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Freies Blatt · 1894-12-30 · 143 (30.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
143 (30.12.1894)
Date
1894-12-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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freies Blatt. Nr. 143. Seite 8. J Spei >' en und (Setiänfe bei seinen Besuchen im Kerker heimlich znsteckte? Wem hat Schönerer mit Bezug auf obige Dienstleistungen am 25. Teccmber 1888 Folgendes geschrieben i . ,Und nun sage ich Ihnen nochmals herzinnige» Dank für die Begleitung und die meiner Frau während dieser schweren Zeit erwiesenen Aufmerksamkeiten; im Unglücke lernt man die wahren Freunde kennen.' V“ TaS Martyrium des nüchternen Gaumen-, mit welchem Schönerer, namentlich in Deutschland, grog^thak, ist al>o nur eine, sagen wir, ' tendenziöse Dichtung, <XiC Antisemiten und der Umsturz.) Tie Erörterungen der antisemitischen Presse- Teutschlaitdüber die sogenannte Umsturzvorlage muffen unwillkürlich zum Spotte reize». Mit kaiuschukartigcr Gewandtheit spreche» sich Organe, wie dar Livcker'ichc „Bott", die „Staat Sbnrgerzeitnng" und dar Organ de- Bundes der L'andivirthe, gegen die Borlage an-, um beim nächsten Achen, zuge die Beinchen^t., ab'zugebc», daß sic für dieselbe wären, Ivenii in der ToininrssionSderatblilig ei» Weg gefundcii werden könnte, der sie selbst »or den Fallstricken der Borlage bewahrte. So eifert z. B. die „Staal-bürgerzeitung" gegen den Entwurf, der „eine Knebelung von Wort und Schrift bedenke", und schreibt 'odann in einer ier nächsten Nummern echt pharisäerhaft bei einer Besprechung de- 130 de- Srra'gei'evbuckcs, der in seiner Neusaffnng Angriffe auf „Religion und Eigenlbuin" schärfer bestrafen will: „Wäre an Stelle von Religicii christliche -Religion gesagt, >o wären wir vollständig damit einverstanden." DaS würdige Blatt ignorirt damit einsaäi, daß in Deutschland tirch andere Religionen vertreten sind, die laut Beisasiniig gerevlichen Sckuv genießen. Wade» Christen und ihrer Religion recht ist. iittiß Ander-gläubigen cinsach billig sein, und iver dem Uinsniizenkwurf ziistimmen ivill, wenn in dein',Iben nur von christlicher Religio» die Rede ist >>!>d d.'.mit andei-e Religionen für rogclfrei erklärt werten, zeigt, daß er selbst „ich! niebr auf sein Boden der Verfassung steht, sondern dem Uinstur; huldigt. (rin Iudcnwcrk.i Die „Aiiiiie niitliche Correspondenz" deSHerrn v. vie der manu bat an dem neuen Reich-iag-gebäude in Berlin auSzu'etzen, daß eeigeinlich ein Fndenweik >'ei Der Baumeister Wallot habe sich wohl mit seiner Aiisgabe leidlich abgesnnde». aber er sei von jüdischer Abstammung, der So!», einegeiau'ien Weinbändlers in. Opvendeim, und er selber werde wobl auch getankt 'ein. Seine Züge gäben sich nichi die niindeste Mühe, die semitische Herkiiusl zu verberge». Das Berliner Reich-tagsgebäube ein Iudenwerk — kann t~ ncch einen schlagenderen Beweis für die Berjudung Deutsch' laudS geben." Höchstens, eine Miikheiluirg der „Deutschen Reform", der zuiolge Kaiser Wilhelm ll. sich von einem finden hätte pholographiren lassen. .Die „Nowoje Wrcmja" über RilbiiisicinI Eines der in AiikisemitismuS machend en russischen Blätter', die „N o w gj e W r e in i a". vergaß beim Ableben Rnbinsteln's, das? eS zii seinen .. Grunö'äve»" gebärt. Inten, und „Jlidenstämmlinge" al« bö-artige ,,'Freintlinge" verlästern, lind schrieb: „Unser berühmker Rnbiniiein, ter Dolos; der russischen Knust, ist nicht mehr. Er verherrlichte in der ganzen Welt nicht nur seinen Rainen. ''ondern auch kein Vaterland, verherrlichte Riißland seit lange und - nnansbörlich, indem er Leffen Ruhm hochhielt. Generationen ivech'elten ab, doch der Enthusiasmus der Rachkommenden, die Anbänglichkeir EurovaS an den Künstler, die Begeisterung, welche er durch -'eine Kunst erweckte, wurden iin Paine von 55 Jahren nicht geringer, wuchsen' steis und progressiv. Wir »»''erenenS waren nicht nur stol; aus ihn. sondern wir liebten >bn. ''ein Raine war nir" innere Künstler die Fabue, um welche sich die einzelnen Kräne zu gemeinsanier Arbeit schaarren. Bei Erinnernng keffen, N'ie vlel dieser Mo'eS 'ür d:e Knust in Rußland geihan, welchen spröden, undankbaren Boden er mit seiner mächtige» Hand culnvirt; beim Anblick deffen,! wie ungeachtet''eines Aller- ''eine K.