Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 145 (13.1.1895)
- Date
- 1895-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Uit. Freies 13 l a 11. reitc .1. Z„ der Sitzung de» »iederösterrcichischen LanblageS vom 3. Jänner d. I. bemerkte der Herr Statthalter Graf KielnianSegy in ieinein Erposv Uber die öffentlichen jirankenanftalten, daß die jährlichen -lusgaben für Medikamente m den Spitälern 120.000 fl. betrage». Daraus fand sich Herr Abgeordneter Tr. Lueger bewogen, nachdem er unter dem Sääitze der Immunität in de tannier Manier die heftigsten Jnvectiven gegen de» äizrlichen und Apothelerstank geschlendert hatte «wofür ihm aber inzwischen von Seite des Herrn Ab geordnete» NoSkc die verdiente Zurechtweisung znthcil wurde), mikzucheilen. für das Schuljahr 1 -^1*4 „in LUIMI ft. eine lange, ,tei>t,asle Debatte, in der die Mitglieder der Dppösitiön hainische Bemerkungen über den durch seine segensreiche Thäligleit bekannt.» Berein niachte», die gccignct sind, die Theilnähuir an der Privaiwohllhaiigleik zu bc cinträchtigcn. Die Behauptungen der 'Anliienrile» wurden rnisö vSnt•. schiedenstc vom Bürgermeister Dr. <-riibl wie auch vom Rcsdrcnlen und dem Lladtralhc Dr. Huber zurückgewiesen. Schließlich wurde der Rcfcrcntcüaiitrag genchinigt. Leen wird es Wunder »chinc», daß daß ihm von einem bekannten Eollege» auf der Eisenbahn berichtet worden sei. j -jc Anlisciniten auch gegen diese tvohllhäkigc Jnsiiimi.m ^',sr speien, ,cder Wiener Apctheker als Thcilnchmer an dieser Mcdicasnenienlieserung er-; nachdem sie in gleicher und auch gemeinerer Weise die Freiwillige balle jährlich 8000 fl. als Erträgnißguole k Welchen Anspruch ans Glaubwürdig- ' Rcttungsgescll'chaft, die liuniancn Institutionen der Fr.-il„aurer diele» diese von Dr, Lueger gemachte, angeblich von einem Eollegen erhaltene l Aensierung inachcn kan» und verdient, erhellt au» der Dhalsache, daß 8«, Wiener ■ Avothcker mit einem.Betrage von je 1000 fl. (in Summe mit rtG.OOO fl.» an | »1(1(111 Eoniortittin betheiligt sind. Da« jährliche Reinerlrägnisi au« dieser | Medicamenlenlieserung müsile daher nach Tr. .Lueger 2:">8 000 fl. betragen, j ' wadrend doch die BrultoanSgaben für die gesainmten Äedicameute in den! Spitälern, wie der Herr Statthalter beiuerlle, jährlich nur 120.000 fl. au« , machen. ,; In der LandtagSsitznng vom 8. d. M. ergriff der Landmar^chall- Stellvertreter Tr. Haberl zu einer thatsächlichcn Berichtigung das Wort und sagte: j Der Herr Abgeordnete für den VII. Wiener Gemeindebeziik beehrt mich > 'orlwährcnd mit dem Titel „Freimaurer". Auch in früheren Jahren ist daS ge- | Mift)(ii Ich habe mich sofort dagegen verwahrt, aber der Herr Abgeordnete Gregorig hat davon keine Notiz genommen. Ich habe bisher hier nicht gcanl! woriet. weil ich die Bchauplungen de« Abgeordneten Gregorig nicht ernst nehme, und weil dieselben akich von der Mehrheit deS Hauses nicht ernst genommen : werden. Ich glaubte die Sache auch deshalb nicht io strenge anfehen zu müssen, ( weil da? Wort „Freimaurer" an sich nicht« Ehrenrührige» und Beleidigendes; enthält. Aber der Abgeordnete Gregorig ist anderer Meinung. In einer Rede; Iner behauptete er, die Freimaurer seien eine hochverrätherische Bande, sie seien , Berichwörer gegen Thron und Altar. AuS diesem Grunde schleudert er mir da«! Won „Freimanrer" fortwährend in« Gesicht. ES wäre gewiß nnznkönmilich, | wenn der Bürgermeister der zwcitgiößte» Stadt NiederöfterreichS ein Freimaurer j in ieinein Sinne, d. h. ein Hochverräihcr unk Berlchivörer gegeit Thron und; Aliar wäre. Das ist allerdings nur die subjeciive Ansicht diese« Herrn, und sie ist vielleicht noch in den unteren Schichten der Bevölkerung verbreitet. Tie ganze gebildete Welt weiß, daß die Freimanrer leine selchen Leute sind, sondern > edle, hochherzige Menschen, welche ohne Rücksicht,aiif die Eonsession unds -Aaiionaliiär, ohne Rücksicht aus Rang und Stand Werke der Huinanilät übe». Ter Bei»; von Wale« und die deutschen jtaiier Wilhelm nud Friedrich waren , i-eioßi,leister der Freimaurrrlogen ihrer Reiche. ES wäre daher für mich keine Schande, wenn ich Freimaurer wäre. Aber ich bin e«. nicht, ich >var in meinei» . Ltben kein Freimaurer, ich habe mich nie um die Austialme in eine Loge beworben und bin auch nie zum Beitritte ausgesordcn worden. Woher der Ab-! geordnete Gregorig seine Behauptung nimmt, mich eine» Freimaurer zu ncuiien, ist »lir unersindlich. Allein seine Tendenz Ast,die der Berdächiignng und der : Teuuncialioü. Es soll ihm nicht gelingen, denn schließlich komii» doch die! Walirhcit ans Licht, selbst wen» er imstante wäre, Scheinbeweise gegen mich vorzubringcn. Dr. Habcrl wurde, während er sprach, wiederholt unterbrochen. : 2ll» er des Prinzen von Wales erwähnte, rief Herr v. Dr'oll:! „Wüstling!" Ein andcreSiual schrie Greg orig: „Juden sind'«, : keine Menschen!" sJfadi der Erklärung des Dr. Haberl ließ sich Enegorig wicdrr einen Scandal zu Schulden kommen, wobei sogar da« ..Tankgefühl" gegen die Herrschaft seines Bakers zurücklrat und er-de» Landmarfchall persönlich beleidigte; auch übersicl er unter Bravorufen *: deS Herrn v Pack,er den an der ganzen Affaire nicht bcthciliqken /?r. 'Albert :)i i d) t c r. J»l weiteren Bcrlaufc der Sitzung griff der; kanipflustigc Pfaidlcr eine „oriciilalischc" Wcinhändlcrnrma an, gegen welche eine Klage wegen Wciiksälschung erhoben wurde, nnd stellte den Antrag, daß der LandcSauSschuß ihr die Wcinlicferung für das Irren? spiial entziehe. Tr. Wcitlos cntgcgnctc, daß die Klage gegeit e genannte Firma» die, nebenbei gesagt, keine jüdische Firma ist, was übrigens an sich glcichgiltig wäre, sich als volllomnign nnbcgrnndel er-! iviescn hat. Ter LandcSauSschuß' habe daher keinen Eirund, dieser Firma die Kundschaft zu kündigen. Ter Antrag (^regorig wurde hierauf ab geleimt. Am Schlüsse der Sitzung gefiel sich der bei den Schustern in Favoriten so gut angeschricbcnc Mechaniker H a u ck darin, gegen das ..llcbcrhandnchmcn" jüdischer Acrztc auf dem Lande zu eifern, und Holle sich dadurch eine wohlverdiente Zurechtweisung der -Abgeordneten ■?r. Wcitlof und '.K oSkc. (Aus dem (ficmcilisrralhc.) I» der Sitzung von, 8. d, M. entspann sich über das Referat . betreffend die Subvenlionirung des „Ecntralv.crcineS zur AuSspcisung armer S chulkindcr" Komm nenil.-mii-u, die Sammlnng behufs Anschassnng de« Heilserums für arme Kinder, kurz 'Alles, was zur Lindernng von Roll, und Schmerz der Allcrarinsten dienen soll, vcrunglimpfrn und ve.ichmipfen. (Zur Btzirksvorstthcrwnhl iu Fnvoriktii. Man ich,.An „ns:' Tic durch den"Töbldcs Bezirksvorstehcrs Bauer ini.X. :H-„wj„debczirte erforderliche-Ersatzwahl halte ein negatives Resultat. da keiner der beiden Eandidate,^ die gesetzlich bedingte Sliinmenanzalil er reichen konnlc. Herr Schi» dl erhielt,?, Herr Dütchcr > Suniinen bei jedem Wahlgange. DaS Merkwürdigste anHdiescr Wabl ist. daß beide Herren der liberalen Partei angchörcn, eine interne „>V’rr»l,mt heit, welche den Anlisemitc» znm großcii l^andium gereichte. Möge die nun anSgcschricbenc 'Neuwahl die Liberalen wieder einig finde»! (Llttch kill NclljührSsiNlst.) Wir erhalten vom Herrn Eonsistorialrath Dr. Schöpf folgende Anschrift: , r Sat; hn > "> Jänner. 