Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 140 (9.12.1894)
- Date
- 1894-12-09
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441579--1666-4888102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
freies Blatt. rVitc Nr. 140 elual'tdmciöcrs und Verleumders sowie dessen Helfershelfer hat nicht :l:n, hat nicht sie gebessert. Eine Erklärung' ist häufig dadurch gegeben, daß' inan .'iaturen von grenzenloser Herrschsucht und Brutalität vor sich har, die. bar jeglichen Mitleides, lediglich durch den Kitzel eines Machl-bewiisirseins, aus Lust an der Ausübung der Macht gegen andere M.-Fdien,, deren sociale Lage nicht so günstig beschaffen ist, auSarten. Ui.tiT den Änrisciniren stoßt inan darum gar nicht spärlich auf kleinlich sinnlich, concrer — berrschsüchtige Eharaklere, deren Grundzug (''raniainkeit ist. Grausamkeit ist das LebcnSelemcnt der perversen antii. niiri'chcn Bestrebungen. Darin darf man den Schlüssel zu dem sonst kaum verständlichen Gehaben mancher Individuen erblicken. Absolute eher relative Gefühllosigkeit für fremde Leiden bildet also immer einen naihwendig liinzukommenden Umstand zu solchen Schändlichkeiten, zuivcileuaber wird der Genuß der Macht mit anderen Gefühlen vereint den ErklarnngSgrund der spcciellen grausamen Handlung, die im airiiieinitischen Geschäftsbetrieb zu Tage tritt, abgeben können. Wir haben die Erörterung eines speciellen Falles vor, und zwar bilden das Chjcct die neuesten zwei soit disant literarischen Erzeugnisse 'eines sattsam in der Scfscntlichkeit beredeten Menschen, des Pfarrers ii. id EsnierenzlerS Tr. Josef Decken in Weinhaus, deS Herausgebers' ::nes ^erical antisemitischen, social-politisch-närrischen , Schiuipf- und i^c'chastsl'läiichens, das den Titel „Sendboten deS hl. Josef" führt. Warum -gefällt sich denn eigentlich Pfarrer Decken in der Rolle iiiee- -i nl'.fix infatisrabilis?! Wie hyperkluge Plauschcr schon zu sein r'legen, geschwätzig und prahlsüchtig, bis sic ihre-eigensten, gehcinien ,-liele lind Absichten selber kundmachcn, so' auch Pfarrer Dcckert, der ln-nin nicht aus der Art schlägt. Er, der gänzlich kritiklose, seichte '^Pa:ra:i. denen EoneeptionSfähigkeit weitab von den Schranken wissen- 'dia'iticher Methode zu suchen ist, leidet an der Manie, den Namen und k'.e Bedenrung eines Forschers und Kritikers zu erlangen. Diesem -Triciv, der an nnd für sich weder gut noch schlecht ist, ordnet er ulle .Rücksichten des geistlichen Standes und der Menschlichkeit unter. Auf S. IV seiner unten angcmcrkten Schrift*) äußert er sich aus Anlaß einer „Würdigung" seiner T-uellen, wie folgt: „Eine eingehende Bet«ck>'ilhrigung ließ ich anch der von Dr. Josef Kopp veröffentlichten Broseluire: Zur Judenfrage (Leipzig 1867) trotz ihrer unglaublichen Seiäuigkett;utbeil werden, nicht wegen der Bedeutung-dieses Gegners, der ja selbst in anerkenncnswerther Raivetät gesteht, daß er vom Talmud nichts verstehe, sondern wegen der holden Egcria, die ihn inspirirte. des bekannten jüdischen Klopffechters, welcher wissenschaftliche Fragen durch heraussordcrnde Beschimpfungen seiner Gegner in den ('Vwditofaal zerren und dort entscheiden lasten will." Vorher beklagt s>d> Faiiet Decken noch über die heftigen und maßlosen Angriffe ..von Teile der jüdischen Preste und der Wiener Judenschutztruppe, dte darin gipfelten, ihn wegen Judenbeschimpfung in den Anklageinstand zu verletzen und ihn seiner Stelle zu entheben, ein Versuch, der bisher