Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 144 (6.1.1895)
- Date
- 1895-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 144. Freie» Blatt. ^ciie BeuschlheranSnehmer" werde» vom „Deutiche» BolkSbl.alt" ai» I. Jänner liidjt berührtj auch unterläßt cs, i» seiner Jahresrückschan der Genosieii Gelder „nd Sch er; er zu gedenken. Wie bcrciis gesagt, die Reujahchgabe de« Pergani'schen Unternehmens ist gut auSgesallc» Tr. Lueger kan» ebenso mit dem, was geboten, a^S mit dein, wa« verschwiegen wird, vollkoinincn zufrieden, sein. An, 31. T.cecmver 1834 wurde er zwar vom „führenden" Anliscmürn Natte durch folgende Reclame hoincrischctn Gelächter preisgegeben: „Bereits ■ stern sowie heute Morgen» war in ÄZien vielfach da» Gerücht verbreitet, das; | »fi ReichsrathSabgeordnete Tr. Lueger .gestochen' worden, sei. In den Streiten : >>. Parteigenossen war deshalb die Äusregung eine bedeutende und das »mso n: -r, als Tr. Lueger von Wien abwesend und eine Ansklärnng schwer möglich | .-. Wie nnS der Herr ReichsrathSabgeordnete nun heute Morgen» bald nach! . er Rückkunft nach Wien selbst inilthcille, ist das Gerücht vollständig unwahr j er vollkoinmen gesund. Wir niüffen darauf aufmerksam inmk>cn, dass derlei! undene. bübische AuSsprengniige» sich in letzter „‘V'it bereit» oster iviedcrholtcn . icdenfaUS von gegncrticher Leite veranlaßt wetten zu dein Zwecke, Be ■ liigung in die Reihen seiner Parteifreunde zu'tragen." Ta jedoch Tr. Lueger ...nntlich nur die-„heilige Sache" am Herzen liegt, während persönliche .-ressen sür ihn nicht vorhanden sind, Eigenliebe ihn nie ni d »iniincr bc so wird er voraussichtlich der RcujahrSnnmmer wegen die ungeichieltc , \ eines vielleicht „Augestochenen" pardonuiren und vorderhand auch weiter -,e Zumnthung Schönerer'», Bergani cineu Laufpaß;u geben, nicht '.den. ' 'i'vv- | Gegen Verarmung und Bettelei, i Tr. Gest man n, R Hiinmel -I, A Spitz, Dr. I., M. Schindler, A. Trabert. Freiherr von , zughofs-Schell und A. Weimar richten alS Mitglieder de« Eigen-! . -->-reoinil>'-S der „ReichSposi" einen Bettelbrief an die „christlichen Leser", it tie dieselben ncuerlich und dringlich crstichett, „durch Spendeil zum Fond» Reichspost', durch stramnteS Werben von Abonnenten, dttrch Zuwendung .Inseraten nttd rcoche Uebertnitleluttg von Rachrichtcn zur Sicherung des nmdcS uud zur volllotnntctictt Ausgestaltung der .Ükcichspostnach Stilisten znwirkeu " Bald wird sür Psenner'S „BolISsreund", bald zu t»nusteu ' Arier»" Spitzer W et nt a r gebettelt. Tie wohlhabenderen „christlichen" <v tvctdcn bald eines SchuveS gegen diese zudringliche Schnorrerei bedürfen. Ginc „Abslthr".! Bor Slinzcm starb die.Witwe des Baron Call Rolbild, und-die „Frankfurter Zeitttng" vcröiientlichte ans dieicm Anlässe innen : .lercli'anlen Briefwechsel. Am 23. Mär; .1831 schrieb die Freifrau an .'lauer Wilhelm II.: „Tars eine völlig Fremde Verzeihung hoffen, wenn sie e» wagt, st-, kaiserlichen Majestät in einer Angelegenheit, die ihr sehr am Herzen liegt, zu nahen? E« crmntkigt tnich dazu der Gedanke, daß mein ictiger Gatte. Baron Earl v. Rothschild, viele Jahre lang durch die Frenudschast »nd daS Berlranen des hochverehrten Großvaters Ew. kaiserlichen Maicstäl ausgezeichnet tvordcn, und daß ich selbst, während eines Zettrattme« von zwanzig Jahren, zahlreiche. Beweise gnädigster Zniteigung von Seite der >!ti>erin A.tgusta etnpsangen habe, deren Andenken mir stets theuer rletbcn wird.Bi» flau; vor Sturze,» war den Juden nicht ein ein ,iger AnuSberui, sei es im Bereiche der Wissenschast, sei eS im SiaatSdienst, znaaiiglich gewesen; Geschlecht aus Geschlecht ging dahin, und sic basten immer ttur eine Möglichkeit vor Augen: diejenige, sich ein Bertnögen ztt machen. Schott Hane dieser nngercchte Zustand sich glücklich zu bessern begonnen, aber aät! nun droht er, durchweine iellsame Rückkehr zur Härte und zum Bor-- artbeil. aus» Reue hervorzubrcchen. Ew. kaiserliche Majestät ist zu gerecht, zu Uenchtct, um solche Behandlung eine» Theiles Ihrer Iliuerihanen;u;ntassett: Sie werden dem Antriebe Ihres eigenen Herzen», der Leuchte Ihres eigenen GeineS, denk Zuge der Gnade und der Gerechtigkeit folgen und der Engherzigkeit aerer kein Gehör geben, welche, dem trifte ihrer eigenen Religion zum Trotzdas Erbarmen und Wohlwollen gegen all unsere Rebentnenschcu predigt, einen Theil der Unterthanett Ew. Maicstät, ans dessen Hingebung ttnd Bater landeliebe Sie vertrauensvoll rechnen dürfen, verfolgen und mit grenzenloser Ungerechtigkeit behandeln möchten." Daraus erhielt die Briesschrciberin nach stehende Antwort: „Se. Majestät der Stauer und .Honig haben Ew. Hochivoht geboren Schreiben vom 23. v. M. empfangen. AUerKöchstdieselbcn vermochten nicht zu erkenne», welche Umstände gerade zur' Zeit zum Ansdruck jo lebhafter Besorgniß in Betreff der Behandlung der jüdischen Uiiterthanen Sr. Majestät Anlaß geben können, wie solche in Ihren Darlegungen Ausdruck gefnnden baben. Se. Majestät umfaßt alle ihre Untetihanen ohne Rücksicht aus Stand occr Religionsbekennkniß mit gleichem landeSvätcrliche» Wohkivollen, und die ndochen Unterthanen dürsen ans den allerhöchsten Schuh ninfo sicherer vertrauen, je mehr dieselben nach Ihrer Bersicherung bestrebt sein ivcrdcn, keiner -»deren Elasse der Bevölkerung in Betbäkigung wahren Patriotismus unh echter Büvgertugend nachzustehe». Ans allerhöchsten Befehl hgbe ich die Ehre. 3'u>. Hochwohlgcboren hievon ergebenst i» .üenntniß zu setze». Ter Geheime sabiuetsraih: v. LncanuS.". ES koinmt bekanntlich karanf an, wie man >ue» Brief liest, und cS mag auch Stauneii erweckeu, daß staiicr WUHelm die Uinstände verborgen blieben, welche die Baronin Rothschild 1831 zur .'naßeriing lebhafter Besorgnisse in Betreff.der Behandlung der Juden in ^eni'chland veranlaßt haben; nichtsdestoweniger ist e» abwlut unfaßbar, daß die antisemitische Presse, welche von dieicm Brict'weääel 'Roit; nuiiini, dte durch Herrn v. Lucanns ertheilte Antwort at» eine „Adsnbr" preist, nnd zwar tbcils al« eine .azrnndlichc", theil» als eine „überaus sein,-". Euoprechen den» eie Worte: „Se. Majestät unti'aßt alle ihre Unterthanen >>tu-, Rneksietn aus SiauS oder Religionsbekenntnis; mit gleichem landcsratet - Wohlwollen" — dein Geschmacke der Antisciniteii? ' - , <Tcr ^Jiide" Waklot.t In Rr. 1 >.'! des „Fre^n i .» -■ :>räl»3e» ivil einer Roti; au» der ..Antiieinittiche» Eotre'vondeuz" d ' H :n Lieltrmann v. Sonnenberg, worin der Erbauer de» Rcich»tag»g>bä»'des >>. l cui» al» Jude, reiperlive al» Judeuspr'ößling, Sqlm eines getansten lüemk. e. .,,! ändler», be zeichnet wurde. Mit Bezug karatif wird nnjeicr.Berliner Ab»--Legt» vpn bcsrenndeter Seite mitgctbeilt, daß die Wallen» alte TprenW-lit.