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Freies Blatt · 1894-12-09 · 140 (9.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
140 (9.12.1894)
Date
1894-12-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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reite »>. Freies damit er nichts sage — als unwahr und ihm angelernt widerrufe» habe. Der jetzt in Ostpreußen wohnende CommiS des Markus hak brieflich erklärt, daß die ganze Geschichte er« 1 o g'c n s e i, Nach Aussage anderer Zeugen hat die Witwe Petrich selbstanfänglich über die Erzählung ihres Enkels gelacht und ist erst später von ankisemitlscher Leite aufgehetzt worden. Der Frau Petrich lvurde vom Schöffengericht ein Tag Gefängniß zuerkannt. Das Tcutschtblim der Zllüen.) Tie deutsche .Pariser Zeitung" schrieb »n Jahre löHi.S: .Besonders sind es Sie wirklichen Deutschen, -welche auf diese Weise alles Deutsche an den Nagel hängen, während die elsässischen und schweizerischen Familien ihre Kinder oft jahrelang in die -Heimat schicken, um ihnen die deutsche Sprache zu bewahren. Noch mehr aber sind es die Israeliten, welche die deutsche Sprache gleichsam als Natioualsprache pflegen. UeberaQ, wo man in Pans einen Israeliten antrisft, kann man ihn herzhaft deutsch anreden, und nian wird immer verstanden werden. Die Pariser und nderkauvt alle französischen Israeliten stamnien freilich zunächst aus Tentschland, mit Ausnahme von wenigen Portugiesen; aber manche Familien sind doch schon seit Jahrhunderten in Paris ansässig und sprechen noch immer deutsch. Nebenbei bemertt, sprechen auch die in Galizien und in Russisch-Polen lebenden Juden fast ausnahmslos deutsch neben dem polnischen." Das hat sich nun seither freilich wesentlich geändert. Die französischen Juden sind heute, dank dem Entgegen kommen der französischen Nation und der dort wirklich beftebondeii Rechtsgleichheit, vollständig assimilirt und danken den Franzosen diele Ausnahme in den nationalen Schoß dadurch, daß sie heute, wo immer sie hinkommen, besonders aber in den Eolonien, als Träger und Bcrbrciker des französischen Geistes und der französischen Sprache austreten. In llngaru, wo man gleichfalls mit der Gleichberechkignng der jüdischen Staatsbürger keine bloße Farceaufführt, sondern Ernst macht, ist die jüngere Generation der Juden deS Deutschen nur noch in sehr unznreichendeni Ausmaße mächtig, fühl.» sich aber durchaus und voll als Theil der ungarischen Ration. Auch die -Slaven bemühen sich vielfach, die Assimilation mit den Juden auf sprachlichem (Gebiete durchzuführen. Die Zahl der Juden, welche auf diele Weise dem Deulschthnm in den letzten Tecennien abgängig geivorden, zählt nach vielen Tausenden. Damit hat nicht nur der dentiche Geist ebensoviele über den Erdkreis verbreitete Pionniere verloren. es sind für jeden von uns Denlichen in fremdsprachigen Ländern ebensoviele unentgeltliche Dolmetsche weniger geworden. Diesen rein praktlschen und jenen - idealen Berlust des Deutschthums nach Kräften zu vergrößern, ist das heiße Bemühen unserer sogenannten nationalen ' Antisemiten. tAlls Roröafnka. > Nach einer neulich aus Tlemcen, einem der Hanptorie Algeriens, stammende» Journalnachricht halten am III. -November daselbst erregte Scene» und ernstliche Zusammenstöße twiicben Turcos und Juden stattgefunden, bei welchen mehrere Personen ans beiden lagern verwundet wurden und ein Jude sogar seinen Berletziingen erlag. Auch der Ausstand in Tqnger hat die Lage der Inden, die in jenen Landen ohnedies nie besonders günstig