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Freies Blatt · 1894-12-30 · 143 (30.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
143 (30.12.1894)
Date
1894-12-30
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 143. Blatt. Seite 7. erklärungen zum „Reichsherold" fleißig zu benutze«. Ta trat Herr Bodeck vor und erklärte, daß die auf dem Tische liegenden Zettel falsche wären. In der Thal stellte eS sich heraus, daß die ringSumherliegeuden bedruckten Papiere nicht die vermutheten Prospekte, sondern ausnahmslos solche vom Verlage des kbeiisallS antisemitische» „Anti-VorivärlS" waren. In höchster Entrüstung Uber diesen arischen GeschästSknifs ging die Versammlung auseinander. — Für de» 15». Jänner 1835 ist nach Berlin ein Anlisemiteniag einberusen worden, aus welchem Ahlwardt'S Zurücksetzung in Eisenach und Liebermanns zu starke Hinneigung zu den Tivoli-Patronen zur Erörterung komme» sollen. Rach einem Berichte auS der deutschen ReichShauptstadt herrsche gegen Liebe, mann große Mißstimmung, und man habe in führenden Aiuiscmilenkrcise» sogar die Absicht, ihn, wenn e» sein müßte, „fallen zu lassen". (Nordische und bayrische Judenfresser.) Ter antisemitische Abgeordnete Ludwig Werner kam vor Kurzem nach München und hielt daselbst eine» Vortrag, mit welchem die „bayerische antisemitische VolkSpartei" so »»zusricdc» ist. daß deren Organ sich in folgender Weise ausipricht: „Herr Werner dürste eingcsehen haben, daß eS dem polternde» Tone eine- Potsdamer GaldenuleroffikierS io wenig wie de» abgedroschensten Phrasen gelingt, unS die Ueberzeugung von -der alleinigen Unfehlbarkeit der deutsch-socialen Resormpartei beiznbringcn. Tknunciationen und Gemeinheiten sind das schlechteste Mittel eine .Einigung' herbeizusühre». Tie Herren beweise» nur, daß ihnen an der-Eache selbst gar nichlS liegt. 'Eine Partei, die über öden Persouencultu» und Phrasendrescherei nicht hinauskommt, hat keine Zukuyft. Laste» wir sie wuistel», wie sic mögen; cs ist der einzig richtige Standpunkt, die deutsch-social-resorinerischkn EiubruchSver'ttche von der komischen Seile zu nehme». Aber ei» Skandal bleibt eS jinmerhi» daß sich ei» RcichSlagSabgeordneter zu solche» Tingen hergibt. Wir meine», Herr Ludwig Werner hätte (nicht bloß im Jntereffe der Sache, sondern auch in dem seinigen) besser gethan, in Berlin sich in de» Reich-tag zu sehen, 'anstatt sich in München zum Handlanger vo» Slänkeieieu herzu,zeben." 2ius antisemitischen Blättern. «Wie sie kämpfen.) In der „Ostdeutsche.!» Rundschau" bat ein Herr H. H. (»ach dem Witze zu schließe», nicht Heinrich Heine) es unkkriiömiiic», an» unsere» Betrachtungen über die „Crimiualität der Juten" in Rr. 141 dieses Blattes eine Waste gegen die Juden zu schmieden. Ein launiger Vorwurf zu einem SonntagS-Leitartikel. Tieser H. H. meiut, „unsere Schützlinge" werte» eS »nS wenig danken, daß wir nicht nur jene TelictSarien aufgezählt, an welche» die Juden minder belhciligt sind als die Chlistr», sonder» auch ic»e., welche gewissermaßen gegen die Jude» spreche». Ru», vor Allem iiiöchiciiwir bemerke», daß uiis von einem Schutzvethälliiisse des „Freien Blattes^ über die Juden nichts bekannt ist. 'Wir vcrtheidigen das gleiche Recht der Staatsbürger gegen religiöse» oder nationalen FanatiSuiuS und habe» uns, wo dieser i» de» Reihe» der Jude» ausliah»iSwei!c auch einmal ausiauchte, durchaus kein Blatt vor den Mund genommen und ihn auch in diejein Lager obne Scheu bekämpft. Wir haben allo gar keinen Grund, etwaige Schatten- Partie», die sich im Eharakterbilde der Juden fänden, gestiffentlich zu verwischen. Wir habe» hiezu umsoweniger Giund, als wir diese Sckiatienvartien nicht aus eonfessioncllcii oder nationale» Eigenthümlichkeite» ableilen, sonder» — »oia •-(•ne gestützt aus die Autorität der deutsche» amtlichen Statistik, die gewiß nicht philosemitilch ist — ans dem Milieu zu erkläre», hiurcichende