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Freies Blatt · 1895-01-06 · 144 (6.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
144 (6.1.1895)
Date
1895-01-06
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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$ tJt i e * Blatt. Nr. 144. feite 2. fiir O'riiitbc dieselben zur Bekämpfung des Judenthums anführen! Clilisins der Herr, der auf Golgatha für alle Menschen gebüßt, der alle Siaubgebornen als .Kinder eines Vaters bezeichnete und Alle, Alle iit .Vielte vereinigt wissen wollte, hat tauben Ohren gepredigt! Und eS 'eilte doch der' Tag der Einkehr kommen, an dem die Christlich- Eoeiale» ilires' wahnwitzigen, unchristlichen Gebahrcns und Planens bewußt werden, Öhre Kampfgenossen, die sogenannten „Deutsch- Vsalionaleu", haben dies, erleichtert, indem sie dreist erhobenen Hauptes erllären, der Wodaneulrus. lei der einzig vernünftige und nationale. Tnbting'o aiitichrinliches Dogma sei Wegweiser und Pfadfinder für die Deutsch 2/anonalcn". Haben die mit den Letzteren Hand in Hand gebenden Christlich-Socialen erwogen, zu welchem Schlußenolge dieier Bund führen < muß? Der Hciden-Cult, mit allem blnthenreichcn,- phantastischen Blödsinn, wird den Christlich-Socialen wobl dao „ewige Wort der Liebe" nicht aufwiegen. In der „Ostdeutsche!: Nnudi'chan" wird ausdrücklich gefordert, es möge der „höhere Clerur". wie Vapst, Cardinäle, Erzbischöfe :c., beseitigt werden, und die sogenannten „Unverfälschten Deutschen Worte" predigen einzig und allein das Wodanthnm, Pfcrdcschädel, Pferdeynfe u. dgl. urgermanischen . krimstrams. 'Wenn solch tolle Lehren in die Bevölkerung kommen, wie steht es da »in der Autorität der katholischen Kirche'? Ein Pferdeschädel wird zum l'.essinnigercn Snmdol als das Kreuz» auf welchem Christus der Herr die Sünden der Menschheit gebüßt! MuspelS Söhne, der Jenriivv!', die Miigardschlange, Loki, Hrymr, die Hrimthursen und all tio anderen Bösen mögen vielleicht so'recht »ach dem Geschmacke urleutonjscher '.Karren sein, mit dem Ehristenlhum sind»sie ebenso unrereinbar wie das Verlangen der Christlich-Socialen, daß die Stammesgenossen Jeiu im 'Namen der christlichen Liebe als minderwerthige Erdenbürger betrachtet und straflos gequält, gepeinigt und guf alle erdenkliche Wei'e verfolgt werden. An den weltlichen und geistlichen Behüt den ist es gelegen, dein tollen Unfuge des Antisemitismus zu steuern unk dies im '.Kamen der staatlichen Ordnung, der Humanität und hi allbezivingenden Liebe. Ein Staat, der den Antisemitismus duldet, hat anfgehört, christlich sich nennen zu dürfen, geradeso wie die kaihgljickie Kirche,- falls ne den Antisemitismus fördern wollte, anfhötte," »ich Ms Kirche Christi, des Sohnes Davids, zu erweisen. Die Kriminalität der Duden. i. Ceftcrrcidi. W . baben in Jii. 141 dieses Blattes gn der Hand der amtlichen Stansttk tür das Jabr W'.>1 ein authentisches Bild der Criminalität der Inden i» Deutschland entworfen, welches die antisemitische Phrase von der «^cmcinschädlichkcit unserer Mitbürger jüdischer Confcssion vollauf rn entkräften imstande ist. Man glaube nicht, daß die Juden NI Deuisckiland lener sind als die unseren; auch die Ergebnisie der österreichischen Strafrechtspflege für das gleiche Jahr 1891, wie sie in der eben e;'diicncitcix amtlichen Pnblication vorliegen, sprechen beragltch der Criminalität der Juden die gleiche Sprache. Zunächst teigl rin vergleichender Blick über das Tecennium, ähnlich wie in Deutschland, daß die Inden nicht nur nicht jenen Auth.il am Verbrechen haben, der ihrem Berhältniffe zur Gesammtbevöltetung glcichläme, sondern daß außerdem ihre Criminalität in den t.l » Jab re» um ein Beträchtliches gefallen ist, während ihre relative Kov'zabl gesti.'gcn ist. . Es entfielen von hr Gesammtzahl der wegen Verbrechen Verlütbeil'en im Jahre:!*'•-' . > l . v i .Viten, welche 4-54 - .. der Gesammtbevölkening bildeten I> I . tlieft) der Volkszählung vom 31. Tec. 1880) l f . l . I" . .! . " " ' i '' „ Ivkl.he 4> „ der Gesammtbevölkernng bildeten . ' , »ach der Volkszählung vom 31. Tec. 1800) - -■ >: i'tltchc Abnahme der jüdischen Verbrecher un- . al u W.'l gefällten Urthcilc über Verbrechen be- "V an ti von den L'.f in der amtlichen Statistik V.'