Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 141 (16.12.1894)
- Date
- 1894-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441581--1685-4888120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
~eite Freies Blatt. «Bund »tutjchcr Landwinde ia Ser Ostmark.) Am verflossenen Marienlercriage inaäuc der depostedirte A »tisemiten Khan von Roienan einen »euer lidien Bersucb. die verrprengken Trümmer seiner ehemaligen GesinnungSvasalle»;it einer gkinein'aine» £rgamtauon j» vereinigen, die ihm wieder zu einem Mandate oerkel'en i'oll Niiler dem stolzen Namen „Bund deutscher Landwirlbc in der Ostmark" wurde nach dem traurig berühmte» Muster des deuli.üe» „Bundes der Landwirlhe" eine agrarisch-antisemitische Bereinigung edustuui.k, ivelche angeblich die Hebung deS deutschen Bauernstandes aut Grund des national antisemitischen Programmes bezwecken soll, schönerer wird, wen» 'eine neue sckwp'ung überbanpt prosperirt, bald die traurige Erfahrung machen, last der „düniaikiiche" Bund nur zu iebr seinem deutschen Namensvetter nach- ...nächst. Tie Bäuerlein, die ibl» nnd seinen naliona!len Phrasen SamStag beim Schwenker zujubelleu, sind auch das Publicum des Katholikentage und beugen ii.ch rer ,,'der Kniie i» einem noch «pitzeren Winker Eines Tages wird Herr scheuerer irgend enzem noch im Besitze seines Adelsprädicates bestlidliche»!Ii:ra:nonlauen seine stelle in dem „Bunde deul'chtr Landwirlhe in der Ostmark" iälllne» und sich tagen müssen, daß er wieder, wie sterS bisher, nur für Elerrralen gearbeitel bade. Radau unS Tivoli ^Intifcmitcn.i oh Berlin Kielt neulich der Berbant deut'ch -ocialer Antisemiten, ÄblheHlung O st-.Lou ise » stad I, ,,„e Leriaininlung, in welcher ein Redner sich Uber die sogenannten Bürgerrereine bitter beschwerte, seil der Encnacher Einigung, sagte er, brüskiren d:,"e ccnst'rratlven Berliner Bereinc die „reinen" Antisemiten. Ein anderer .Redner nabm aber die BUrgcrvereine in Säiutz. Er habe in denselben immer ' in „eigene? Hotz" gesunden: nur einzelne „Herren des Parteiraibcs" seien uus feindselig ausgetreten. Auch Stöcker bar sich in einer Persammlung von E l'ri >: l i cki - S o c ia len Uber das Berhälrniß der Tivoli-Partei zu-den „reinen" Anliseuzilcn geäußert. Er unterschied zwischen „guten" Anuseiniteu. init denen :v Eon'ervalnen nabe verwandt >eieu nnd in Friede» leben lönizken, »nt „ rüden" Aniilemitcn, welche Temagogie lricke», den Mittelstand gegen die overen Elasten an'betzlen, religionsteindlich, christenihnmstcindlich seien nnd am metsten nach con'ervativen Mandaten jagten! Zu dieser Kategorie rechnete er rusbeiandere Äblwardt und Böckel. Bon Äblwardt erzählte Stöcker, er habe über ilm ausgestreut, daß er mebrcre Millionen hätte. Tas habe für ihn sehr b'deiikltche Folgcn g.-babr. Nicht nur, daß er mir Briese» um Darlehen über b.ili'k werde, um HmioO, -'«>000Mark, und dann, wenn er'nicht borge, schlecht gemacht werde, sondern man setzte ihn auch herab, weil er trotz seines angebliche» Reich,!,»,ns nichts iür die Arbeiter tbne. und er erhalte jetzt von Anti- 'einiten scbmäbbrieie „genau von derselben Nummer wie früher von den .laden". Während die radicale» Antisemiten mit.dem Rute „Juden raus!" nur schadeten, bekämpfe die consrrvalive Partei die Uebermacht deS Jndentbums in maßvoller , aber wirksamer Wei-e. sie werde anis Neue Anträge in den Parlametzten einbringe», sich aber in den Grenzen des Möglichen Kalken. Tieie »'iksizen >eien ,ebr eng. so' lange die Fürsten der „oudenfrage" noch o.kichgiliig g.'genübrrstebe». Unmögliches zu fordern, könne nur schaden, so lange noch die Mehrheit des deutschen Bolkes aus Seite der .luden stehe, könne man nur einzelne spruchreife Punkte der „Jude»frage" l.iiigen. z. B. das ..Ueberwuckern" der Juden aus den Gymnasien sglaubt Eiocker schon den Juden Deutschlands den Besuch höherer Lehranstalten verbieten zu können?, und im Stande der Richter n»d>Rechlsanwälte. Ans der an Stöcker« Auslassungen sich knüpfenden Tiscuision ist hervorzuheden: Ter Christlich Sociale Tr. .Io r t a n wendete sich gegen die allzu conservalive Färbung der .Stocker'sche» Rede. Ter Gegensatz der stände, der Unterschied zwischen Bori.