Anhalis» punkle besitzen. Mein lieber Herr H. H., wir stehen nicht aas dem Ltandpnnkte, daß mau, um Jemandens Sache zu führen, pur vt «im,-Io beste» Lobhudler sei» müffe. Sie aber und mit Ihnen die gesainmte Antiseniiterei sind der Meinung, ma» müsse, ui» seine Gegnerschaft gegen die Jude» wirksam zum Ausdrucke zu bringen, ängstlich Alles verschweigen, was vernünsligen Leuleii zu Gunsten des Berlklimdeten anSlege» könnten. DaS ist antisemitische .stampsesiveisc, und ein Beispiel hiefür bildet jener SonntagS-Leitartikel der „Ostdeuischeu Rundschau". Ta iverde» aus unserer Abhandlung alle jene Fakten herauSgeriste», die zullngunstcn der Jude» sprechen, aber Alles cnistelll und verschwiege», waS daS Gleichgewicht im Charakterbild wieder hcrstellt. DaS ist aber einfach tölpelhaft vvn H. H., denn er vergißt, daß in diesem Falle seine niederträchtige Methode controlirbar ist. So führt er — um nur ein Beispiel;u geben — an, daß die Juden in Münzvergehen den Ehriste» inferior sind, verschweigt aber, was in unserem Artikel stand, daß die Ehristen dagegen in Münzverbreche» daS Versäumte nachholen und die Juden weitaus a» Leistungsfähigkeit Ubcrlreffe» ». f. w Eine Entstellurg ist es ». A., wenn H. H. zugibt, daß die Juden an vielen schweren Verbrechen, wie Mord, Raub. Vergiftung, Brandlegung ». s. w. fast gar nicht belheiligt sind, eine Pcrfidie, wenn er in dieser Aufzählung der Delikte, vo» welche» sich die Jude» reinhalten,, hje schtvcre» SittlichkeilSverbrechen ausläßt, eine Unterstellung, wen» er lagt: „Tiefe Behauptung wiLd zwar durch keinerlei statistisch« Angaben belegt, und da uns selbe augenblicklich leider nicht zur Hand sind, köuiien wir diese — vielleicht absichtliche — Lücke in jenem Artikel auch nicht auSsüllen. Wir wollen — um ja unsere Objektivität zu wahren — auch nicht daran ztvciseln, daß obgenannte Verbrechen von Ehristen weit mehr al» von Juden verübt werde»." Mil Verlaub, wir haben geiagt, daß die Juden a» den ermähnten TeticiSarlen überhaupt gar nicht belhciligt sind, und das glauben wir, auch ein statistischer Beleg, im Uebrige» ist die vö» unS benützle O.ucllc kein Pali», blatiuianufcript iü Bengalischrift, das sich Ricmand beschossen kann. ES ist Ailtisemilen schließlich auch die Richtigkeit der Rewtou'schen Gesetze zu bcziveiscln gesiallkt. Tie SittlichleitSdelicte hat man au» jener Auszählung weggelassen, um dann daS für die Juden so günstige Zahleiivcrhältniß purch die angebliche Wohl-, habenheil der meiste» Jude» zu erklären, da bc-agle Verbreche» weist nur in de» ärmere» Classe» vorloinuien. 'Run ist cS.cislenS nicht wahr, daß die Jude» ihrer Mebrzahlnach reich sind, und zweiten-! ist es -nicht u-ahr, daß nur die armen Leute jene Verbreche» begehen. Todiichlag, Vergüten, .stiudesuio-d toiiimc» i» allen Ständen vor, uud die SittliäikcitSdelictc scheinen eher ein Reservat der reicheren Classen zu sei». Wie inan in der sttedaclion der „Ostdeuischeu Rundschau" wisse» dürste, wird gegen den $ -'13 St. G. besonder» gerne durch arische Mittelschulprofesioren verstoßen. Nicht wahr? Wenn ivir Herrn H. H. einer so eingehenden Widerlegung gewürdigt, so geschah eS übrigens keineswegs, um ihn von seinen Jrrlhümetn zuiückzusnhlkN. An diese Jrr-llunner als solche glauben wir nicht. Ter Bctr.csicnde keniil genau die Schlechtigleit seiner Rtcchode und gehört deshalb nicht i» eine Schule, sondern fit eine Eorreciionsanstalt. Wir wollten »ur diese Methode selbst aunageln. Sie ist charatlcristisch von einenr Blatte, welche» einmal die Meinung vertrat, daß selbst ein a'rücher Zuchthäusler mir einer gewissen Hohen ans jeden Juden herabbltcken tonne. u. v. -I. tBanmann und Jedliöka.) Ter Bezirksvorsteher und Schaulwirih Bauiuann in Währing inacht i» seine»! Blättchen dem Gcuicindcralbc »»d Ti'chler i Jcdtiöka eine Sünde gegen de» ,Geist des AuiiseiniiisinuS zum Borwnrse. „! Jedliöka bade nämlich einmal die „Ertheilnug einer Brauntivein-Eoneeisio» an eine» Jude» RamcnS'Wilhelm F a n t l befürwortet". Im Vergani Blatte gesteht nun Jedliöka obneweiierS ein, dieie» Fehler begangen zu habeu„ cm schuldigt sich aber dainil, daß dies zu einer Zeit geschah, in welcher er „leider" j noch nicht seinen heutigen „radikalen Standpunkt" eiunahin.