äkie allinälig erstarkten, wurden unsere j >, iin st! er oej'ieSsi?r! Ein Genie lebte in iit!''erer Mlttk, und wir haben es jetzt! jfciitnctcui. Die Wöpker srlieibe. (Tduard Lullrc. i ' ' > ü '.'.r 'rat ::i den Tag hinein geichlasen. Als er! vr„.'i'i'iT■. .-nten war;;;aii morolüchen Kavenjammcr, dag ' .r ».'!; \x'xx habe yrnretßen lasten, cuiem gänzlich unwissenden und? . iiiiiu'.ie,en Auditorium -ne Hnvokhe'e von Kant und Laplace! »her die Entsieh'.'ng ocs Weiialls vorzmragen. Er kam sich bei i '-'nl.iger Ueberieguug gerad ezu lächerlich vor in . der vjolle. die er da! gespielt Hane. Tag er des Morgens nicht zum Kaffee erschienen, ' war der Mutter nicht auffallend, sie schrieb sein langes Jn-den-Tag-hinein- Schlafen der Ermüdung zu nach einer durchwachten Nacht; als er aber auch zu Mittag nicht erschien, wurde sie besorgt. Ihre Vermuthung, daß sein Gemüth von einem heimlichen Kummer belastet sei, steigerte sich zur Gewißheit, und was für ein Kummer könnte ihn drücken, als die heimliche Liebe zu der Tochter des Töpfermeisters. Sie wollte in jedem Falle die Genossin seines Schmerzes sein. Also ging sic zu ihm auf sein Zimmer. Wie er sich auf der Hochzeit' unterhalten habe, fragte sie. „Recht' gut!" gab er zur Antwort. Ob er viel getanzt habe. „So, so!" Mit wem? „Mit Allen." Ob auch mit Gcnofka. , „Das versteht sich! Mit ihr vor allen Anderen." Wie sie ausgrsehcn habe. „Vortrefflich." ‘ „Gefällt sie dir?" Bei dieser plötzlichen Wendung ins Persönliche sab ihn, die Mutter scharf ins Auge; aus dem ziemlich gedehnten „O> ja!" aber, welches er auf ihre Frage zur Antwort gegeben, konnte sie sich nichts Rechtes herausnehmen. Sollte das Verstellung sein? „Hat sich der Töpfenneister gefreut, daß du hcrausgekommen bist.?"' „Gewiß." „Und sie auch?" „Natürlich." „Es ist auch sehr schön von dir/daß du es gethan hast." „Tas war ja doch selbstverständlich." „Und was sagst du zu dem Bräutigam?" ,,'s ist ein schlichter Mensch." „Tu meinst, er ist für sie zu dumm." „O nein!" „Oder — sie für ihn zu gescheit." „Tas käme auf Eines heraus." „Sie paffen nicht recht für einander." „Warum denn nicht?" „Sie hat eine» Anstand wie eine vornehme Person und hätte auch über die Töpferwerkstätte hinaus den Blick erheben können." „Wenn sie aber ein solches Glück nicht gesucht hat." „Wer weiß!" sagte die Mutter. „Ich weiß es," sagte Moses, „sie ist ein gar zufriedenes Gemüth." Aha, dachte die Mutter, jetzt bin ich im rechten Fahrwasser. „Und woher weißt du das so geirau?" fragte sie. „Ich könne sie doch von der frühesten Kindheit her," gab Moses zur Antwort. „Niemals habe ich an ihr auch Jmij den leisesten Zug von Selbstüberhebung bemerkt. Daß sie die Allerschonste ist im ganzen Ort, das weiß sie nicht einmal, daß sie aber auch die bescheidenste ist, die demiilhigste, das weiß ich?' „Tu hältst ihr ja eine ausgezeichnete Lobrede." „Nicht bester, als sic sie verdient." „Sic kann mit dir sehr zufrieden sein." „Sie ist cs auch." „So?" „Gewiß!" „Hat sie es dir gesagt?" „Wozu? es versteht sich doch von stlbst." „Ihr Beiden wnret also niit einander einig?" „Wie meinst du das?" > „Nun," sagte die Mutter etwas zögernd, dann mit einer plötz lichcn Wendung: „Hat dich die Nachricht von ihrer Verlobung über' rascht?" „Eigentlich nein!" sagte Moses, „man komtte das ja erwarten!" „Wirklich?" „Gewiß!" * „Und hast du cs erwartet?" „Seit lange schon!" „Und hat dich die Nachricht gefreut?" ,,Natürlich! Ich habe doch allezeit die wärmste Theiluahme für. sie empfunden." v „Thcilnahme? Sonst nichts?" ' „Wie meinst du?" „War cs dir, wenn du das Ereigniß erwartet hast, nicht ausfallend, daß sich die Sache so lange hinausgeschoben? Die Töpferstochter ist ja nicht mehr gar so jung!" „Sie ist zwei Jahre älter als ich," sagte MoseS.

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