-bul und töering sviele bei den Eonservativen eine zu große Rolle; die hoben Herren der coniervaiiven Partei verstünden die Bedürsnisic der Arbeiter zu nenig. Tie Stellung der Eoniervaliven zuin Duell, ihr Grundsatz der bebilderen Slandesebre iei weder christlich noch social Daraus wußte Stöcker :.ur zu entgegnen, daß Tr. Zordan das rein Religiöse mit dem Politischen ver- :> ecbele. Au' rein christlichen Grundlagen sei auch kein nationales : eben, kein Krieg denkbar. (Ter Ex-Ho'vredigkr als nationalgr, den Krieg icht scheuender Mann kann atro in ['olitic-is das reine Chxistenlhum nicht irai.chen> Ein Auliicmil Namens Michaelis balle Böckels Berhalten im kreue Liegen damit entschuldigt, daß eben in einem Wahlkampfe unschöne c »'ge verkämen, woiauf stöckcr bemerkte, der Grundsatz, daß im Wahl- . V; Manches erlaub', was sonst nicht erlaubt ist, sei mehr jüdisch als .'ch -!''■»!! Radau und Tivoli Antisemiten sich an einem Gegner rächen abcr au' andere Weise nicht thun können, so erklären sie ihn für :. diiigstens seine Handlungsweise für jüdisch. Zwischen Stöcker .cd' wir da nicht de» geringsten Unterschied. Ungeschickt war cä- . na, bie-cs Univtr'almiltels zu' bedienen, nachdem er wenige -'bcr da:- ram rein religiösen Standpunkte Unzulässige als zulässig .ch.c Pa'.leigcinebe und als unumgänglich nolhwendig für das neben erklärt baue Nicht weniger vcrdastl als das Judentbum ) In einer Münchener -ln:i',,n!:d::rerai»n:lung berichtete eur Herr Wengg über neue Einbruch rrli*; der „dcuisch jcdialen Rescrnlparte," in Bayern. Die Judas-Arbeit sei re gebnch, und zu bedauern seien jene Dresdener Antisemiten, die au» Ueber- .r. C: ". r :u. I ie muth oder Herrschsucht ihre. Nase in Dinge stecke» „Militarismus, Bureaukrytirmus und H»rrah - Pat, Wengg, „sind »nS nicht weniger verhaßt als das Jude», 21us antisemitischen B Nr. 141. sie nichts angingen. , iotismu«," schloß Herr thuin." ättern. «Süffisant und agiler.) Im „Deutschen Volk lblatt" wird das Wesen de« Abgeordnete» Steinwender als susfisant bezeichnet und der Wunsch ansgeiprocheii, er möchte au« der nach ihm benannte» Frnctio» ausscheiden, damit diese agiler werde. Ter Süffisance wird Steinwe» >er beinzichtigt, weil er einen aus den Beamtenfang berechneten, von den Abgeordneten Beer und. Ex» er sowie vom Finanzminister gebührend gewvrtigten Antrag der Herren P a t t a i und G e ß in a » », betreficnd die Thenerui igszulagen der Beamten, nicht unterstützt hat. Agiler wäre die SteinwenderE Kartei ohne Steinwender allerdings, aber wohl nur in dem Sinne, daß jt« iser, Polzh oser. Bare uth er und Hosmann v. Wellenhos jederzeit leichter zu bewegen wären, den Pauai und Geßman» hübsch artig Gefolgschaft zu leiste». (Gcgrn Ernst Nr. I »ud Ernst Nr. II.) In der „Ostdeutschen Rundschau" veröfieuilichk W. PH. Hanck folgende Erklärung: „Mehrere an mich gerichtete Anfragen ueranlafien mich, zu erkläre», daß ich von meiner Absicht, ans die im .Deutschen Bolksblatt' vom II. November d. I abgedruckte,' die Unlerschrist Ernst b'ehrner tragende Zuschrift: ,Wie sich Ernst Bergani mir seine» Theilhabern auscinandersetzt', zu erwidern, abgekommen bin. Der Grund biefür liegt darin, daß dieser Herr