Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 139 (2.12.1894)
- Date
- 1894-12-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Jahre schweren KcrkcrS und cinnzal hartem Lager im Monarc vcrurthcilt.?. Stögcrcr hatte seit mehreren Jahren die Attentate aut die Sittlichkeit der ihm anvcrtrautcn Schüler verübt. s?cr ewige Jude.) Ei» Gelehrter schreibt und: Unsere Anti scinitcn bemühen sich, uns anS allen Kräften cinzureden, dag der Oudcnhaß in der Volksseele wurzle. Einerseits spielen sie sich dadurch aus die einzigen berufenen Vertreter de- Volkes binauS, andererseits hoffen sie-damit ihr unmenschliches, dem Brauch u»d der Sitte zn widerlaufcndcs Gehaben zu rechtfertigen. Daß solches Treiben nur eine durch und durch verlogene Finte ist, die hcrhaltcn niuß. das wirkliche Volk hinters Licht zu führen, um über die Ziele und Zwecke der professionellen Hcper einen »»isiischcn Schleier auSznbreiten, wird einem erst recht klar, wenn man die echten VolkSübcrlieferungcn »ach lieft, die zweifellos das ursprünglichste Zcngniß von den wirklichen Empsin düngen deS Volkes ablegen. Liest man die älteren und .ncncren deutschen Folklore Saiiimliingcn durch, innß man sich fast verwundern, wie äußerst spärlich judcnieintliche Acußerluigcn dariMzu finden sind. AnSnahmSwEse begegnet uns in Kindcrmürchen und Loealiagcn die «Gestalt eines psifsigen jüdischen Händlers, der von einem noch vcr ichlageneren Bauern überlistet wird und durch ihn zu Schaden kommt Oh Varianten tritt uns hünstg statt des Juden ein Müller oder Schmied oder ein Slave oder ein 'Sälscher entgegen. Der 'Sahrhcit gemäß muß ina» sogar gestehe», daß der biedere deutsche Landmann durchaus iudcnfrknndlich gcstiint ist. Man ersieht dies leicht beispielsweise auS den Sammlungen K Ed. Haaic's hSagc» ans der Graischaik Ruppin), S. Knoop'S' (Vommerfche Sagend E. Handt man n's Neue Sagen ans der Mark Brandenburg und auch aus Earl Gander's jüngsthin erschienenem ausgezeichneten Serke '.st'ieder lansipcr Volks ja gen (Berlin IS'.<;"*>, das unter El,'? Nummern nur eine einzige enthält, in der ein Oude vorkomml. ES ist niemand t'stringcrer als d-r der literarischen Sage nach stuchbeladenc, unstet durch die Welk irrende ewige Jude, der sich hier zeigt, Om Volke fuhrt er den Namen des verlorenen Juden. Weit entfernt, ihm einen Groll oder Haß nachzntragcn, freut sich dir Sagencrzählcrin, daß sie das Glück gehabt, den verlorenen (luden zu sehen, sie freut sich der Bekanntschaft deS Zeitgenossen Jesu Ehristi, und iznwillkürlich innß man durch eine naheliegende Gedankenverknüpfung auf de» Einfall qeratden, daß doch eigentlich jeder unserer zeitgenössischen »luden von einem der Zeitgenossen Jesu abstammc und alS lebender Zeuge der Echtheit christlicher ReligionScntwicklniig gewiß eher Anspruch aus Ächtung alS auf Haß und ähnliche Gefühle bei jedem gotteSfürchtigen Eliristen erhebe» könne. Die angcdeuietc Sage bei Gander (S- I l, F. Nr. 41) lautet: „ Die S1 iäbrige Frau Bändow in Fünfcichen er zählte: .Och habe in »leinein Leben schon einmal den verlorene» (luden gesehen, (lch war an einem Nachmittage allein zu Haute, als ein noch jugendlicher jüdischer Mann in meine Stube kam. Er verlangte nichts zu kaufen, bot auch nichts an, sondern bat in. seiner jüdischen Sprechweise.um einen Bissen Brot, auf einmal in den Mund zu stecken (lch sagte zu ihm: .Unser grobes Bauernbrot wird Obnen ja nicht schmecken,' worauf er erwiderte: .Wird schmecke», geben Se mir nilr!' Zch fragte ihn dann: .Sie sind schon wohl weil gereist?' Er antwortete: .Mein Weg ist weil! Muß ich immer reisen durch die Seit!'