- und 'ährt dann | seinen Gegner an: „Wenn nun ivegen diese» Vorgehens gegen mich ein Vor | ivurf erhoben tvrrdeu kann, so ist dazu gewiß 'Jedermann mehr berechtigt al» Herr Baniuaun, welcher dieie» mein .Verbreche»' von allem Anfänge an wußte und es mir damals auch nicht übel nahm. IlebrigenS bin ich der Meinuiig, , daß einem Manne, welcher in seine» neugcbauien Häuser» die harten Fuß böden vo» dem Jude» Julius Alt.-legen ließ i'o aniivorter der Tischler dem - Lchänker), überhaupt nicht da» Recht zustcht, in Sachen deSlAiiiisemiliSinuZ ' ein Ilrtheil abzugebe». Für Herrn'Baumau» mag eS recht ärgerlich sein, daß - der Jude Fault die Eonceisiou e>hielt' weil ibm im entgegengesetzten-Falle.! diese Uuannehiiilichkeiieu, die er wegen unbefugte» Auo-'chauke» von Branntwein! während de» Baues seiner Häuier halle, erspart geblieben wären." Vtl-oim*. |>an-: .Icillirka! I <£, dieser Präsident.. Tie änliscinitischen Blätter christlich-socialer . Färbung sind ans den Präsidenten Freiherrn v Edlntneely schlecht zu spreche». \ Derselbe hat nämlich kur; vor Beginn der MeibnachtSfee'eu de» 'Herren j Schneider und Genossen einen Spaß ve-doiben. Sie wollte» den straffreien l Abdruck eines beschlagnahmten Hetzartilels der Pieuncr'sche» WochenbtalleS, der sich gegen die Juden richtete, herbeisühre», iutcm sie den Artikel in eine l Interpellation an den Justizminister ausnahinen. Tie Verlesung der Inter; I pellation mit dem Hetzartikel in der össcuilichen Sitzung des Abgeordnetenhauses! hätte dessen 'Wiederabdruck in öc» ParlamentSberichten ermöglicht. Ter Präsident! vereitelte nun diese Absicht, indcin er aus Grund der GeschästSordnung, welche - ' ihm daS 'Recht einräuint, int Julcreffe des ParlameuiS geu-isie Ängelegenheiten mit Ausschluß der Oessentlichkeit zu behandeln, 'die -Verlest,,ig der Jnterpellauon in gcheiincr Sitzung anordnete. Ta über die gebeiineii Sitzungen keiiz. sieuo graphisches Protokoll auSgegebc» wird, so fällt die Möglichkeit der straffreie» Verössciitlichung fort. TaS Psfuner'sche Blättchen belheuerk, i»a» hätte i» de» Couloirs selbst von verschiedenen Abgeordnete» dev „CoalilivuSpariei" die „große Verwunderung" darüber vcriiomme», daß anläßlich der Schnciter'scheii Juterpettalio»<ei»e geheime Sitzung angeordiiet wurde. Ehrei,-Pseniier ke»»l sich in uiiiereil parlaiiieiuarischcn Verhältnisse» wenig aus, er bezeichnet den' Abgeordnete» Tr. Mar Meuger fortwährend alS „Prosesior"(die rühmlichst bc kannten lIniversilätS-Professore» sind Brüder des Parlamentariers) und spricht jetzt auch vo» Einer CoalitiouSpärtei. Richtsdcftoweniger mag eS ivahr sein, daß sich irgend ei» clericaleS Mitglied de» zur Coalition gehörige» Hohemvan-LlubS i» den CoutoirS zu Gunsten de» Schneider'schcu »niss» aiiSgeiprochc» bat. Tie« würde aber »nr Smupalhic.für die Radau Antisemiten, -ekoch' nicht» gegen die Richtigkeit der Versügung de» Präsidenten beweise,,, welcher leiueii — Spaß versteht. (Zum Mtsrthrium des nüchterncii Ganmcns.) Erüst k e h r» e r, dem Georg Schönerer Treubruch, Bcrrath, Fahnenstucht, Felonie :c. vorn^rfen läßt, rächt sich, indem er i» einem „Eingcscndet" aus Schöncrcr'S dicrkerbaft zu sprechen kommt und heilere TctailS über daS Märtyrerthum dcS nüchterue» Gaumens mittheilt. Lehrner erzählt: „Wie hat Schönerer die viermonailiche Rerkerhasl abgesesscn? Weiß er vielleicht zusällig Noch, welchen Beschkänkungen sich ein Sträsling in Bezug auf Speise und Trank unterziehen muß? Erinnert er sich zufällig »och, zver ihm fleißig die ausgesuchtesten

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