Einst!ehrner, wie auch Ernst Bergani, durch die in de» .Unverfälschten Deutschen B orten' vom 1. December 1894 abgedruckten sechs Briefe im Zusammenhalt dimit, daß Ernst Lehrncr neuerdings in ein Dienstverhältniß zum .Deutschen B UkSblatl' getreten ist, zur Genüge gekennzeichnet ist." Jaivohl,.gekennzeichnet ist iber auch die ganzc anli semitüche Preßmache und >vas drum »nd dran hängt. (Literatur: uugeaiigcud.) Heinrich Heine, der Stein des Anstoßes für alle patentirien Germanen und Christen, kommt durch die Sattler'sche „Wahr heit", ei» in Ruinburg erscheinendes Anlisemilenb!ättchen, zu unverdiente» Ehren, kürzlich brachte das besagte Blättchen eine» Leader gegen die Liberale», in welchem es u. A. heißt: „Um den Gewerbsmann im blinde» Glauben an die Allmacht des Liberalismus zu erhalten, wird j des Ringen nach Schutz seiner Arbeit »iedergeivorfen, jedes Recht, ei» Wörtle n in politischen Dingen reden zu dürfen, wird ihm durch sofortige Unter, .rabung seiner ohnedies kümmerlichen Existenz entzogen nach dem Bib^ls »ruche: .Wer wenig hat, dem wird auch daS Wenige genoinineiz.'" Ofienbar sind hier dem Bcrfaffer des Artikels die Heine'schen Berse vorgeichwe >t: Hat man viel, so ivird man bald Noch viel inchr dazu b.'kouimen. Wer nur wenig bat, dem w rd Auch da« Wenige genommen. Wenn du abcr gar nicht« hast. Ach. so laste dich begraben — Ten» ein Recht zum Leben, Lum>, Haben nur die, die etwas haben. Wahrhaftig, wenn Heine wüßte, daß er mit seinin Gedichten in die Bibel versetzt wurde, ja, daß bei der Unklarheit der Mitarl eiler der „Wahrheit" die Möglichkeit nicht ganz ausgeschlosten ist, daß seine L erke und Sprüche al« die von Kirchenvätern oder sogar von Heiligen ausgelegl werden, er würde sich im Grabe umdrchen. Aber auch Aergerniß kann so eine Schreibweise errege». Wa« wird z. B. der Herr Pater Ambrosius Opitz i, Warnsdorf dazu sagen, wen» inan Heinrich Heine seilens der „ Wahrheit" i, l die Bibel versetzt, al>o einem Menschen so eine Ehre anihut, dem der Her: Pater jüngst in seiner „Bolkszeitung" ein Denkinal auf irgend einem Miste gesetzt wiffen wollte? sGkschästSantiskMitismuS.) Ter i» Ha NI bürg e 'scheinenden antisemitische» Zeitung „Deutsch-nationale Warte" wurde de- Postvertrieb für Oesterreich entzogen. DaS „stramme" Blatt benützt diese bcl ördliche Maßregelung, uni den AbonnemenlSpreiS „um ein Kleines" zu ve lheuern, was in diesem Momente äußerst schlau und pfiffig ist; den» werden die Leute das Hamburger Schundblättlhen wegen des zu hohen Preises jetzt aufc eben, so wird der deutsch nationale Würtel flugs rufen, man laste einen Mär!yrer der Antisemiterei im Augenblick der Bedrängniß un Stiche Gott, ivie talei tvoll sind unsere Leut'! (Eine Blamage.) Tie „Altenburger Landeezeitung" brachte einen Angriff gegen den ziveiten Capellmeister der herz, glichen Hoscapelle, Herr:. Hertz, dem sie vorwars, an einem christlichen Feiert, ,ge eine Probe des Chorös und de« Orchesters abgehalte» zu haben, während e« an jüdischen Feiertage:: Probe» stet« abzusagen pflege. „Es erscheint," sagte! as genannt« Blatt, „reck: wüiislhsnSwerih, wenn die Intendanz des Hoftheater« Herrn Hertz die ihm . ermangelnde Aufklärung über die Bedeutung der christlichen Feiertage geben wollte." Daraufhin mußte die „Altenburger Lande» eitung" drei amtliche Berichtigungen veröffentlichen. In einer Zuschrift der Intendanz deS Hoftheater: hieß es: Im hiesigen Thealerdienstbetiirbe werden Proben niemals von eine»: Capellmeister angesetzt, sondern vom leckiniichcn Direc!or. Als Grund'au gilt: an Sonn- und Feiertage» keine Probe abzuhalten. An allen Theate. find aber solche oftmals absolut unverineidlich, wenn nicht große 'Repertoi -