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Freies Blatt · 1894-12-09 · 140 (9.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
140 (9.12.1894)
Date
1894-12-09
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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I Nr. 140 langen und zu verbreiten. Nun, dann entpuppt sich die ganze Geschichte «IS nicht viel mehr als eine höchste Fructificirung der citirten Anführer zu dem einzigen Zwecke, einem obscure», dem Untergang geweihte», weil nicht lebensfähigen Winkelblättche» eines antisemitischen VereinSmeier« einige Abonnenten zwangsweise zuzuschanzen. Za, um HimmelSwillen, warum veranstalleu denn die Herrschaften nicht unter sich eine Collecte zu Gunsten de» armen Teufel«, sonder» appelliren so herzbrechend an de» WohlthäligkeiiSsin» des, wie sie selbst behaupten, schon gänzlich auSgemergelten christlichen Volke«?! Die höhere Potenz geschäftlicher Gewandtheit leistet aber Psenner noch durch Ankündigung seiner Tournee in christlich-socialen Wanderversammlnngen, wo er als Stell Vertreter Geßniann'S, deS „Fürsten", deS Dr. Lueger, Tr. Pauai, Tr. Schcicher, Schneider u. s. w. für seine heilige Sache Propaganda mache» werde, sintcmale» und alldieweile» die Anderen ihre Thäligkeit aus Wien coiicentriren müßte». DaS Gaiize dürste aus den Refrain. „Abonnirt mein Blättchen!" aiistöne». Wir glauben, Tr. Psenner würde als beredter Agent für Stiefelwichse einen lohnenderen Gcwiu» erzielen als mit seinem alten Kohl, den Niemand mehr mag. Gewiß werden Wandervkrsammlungeii stattsinde» und gewiß wird die aniisemitijche Presse über jede einzclne des Langen und Breite» berichten. ES ist jedoch immer der alte Witz: Achte dich asiei», lach' allein! r. «eh. i(il)ri|tlidj=Socialc und Social-Demokrattn.) Letzten Sonnlag fand im V. Bezirke eine Bersammlung des christlich-joc'.aten Arbeitervereines statt,, z» welcher auch etwa LU Social-Deinokratcn sich eini'ande». E» kam i» der Bersainittlung zu stürmischen Scenen. Schon bei der ersten Rede, die ein Ehristtich-Socialer hielt, gab eS wegen der Zwischenrnse der Social Deinokrate» hefiige Austritte. Ein Social-Dcmokrat, welcher sodann das Wort ergriss, polemisiite gegen die antisemitischen Schlagwortc seine« Vorredner« und griff de» anwescndkn Abgeordnete» Lueger wegen dessen Haltung beim»iederösterrcichifchen Katholikentage an. Die Ausführungen de« Redner« riefen einen großen Sturm in der Bersammlung hervor. „Hinaus mit den Social-Temokiaien!" erscholl e« von alle» Seilen, und man war nahe daran, zu Thätlichkeile,, zu schreite». Unter Beifall und ironischen Zurufen betrat hieraus Lueger die Rednertribüne. Er »ahm sür die christlich-sociale Partei da« Per dienst in Anspruch, sür dieZnieressen de« BolkeS z» wirke». <R»fe: O je!) Gegen die social-demokraiische Parltileitung erhob er die Beschuldigung, daß dieselbe die Arbeiterschaft zu Gunsten eine« Dritte» verführe. sWid.er,pruch der Social-Demokraien und neuerlicher Tumult.) Nach Lueger wollte wieder ein Social-Temokrat eine Rede Hallen, doch schon nach de» erste» Worten desselben — er hatte von einem „politischen Chamäleon" gesprochen — begannen die Christlich-Sociale» zu lärme» und drängte» »ach vorne, um de» Redner von der Tribüne zu reißen. „Sie sind durch die ^Zugehörigkeit de» Pfarrer« Schcrzer zu Ihrer. Partei gekennzeichnet," rief »och der social-dcmokratiichc Redner in den Tumult. Tann wurde die Bcriainmlnng ge- Ichlossc», um weitere» Consticie» vorzubeuge». (Dir Commcrslieder rincs AukifemitkilvereiilkS.j Tas k. k. Landesgericht Wien al« Preßgericht hat auf Antrag der k. k. StaatSäinvaltschaft erkannt, daß der Znhall der in dem Druckwerke: „CommcrS-Lieder de« Bolk«wirthschajtlichen BereinkS, Verlag diese« Vereines, Druck von Kreisel und Gröger, Wien I895>" enthaltene» Lieder mit de» Aufschriften: 1. „Vereinslicd" i» der :> und Strophe (Seite 8), 2. „WaS ist denn da« sür eine Rast"", 3. „Schacherjud' auf seiner Reis'" da« Vergehen »ach 8 302 St. G. begründe, »nd e« wird nach tf. 49.1 St.-P.-O. da« Verbot der Weikerverbreitung dieser Druckschrift gnsgesprochen und die von der k. k. StaatSanwallichaft verfügte Beschlagnahme »ach K 489 St.-P.-L. bestätigt. . ' . („liberale Aiitifeinitcn.") Zn der „Ostdeutschen Rundschau" lesen wir: Heute kam n«S eine aus weißglänzendem Postier gedruckte.'(arte zu mit der Aufschrift: „Beitrittserklärung zur Gründung de« Ersten Wiener politischen Vereine« .liberaler Antisemiten'". Tie ganze Ausstattung der Karte läßt vermuthe», daß sich hier ein mit überflüssigem Gelde versehciier Spaßvogel einen Scherz erlaubt hat — mit welcher Absicht, ist allerdings sraglich. Oder sollte es am Enhe wirklich i» der christlich-socialen Partei noch Leute geben, denen vor der zunehmenden „Schwärze" ihrer Partei zu grauen beginnt, und die »nn in ihrer Verlegenheit keiucn andcreu Ausweg wissen, als sich „liberale Antisemiten" zu iienilen? (Tschechiflhrr Alitisrmikenkag.) Wie die „?0.ensliv I-istv" melden, soll noch vor Neujahr ein tschechischer Antisemitcntag nach Raudnitz oder Tabor cinbcrufen werden. Die Einladungen werde» von de» Herren Lueger und Schneider von Wien au« ergehen. (Auch Parkicularislkll.) Die bayrischen und württembergische» Aittisemilen sind auch Particularisten. Vertreter derselben kamen jüngst in Stuttgart zusammen, und in einer von ihnen angenommene» „Entschließung" bezeichnen sie al« VorauSsetzuug eines späteren ZusaminengehenS mit der „deutsch-socialen Reformpartei" die „Berücksichtigung der bestehende» selbstständigen bayrischen und württembergischen Landesorganisationen". iFrüchke der Hetzvrrfammlullgcu.) Am 28. November fand in Traunstein in Bayer» eine antisemitische Bersainmlung statt, »nd in der solgendcn Nacht entstand im Laden de« jüdischen Kaufmannes Barasch eine Explosion, Äeiie 7. welche eine» erheblichen Schaden anrichtete. Tie Ursache der Erplosion ist, wie kestgestellt ivnvbe, ein Attentär, welche« offenbar irgend'«n Fanäiiker unter dem Eindrücke der vernommene» Hetzreden beging. Bckaiiiiililli wurde in Traun stein schon vor einigen Wochen, ebensall« »ach einer <a»tiieiziiii>ll>en Per sainmlung ein Atlenlaisverstich uittcrnoininen. ivelckier ,edoch keine» Erfolg batte. 2ius antisemitisch^'!! blättern. iGritst Nr. l. Illld Ernst Nr. II.', Tie gm i Znlmonat crichicnene» „Unverfälschten Deulscheiz Wor ir" bringen mehrere 'Briese, wel.be Ernst Lehrner seinerzeit an Georg Schönerer gcrickneiZiai. Tbivohl diele Briefe nnr zur „perfönttchen Znsorination" Schöüerer's bestimmt und von . der Bitte degleilet waren, es möge von ihnen kein i'ü'braneb geniachl werde», erlolgt »»» ihre Vcrösseittlichung, um Lehrner sür leine Anssöbnung mit V e r g a n i zu strasen. Zn einem Briefe vom -'!>. Teiober ,7b,irb Lehiner: „Anbei erlaube ich mir, Zhiien den vollständigen Worllauk der Rede Pariai'S zu übersende».' Bitte dieselbe durchziilele» und mir bei Gelegenheit wieder zurück zuftelle». Ich war selbst al« st»,inner. Zuhörer in der Versammlung, könne es aber nicht aushalke», da mich der Ekel cr'aßte, ms ich Iah, ,v,e Lento, die ich in Ihre» .Verlaninilunge» jubeln sah. Zetzi einem Pauai bei den Steilen, wo ihm die schwarz-gelbe Sande bei allen Löchern heransran», ganz ralend vor Vergnügen zitriefen. Es war. auch gut, daß ich früher die Versammlung verließ, denn die wüsten Scene», welche znm Schinne iolgien, wo in einer io geiianiitkn Anlisemitenversanimlnng bei dem R,»c: ..Hon, Schönerer!' Pfni Ruse erlöitten, hätten mich vielleicht z» einem Schrine hinreißen lauen, den ich jevt bitter büße» inüßie." Am 7 Tecember 1 *<• ließ sich Lehrner vor nehmen: „Vergani behauptet im Briellasten vom ".,12:-.Er habe da« Blatt mit Opfer» gebalie».' Zn iva« bestanden diele SvlerL Wie Sie wissen, bezieht Vergani ein Gehalt von 7t«Hx* st.z Zi„«, Beleuchtung. Beheizung circa I2ii0sl.z Sonstiges: eine Permanenzlartc ans den k. k. Staatsbahnen, Prämie für eine Polizze :c. 1000 fl.; :Y Pcrccnt' Zinien von einer Einlage von I.stooo fl. 750 fl., Summe f>9fi<) fl. Es ergibt sich sonach, ivenn man den Zinsfuß be rechnet, zu ivelchem sein |?) Capital von lf>.ooo st. angelegt ivar, ein'Betrag von nicht ganz 40 Percent! Ta« sind die Spfer. ivelche' Vergani dem Blatte gebracht Hai! 'Wenn anan nun seine sacliiche TKätigkeit beim Blaue, ivelche aber dem Blatte selbst nur Schaden gebracht Hai, mit 2t» Pdrcent anniinint, io ergibt sich nach Abzug dieser 2<i Perceni iminer „och ein weiterer Betrag von 20 Percent, welcher ganz unmäßig genannt iverden muß. B seine Wenigkeit hatte Anspruch auf de» Bezug von nicht ganz 10 Perceni, ivobei ich die 5 Percent Zinsen meines eingclegten Capiialc« schon dazngerechnei balv. Z.b habe aber diese Zinsen per 5> Perceni nie behoben, da ich es für nniiäiiirlich hielt, mir von einem Geschäfte, ivelche« passiv ist, außer der Enischädigiing für meine persönliche Leistung einen -Nutze» zukonimeu zu lassen, welcher tdai sächlich nicht erzielt wurde. Vergani aber mußte sich die Zinsen anszahlen lassen, da e« fa nicht fein t^eld war, welches die 1 > 0 fl: ausmackue,.sondern das- Geld, ivelche« er sich »ach und nach von Leuten ausgelieheu bat, welche »alürlich Zinse» begehrte».- Za, er Hane .gnie Freunde', welche ihm von Zen zu Zen Geld zu 15 und 20 Percent zur Verfügung 110111011...'. Vergani wurde in den letzten Tagen von einem christlich socialen Eonioriium der Antrag gemacht. Er bekommt 10 000 fl. baar sofort und da« klebrige wird sichergestellt, wc»» er vom Blatte scheide. Obwohl er nun ' mir und--p,deren. Per sonen sein Ehrenwort gegeben hat, sofort vom Blaue zn scheide», we,r» er sein Geld bekomme, da er eS jofort zurückzahken müsse, ha, er diese», Consoriiuni geantivoriek: Za, er nehme die 10 000 fl., begehre aber weiter, daß für alle Zukunft seine Slellniig beim Blatte al« Tirecior oder sonstwie al« Beamter mit :J000 fl. Gehalt aufrechterhalle» bleibe. Natürlich.gingen die Herren, welche geradeso wie ich überzeugt sind, daß Vergani ganz und gar verschwänden muß, ans diesen Vorschlag nicht ein. Bedenke» Sie nun, die Leute hallen 6O.000 fl. gesammelt zum Zwecke der Sauirung de« Bkätte«, Vergani liaite Gelegenheit, da« Geld, welches b?i ibui als.Herausgeber de« Blattes al« schon gänzlich verloren zn belrachien war, wieder zuiiickzubekoinineil, H a n ck und ich.hatten ÄuSsi.ht, zum Theil wenigstens unser gute« Geld wiederzuerlangen. — dieser Mensch geht ans diese» Vorschlag nicht ein." LebrnsL prophezeit sür die Znluiift,wieder eine Verinchrung der „Opfer de« römischen Rechte«" und erhebt ferner unter saftige» Schiinpfworieii gegen Vergani am 2. September 189k folgende Beschwerde: „Mir al« Geldgeber de« .Deutsche» BolksblatkeS' läßt Vergani ganz einfach schreiben, ob ich eventuell ans Verlangen gegen drei Kreuzer per Zeile Berichte machen will! Zugleich beweist beifolgende piummer vom 29., in welcher sie von drei sachmännifch geschulten Correspondente» reden, die Lügenbaftigkeit, da der Brief an mich auch vom 29 datirt ist! Sie reden also schon von drei Berichterstattern, gehen aber erst »m solche fechten." .An ihre „Enthüllungen" knüpten die „klnverfäl-chten Deutschen Worte" folgende Bemerkung: „Außer der bekannten Vergani-Moral' von Ernst Mr. I gibt es nun auch eine Lehrner Moral von Ernst Nr. II. Diese.Lehrner Moral' lehrt, daß inan thalsächlich gar keine Verpflichtung^ hat, auSgcliehenes Capital zurück zuzahlen, weil» e« nicht mehr vorhanden^ist!!!" Mit der Schönerer-Moral, freies Blatt.

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