Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 145 (13.1.1895)
- Date
- 1895-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seit« 4 Freie» Blatt. Nr. 145. lioiifcfioimi genossen, sondern von Gelehrten verschiedenster Abstammung und G,-tuest ickitung der wissenschaftlichen .Kritik unterzogen werden und daß der Unibrrüiität de» wissenschaftlichen Geistes gegeuüder alle' „Clique".Bkstrebnngen;-.ivC :'in:ia.1it verurtheitt sind, Es gibt keinen Mediciner, der nicht die Leistungen de» üicng katboli-'chcn Theodor Schwann, dcS Begründers der Cellülartheorie, ilvir.i botimiiN-i't, als man den Analomen jüdischer Abstammung Heule all- , ni!cm bcili'rtüt't. Tie anthropologischen Borträge Henle'S leisten selbst mir für * vln o'Svlii'chen Borle'niigen wesenlliche Dienste. Ten Nationalcharakter der Iii:.-n bade ich schon in meiner Jugend kennen zu lernen Gelegenheit gehabt, renn ich bade am Piaritten Gymnasium in -.Moisburg, das damals eine zahlv.-idic iiifi'dic Bevölkerung baue, studirl. Ich habe damals gute und schlechte Eindruck,-' von den Hilden empfangen wie von andcren Menschen, treue Iugcnd- 'reunde auch unter den Hilden gesunde» und auch unter den Juden Menschen temien gelernt, denen ich heiue nicht einmal die Hand reichen möchte, wie ich ähnliche Et'abrnngcn'ipäter auch an Christen gemacht. Zollte ich vielleicht, weil es beute einen Antisemitismus gibt, freundschastliche Beziehungen zu Juden »er leugnen, die füll öabre hindurch bewährt? Ich bin hiezu weder feige noch charakier.o' gcnug, Zoll ich. weil cs heute einen AntisemiiiSmii« gibt, meinen ' mdiichen Hancatzt entlassen, der, da ich als Privatdocenl schleuniger ärztlicher '»e ,:n einer •riiten Abendstunde bedurfte, der erste von den gerufenen Aerzten;;t Stelle war t Tinen Mann, a» dem ich nie „jüdischen Geschäftssinn" wahraenafniueli, wobt aber Takt, Zartgefühl und tüchtige Kenntnisse? Ich verehre die eu Arzt, der erst vor zwei Zähren meinem greife» Bater in einer fchmerzii.beu Nranllieit mit aller' Thcilnahmc beigestaude». Solche Eindrücke meinte; (- mit der Erklärung, „daß ich mir das Heiligthum meines Herzens allen ve.tti'cheu Parteien gegenüber irei halle". Wenn Andere andere Erfahrungen gentacht, mögen sie sich von ihren Eindrücken bestimmen lassen, ich bin mir '.'iann genug, mir meine Ansichten gleichfalls selbst zu bilden. In der Wissen- -.tv.'t habe ich das Bewiisit'eiii, auch die Leistungen der Ungläubigen nur nach dein Wende des Geleisteten;u würdigen, Allen gegenüber aber mit Ent- 'ch'^den.b.'it meinen christlichen Ztandpunkt zu vertreten. ES wird dies eine Sammlung zerstreut vetössentlichtcr Arbeiten den verschiedensten Richtungen 'aegcnuber demnächst, zeigen. Wo ich mich in'Fragen insbesondere des religiösen >>'db:eicS verschiedenen Meinungen gegenüber sehe, kann ich nur wiederholen, daß :-h mir meine Meinungen wicht von Parteien vorschreiben lasse, sonder» als .'Uitviit keine andere Instanz kenne alS die kirchliche Autorität. Daß die -Bt'.I öie Tagesfragen und Strömungen gegenüber zurückhaltend sind, folgt aus der Wu.B, ibter Ztcllung. Werden sie cs angemessen finde», sich zu äußern, ' tv:rd d es^ davon muß jeder Katholik überzeugt fein, im Zinne der Gcrechtig- : i: und -./,1-e ae chihen.. Ter „Tcutschc Bercin" in Prag har an Tr. Müllner folgendes a iiigramin ge'endclt Ter Aus'chuß des „Teut'chcn Vereines" in Prag hat einstimmig best! „"in. Eurer Magnifieenz den wärmsten Tank dafür ausznsprechen, daß Sie, :s b.'vn'i'ner Bertreter der Wiener Universität, der ruhmreichen Ltäne deutscher Wis'enstt.'