jämmerlich mißglückt sei." Um dem Vorwurf zu begegnen, daß er vom Talmud und besten EHriftenfeindlichkeit gesprochen, ohne ihn in kennen, habe cs ihn zur Herausgabe dieses Buches gereizt. Ter Talmud im Original ist für Pfarrer Teckert ein mit neunnndneunzig Tiegeln verfchlosteneS Werk. DaS hat die aufsehenerregende tsteridnsverhandlung voriges Jahr ergeben," als Pfarrer Decken und lein Freund und (Gesinnungsgenosse Paulus Meyer für ihr Thun und ^Lasten vor den Richtern Red( und AntwoN stehen mußten. Für den Plärrer Teckert hat cs natürlich keinen Werth, mit dem Rechtsgclehrten Tr. Korr über den Talmud zu sprechen, aber mit dem Dr. Bloch würde er ncki mir Vergnügen io eine Disputation eingelassen haben, wenn der nur nicht zufälligerweise die unangenehme Gewohnheit an >;di baue, die vom Plärrer Dcckert herbeigeschafften Ritualmordzeugen und sonstigen Beweise in den Gerichtssaal zu zerren, anstatt mit gleichen Wahren, wie Pfarrer Decken, die Streitfragen auszutragcn. Kurzum. P'arr-r Teckert wünscht und will für sein Leben gern wissenschaftlich 'ä lt''t iv.rdeu Wer ihm den Gefallen nicht erweist, kränkt ihn T::lst: in seiner (Gelahrtheit und Weisheit. Um sich für die er-'' "Va Niederlagen na^h Möglichkeit schadlos zu halten und um jedem 7e: inbengen, der ihn wiederum in den ihm so verhaßten Ge- < .ä bimsen könnte, ist er davon abgekommen, lebende Juden Andenken solcher zu verunglimpfen, deren Kinder und Ber- . e.ck -ristu-eu. Er hat richtig erkannt, daß er seiner Grausamridrüh hncn könne, wenn er auf den Talmud loshaue, '• 7 ' ..d-am im Tatmut der Juden oder Tie Geheimniffe der :! ' b» ' ul. :• t:e Ebrnreu. Enthüllt von-J. B. Pranaitls. Uebersetzt :• i v : von Tr ooü’f Teckert. Wien 1«94. VIII, 173. ®c.*ö°. Selbst ■ andere Elaborat, da« eigentlich nur ein ReclameHeftchen fürs ..Werk" i'l. beigr: Ter ewige Jude. „AhaSver." Zur'Abwehr eine» philo- '< Mabnrulcs in d>r Jnden'rage Wien 1894 31 S. jtl.-8°. Selbst und so mittelbar die Juden der Gegenwart als diejenigen herabsetze. die ihre Moral, ihr Wissen, ihr Können aus gleichsam aus dem Lehrbuche des Judcnthnms. D Jeder Jude wird aus purer Eitelkeit, selbst Talmud wie Pfarrer Dcckert versteht, dem R dem Talmud schöpfen, i r Gedankengang ist der: wenn er so viel vom chtjudcn gegenüber sich für einen Talmudkenner auSgeben, durchdrunge i von dem Inhalte der zwölf gewaltigen Foliobände und sämmtlichcr zweiter Jahrhunderte unserer Zeitrechnung bis Commcntare' seit dem auf den heutigen Tag. öchulcn seines Pfarrchon aus der Literatur- Talent durch Nergelei Denjenigen vollends, der sich wirklich viele Ja)re seines Daseins mit talmudischcn Studien ernst befaßt hat, muß eine Herabwürdigung dieses unvergleichlichen Denkmals altjüdischer Denkni d Gedankenarbeit bitter verletzen. Das beabsichtigt Pfarrer Dcckert, indem er sich auf den grausamen, unerbittlichen, unerweichlid>cn Kritilcr hinausspielt und in diesem Thun eine ungleich höhere Befriedigung findet, als etwa in der 'Ertheilung des Religionsunterrichtes an der sprengcls. Die Sorte der „strengen Kritiker" ist uns geschichte gut bekannt. Ein hohes dichterisches und Schmähung herabzuwürdigen, ist sür schlecht veranlagte Eharaklere eine Wollust. DaS Geheimniß dieser intensiven Freude steckt wohl zum übergroßen Thcilc in der rafsinirtcn, sich ih re» meistens unbewußt überall cinsdileichcndcn Eitelkeit dieser boshaft:» Kritiker und ihres Pablicums. Man freut sich, durch seine Verurt >eilung des literarischen ProductcS einen feineren, höheren Geschmack zu unselbständig ästhetischen Leutenunendlich viel tiker" selbst genießt von der Pfiffigkeit, womit > r die schwachen Stellen des Autors bloßlegt, und die Ahnung von jedem höheren Grad von Schmerz und Weh, die er ihnen bereitet, steigert nur sein entzücktes Machtbewußtscin und das Gefühl der wohligen Sicherheit. Welch eine Fülle von Befriedigung für den dreisten, eitlen Gesellen, der doch in diesen Eigenschaften nur »in ein kleines Bisck cn das iiblidjc Niveau der Durchschnitlsduinmhcit zu übersteigen broucht; denn daS liebe Publicum genießt mehr oder weniger (je nach dem persönlichen Charakter oder besonderen Gründen des Wohl- )dcr rlcbelwollcns dein Autor gegenüber) mit dem „Kritiker", waS ga> nichts Sonderbares-an sich hat. So viel Phantasie besitzt man schon. Aus dem schützenden Panzer seiner Soutane heraus unternimmt Pfarrer Dcckert den, wie er selber andeutct, für ihn gefahrlosen Kampf auf Leben und Tod des Talmud, der Juden, der Judenkncchte :c. Sein eigenes Arsenal an Schimpfereien, Schmähungen, Verdächtigungen :c. scheint schon geleert zu sein. Um aber nicht müßig zu bleiben und seine leerende Beschäftigung nicht zu unterbrechen, übersetzte auS dem Küchenlatelnischen die Schmähschrift des ihm cyngenialen geistlichen Herrn I. B. Pranaitis. Das klägliche, weil trostlos alberne und nichtsnutzige Merkchen des russische u Fanatikers hat unser Warschauer Corrcspondent schon in Nr. 7 des l. Jahrganges unserer Wochenschrift genügend beleuchtet. Ueber solchen unsäglichen L^uark ist kein Wort mehr zu verlieren; von rechtswegen ilbcr die daran geübten „wissenschaftlichen" Zuthaten des Pfarrers Dcckert auch nicht. Man kann nicht einmal zum Lobe des Pfarrers Dcckert anführen. Laß er sich-irgendwie angestrengt hätte, seine-crasse Ignoranz, seine läppische Unfähigkeit in litcran}d)cn Dingen zu verhehle». Seine S.ucllen, die er erpilirt, compilirt und crtrahirt, sind unter wenigen anderen, die nur mitparadiren, vier Machwerke des Canonicu! Rohling, die Schandschrift deS „Dr.- Justus" und Dr. Eckcr's, sich selber zieht er in drei Schriften die Federn aus, um sich damit hier neu aufzustutzcn, und dann kommen zwei internationale Patrone der Antiscmitcrei mit ihren Zeugnissen und Urkunden, die bei den Gcrid ten und in den Ge fängnissen verschiedener Herren Länder gut bekannten Herren „Dr." I. de Pavlp und (Inst not least) der Busenfrcun > des Pfarrers Dcckert, Paulus Meyer. Für seine „wissenschaftliche" Beweisführung über die angeblichen wider die Christen im Talmud vorkommendci Acußerungcn verfügt cb nur über eine eiyzige Schablone, die aber wenigstens den Vorzug eines ehrwürdigen Alters für sich hat. Ein Tophist begegnet einem athenischen Bürger und sagt ihm: „Mensch, ich werde dir beweisen, daß du Hörner hast?" — „Wie so denn, leim Schild der Pallas Athene?" — „Fürtrefflichster, beantworte mir nur meine Frage mit Ja oder Nein!" — „Gut, sprich, du köstlicher Mann der Weisheit!" — „Hast du je Hörner verloren?" — „Ncfn." — „Folglich has. du Hörner und bist ein Gehörnter!" Dieses Sc >ema legte sich Pfarrer Teckert für den Talmud zurecht. Er hat i r seinem Leben nie i» Talmud christcnfcindlichc Aeußerungen gesunder und daraus heraus - genommen, folglich müssen sie noch darin stehen. Danach nimmt ftdi etwas wunderlich das drei Seiten umfassende Talmudschriften citirter Stellen" und das „Sachregister" von Spalten aus!"