Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-12-23 · 142 (23.12.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
142 (23.12.1894)
Date
1894-12-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441583--1694-4888128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 142. Stitf 4 .frei** Blatt. - I -,tt bannen. Nach älterem deutschen Rechte und nach Kowalewsky noch beutigcntags bei den Osseten bekommt der Selbstmörder ein „Esclbegräbniß".* 1 •) Bon Lueger und G.'ßmann ging diese folkloristischc Betrachtung aus, und mit ihnen soll sie auch abschlicßen. Ter Einfluß, oder wenn man cs so nennen will, die Macht dieser selbstgemachten Größen, beruht aus der Gunst eines irregeleiteten großstädtischen Haufens, der täglich ivirthschaftlichcn Selbstmord verübt. Der Haufe ist aber gar wankelmülhig. Früher oder später, eher etwas früher als die zwei Bundgenossen in Antiscm ahnen, werden sie zu den Todten zählen, und wer weiß, was für ein Bcgräbniß ihnen ihre jetzige Gefolgschaft noch zuthcil werden läßt' Wenn sich der Mob rächt, rächt er sich fürchterlich. Vergnügen und Geschäft. Ter ..Deutsche Volksverein", eine Bereinigung Derer um Schütterer, hielt am 17. d. M. beim „goldenen Sieb" eine Bersammlung ab. Fm Gegensätze zu dem bekannten Sprichworts huldigte man vor Allem dem Vergnügen und befaßte sich erst -dann mit dem Geschäfte. Man drückte den Gastwirthen, welche Denen um Schönerer keinen Einlaß gewähren, in übermüthiger Laune das „Mitleid" aus und betrieb .hierauf frische, fröhliche Judenhetze: Es wurden Petitionen an das Abgeordnetenhaus beschlossen und in Bezug auf die neue Civilproceßordnung der Wunsch ausgesprochen, der „Judcneid" solle „unter eine besondere Bestimmung gestellt, wenn nicht ganz für unzulässig erklärt 'roclbtn^. Mit Rücksicht auf die jüngste Strafgesetzdcbatte im Abgcordnetenhause wurde eine Petition beschlossen, die in folgenden Punkten gipfelt: 1 Wenn der nach dem Strafgesetz Berurtheilte ein Jude ist, gleichviel ob gelaust oder ungetanst, so hat stets das Doppelte des gewöhnlichen Strafausmaßes platzzugreifen. 2. Verbot jeglicher Art von Theilnahme, Äkitarbeit oder Einfluß nahinc der Juden in der Presse bei Slrhse der Ausweisung. Die Einwanderung der Juden aus dens Auslande ist verboten. 4. Bei verurtheilten Juden hat stets Freiheitsstrafe, Abschiebung, beziehungsweise Ausweisung platzzugrcifen. 5. Oeffentklche Aemter oder BerkraucnSstellungen irgendwelcher Art könnien von Juden, auch getauften, nicht eingenommen werden. (3. Wenn ein In de Erida gemacht har, so darf weder er, noch irjgcnd Jemand von s'ei neu B er wandten mehr ein gleiches oder ähnliches (Geschäft betreibend In jenem Orte,; wo der Concurs stattgc'undcn hat, .ist dem Eridatar die Führung jedes Geschäftes oder Gewerbes untersagt. Wir sind noch nicht in der Carnevalszcit, aber im Hinblicke daraus, daß die lustigen Herren, welche solche volkliche Arbeit verrichten. das ganze Jahr faschingsmäßig sich .betragen, erwarten wir eine Ergänzung dieser Petilionspunktc durch nachstehende zwei, nicht minder närrische Forderungen: 1. Wenn ein volklichcr Würdenträger unter dem mächtigen Eindrücke des Genusses einer großen Menge von tcülschcm Gerstensaft an der Spitze von Zechgenosscn zur Nachtzeit in die Behausung oder Werkstätte jüdischer Widersacher dringt, um ihnen eine Strafrede zu halten und sie cinzuschüchtern, wird dafür ein Jude aufgeknüpst und, da auch Jüdinnen nicht geschont werden sollen, sein Weib, beziehungsweise Tochter oder Schipester gezüchtigt, wobei sic mindestens 50 Siockstreiche erhält. 