.st, die ni-.qualincirbarcn Angriffe und Anmaßungen im niederösteri v.t.i >t .!t raiuiage mit gsistiger Ueberlkgenheit abgeivehrt und alS Wortführer der Hntnai:::ai und Gerechtigkeit die Ausbrüche eines blinden Fanatismus mit w.bltbncnder Eiif'chierenKeit verurtheilt haben. Ten Ehrtstlich-Socialen, welche im Gegensätze;u den Anhängern des Wodan EultitS, ihren geliebten Brüdern im Antiscmikismus, stets > ruhmredig daraus Hinweisen, wie viel die katholische Sache ihnen;u verdanten habe, tritt das tonst sehr antisemitenskeundliche „Baterland" > schart entgegen. In seiner Sonntagsausgabe schreibt eS über die i st'aiidtagsverhandlnngen unter dem ä. d. M. r j E:n Abgeordneter Hane über die Wiener Univerßtär in Bausch und Bogen b in einer WeistanSgeivrochen, die man, gelinde gesagt, für höchst unpassend j .'.!. .een tnusi. Ter alS Inhaber einer Birilstimme anwesende Bertreter der Uaiverntat.!.’• t-n' ki:itruiti._-us Tr. Laurenz Müllner, konnte eine» solchen An".tss nickt 'chweigend hinnehmen; galt eS doch die Ehre der gefammten In der er durch Wahl seiner Eollegenvorsteht, und galt es nicht minder, ' Ihre als Mitglied der so rüde attaanirten Institution Ter Rector " >t« 'einer An'oade tu einer längeren Rede, die nicht nur daS Prä- .st v.stie. 'et" in vollen! Maße verdient; sondern auch ihrem Inhalte i :’lvi und eines katbolischeu Gelehrten und Priesters durchaus •:."t Wen» Rede des Rectors vielleicht Wahrheiten enthält, die ' u •»,bm klangen, so liegt die Schuld ' daran nicht — an .1 iv. d. c Rector seiner apologetischen Rede — im besten Zinne . tu, — einen umfassenderen und weitreichenderen Charakter an d r engste Rahmen der Abwehr gerade gefordert hätte — .n :'C •. "" “1! ' i'b'.t . untscr t er. .1 waltenden Umständen gewiß nicht zu verargen ist —! st. -di. < batte a.:^ .in von ihrem Ausgangspunkte abseits liegendes Feld j i'..tr ' die n.c ckte i«n Augrci'ern doch eingeleuchlel haben, daß der Rector j . i.t:! j i.", tm Unrechte war mit keiner Abwehr, und sie rückten abermals mit! i. tu >'".ien Tb-'ma hervor. „Wir treten tür die Errichtung einer katholischen i ■ .'tu: ein," sagte der Eine: „die Wiener- Universität sollte eine katholische sei»/ rief der Andere. Die Herren hatten früher kein Sterbenswörtchen davon gesagt, daß sie den katholischen Eharakler der Universität zum Gegenstände der Debatte niachen wollen. Schon aus diesem Grunde konnte der Rector darauf nicht eingehrn. Er hätte es aber auch sonst nicht können — an diesem Orte und bei dieser Gelegenheit. Er ist gewählt zum Rector der Universität in ihrem jetzigen Bestände und in ihrer jetzigen Einrichtung; ebenso sitzt er im Landtage als Bertreter der Universität in ihrem jetzigen Bestände' und in ihrer jetzigen Einrichtung. AlS solcher kann er unmöglich alS Bekämpfer der Rechtsgiltigkeit der gegenwärtigen Gestaltung der Universität auftreten. Er würde dadurch die Illegitimität seiner eigenen Amtsstellung aussprechen, und eS, bliebe ihm nichts Anderes übrig, al» zurückzutreten; ja, sin Consequenz dieses Stand- Punktes mußte er feine Professur iiiederlegcn, und in weiterer Consequenz müßte die theologische Facnltät aus der Universität sich selbst auSscheiden. In solchen Lagen ist e» aber durchaus nicht katholisch und kirchlich, weil man nicht Alles haben kann, auch daS wegzuwerfen, was man hat. Da gilt vielmehr der Apostels Wort: Ten« gnoä dnbes, und von dem aus, was man hat, kann inan tempore opportuno »ach Weiterem strebe».Für die katholische Sache wollten die Angreifer deS Rectors einstehen, eine katholische Universität wollten sie fordern, ihr katholisches Gesühl betone»? Ru» dann mögen die Herren be. denken, daß eS noch andere Katholiken gibt/und wahrlich nicht die schlechtesten, theilweiie solche, die inmitten de« tobenden -Sturmeder Anfeiiiduiig auf der Bresche gestanden und die ärgsten Angrisse aiiSgehalten und mit Opser» anS- "geharrt haben, die aber nie und nimmer ein Auftreten, wie dessen gestern der niederösterreichifche Landtag