Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 141 (16.12.1894)
- Date
- 1894-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441581--1683-4888118- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Opava 1× ep/1048047
OCR text
Sette <>. -4- Freie» Blatt. fafsung aller Kräfte erreichen, da nach versicherringstechnischen Grundsätzen ein sehr großer Fonds erforderlich ist, um eine Pensioriirung zu verbürgen. Hier reicht die Kraft einer einzelnen Gemeinde fast niemals aus, wie daS am besten durch das Beispiel der größten.israelitischen Eullusgemcinde im Lande, der Gemeinde Prag, bewiesen wird, wo die Penstoiiiruug der Gemeendebeamten auch noch nicht vollständig durchgerübrt und beispielsweise im Punkte der Altersversorgung die Stellung der Eantoren keine bessere ist als auf dem Lande. Daß hier vor Allem ein wohlthätiges Eingreifen des Ganzen noththut, wurde denn auch schon gelegentlich deS fünfundzwanzigjährigen Regierungslubiläums 2r. Maiestät anerkannt und durch die Widmung einer bedeutenden Lumme zu Gunsten einer Pensionsänstalt für die israelitischen Eultusgemeinden bezeugt. Allein diese Lumme reicht zur Turchführung der Anstalt nicht auS, und so steht' das Monument deS Patriotismus und der Humanität, zu dem man damals den Grundstein legte, bis zum heurigen Tage unvollendet da. Der Ausbau des begonnenen Werkes wäre unserer Ueberzeugung nach die würdigste und wirksamste Verwirklichung der Absicht, das fünfzigjährige Jubiläum deS Kaisers durch eine wohlthätige Gründung zu feiern. Durch die angestrebie Festigung und Erweiterung der als JubiläumSstiflung bereits bestehenden und den Namen unseres Monarchen führenden Peiistonsanstair würde I. dem Rothstande vieler würdiger Männer abgeholsen, die als Lehrer, Priester oder CultuSbeamte ihre Lebensarbeit verrichtet haben und sich zuletzt auf ein unsicheres Gnadenbrot angewiesen sehen oder gar zum Darben verurtheilt sind. 2. Es würde dadurch einer Ehrensorderung der Gemeinden entsprochen, die gewiß den lebhaften Wunsch hegen, ihre Angestellten vor Roth und unwürdiger Stellung im Alter geschützt zu wisien. 3. Es würden dadurch für alle Verrichtungen, die den Beamten der israelitischen Euliusgemeinden obliegen, im ganzen Lande sehr gute Kräfte gewonnen werde», da die Bedingungen für daS Amt in einem Hauptpunkie bester gestaltet wären. Endlich fordert das Ansehen der H'saniinren Judenschaft Böhmens, daß die EuliuSbeamten in ihrer Stellung gleich den Dienern der übrigen Kirchen und ReligionS genonenfchaflen gesichert werden und nicht den Anblick der Hilflosigkeit in den Tagen ihrer Arbeitsunfähigkeit gewähren. Alle Momente, die bei dein Plane dieser Richtung in Anschlag kommen, entsprechen den erhabenen Jnieinionen, die unser Monarch allezeit bethätigt, sowohl : das huinailliäre Moment, die Fürsorge für treue Diener des Gemein- | Wesens, wie die Bemühung uni die innere Lrtznung innerhalb der Gemeinden, die in der Regiernngszeit des Kaisers so große Fort- [ schrille gemacht hak, sowie endlich das Streben nach Gleichstellung der i jüdischen Enlluöbeamien mit den Beamten anderer Eulte, in welcher | Gleichstellung sich der Geist der consessionellen Gleichberechtigung ausj prägt, der die von dem Kaiser sanckionirten Staatsgrundgeseye erfüllt. Durch-alle kiese Gründe ist klar und deullich nachgewiese», daß in erster Linie durch Petitionen an das verehrliche Etmiitö in Prag