.t'.''cheusanen (und zwar: Störung der öffentlichen A::",and and Aurrukr. Verfälschung öffentlicher Creditpapicre, K.ml, 'Vioaui i. und Verbrechen gegen das Gesetz, betreffend den gemeingc-äbrlschcn i^e! rauch von Sprengstoffen) die Juden überhaupt nicht, an fünf anderen Delictsarten (Beleidigung der Mitglieder de« kaiserlichen Hauses, Mißbrauch der Amtsgewalt und Geschenkannahme in Amtssachen, Abtreibung der Leibesfrucht, Vorschubleistung,'bei Ver brechen und Verleitung von Soldaten zur Verletzung ihrer militärische» Dienstpflicht) mit dem geringsten Antheil von je einem Verbreche» be theiligt. Unter den übrigen 18 Verbrechensarten weisen 10 eine un verhältnißmäßig starke Bethciligung der Nichtjuden auf. Es wurden in dem angegebenen Jahre verurtheilt wegen: Zusammen Personen MajeftatSbeleidigung . . 191 Oeffentl. Gewaltthätigkeit 3.855 Religionsstörung ... 90 Nothzucht, Schändung u. a. schwere Unzuchtssülle 957 Mord. 136 Kindesmord ..... 97 Todtschlag. 228 Schwere körperliche Beschädigung .4.511 Brandlegung. 180 Diebstahl.14.291 Hievon Zudcn Sonach kamen auf e 2 1 jüdischen 95 »ichtjüdische Verbrecher 94 1 „ 40 4 1 „ 23 " " 18 1 „ 52 2 1 „ „ 2 1 „ 48 2 1 „ 113 ,, ", 53 1 „ 84 2 376 1 1 90 37 " y - während zu gleicher Zeit der Bevölkerung nach auf einen Juden bloß 20 Nichtjuden kamen. In Münzverfälschungen hielt dieses Berhältniß der percentualen Theilnahme der Juden an dem Verbrechen die Waage, und nur in 7 Delictsarten merkt man eine regere Betheiligung der Juden an der Gesetzesverletzung, als ihnen nach ihrer Verhältnißzifser zukäme, und zwar participirten sie an.Vcrurtheilungen wegen: Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt.... von 15 Fällen an 7, 4, Conach kamen auf i jüdischen: 1 nichtjüd. Verbrecher Ausspähung.„ 6 .. 0 Kindesweglegung . . . . „ 28 „ 2. 13 ^-i Zweikampf.„ 16 ,. 5, 2 „ Veruntreuung.„ 553 „ 49. 10 „ Betrug.„ 2784 ,. .. 370, i ,» W Verleumdung. 168 „ 23. 7 - .. Auffallend ist auch in Oesterreich wie in Deutschland die starke Betheiligung der Juden am Duell. Es scheint, als ob die Juden auf . diesem Wege dem von antisemitischer Seite oft erhobenen Vorwurf der Feigheit begegnen wollten, eine Methode, die ihnen von allen Vernünftigen gerne erlaffen würde. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist endlich die Auftheilung der Verbrechen auf die einzelnen Kronländer, weil diese Ziffern am meisten von dem Milieu, auf welchem die besonderen Verbrechen gedeihen, zu erzählen imstande sind. In dem genannten Jahre wurden nun Urthcilc wegen Verbrechen gefällt in: Niederösterreich. . 3 511 Hievon entfielen auf ^uden absolut relativ 151 — 4-3 Wabrend die ^uden von der t^esammtbevölkerung betrugen: 4 8«» Lberösterreich. . 1.004 5 0-5 %, 0-1»» Salzburg. .. 298 1= 03»». 01?» Steiermark. .. . -2.431 3= 01»„, 0 2% Kärnten 596 0= 0-0««, 00«» Kram. 934 0= 04)»i, 00?» Talmatien ....... 58tJ 0= 00"«,, 01»» Küstenland. 937 14= 15»„, 0-8?» Tirol und Vorarlberg . . 988 1= 01?», 01«» Böhmen. 40= 0 8«», 1’6 «i Mähren. 14= 0 4?». 2 0-L Schlesien.. . . 7= 0 6«ä, 1’6?» Galizien. 7008 695= 9 9?», 117?» Bukowina . .. 91 109«», 128?» Zusammen. . . 28.433 120= 3-6&, 4-8?» Aus dieser Ucbersicht, welche wir mit Hilfe der Angaben der amtlichen Statistik ausgearbeitet und zum Zwecke des Vergleiches mit der Ziffer des BevölkerungSverhältniffes bereichert haben, gehl die überraschende Thatsache hervor, daß gerade dort, wo die Juden nach der Meinung der Antisemiten das dominirende Element sind, in Galizien und in der Bukowina, der Antheil der Juden am Verbrechen am geringsten ist. Der übelbeleumundete „polnische Jude" ist also nicht bloß intellectuell, sondern auch sittlich seinen nichtjüdischen Landsleuten weitaus überlegen, und übertrifft, wenigstens was seine gerichtliche Unbescholtenheit betrifft, auch seine Glaubensgenoffen in anderen Ländern. Der Einwurf, den uns jüngst ein Antisemitenblatt machte, 1>aß der geringe Antheil der Juden an der Criminalität von der überwiegenden Wohlhabenheit der Juden herrühre, verfängt in diesem besonderen Falle noch weniger als in Bezug auf die deutschen Berhältniffe. Jedermann kennt die drückende Armuth des überwiegenden Theiles der polnischen Juden. Die Beweiskraft der angeführten Zahlen gegen den Antisemitismus wird dadurch wesentlich erhöht. Albert v. Dervger.

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