Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 140 (9.12.1894)
- Date
- 1894-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite s. Freies Blatt. Ar. 140. fügen wir bin;u, ist JndiScrelion und die Verwerlhung von Privalbriefen zur Beitraiung Abgefallener vereinbar. tTieustvermittlungsbureaux uud Aerzte Lberflusfig.) „Ter Sendbote des göttlichen Herzens Jesu" betitelt sich eine Monatsschrift, welche die Jesuiten ftn frommen Lande Tirol herausgeben. Einem Hefte diese» auserlesenen Organs zur Volksverdummung entnimmt die »Volkstribüne" folgende« reizende Vonquet: I. Eine Aufmunterung zum Abonnement. Tem frommen Blatte wurde geschrieben: „Im Tecember 1802 kam eine Frau zu mir und Nagte, daß sie mit tdrcin Manne schon volle drei Monate ohne Dienst sei. Die Erwarnisse waren aufgezebrt, und nach den eifrigsten Bemühungen, irgend welche Stelle zu finden, schwanden täglich ihre Hoffnungen mehr. Jede Annonce in der Zeitung wurde benüvt, um Erkundigungen einzuziehen; aber immer war schon Alles vergeben. Als ich diese arme bekümmerte Frau so vor mir stehen -ab, kam mir plövlick der Gedanke, wie wäre es. wienn ich sie ausfordern würde, mit mir eine neuutägige Andacht zum Herzen Jesu zu machen um Erbörung, daß ne baldigst mit ihrem Manne eine gute, Stelle fände; ich sagte ckock, a,n besten wäre es fttr fie wohl, wenn sie in einem Herrschaftsbause als Ziminerwärter angestellt'wurden. Wir verrichteten als« unsere neuntägige Andacht, Ich reiste dann ab, kam in die Stadt und besuchte einige Tage daraus meine Bekannten, AtS wir beim Tbee zusammen waren, srug man mich, ob ich denn 'Atemanden für die Stelle eines Ziintnerwärterß zu empfehlen wüßte, Natürlich dachte ich gleich an die betreffende Frau >'ammt ihrem Manne. Sie stellten sich vor..wurden angenommen - und versehen seit 1. März ihren Dienst in einem nirglichen Hause, Ta ist dejin wohl kein Ztveifel, daß das göttliche Herz Jesu un>er schwaches, aber vertrauensvolles Gebet erbört hat, Tie betrest'ende Frau bat aus Dankbarkeit den ,S eudboten' abonnirt," ','lach dieser ausgezeichneten Wirkung der neuntägigeff Andacht brauchen sich arbeitsuchende Arbeiter und Arbeiterinnen abiolut nichll mehr die Füße wund ' y.i lauten, »in außerdem noch tftrobheiten von der Arbeitssuche heimzubringen. Sobald aber, die Andacht ihre Wirkung getban, dürfen fie nicht vergeffen, den . Sendboten" zu adonniren. Und nun ein anderer Fall: Ein frominer Tiroler schreibt: „Mein Söbttchen. geboren am ft. Tecember 1881, bekam im Jahre 1.8.'!' die lallende Sucht, Alle Mittel der ärztlichen di,tust wurden angewendet und auch ionn scheute ich keine Mühe und Kosten, den^ armen Kinde zu helfen. Alles umsonst. Tie schreckliche Krankheit nahm immer mehr zu; bei Tag und Nackt und immer daufiger wiederholten sich die Anfälle und bei jeder Geiegeudest. 'Nackdem wir arme» Eltern schon rast fünf Jahre uns das hatten an- >edcit iniiüen. wandten wir uns endlich recht ernstlich an die göttliche Hilfe, Wtr.aboiinirteii vom l, Jänner 1803 an den .Sendboten' und beteten inbrünstig zum heiligen Her^n Jeiu. Unser G^tbet wirb freilich nicht viel wertb gewesen-lein, aber unser Wille war aufrichtig Am II, Juni — Her; -Zem-Fesi — kam ein Mann zu uns unb fragte stach dem kranken Kinde, Er betete über das'elle unk segnete es und irsi? beteten auch und verlobten uns zur Keiligen Treitalttgkeit, Wir haben das Gelübde erfüllt: denn das Kind ist gesund geworden und ist es beute "noch, nachdem es der nämliche Mann fünf Tage lang ärztlich behandelt batte, Ter Knabe gebt jäyt wieder in die Kirche iliid in die Schule, wo er sonst immer io viele Anfälle gehabt bat und-ist ihm bis >ctzt nichts mehr zugeüoßen." Aus dem Obigen erficht! der liebe Leser, wie überslüssig eigentlich die Aerzte sind. Tie Hauptsa^e aber ist, daß, sobald Einer krank wird, er sofort! den „Sendboten" abonnirt. Einmal soll das Abonnement auf denkelbetst sogar eine kranke Frau gerettet haben, welche die Torturen für verloren erklärten und welche vor ibrem Tode schon bald verwest war, und zwar >o, „daß der Leichengeruch das ganze Haus erftillie". Tie Frau abonnirte stber auf eine Recoinin an e atiott den ,,S endboten vom göttlichen Herzen Jesu" und siebe da — die Frau ward gesund. Tb zu dieser auch der Mann gekommen in, welcher das Kind „segnete", von dem im Obigen die Sprache in, vermöge» wir nickt zu sagen. Wie unseren lieben Leiern bekannt, besteht ar.ck in Wien eine Filiale der großen TienüvermittlungS- und Aerzteersetzungsannalt in den „Sendboten des heiligen Jos f", herausgegeben von Marter T eckert Derselbe besorgt auch die Erleuchtung bei der Braut- und Berusswahl und in anderen kritisckeiv Lebenslagen,!>loß gegen vorheriges ."i dnneinent. Gott, wie billig! Aufforderung zur Mandaksniederlegung.) Ten „Bote ans dem W:c!>:vwatde" fordert mehrere antisemitische Getinindeaurschüffe Baden» , ,,', >l re Bioncate niederzuiegen, und schreibt: „Wir erwarten auf das Bett mw' ne von dem volitticken Anstandsgefühle der Herrin, die eS angeht, daß a,, Ne E: r-nnellen, die sie ja nach ihrem Anstretet nicht mehr verdienen, vei'gb'-i:. :, I. tote Gemeindemandate in die Hände ilrer Wähler zurücklegen, sollten sie sich weigern, dies zu thun, werden wir nic|t zögern, die gejammte harte! m Rickietn in die-er Sache anzuruten," Tet Grund zu dieser Aufsorde:unz bildet das Verhalten der antisemitischen Gem indeausichüffe bei einer Wali'.erveriammlung, in welcher Professor Tr. March: t‘ seinen porlamentarichen Reckenschaftsberich', erstattete. Baumeister Fallet hatte ein Mißtrauensvotum gegen Tr. Marchet beantragt, war jedoch außen Stande gewesen, auch nur alle Genossen au? dem Gemeindeausschune zu einer solchen Kundgebung gegen den um die Forderung der Interessen setner Wähler, namentlich der Weinbautreibknden, hochverdienten Abgeordneten zu verleiten. Da» liberale »Badener Bezirksblatt" bemerkt u. A,: Wie viele Theile hätte wohl die Schubleiter haben müflen, von der herab der „Bote au« deNt Wienerwalde" sein SiegeSgeschrei hätte ertönen lasten, wenn fie Alle, Alle gegen den „verhaßten" Abgeordneten gestimmt hätten? Und welche herrliche Waffe wäre es für den berühmten „Parteitag" am 16, Tecember in Mödling gewesen, wenn es gelungen wäre, wenigsten« im Hauptquartiere der antisemitischen Partei ein Mißtrauen». Votum gegen den Abgeordneten zustande zu bringen, der in allen anderen Wahlorten geradezu glänzende Zeichen der Anerkennung seiner Wirksamkeit erhielt? Damit ist e« nun nichts, und in ohnmächtiger Wuch fällt der „Bote aus dem Wienerwalde" nunmehr über die „Fahnenflüchtigen" > hex, stellt fie an den Pranger und spricht sein Anathema aus über jene Gemeitzdevertreter, die dem Dictum nicht folgten und sich erlaubten, auch eine Meinung zu haben, (Lpitz und Bergan! über die getauften Inden.) Gegen die von verschiedenen Seiten erhobenen Anwürfe, daß getaufte Juden in der christlichsocialen Presse daS große Wort führen, schreibt die Opitz'schi „Testerreichische Bolkszeitnng": „Tie christlich-sociale Partei verurthult principiell jeden Racen-Antisemilismus. Auch hie Apostel, ungezählte Ehr sten der ersten Jahrhunderte und zahlreiche Heilige waren dereinst Juden, wurden aber überzeugte. nickt Cärrü-re- und Geschäfts-Christen und lebten und Katholiken. Ter Racen-AntisemiiismuS ist heidnisch, ist ver verslich und mit dem DaS „Die inung Ausdruck, mit kte nicht überein, da daß ein Jude unter e r und die anderen Christettthum schon im Hinblick auf beste» Anfang gam unvereinbar," Berga,ti'sche „Deutsche BolkSblatt" bemerkt zu diefir Aeußernng: .Lesterreichische Bolkszeintng' gibt damit lediglich ihrer M der der christlich-socialen Partei stimmt sie in diesem'Put die christlich-sociale Partei an dem Standpunkte festhält, alletMllmständen Jude bleibt, wie dies auch Tr, L u e c antisemitischen Abgeordneten bereit» wiederholt betont Hab n " Nun, war den Tr, Lueger betrifft, so ist er genug, sagen wir, „Realpoliti falle wieder eine andere Meinung mit Feuereifer zu vertr Volksblatt"-selbst hat dies zu einer Zeit, da es noch von sehr schön dargelegt. (Erkläret mir, Graf Teriudur!) In einer i» W erscheinenden antisemitischen Quartalsckrist lesen wir: „L handelten als treue den aus Stoffen ani te nur Schundwaaren pitälismus beherrscht 'er", um im Bedarf« ten. Da» „Deutsche hm unabhängig war, irnsdorf in Druck arutu sollen wir bei Cdriften kaufen? Wenn wir heute unser gesanMite« Wirhschastsleben betrachten, dann finden wir, daß dasselbe ujiter dem Tr tcke des GroßcapitalS steht, das nur ein Ziel: die Ausbeutung des Volkswohlst indes, kennt. Ganz« Gewerbekategorien, die einst tauseitde» von kleinen Meistern Brot und Verdienst für ihre Familien gaben, fielen diesem Moloch zum Tp'ei, und der finanzielle Ruin bunderttausender braver Geschäftsleute bezeichnet den Sieg de« Großcapitals. Ter jüdische Kleider-.Kohn'sectionär hat tausenle Meister schwer geschädigt, Tie in diesen Geschäften verfertigten Kleider we - gefertigt, die vom ,Khon'sectionär in solchen Tuchfabriken, erzeugen, eigen» bestellt werden . , , Ter jüdische Große: den Ärbeitsmarkt, drückt auf den Lohn des Arbeiters; ta:tsende brave Mädchen werden durch die gezahlten Hungerlöbne der Povelwaarene zeuger in Elend und Schande getrieben, und darum Frauen und Mädchen, kauft nur bei Christen! Kauft nur bei Christen! Oder müsse t noch mehr ehrliche Existenzen vernichtet werden, bevor bei uns Ckristeu di« Einsicht zum Durchbruche gelangt, daß wir uns selbst helfen müssen, wenn geholfen werde?" Wir fänden kaum einen Anlaß, dieses tönende Echo der tausendmal in Wiener Hetzversaminlt» gen gehörten Phrasen einer besonderen Aufmerksamkeit zu würdigen, wenn niht das Blättchen, in welchem diese Ergüsse » la Schneider oder Liechtenstein z t finden sind, in der dem bochliberalen Herrn St rache gehörigen Buchdrucker N der „Abwehr" erschienen wäre. Wir geben uns der Hoffnting hin, daß noch nicht alle Vertreter des Liberalismus in Teutschböhmen so duldsatne Ngturen f nd wie der Redacteur und Besitzer der „Abwehr", sonst müßten wir uns bat > zur Leichenfeier des Teutschthums und Freisinns in Böhmen rüsten. lLcuß und kein Ende. t Ter antisemitische Reichstagsabgeordnete Leuß, wider den eine Untersuchung wegen Meineides schwebt, ist, wie der „Hannoversche Courier" meldet, am 27, November ans Verfügung der in Celle wieder verh,astet wordeft, Ta» conservativ an i Sonntagsblatt" voin 25, November macht zu den merkung: „Wenn diese Thatsache (des Meineids) sich als n ähr erweist, was wir glauben, so wirft sie ein trübe» Licht auf unsere Antisemiten, Wir haben stets gesagt ttnd sagen es auch heute noch: nur rechte Christen, wir wollen, daß uns von Warnsdorf hereie Kirche lieb haben, sind rechte Volksvertreter. Aber lei! er gehen unsere antisemitischen Abgeordneten wenig in die Kirche, und darum in die Hände, der den Inden zutn Betrüger und Gauner allerlei Anderem macht, über dgs wir später reden wollet (Höchstes aus Höchst.) Aus Höchst in Hesten-Nastau rund sch au" des Tr. Friedrich, Lange Hetzstoff. Sie trachte ein Schreiben, da» angeblich der jüdische Inhaber eines WaarenhaufeS' dortigen Schuhmachermeister gerichtet, welcher ihn im wegen einer unpassenden Annonce angegriffen hatte,- Diese» Schreiben, das als Beweis jüdischer „Frechheit", „Ueberhebung" rc, dienen Oberstaatsanwaltschaft isemitische „Kasseler Falle Leuß die Bedie Gottes Wort und fallen sie dem Satan und deit Christen zuholte sich die „VolkSin Höchst an einen „Höchster Kreisblatt" sollte, ist jedoch eine