- .-a„aeli''chen lstlaubenS sind All« etner nnserer Eollegin int S riginal vort-l./. V:- Urkunde vom 22. April 178', gebt bcrvor, daß der Urgroßvater de«, g, g.utstler» Stadirenttiieistcr in Sppenheini war und de» echt christlich-gertnan ' -, -tia»>e» Ebriftoph südrtc. ' - - (Sit ttCjfCll'S ailrtl.i In. .'ir. 117 des „F r iede berget >t : das in nahen Beziehungen zu Tivoli'Mäntiern steht, ivar »«tgendes . -- a, zu leien': „Ich biii^WillenS. mich mit Herrn »kühl in Wildeiföwztt!'e:!---t!.,ten, aber in keiner <->>»,ergemeinichast mn ihm zu leben, da i.ilrsintti.k-,. iu-n. ielbst der Traiian.zug mir gehöre» unk 'ich auch sür keine .Hotten a.u'3 Ich heirate Herrn Mliltl »ur. um einen Mann zu bckoinnien. A!>v-».- Aren-': Hammelslall." Wa» ivürde die antiselnitiiche Prelle dazu lagen, trenn Feanletu Alwine Prenß Haninielstall eilte Tochter des Bunde» und. uia.t ktrte-.in ails dem Wahlkreise 'Ablivardl'S-wäre: Tie gcwille t«e''cha'tskt.i>>:.tkeu -st ai'.t auch in nichljiidi'che» 3reist-», ,a selbst in der Prestetielei -treri, gar »>,l-- scltcn zu-finden. Ta« bewies der im Hobensotlcrn-'cheu erscheine:,,\- „Haiger locher Bote", der am 13. Tecember sich rin Janus mit;n-ei t^estchtetn präientirte,- die eine Ausgabe cnlbiell einen Ariikel über t^nstar- Adr3 niid die andere Ausgabe derstlbeu Annnner an dessen Stelle einen „Bauerndriei". Tie - erste Ausgabeivnrde an die vrotenauliicheir. die zweite an die lätholischen Abonnenten veriandt: alio verdarb es sich der „Haigerlacher Bo:,-" ivii keinem! seiner Abnehmer. Man muß sich eben zu belst-n ,vi-'sen. -- ' Lruillcruu. > . .ivinricb r! pex* Hlcrvbi v>on ^.)ad)ax*ad). -i (Oiillau ftnrpclcö. 1. ' . Durch £>ic alle, enge Judengasse zu Fraukfurl a. M. gehl ein Mnabe an j&er Seite seines innere. Seltsame tSeflalten nnd j schauerliche Phanlnsien steigen in der Seele tzeö Stnabcn nuf beim i Anblick jener hvhen, schwarzen Häuser und des arinseligen Ballest, : daS sie bcwohnl. Moch lange bleiben diese Erinnerungen in chm tkasteu. , , Elma vier Jahre später'» — au» Dem pbanlastlschei» Mnabett ist ein lebeitdfroljer Jüngling geworden — scheu wir diesen wieder durch yie armseligehäßliche-Vehmgassc. der finstern uralleii Sladl , Äacharach schreileu. - .. Und siehe da, die allen Phantasien und i-steschichlen steigen l wieder vor seinem Geiste auf: die Perbindung zwischen detubeideu Judengassen von Frankfurt am Maine und Äacharach am Rheine ist ebenso rasch eiugeleitel wie auSgeführl, und der Plan;n einem große» Dichlerwerke liegt abgeschlossen tut Geiste, ja noch mehr im Herzen des Jünglings, welcher Harris Heine heißt und ein Sohn, jenes Äolkeö ist, „welches Israel heißt und sehr elend ist und; auf den Gassen verspottet wird von den Söhnen des Glücks". Schwer lastete der »Uunnter über diesen Spott damals auf der-! Seele des Jünglings. t)ioch lebten die Erinnerungen an das pa-- ' triarchalische Leben deo Ellerichauses in der Bolkerstruße zu Düsiele borf in ihm, noch klangen ihm die uralten Melodien der -Sunn> I goge im Cl)re nach, noch hielt der Zauber der wehmüthig heiteren ‘l 1813 kani Heine zuerst imw Franksuit a. M., 1-1!' nat, Bonn. ..'Wecke > I. XV. XVII , J,1> eitire tlacki der zweiten Auslage nieinec l-.iii-ä'-.-it An:- I gäbe von Heine's Werken in!> Bdn, Berlin I-3l. G Grote.