitischen Agitationssond» zu giößerer LeistungSsähigkeil anzusachcn. Er will da« i» der Weise machen, daß der jedesmalige Vorsitzende de« antisemitische» Perein« einer Stadt eine Versicherungsagentur übernehmen und die Hälsle der Versicheriingsprovisio» an die VereinScafie abführe» soll. Tie Tendenz dieser Ansforderung wird besonder« dadürch ersichllich, daß ihr Urheber die Angezogenen aussordert, falls' sie bereit« eine LebenSversicheruitg vertrete», ihre bisherige Agentur auszngebcn und eine Ägcntiir derjenigen Ge selljchaft zu übernehmen, welche der Versender des Schreibens vertritt, und welcher er nachrühmt, daß es eine rein christliche Gesellschaft sei. E« handelt sich also hier um weiter nichts als um de» Versuch der betreffenden ^hrcnwerihen LebcnSversicherungsgesellschasi, den Anlisemitismu« in ihrem Gejchäsisinlerefie auszubeute». Ob freilich viele Gimpel aus diesen keim gehen werben, das ist eine andere Frage.

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