war, noch insoserne verschlinimert, als sich nun die Ausfländischen nicht scheuen, mit vereinten Kräften ungeahiidel und ungestraft ani Hellen, lichten Tage in bewohnten und belebten Städten; bie Juden anzugreifen. Rieniand bekümmert sich um die Plündernde!», selbst wenn sie einen jüdischen Lade» ansränmen. Jüdische Händler und Kaufleute, die auf Bienen und Märkte ziehen, sind der Plünderung preisgegeben. Alles, was sie bei sich führen, wird ihnen genommen, selbst ihrer Kleidungsstücke werden sie beraubt. Auch auf den breiten Bandstraßen sind die Leut,' nicht mehr sicher, und einem jeden -Wanderer liegt cs ob, ’J.t Durös (!;’)(> Francs - Vöiegelb zu bezahlen, falls er nicht Beraubung und Gesangennalime vorzieht. Aus Marokko laufen stets j neue Nachrichten von Mordthalen ein. Die Reiche eines im Gebiete " r Wad Ras Kabnle ermordeten Juden wurde mit abgeschnittenem Hals in einem Brunnen gefunden und von - Glaubensgenossen nach langer gebracht. Da der Ermordete llnterthan der Bereinigten Staaten : » -!'i.reiten war. so hak deren Berireter sofort eine Genugthuungs- Li.-';nuv, anhängig gemacht. Weiters wird berichtet, daß in Holot, \t-.i: 'Barache und llteagar Kebir, ebenfalls drei Juden ermordet n- Ei-en>o rvurde eine von Mogador nach Marokko ziehende V '.n:o.-.ii -, eie namentlich B.auinwollwaarcn mit sich führte, angefallen und geplündert! Schwärze Zllökll.! Als Ställe verschiedener Religionen ist E och in, das alle, wegen der Ausfuhr seines Pseffers berühmte Kolhinara, gewiß einer der interesiantesten Plötze Borderindiens. Es ist der Hauptfitz der katholische» Shrianer, sowie einer kleinen Gemeinde von 'Nestorianern, die wieder in mehrere Seelen zerfallen. Außerdem lebt auf dem Festlande, d. h. in Ernakulum, eine Colonie j -Oph gihen (S 'i T>ie Blatt. i ■ ■ > - ..■■■■■ - schwarzer Juden. ES ist nicht genau festzustellen, dorthin kamen, und wenn man such die Ansicht kommen der Eingeborenen sind, die von Hyram wurden und Ernakulum selbst das sagenhafte ist, als Dkythe betrachten muß, so deutet doch alten Ursprung hin, und man wird kaum fehl Gründung der Colonie in die Zeit kurz nach Juden unter CyruS verlegt. DaS Judenviertel wenig vor anderen orientalischen Städten aus. und stets von einer großen Menschenmenge, in charakteristischen, obwohl dunkeln, jüdischen Züge Männer fallen durch die von den Ohren und den langen Kaftan auf. Bei der weiblichen man, besonders im Mädchenalter, zvirkliche Schö durch die großen, geistvollen Augen gegenüber Gesichtsausdrucke der übrigen Jndierinnen auffal e die mit prachtvollen alten Delftporzellanplatten jeden Kunstliebhaber. Man zeigt da werthvolle, Mitren und andere beim Gottesdienste gebrauchte werlh sind ferner noch gewisse, der Entzifferung baren Zeichen bedeckte Kupferplatten, die angeblich künde zu Gunsten der schwarzen Juden enthalten, verdienen auch die prachtvollen, in kostbare S Handschriften der mosaischen Gesetzbücher. Die hauptsächlich Fisch- und Getreidehändler sind, schriften ihrer Religion nach und enthalten Handels. Sei >e felie sich Nr. 140. auf welche Weise sie daß sie die Nachind Tarschisch bekehrt ir König SalomonS Vieles auf einen urwenn man die der Freilassung der nakulum zeichnet sich Straßen sind eng der man sofort die erkennt, belebt. Die hfrabhängenden Locken Bevölkerung findet öjtheiten, die besonders stumpfen, sinnlichen n. Die Synagoge, pflastert ist, entzückt Edelsteinen besetzte Stücke. Bemerkenskjarrende, mit wundereine königliche Ur- Besondere Beachtung eingewickelten alten chwarzen Juden, die n streng allen Boram Sabbäth jedes : ut Aus antisemitischen Vereines und Versammlungen. (Bon der Steinwendex-Partei.) Das muß inan ihnen lassen — Denen nm Steinwender. Sie verstehen eS meisterhaft. Alles zu verderben. Äärnte» war einst für das Teutschthum und den Liberalismus nn sicheres Gebiet; daß es dieS heute nicht mehr ist, daß dort jetzt slovenische und so tftige Reaktionäre immer mehr an Boden gewinnen, ist das ausschließliche Berd enst Steinwender's und seiner Genossen. Auch die unerquickliche Gestaltung! er Grazer Eominunalznständc ist ihnen znzuschreiben. Und was haben sie ans der vost ihnen „eroberten Indenburg", der „Deutschen Zeitung", gemäht? Ein jämmerliches Ankisemitenblättchen, das seine armselige Existenz von linem Tage zum andern fristet, bald mit der Bergani-Zeitnng Hand in Hand gcht, bald an Rückfällen in seine liberale Vergangenheit leidet. Am klarsten z igl sich aber die ganze Unfähigkeit und Schwäche der Steinwender-Partei in dem „Deutschen Verein", welchen sie im Laufe der Jahre so sehr berumergebracht haben. Tie Sitzungen dieses einst angesehene» Vereines sind ibereinstimmenden Meldungen zukolge derzeit äußerst schwach besucht, und un er den. Mitgliedern und Gästen, die sich daselbst breit machen, best..den .sich der Bcanntweinschänker Polzhofer, der famoi'e Ingenieur Fraßt und sogar der vierldimensionale Schlesinger. Mit scheinbarer Theilnahme nähern sih die Ehristlich-Socialen den Steinwender-Lenten, um ihnen anzudeulen, daß sie auf keinen grünen Zweig kommen werden, jo lange sie nicht entschieden er die „Jukensrage" ansasien, d. h. so lauge sie nicht mit voller Lungenkra t in das Hepp! Hepp!- Gejchrei der Lueger und Schneider einstimmen. Arme , kteinwender-Partei! (Höchste Fructificirung.) Ein vorzugticher jienner-des antisemitischen BereinslebenS schreibt uns: Das Angebot pflegt sich nach der Nachfrage zu richten. Hört die Nachfrage auf, läßt das Angebot nach. So war es feit jeher im Verkehrsleben, und wo die Verhältnisse umgestürzl sind, herrschen gewiß ungesunde sociale Zustände, so zum mindesten behaupten Berufsstatistiker. Wenn mau nun daraufhin das Treiben der antisemitischen Li ithammel oder Anführer betrachtet, drängt sich Einem die Ueberzeuguug aus, laß nach deu Leistungen der Antisemitenführer eine v'er sch winden de Nachfrace besteht, und daß die „Unternehmer" ihre Abonnenten mit Fug und Recht lbnehmer heiße». Je weniger Einer was zu sagen und zu besagen hat, desto stärker bläst er die Backen auf, desto großartiger, wirst er sich in Patriot! sch gewaltige Pose eines Glaubensstreiters. So z. B. unsere Antisemitensühri r, Geßmann obenan, dann Schlesinger, Scheicher, Iax. Lueger, Schneider, seibstverständlich Troll, der unvermeidliche durchlauchtige Prinz Liechtenstein und Pattai. Alle also, die das große Wort in jedem Antisemite tconvemikel habe», verewigten sich zu einem entscheidenden Schritt, sie veröffentlichten einen Appell „au die christliche Lesenvelt", d. h. a» sämmtlicke 4>0 Millionen Erdenpilger christlicher Eonsession. Nach Abplapperung de: üblichen Phrasen vom namenlosen Jammer der unterdrückten, ausgebeuteten, ge knechteten, vergewaltigten Cbristenwelt rc. schließt der Aufruf mit einer Geschäitsreclame sür de» Begründer und Präsidenten de« Ehristlich-socialen Vereines in Wien, nämlich mit den Worten: Darum sei der „Desterreichische Bolkssreiind" deS Dr. Pienner aufs Wärmste empfohlen und zur Pflicht gemacht, daß Blatt überall zu ver-

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