1 Wer sich jiic eine als gm und recht erkannte Sachernnnsttzi, muß Spott »nd Hohn des Gegner« mit in Hans nehme». Ich habe. auch, bereit-; daran gewohnt. Tarum habe» mich die a » o li u n, e n Schinnn und Schmäh karten nicht alterin. Ich lege Ihnen ein Muster vor, damit Sie daran«, er sehen, von welch gemeincc Gesinnung die Aii^'einilcil getragen sind. -Llstir zuii, Trost gereicht die liebe, zeug,,ng, daß meine Arbeit »ich! vergeblich war. In Salzburg lvagt cS der Anli'eniii Nicht mehr. öü.-nitich ausziitreie». Weder der Gculeindcralh, noch die eleiuealcii Zeit,,»ge» geiiren sich autiiein,lisch. Ip, Gegenibeile. Sowohl die „.nirchcnzeiluug" - al« die „Elnomle,e Jahre hin durch anlisemiliich waren, haben mit dein Aiitiicinili«mu-:- griinklich gebrochen und machen nunmehr dagegen Front. ' Darin finde ich. Techt, iveil ich -ehe, daß meine Aiiichanung vom Anliiemiiiomu« eiidlich — nach einem Tee -unium -- zum Durchbruch gekoininen ist Wenn üderalt wie in Salzburg der Ami leniiiiSinu» derart abuiuinit. fo dürfte sei» letzte« Sliilidchc» nicht mehr ü-rne sein, tlnd da« ist »>ein innigster Wunsch zu l< , er. erchopt.! Tsäicckklkckk nutifcuiitifritc Pliinc. e Man schreibt uns ans <^a» a: Tic hiesige Deutsche Lesehalle vcranstallete am :U Seeeinber eine Siilvest/rfcier, zu der fick, über L>»k Festgäste, eingesniiden kiatie». Der glänzende Berlauf der Fcstscicr bewies, daß cs mit der deutschen Sache in Hh,na nicht so schlimni ktehr, wie es die tschechischen 'Agliatorcn w.ünscksten. Alle Bersuche, die'hiesige denliche lVcsellschask zu .zerstören, »ahnicn bis jetzt cinen kläglichen Berlauf, so z. B. der letzte, das seit 20 Jahren bestehende Deutsche Easino in ein inrernationakeS um zugcstalten. DaS Deutsche Easino wurde allerdings riiv intet national erklärt, ist aber seit Jahren nichts Anderes als ei» Slelldichein Aon ein paar politisch indissercnten Beamten, einigen Dein ich Nationalen und dem Kern der hiesigen tschechischen Agitatoren. Das-Beiwort „deutsch" im Naincn dieses Easinos crinnerk lebhch'i an den Itu-us n non lin-i-inlo. Wenn daher die Herren Dl'checheii vermeiilen, durch die Eroberung dieses Deutschen EannoS einen Sieg davonqekragen zu haben, so befinden sic sich in einem gewaltigen Irrkhum. Dbalsache ist cS, daß den Frauen der tschechischen Agitatoren die s^eicilichasl in der Beseda, dem hiesigen Spolck, nicht bebagle und sie ihre Bkänncr bei'limnllen, nin ein anderes Heim sich nniziisehen. Daß diese« „intcrnationale“ Easino antisemitisch ist, sei nur so nebenbei bemerlk. Die wirklich dculsch fühlenden - Mitglieder und Ehrengäste des Easinos gehen fortab in die Deutsche Lesehalle. (Allkiscillltisilttls im Kra»kcill>ai»'c. J»l Lemberger allgemeitten Krankenhauie habe» »ach ciuem vorliegenden Berichte tnrzl-.ch;>oci Kranke, welche sich als Aniifemitctt declarirten, jüdische .Kranlerizinilner genossen überfallen und mißhandelt sowie in ihrer Wlith Eintichknngsflücke zettrnniinerk. liegen die Ereedculen wurde die Strasauzeige er stallet. (->11111 Fülle Venft.. Hieb e r IN a IIII r. Sonnen b-lirg beliandelt den Fall Lcnß in einem (im Berlage deS Slöckcr'ichen „Boll" er fdiieiieiicii) offenen Briefe an die anlisemilischen.Wähler des Wahl trkiscü Eschwege-Schmaltaldcil-Witzeiihaniell. Da er am »leisten zur Wahl des Leus; bcigelragcn habe, so treffe ihn der Schlag au, aller-' schwerste», und er habe daö Bednrsniß, sich darüber auszusprcchcn.