2. Hat ein Mitglied eines antisemitischen Vereines, weltlichen oder geistlichen Standes, «Gelder veruntreut oder in ciücr nicht genügend aufgeklärten Weise verloren, so sind die Juden der Gemeinde, in welcher er lebt, solidarisch verpflichtet, den Abgang binnen 24 Stunden zu ersetzen und drei durch das Los zu bestimmende Juden zu einer angemessenen Haflstrafe, nicht unter fünf Jahnen, zu vcrurtheilen. Nach Erledigung des Bergnügungsprogrammes befaßten sich, wie schon erwähnt wurde. Schönerer und seine Leute mit dem Geschäfte, und nach mancherlei Einsprache wurde zur Sanirung des Amtsblattes dt Partei, der „Unverfälschten Deutschen Worte", der Beschluß ge¬ '> Poü Grundriß der elhnologiichen JnrisHjuden;, II., 1895, S. 344. Fm „Freien Blair" vom 18. April 1*93 war zu leien: „Se. Majestät r. bat mit a. h Entschließung vom 4. April I I. der Schwester des : . leichsrathsabgeordneten, schlesischen Landtagsabgeordneten, Wnndi T t; :• f, Frau Therese Lener, welche wegen Kerbrechen« des >' " . a: begangen durch Concurs. in mehrmonatlicher Strafhaft beim ir. ritt 1t,- ,n Tro'pvau war. den Rest der Strafe nachgesehen. Auch deren Ebeaauej '.'luten Lener, welcher seine Strafe in Mürau abbüßtej erhielt die kauet lickt- Legnadigun.'." Welch ein Glück für Türk, daß er, wenn er auch einem .buten siebt, von den volklichen Gesetzgebern doch als Vollblut- Arier anerkannt wird! Seine und seiner Angehörigen Erwerbsauellen erscheinen nicht ge'äkrdet. faßt, den jährlichen Beitrag der Bereinsmitgliedtr von 1 fl. auf 5 fl. zu erhöhen, ihnen aber zugleich den „unentgtltlichen" Bezug dieses Amtsblattes zu gewähren. Dieser „unentgeltliche" Bezug ist einer jener Geschäftskniffe, welche nach volklichcr Bch iuptung sonst nur zu den Eigenarten der Juden gehören. Die Poh:litzer semitische Verwandtschaft scheint eben den „besten Mann der Ostmark" zu beeinflussen, und auch dieser Umstand wird voraussichtlich bei weiteren Vorschlägen zur Durchführung einer volklichen Cocialreform gebührende Beachtung finden. Nichtsdestoweniger werden allt unter der Fahne des reichen .Schloßherrn von Rosenau sich sammelndl n volklichen Schaarcn nach wie vor pflichtschuldig brüllen: Heil ihres Nestes Inhalt! Heil Georz! Heil Philippinen! In seiner Borstands- Abwehr des Antiofgende Mittheilung erdaß Störungen vorzudas „Freie Blatt" ist und mit unserem es die gleichen Tender freundschaftlichsten Sie demnach, sich in T, Dorotheergasse 12) ’att" bestimmte Scnzu richten. Indem bringen, ersuchen wir zu bleiben und Ihr juzuführcn. In dieser 24 Aut Verein zur Abwehr des Antisemitismus, sitzung vom 17. d. M. hat der Bercin zur semitismus beschlossen, an seine Mitglieder f gehen zu lassen: Euer Wohlgeboren! Um administratives beugen, bringen wir Ihnen zur Kcnntniß, ein für sich selbst bestehendes Unternehmen Vereine nur insofern Gemeinsames hat, als denzen verfolgt wie wir, und mit uns in und angenehmsten Relation steht. Wir ersucheh Angelegenheiten