dahin zu wirken wäre, daß die geplante Kläftigung und Erweiterung der bereits bestehenden „Kaiser Franz Joses-Jubiläumsstistung" den im Alter zum überwiegenden Theile entweder gar nicht oder nur in un genügender Weise versorgten Lehrern, Priesteru und sonstigen Beamten zugnle kommen, daß zur Feier des seltenen Gedenktages eine Schuld der Humanität gegen lreue, geistige Arbeiter iui Dienste der Religion, der Moral und des Willens völlig getilgt und eine Ehrenfordernng der gelammten Judenschaft Böhmens erfüllt werde. Wenn die Borstände der O-emeinde» diese Erwägungen beherzigen, werden sie sich den Tank unzähliger Familien erwerben, vieler unverschuldeter Roth steuern und dazu beitragen, daß das Ansehen de^ jüdischen Gemeinwesens gehoben und daß ein Werk vollendet werde, ijas des große» Anlasses rvurdig ist, der alle Patrioten mit Begeisterung [iü das Gut: ■ iniat und dazu aussordert, diese Begeisterung dautrnd zu bethätigen. '.'lltriiniiundic 2(hlnumcicr. Man schreibt uns aus Gaya: Ti.' ie-stgeii Tschechen geben sich seit Jahr und Tag Mühe, unser . Geiueinwesen von den Deutschen zusäuberu, und glauben ' : : i" beuden Gemeirldewahl ihren Herzenswunsch erfüllen zu ' i / - ». ^-erwaliiingsgerichlsbos har nämlich ani I. d. M. :iii lichech.scheu Proleste statlgegebe» und die KriegS- Sieuer mir einbezogen werden. Hiedurch ge .! . i! ersten Wahlkörper einig» Stimmen und > i.ii i> .1» Sr...'k" ein Liegessest, an dem sich auch > i i'. .. . . : .iiraanistiichen Lehrer betheiligten. Ta die Z-ch-ü Einbe-.iehung der Kriegssteuer für den ersten W-.l tr; r r b-'..r st .1: .-». io wirk bei der nächsten! Wahl das Trei- .ach iluein zweifachen StenermoduSs behandelt werden.. : ist- -all die Herren Tschechen, jJung- und Altsale', die Parole ausgaben, e s m ü s s e bei der Linie daraus gesehen werden, daß dieselbe im antisemitischen Sinne auSfal diese Lchlauköpfe auch einige deutsche Stimmen dürfte diese Berechnung falsch sein. Gegen den e. Hiedurch hoffen §u ergattern. Doch Juden, das weiß Nr. 141. nallllo::■' lmui,' Das ih-'.'.ix i'chcchcii >0101,'-'Ei-. Wall in c r st r Jedermann, erhebt man das Feldgeschrei, hofft a^er thatsächlich, das Deutschthum Gayäs zuui Falle zu bringen. (Bange machen gilt nicht.) Bor dem Schwurgesichte in Troppau fand am 30. November und 1. December die Berhatzdlung gegen den Redacteur d^r „Freien schlesischen Presse", Bicfor welcher von dem Schriftleiter der antisemitischen Joses Freisinger, wegen Vergehens und von dein gesammten Ausschüsse des Vereines „Deutsche Wehr" wegen Uebertretung der Ehrenbeleidigung angeklagt war. Die Kläger waren wanSki, den antisemitischen Bürgermeister Troppauis, vertreten. Allein trotz dieser Parteinahme deS LtadtoberhaupteS füi die antisemitischen Kläger nahm der Proceß nicht den von diesen wünschten Ausgang. Der Angeklagte, welcher bi« beleidigenden Angriffe des antisemitischen BlatteS auf eine Frau seinerzeit mit scharfen Worten gekennzeichnet hatte, erbot sich für der» Richtigkeit den Wahrheitsbeweis anzutreten, was auch der Gerichts >of gestattete. Aus den Zeugenaussagen ging hervor, daß das antisemitische Blatt auf eine bloße Klatscherei hin, daß die erwähnte Dame ein n Artikel für daS deutsch-liberale Tagblatt geschrieben habe, über dieselbe in denkbar unhöflichster Weise hergefallen sei. Als dann mit der Klage gedroht wurde, widerrief das antisemitische Blatt wohl eine Behauptung, doch, wie während der Verhandlung hervorkam. erkl irte der Redacteur Joses Freisinger später, er hätte dies nur aus Besorgniß vor der Preßklage gethan. Der Vertheidiger Tr. E iS ler führte aus, daß, so scharf die Abwehr deS deutsch-liberalen BlatteS gem sen sein mag, sie doch nicht vereinzelt, sondern in Verbindung mit dei seit Jahren fortgesetzten ganz unglaublich rohen Angriffen des antifi niitifd)cn Wochenblattes gegen die angesehensten Männer Troppaus, <S ichlesiens, ja ganz Lesterreichs aufgefaßt werden müsse. Tr. Eisler führte eine Blumenlese aus der „Deutschen Wehr" an, die allerdingi an Rohheit und Gehässigkeit kaum noch übertroffen werden könne. Er legte dar, wie seit dem Erscheinen der „Deutschen Wehr" ein Gei t des Haffes und. der Verhetzung in die Stadt und das Land eingezoccn sei. In jeder "Rümmer der „Deutschen W.'hr" werde gehetzt unk geschimpft, Unfriede und Gehässigkeit in die Herzen gesüet. Tie gröbsten Bcschinipfungen w erden an ge wendet; nichjt so sehr die politischen Ansichten als die Privatehre werde angegriffen. Tie „Deutsche Wehr" sei die Ablagerungsstätte aller Angriffe, weche sich gegen unbescholtene Per feite» erdenken lassen. Tie offenbare Absicht Irile zu Tage, diese Personen zu besudeln und der öffentlichen Veracht tilg preiszugeben. Der Vertheidiger wies darauf hin, daß die Porstende des Vereines „Deutsche Wehr" zweimal in der Woche Sitzungen halten, und sprach die Vermulhung aus, daß in diesen Sitzungen auch Einfluß auf den Inhalt dieses Blattes genommen werde. Die Geschriornen erkannten, unbeeinflußt von der am Platze des Klägers sitzenden Autorität, den Wahrheitsbeweis mit 0 gegen 3 Stimmen für erbracht, und sonach wurde der Geklagte vom Gerichte freigesprochen Darob großes Aergerniß im Lager AntisemS. Schriftleiter Freisinger hat dem Ausschüsse des Vereines „Deutsche Wehr" sein Entlaf ungsgesuch überreicht liorribile dietii), und die Antisemiten drohe» »un werde die Hetze gegen ihre politischen Gegner noch schlimmer we den. Recht schön und ehrlich das, aber — bangt machen gilt nichr. (Ein 2itst der Toleranz.) Die Sanction der Vorlagen, welche von beiden Häusern der ungarischen votirt wurden, ist bereits erfolgt, und sonach haben religiöser Tuldsavikeit geleiteten Wünsche des ungarischen Volkes den Sieg über die Partei der Römlinge, Frohnherren davongetragen. lTentschcr Reichstag.) Die Radau Antisemiten deutschen Volksvertretung eine besondere Fraction bil >en," brachten in der ersten Sitzung,, welche im neuen Reichstagsgebänte stattfand, eine Reihe von Anträgen ein, denen keine andere Absiel t zugrunde liegt als die, daS Geschäft der Judenhetze systematisch we ter zu betreiben. I Sie beantragten, daß die Einwanderung ausländischer Juden verhindert und zugleich ausgesprochen werden soll, daß diejenigen in Deutschland ansässigen ausländischen Juden, die niHt bis zum h. August 1893 ein selbstständiges Gewerbe oder Geschäft betrieben Halen, ausgewiesen werden müssen. Auch soll die Gewährung der Staatscngehörigkeit von den einzelnen Bundesstaaten an ausländische Juden untersagt werden. WeiterS stellten sie Anträge auf Erlassung eines Schi chtverbotes nach dem Muster der im Königreiche Sachsen giftigen Best mmungen sowie auf Wiedereinführung der consessionellen Eidesformel im Gerichtsverfahren. lirchenpolitischen Reichsvertretung die vom Geiste und Judenfresser welche in der