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Freies Blatt · 1895-01-06 · 144 (6.1.1895) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
IV (1895)
Issue
144 (6.1.1895)
Date
1895-01-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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AboiliiciiikiitSpreis. fiür st erreich» Ungarn'. .5 Kronen (st. s.ji«) V.Ubiahrjii .3 Kronen .fl. 1.5«) kür-aS gesammte Au-land: '".nnjäbrig.<» Mark $ti!b|äbrift .3 Mark 50 $f. Einzelne Nummern «» kr. Unkrankine.'Briefe werden nicht angenommen (Dnjan 5 uv 2Unrein* bof Hutifcmiti^mu Erscheint au jedem «onirtagc. ilitöatiiou »Ich Vlimitniiii ■ I -cilerstiink Vvnu nKt>.:: :mt eo .V’,u.r rfr mal gelpalteuer't'ouparaNeult- .. -** ^lnzeiger daö 4^-art l .»‘-cflcr fr; , Jitforareii in unnrer *.".-miu>sua: n "Ninroncenbure.nl £uf«v. l. Kummer 144. iUicil, <». 3rtitucr 189.). IV. Zahrgang. Mc>zu die Kapitulation?^ Fm nicderösterrcichischcn Landtage, haben die Liberalen vor der Antiseniiterci gerade;» capitulirt. Die Einschüchlerungsinelhodc, die sich in antisemitischen Bcrsammlnugcn so gut bewährt hat, wurde auch in den Berathungssaal der Laudbolcu hincingctragcn. .'licht besseres Wisse», nicht der Wille, das Wohl Aller;u fordern, sind die Factore», welche für den Erfolg der Redner in auti ieniitischen Bercine» entscheidend sind, sondern die stärkeren Stimm* mittel. Der Gegner, welcher auf Grund genauerer Lachkenntniß und geleitet von der Absicht, vor dem Betrete» von.Abwege»;u warnen, einen Widerspruch wagt, wird einfach niedergeschrie». , Auf solche terroristische Weise erzwangen auch die Antisemiten iin Landtage die Wahl jedes Einzelne» von ihnen in eine» der Aus : schlisse zur Borbcrathung der eingebrachten Gesetzentwürfe. Zwei oder drei derselbe» sind zwar »och in keinem Ausschüsse unter, gebracht,, aber auch sin sic soll demnächst Plap geschaffen werde». Es ist keineswegs die Lust, Ersprießliches 5» leisten, welche dafür bestiininend war, diese Wahl durchzusetzen, den» viele» der ge wählten Antisemiten mangelt es au der Eignung, irgendwelche stluisschußarbeit zustande zu bringen, die Leitung der antisemitischen Landtagsgruppe verfährt vielmehr nach der Willkürlehrc: Sic volo. - -ie julico. stat pro ratioiie voluntas! Welchen Dank ernteten die Liberale» dafür, daß sie dein DeLrorisniuö keine» Widerstand boten? frohlockend verkündigten die Herren Antisemiten in ihren Organen die Siege, welche sie über die schwächlichen Gegner errungen haben, und höhnisch rühmten ne sich dessen, daß, wo vier Antisemiten sieben Liberalen entgegenstehen, daS geschehen müsse, waS von antisemitischer Leite verlangt ' werde. Nicht einmal vor persönlichen Beschimpfungen gewährte die Eapitnlation Schutz, und neuen Forderungen schob sie keines wegs einen Riegel vor. Die anlisemitische Minorität' fand esplötzlich heraus, daß ihr ein Unrecht widerfahren, daß sie, wie der von ihr nach jungtschechischein Muster gebrauchte Terminus besagt, „provocirt" worden sei. Man habe nach dem Tode des , Bürgermeisters Dt. Prix nicht Dr. Lueger, nicht den Mechaniker! Schneider 511.111 Landmarschall Stellvertreter ernannt, sondern aus diesen Posten einen angeblichen Freimaurer, den Bürgermeister von Wiener-Rcnstadt, Dr. Haberl, berufen. Für diese „Provokation" sollen nun die Liberalen, wenn sie auch auf Ernennungen, die in das Machtgebiet der Krone fallen, keinen, direkten Einfluß üben, durch häufige Lcandalsccnen bestraft werden.' Zur Per anstaltung solcher Scenen construirle man sich eine eigene staatsrechtliche Theorie. Der Statthalter wird nicht als ein der ihm Vorgesetzten Centralrcgiernng untergeordneter Beamter angesehen, l sondern die Behauptung von dessen Berautworllichkeit gegenüber dein Landtage ausgestellt, die vielleicht dann gerechtfertigt wäre, wenn die Wünsche der Ba.