Zeuge .gewesen, billigen, die nie und nimmer gewisse Waffen gutheiße» können, mit denen. da für die katholische Sache gekämpft werden will. Wohin soll eS komme», wenn nicht nur edle katholische Laie», sondern auch bewährte katholische Priester, hochachtbare Prälaten, vom Heiligen Geiste zur Regierung der Kirche berufene Bischöfe terroristisch verunglimpft, als Regierungswerkzeuge verschrien, als Judenknechte gebrandmarkt werden, bloß deshalb, weil sie iveder mit den politischen Ansichten, noch mit den Manieren gewisser Leute einverstanden sind? Man rühmt sich, eS dahin gebracht zu haben, daß katholische Priester nicht mehr aus öffentlicher Straße insultirt werden, und im selben Athem insultirt man einen hochangesehenen katholischen Priester in öffentlicher Landtagssitzung ins Angesicht in gröblichster Weise! Der Ikeator luaguiticus hat erklärt, er lasse sich seine Ueberzeugung von niemandem Anderen beeinflussen als von der kirchlichen Autorität. Das ist der einzig correcte Standpunkt für den katholischen Priester, aber auch für den katholischen Laien. Es muß immer wieder gesagt, eS muß mit allem Nachdruck betont werden, daß es keinen .tatholiciSmuS, keine katholische Action, keine Ber theidigung der katholischen Zache gibt, noch geben kann ohne die kirchliche Autorität, außerhalb der kirchlichen Autorität, geschweige gegen sie. Nur der innigste Anschluß an die kirchliche Autorität verleiht Handlungen und Werken den katholischen Charakter. Die Inhaber der kirchlichen Autorität im eigentliche» Zinne sind aber der Papst und die Bischöfe und' im weiteren Sinne die Priester, insoserne sie von den Bischöfen ihre Mission haben und in Gehorsam gegen diese arbeiten, lieber diesen Punkt kommt Niemand hinaus, der Katholik' heißen und sein will. lEs ist in der gestrigen Debatte aus dem Munde eines dieier »Herren da« Wort „Hierarch" in verächtlichem Sinne gefallen. Nun, daß cs eine göttlich eingesetzte Hierarchie gibt, .ist katholisches Dogma < siehe Donciliiitu Tridentinuin), und der Papst wird oft der oberste -Hierarch genannt, die Bischöfe sind folgerichtig in ihren Diöcesen wahre Hierarchen, und die von ihnen gesandten Priester sind es. in gewissem Sinne auch. ES klingt demnach sehr sonderbar, wenn man „Hierarch" als höhnischen Zuruf mißbraucht. Schließlich noch Ein? : es wurde daraus hingewiesen, „wie die Kirchen vor zehn 'Jahren auSgesehe» haben", heute seien sie „wieder voll". Das ist, mit Verlaub, eine arge Uebertr/ibung. Die Kirchen waren vor zehn und auch vor zwanzig Jahren eben-'o voll wie heute; wer daS in Abrede stellt, ist eben vor zehn und zwanzig Jahren — in keine Kirche gegangen. Prediger von Ruf fanden damals nicht geringeren Zulaus als heute; als die beiden?k. Klinkowström predigten, wurde die Universitätskirche sozusagen gestürmt, man denke dann an P. Hünner, an P. Rohmann S. J., P. Petrus Bremer bei den Tominicanern, P. Rudolph bei den FranciScanern, Msgr. Wiesinger bei St. Peter, - Cooperator Steiner bei.St. Augustin, man denke an die bei den verschiedenen kirchlichen Andachten allsonntäglich und selbst an Wochentagen stets vollgefiillten Kirchen der Redemptoristen und Lazaristen rc Missionen wurden damals mit derselben Frequenz und demselben Erfolg abgehalten wie heute — freilich, zu Temonstrationen wurden sie nicht gebraucht. Wir schließen mit einer Mahnung an die stürmischen Vorkämpfer des KätholiciSmuS, gegen die sie vielleicht nichts einzuwenden habe» werdni, steht sie doch in der heiligen Schrift: Xon io eomwotione Dominus. (Aus dem Landtage.) Tie Antisemiten im niederöstcrreichischen Landtage haben auch, abgesehen von dem Conflicte mit dem Rector der Wiener Universität, Erkleckliches geleistet. Das Hauptgremium der Wiener Apotheker veröffentlicht folgende Erklärung: