Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- IV (1895)
- Issue
- 144 (6.1.1895)
- Date
- 1895-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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reite Freies > Tit ^lldc» in Rußland.) El» Eorrejpondenk des „Jewish Edronicle" erklärte, von einer Person, welche großen Einfluß auf die Politik Rußlands habe, die Versicherung erhalten zu haben, die ^»deu Westeuropas würden, wenn sie Geduld übten, finden, daß die Rathgebcr des Kaisers von Rußland'geneigt seien, den Wünschen der -u'si'cheu Inden in hochherziger Weise;n willfahren. In dein letzten Jahre seien vertrauliche Befehle erthcill worden, um die strenge Hand-!,al'iing der Tpprcsnvgci'etzc zu modificiren, und man denke daran, die weilcsigehenden Eonceisioucn zu machen. — Unterdesien kommt aus Wilna die Nachricht von bäuerlichen Excesien. In der -Umgebung die'er Sradt war eine Epidemie unter dem Bieh ausgcbrochen.- Die Bauern beschuldigten die Juden des „bösen Blickes", und es kam in Folge denen zn blutigen Kämpfen. Tie den Juden gehörigen Väden und Häuser wurdet geplündert uild angezündet: mehrere Juden wurden in dir klammen geworfen, andere starben unter der Knute oder Ivurken von den Bauern ansgeknüpft.. Tiefe schrecklichen Erccsie sind^ eine Frucht des „alten Eourses" : die Unwissenheit der Bauern wurde aut das Torgs'älligste conscrvirt und deren Fanatismus gegen Anders - gläubige kilttstlich gezüchtet. Ter. „neue CourS" manifcstirte sich jedoch schon bei der Unterdrückung der Ercesse. Ais Militär intervenirte, machte es wirtlich Ernst. Tie Soldaten schossen gegen die Aufrührer, und ibrein energischen Einschreiten ist die Wicdcrherstellnng der Ruhe und T iknung.z>- danken. Au^ antisemitischen Vereinen und!?er sMMnlungen. Ja io sind sic:> Mac: ichrcibt Iiiisi Ter im X. Bezirke, i'axenburger oc i' e ... l** irelinbane Schnsicrmeister .S o. a t wurde vergangene Woche verba'vl Nil? dem r.mdksgerichie eingelicfert. weil er als Tbmann des i» dem Gastbaiiie des J.-iiaiin S Irans; im X Bezirke, parenburgerstraße Rr. l>l, be ü benden Spar und Borichuftvereines wiederrechilich der Bereiuscasie 21.! fl. entnenilne» und für sich verwendet Hai. Tie Milglieder, zumeist unbeinittelie» Ber.'llerniigveia'ien augelöreiid, innßlen nun den Schaden tragen, eiolar ist in F-arorider bekaunlene a»liieii,iti>che „Wablmachgr": bei der lkbleu R'icbsrailsirab! ibat er stch besonders hervor, wobei ihm sein freches, ausd .mgaä -o Beucbuieu auch ein? ordentliche Tracht Prügel ciutrug. Ja, so sind die? V.'uti, die nets ,u Antieiliitenveriaminliliigen das Wort „Torruvk'on" im Bin»?.- 'obren, dabei aber >clbü durch und durch corrupk sind. —>. Ans Ser Wäbringcr Ainisenlitcii-liiescUschafb.» Ter Bezirksvorsteher von Wabriiia. Aulen Bauma-ni:, iah sich bemüisigk, sein Beibalteu bei der- Er onniina des neuen Tivungs'aalcs der Bezirksvertrelung nachträglich zn eniichoid-gen In der am W. Tcecmbcr ftangebabten Sivung des- Bezirks aus'chnnes l ersicherlc er. ein Hoch auf ^.den .'iaiier bloß deshalb nicht aus gebracht zu lurbe», iveil die Abhaltung der ersten Sitzung in dem neuen Saale kein .'ifeullichcr Aei. sondern nur eine „häusliche Feier" gewesen sei. An die'? meclivürdige Behauptung kniipfle er jedoch die Zu-age, er werke in Hin fmift bei ciimlichen Äiiläiien schon wisse», was er zu lbun habe. Lehr >fiön, die-.-r Boi-'atz — wie ivird ihn aber Georg Schönerer aliisasien? I» 'onderbarer Wciie benabi» iich 'erner Bauniaun am 2*>. v. 'M , als er inierveüiri wurde, ivarnm in den ron ihm herausgcgebenen „Wäbringcr Bezirksnachrichlczii" über eine EoiiceisiLiisangel.'genbcit, die inan in vertraulicher Siviiiig erledigt batte, rr.-y der Berpftichiuug zur Wahrung der Geheimhaltnng aussübrlich bc richte, werde» war. und wie er dies als Borsivender des Bezirksausichusses veraiiknorten könne. Baumaun meiniei „Zeil gewonnen, Alles gewoiincii!" 'und ver'chob die Aulwort aut die iiächsie Sitzung. Seitdem die Antiieiniten in kein Wäbringcr Bezirksausschuis? das große Wort -führen, steben ifilT Be. baiidluiigen grösttenideils auf demielben Niveau, >vie die der antifeinitifcheu. B.r'aminlnugen beim „goldenen pnchieii". „wilden Mann" :e tllitch Sem Murcckrr Muster.> In Graz wurde der dortkge siauimaun Ii. ■>: i:; rbraiy in einer Berianiinluiig von Geiiiiichiivaarenhändlern nach ii.e? aiiiiw'inilischc» Agitators insultirt, weil inan ihn, cbcuio wie .-.ii een raiic.-singeinenr Heide in Mnreck, für einen Juden hielt. Aut i-i wurde nun ein gewisser Michael Je rei sch «k zu einer - - ->. l‘> .. . niiiell drei Tagen Arrests verurtheilt. Blind der Tclllfchcnin Bobmcn. Ter Sliitiiemilenbuuo in Böhmen, i il bä' Ms Bund der Teut'chen auszugeben, wiewohl die s -.-ui?:!,- vis auf einen kleinen n^ruchtbeil von ihm nichts ..-? Tochterait'ialt in Marienbad, die aber bald nadr -! 'iiiii l!-.e. Jur den l.d. M. war die Gründung -'s in 2aaz ang,-kündigt. Ter bSchcnigeieheile Bürger- : i ö in Fon-?."en einen Aufruf an die Bevölkerung, ' - . . . .ii:e. ar. ir-'ürebnugcn ibeilzuiiebmcii, deren Zweit "üiiii -> >ig eines Heims 'ür den Änii!emilismus, c' ■ - .? »- iiiiii ichr niiler 'rtetlichen Bewohnern. _ Nr. 141 ((fill vereiteltes Liegesfeft.) In Haiinover haben die antisemitischen Genofie» de« galante» Haus Thomas L e n ß am Tage vor seiner Bkriirtheiliing zn drei Jahren Zuchthan« in einem vornehme» Restaurant ein Souper zu 72 Gedecken bestellt, um ein Siegesfest, zubegehen. Sie glaubten nämlich sicher, e« werde keuß gelingen, die Turanuei deS „römischen Rechter" zu brechen und einen glänzenden Freispruch z» erzielen. Ta» rcnige Gesländniß der"Fran S ch » u >, vereitelte inoesien das geplante Siegesscst, und die übliche» Reden über jüdische Meineide und jüdische Sitlenverkerbiiis; konnten diesmal nicht zum Besten gegeben werden. Aus antisemitischen Blättern. (Eine Reujahrsnummkr.s Tas „Deutsche Volksblatt" bietet seinen beserii eine ^kelijahrsniimmer, mit welcher auch unbescheidene Ansprüche aus den, Gebiete der Judenfresierci befriedigt werden -diirsteii. Zunächst wird mit behag lieber Breite 'erzählt, daß die Bemühiinge» aiigesebencr »nd reicher Juten im westliche» Europa, ans- Anlaß de» Thronwechsels in Rußland eine Befferung der Page ihrer dortigen Glaubensgenossen herbeizuführcil, sehlgeichlage» l^abcu. Tas widerspricht zwar allen auderweitigeii Rachrichte», sogar denen, welche das „Teulichc Volksblatl" selbst brachte. Aber das lhut »ichtS zur Saäie. Am Reu jahrstage sagt ein Graliilaut, der lein Gcschizst versteht, den peuien das, was - ihnen, wie er voransieht, angenehm klingtl Für die christlich-soesalc Xundschair Meister Bergan i's kann cs aber leinen angenehineren Threii'chmaiis gebe:: als die Botschaft: Inden werdcii weiter bedrängt! „Rikolaus II. trägt de» alte» Titel .'ehr frommer*, und bei Besteigung des Thrones schivur er, die Jiiiercsieu der Srlbodoric zu wahren und zu ihrem Ruhm und Größe ,!cho»es Teuisch!. beizulrageii. Tie Juden haben vom ol-thodorenT5;ar »jchls zn hofien." Tast dann, wenn dieser Titel ausschlaggebend ist, auch alle Hofiiiuiige» poinischer Xatholike», deutscher Protestanten :c. keinen Schuß Pulver wenh sind, bereitet der Bergani'sche» Xlinvschaft keine» .üninnier. Sie denkt nicht an Conseauenzen und erfreut sich jener Seligleii, welche den Armen im Geiste auch hieniedei, b.-ichieden ist. Taß die Jude» e« verdiene», versolgf zu werde», dafür liefert da-; „Teulichc Volksblatl" i» der *.lleujabrS»»»imer eine Anzahl von Belegen I I. Aus Grniid der Eiithülliiiigen eines PanliiS Me»er, der diesmal Gabriel Raiier genanin wird »nd aus kiltauen stammt, wo er angeblich tllabbiner war. wird bie Ungerechtigkeit eines coiisc'sioiiellcii jüdischen Gerichtshofes ge. ichildert. Man erfährt da schaudernd, „ivohin die dunllc und geheimnißvolle Faiiimg der Geietzesparagravhcn im Schnlchan Arnch tülirt". Taß die dunkle I-ast'ung von Paragraphen in iilodernere» Gesetzbüchern ebcusaUs Unheil a» richtet, wird selbstverständlich nicht i» Betracht gezogen, sondern gleich daraus eine Erdichattsgeichichlc anfgetischt, in welcher richterliche Böswilligkeit und Hab ' sucht eine» jüdischen Jüngling- und dessen zwei Schwestern um ihr Erbe bringen wolle», was aber von Gabriel Rasier mit Hilfe eine? Roiars und eines Tribniialspräsideiilc» trop „oiiemalisch-ichweinischer" Äampsmiltel der Gcgirer glücklich vereilell wird. „Ter Proccß endete damit, daß-nicht nur das Vermögen de» rechtmäßigen Erben zurücfgegeben wurde, sondern auch Viele wegen anderer Betrügereien, die bei dieser Gelegenheit entdeck' wurden, bestraft werden mußten Ter Rabbiner mit seiner Familie und dem jimge» Manne sind aber nach England gefiü.fiiek, wo sie zum Ebrislenthlline übcrgetreten sind. Ter Rabbiner ver 'vricht, feine Einhüllungen über das .jüdische Recht* sorizusetzen." Taß Ecbschailsgeichichlen auch anderwärts Vorkommen, daß man nicht gerade ruisisibe Jude» ansiiichcn muß, um Erbschleicher zu finden, weiß wohl selbst der „dumme Aerl von Wien", aui den es hier abgesehen ist, aber die Schlechtigkeit der Fuden macht ihm doch unbäiidigliche Freude. Mit den Justizznständen Rußlands, die nicht bloß im coiifcisioiielleii Rechlslcbcii dortiger jüdischer EultuSgemcinden viclf z» wünichen übrig lassen, wird der TnrchschnitlSlcscr des Verganiächen Blarzes freilich wenig vertraut fein. Es ist nicht einmal sicher, daß das einem ruisischcn Volksmärchen nachgebildcte Gedicht Ehamisso'si „Tas Unheil deS Schensiiika", welches einen arische» :>iichterlhpus?>k»ßlaiids vorführt, ihm bekannt ieu. 2. Tas „Teulichc Volksblatl" berichtet Jitber eine „jüdische Schmuggler bandc", die da« russische Aerar bedeutend geschädigt habe. ES geht allerdings die Sage, daß es auch nichtjüdische Schmuggler geben soll, p»d unzählig? Roma»- ichreiber haben sich dies zn Riwen gemachl. Toch läßt sich “ein findiges Sinti* semitenblatt durch Sagen und TichiungciiE seine Zirkel nicht störe». 3. Ti? jüdiicbe Sitkeiilosigkeit wird durch eine Mittbeiluug erwiesen, wonach zwei Juden als Besitzer eine» Berliner Mänlelconfectionsgei'chästcs lascive Reden ibrer Eominis, über welche sich die int Geschäfte thätigen Damen beschwerte», geduldet habe» spllcn. Eine solche Toleranz kpiniiit nalürlich in nichtjüdische» Geickätteii, z. B. iu arischen Trnctereic», siafieeschänken, Selchereien re. niemals vor. 4. TaS „Tentsche Volksblatl" pflichtet einem rumänische» Abgeordnete» Namens „Zurk" vollkoiiiinen bei, welcher darauf hinwies, daß „>n Galizien und der Bukowina die Inden haupifiichlich die Branntw-iilpest nähren". Bramitweinpest — dieser Ausdruck wird Herrn Polzhoser schwerlich gefalle», aber man kann ja nicht dem Geschmack Aller in einer Renjahrsiiummer Rkchnung trage» Tie Solccer „Schristlcitiing" war im klebrigen sehr behnlsam und rücksichtsooll Tie Fälle Hans Thomas pbuß und Earl Zöllner sowie das Gewerbe der