-a,U> und Biezuovskn aus die ZeL splitlerung der diesseitigen Reichshälste in rin Dutzend'von S:d» floaten bereits Gesetzeskraft erlangt halten. Der Statthalter "wird also zur Rechenschaft gezogen, und bei der Noblesse- und d.iu W. rcchligkeilssittn antisemitischer Ankläger ist es sclbstverständiieli, Last dies in Abwesenheit des Angeklagten geschieht. Man wirft. . »i Slallhalter „Parteilichkeit" vor, beschuldigt ihn der .. Deu»ne>aimn", ja sogar der „Lüge", ohne ^den Geidcr zu neunen, welcher neu Gewährsniauu für derlei Bcrdächtiguuge» bietet Terroristen/bringl man nicht zur Raison, wenn man um tzes lieben Friedens willen nachgibl, am allerwenigsten foeche ^,vom Schlage der Anliscnülen. Wie sich die Well in d.ren .stopfen widerspiegclt, zeigte ein neuerlicher Ausspruch des Waschehäudlcrs Grcgorig. Aus dein Umstande, daß sein. Bal.r Bediensteter im. gräflichen Hause Abeuspcrg Traun war, leitete nu^goria sür sich daS Recht ab, zu randalircn und de» Landmarschalt zu erniahnen, daß er ihm nicht durch Ordnungsrufe Den itamnf zwischen seinem Pflichtgefühle als antisemitischer Laudbole und seinem Dantgenihle als Tprößling eines gräflichen Dieners erschwere. Rein, eine Eapitulation vor der Antiseinilerei, deren Hauplelcinente Gewalt, lhätigkeit, Schlechtigkeit, Unwissenheit und Albernheit bilde», ist durch nichts, gerechlferligt. Fede Eoneession an die antisemitische 'Gesellschaft steigert nur deren Begehrlichkeit, und ihrsni Unweien kann nnr dadurch ein wohlverdientes Erde bereitet werden, wenn man sich dazu eut'chlicßk, den groben stloH miteine», grooen steil zu behandeln und die Tlörefricde,/die rücksichtslosen -Berlr.l.r des Eoufejsions, Racen und Elastenhasses, ohne weitere Schonune zu Paaren zu treiben. u » l " 3m Hamen des c^ekreuziaten! . > Zuichriü eine3 kaiboiistü,'» 'tzrienee. Ein iiems^Fahr hat chegouneii I st.'encs Hosieu iprleß: a> Nllin^'n.-ii Herzen ans, - »in nach Fahrcssrist geknickt und verweilt zu -Boden zu sinken. Glücklicherweise nicht bei Alken: ab eh bei Bielen,, nud von diesen-würde so Manchem der biileie Schmerz der Entäuschuug eri'van werde», wenn er in dem.wahrhaft Iniman:» Geiste dachte und ivirkie, wie cS das „Freie Blatt" timt Die Tendenz desselben, den AntisciilitisniliS zu bckämpsen, niußte mich als katholischen Priester, der doch die erhabenen Lehren unseres Herrn und Meisters, der ans Davids Stamm entsprossen, zu verkünden hat, ini Borhincin anivresie». Die Art und Weise, wie dies geschieht, hat mich vollends befriedigt, und ich muß als schlichter Priester erklären, daß ich aus deS Herzens ticsstci» Grunde miinjchte, cs möchte i» allen ossenktichen Btällern dieselbe Sachlichkeit und Unvorcingenoinmenheit gewahrt werden,,. wir dies beim „Freien Blatt" der Falt ist. ES wird heutzutage so schwer, sachlich und unvoreingenommen zu sei». Die Zornesadcr» müssen nämlich Einem 'chwellen, wenn man in den antiseniitischc» Zeitungen christlich socialer strichln».: Nest, was

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