des Vereines nur alt diesen wenden zu wollen, und für das „Freie düngen an dessen Adresse I., Seilerstätte 10, wir dies zu Ihrer gefälligen Kenntnißnahmc Sie, unserem Vereine wie immer gewogen Möglichstes zu thun, ihm neue Anhänger Erwartung begrüßen wir Sic mit Hochachtung. Für den Verein zur Abwehr des Ai tisemitismus: Zenker, Su tncr, Schriftführer. Prc sident. (Aus dcm Abgeordnctcnhause.) Am iss. Herren antisemitischen Volksvertreter zu wiede gezüchtigt, doch werden sie sich wohl damit getrc bei ihren Leuten so was keinen Schäden bringt der Minister für Cultus und Unterricht, Dr. bewogen, das Benehmen Scheicher'S als eines dünkelhaft streng zu rügen sowie die katholische Gchl feinen Wendung vor dem „in der letzten Zeit setzenden Geiste der Auflehnung gegen die Abgeordneter Dr. Meng er nahm sodann c Schlesinger zum Anlaß, um das antisemitische beleuchten, und bemerkte u. A.: „Der Abgeord Unser "Naturell empört sich gegen jeden Judei schichte des Handels.seiner Aufmerksamkeit widmet zu einer anderen Ansicht kommen. Die Vorwü f die Juden hier gemacht werden, wurden ebenst Hanseaten gemacht, als diese eine so überans im Handel einnahmen, ebenso gegen die Lombarte den Geldhandel in einem großen Theilc Europas dieselben Vorwürfe macht man derzeit den Deut haßt sie ebenso, wie man hier die Leute in den Hetzen möchte. Wahr ist, daß die Juden jahrht wurden, sich, weil ihnen alle anderen Erwerbsqw dem Handel zu widmen, und jede Beschäftigung auf den Menschen zurück, namentlich wenn sie rationen betrieben wird, und wenn überdies Truck aus religiösen Motiven ausgeübt wird, singer übersieht aber, daß cs sich bei dieser Fi> im inneren Staatslebcn endgiltig die Unterdrücker die Unterdrückten eher Bortheile haben, und das der antisemitischen Bewegung sein. Gerade werden oft in herbster Weise beleidigt und gefrä dieser Rücksicht viel häßliche Unmenschlichkeit geü wird sein, daß die Juden an geistiger Thätiglci an Zähigkeit viel Größeres leisten werden als manche der Eigenschaften, welche sie namentlick Uehergang vom starken Truck zur Gleichberech immsr mehr und »lehr ablcgen. Die Juden gcw n semitismus, und Sic können es in manchen Wissens meisten bedeutenden Leistungen auf diesem Gebiete der Juden gar nicht verhältnißmäßigen Anzahl Sie können nicht sagen, daß Habsucht oder t r v d. M. wurden die tsholtenmalcn moralisch istet haben, daß ihnen Zunächst fand sich Ritter v. M a d e j s k i, Priesters uiswürdig und stlichkeit in einer sehr o eifrig gesäeten, zcrorität" zu warnen, ne Rede des Herrn Gebahren gehörig zu uete Schlesinger sagte: Wenn er die Gee, so würde er selbst e, welche jetzt gegen seinerzeit gegen die beherrschende Stellung n, welche namentlich in der Hand hatten, scheu in Rußland und Haß gegen die Juden ndertelang gezwungen verschlossen waren, wirkt einigermaßen durch so viele Geneein so furchtbarer Abgeordnete Schlcage wieder zeigt, wie Schaden leiden ,und wird auch die Folge gebildeteren Juden ikt, und es wird in bt. Aber die Folge t, an Strebsamkeit, bisher, und daß sie durch den schröffen igung besessen haben, neu durch den Antichaften sehen, wie die jetzt in einer zur Zahl von Juden auSgehcn. ihnliche Leidenschaften e len Der tir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.