. Daraus ging er fort, kam aber nach kurzer Zeit zurück und bat noch Um einen Bisten Brot, Och sagte mir sofort: Heute hast du den verlorenen Oude» gesehen!', fragte aber, um mich zu vcr gcwiisern, »och den Vrediger. Dieser hörte sich meine Erzählung mit an und sagte, er könne eS auch nicht ergründen, aber der Glaube iei da. Die Frau wurde in ihrer Annahme durch diese Antwort nur noch bestärkt: eine weitere Bestätigung ihrer Mcinung brachte ibr die Schenkersfrau eines Rachbardorf^s, bei welcher der (lüde übernachtet baite. Sie berichtete, daß er bei ihr nichts gegessen, auch nicht ge schlafen Hütte. Sic habe ihm zwar Streu zurecht gemacht, abn er sei iväkrcnd der ganzen Nacht in der Stube hin und hergegangen Noch im hohen Alter war die Erzählerin erfreut darüber, daß ne das Glück gehabt hatte, den verlorene» (luden zu sehen." Unwillkürlich muß man sich fragen, wie hgch erhaben steht in sittlicher Beziehung eine solche Frau auS dem Volke über allen den antisemitischen Lcithaminclii und antisemitischen Slurmböcken, die in Raserei gcrathcn, so oft sic einen (luden sehen! Aber die Antisemiten lieben nicht einmal (lesnm, wie sollten sie erst die (luden chrcis! Sind sie doch Blut von seinem Blute und Fleisch von seinem Fleische, das heilige Volk der Religio», von der Antiscm abgefalle» ist. ' . K. S. Zscholkc über Die Juden.) Ein Leser des „Freien Blattes" schreibt unS: Die Antisemiten pflegen mit einen, wahrhaftig einer bcsiercn Sache würdigen Fleiße von allen Seiten abfällige Urtheilc über die (luden zusammenzutragcn und in ihren Blättern zu vermelden. Da ist eS wohl auch angezeigt, daß das Urtheil, welches einer der edelsten Deutschen über die (luden lallte. .stichst -weile Verbreitung sinde. . Heinrich Zschokke, an denen nnve:'astet,len, Deuischlhnm selbst de, blindwüthigslc Anliiemit nicht zweifelu di,ist.-, schreibt in) seinem Ans >'ape „lieber den jehigeis Zustand der (luden in den euluviilesten Lander» Europas" Folgendes: „Die i'vct’.di:-.' von den Schicksalen der Anhänger des, mosaische» Geieves ist kw nst-schichte von der i Schmach des menschliche» 'Geschlechtes. 'Ser tu mit Surde uud! glücklicher Ausführung schreiben wollte, muß. lr::;;; fr!e:n Men'chen seind ist, über der Arbeit znm Men'chenfeiiitgre'.d.Il Denn irelcher Mann von Gefühl könnte sein ganzes Leben ilpn-.'nchniigen und Dar i stellungen einer Geschichte weihen, die einen Ze::r.'.um von »'.ehr denn! vier (lahrtansende», die Schicksale von hundert -.-..-ch 'vorbaudenen oder langst verschwundenen Narionen dreier 'Seltlbeile. und alles Ekelliastc und Granscnvolle nmsaßt. waS menschlicher Ar::.:..-.no:. Voliiribeil, - Glauben Sipnlh und Barbarei der Vriester. ,vn:st::: ::.-r des Bebels i jemals für Verbreche» übten'? Die ino'aische R.'l'.e,:.".'. :st vielleicht die älteste des Menschengeschlechtes und zugleich ,d:e rer'el.:reste von allen. Eliristen »nd Türken jchöpsle» auS ihren 'D.uud haßten deren > Bekenner mit der beispiellosesten UnvLr»öhnlich!ell ' D:e wüst berühmten ' Hailptversolguiigen der Eliristen waren nur Svieler.': gegen t:e Ver . folgungcu der Enden, welche sie vorzüglich durch Ebriste» durch alle : (lahrliundene erdiildeleii. lind was war das Verbrechen der Unglück. I liche»? Daß sie der ältesten Religion des Menschengeschlechtes, dem Glaube» ihrer Väter treu blieben, obne Andere zwingen zu wollen, diesen Glauben aufznnebmen. daß in ihrer 'Hauptstadt einst, durch j Richtcripruch eines Fiemken der 'S: ist.". des Elnistentlü'.us zum Tode! veruribeilt ward, eine Tbai. an der das ganze jüdische Volk, damals > auS. wenigstens i'echS Millionen Seelen ^bestehend, weder ibeilnabm. noch theilneliuien konnte: daß 'ich dieses Volk nrch'. unter RouiS 'Sellen joch sklavisch beugen wollte, sondern für seine Freiber: >o lange mit heldeniiintliiger Verzweiflung 'kämpfte. bis seine meisten Städte und das ewige Oernsalem selbst in Schulihauie» verwandelt und die. Ein wohner derselben auf den. Marktplaven wo» Gaza uni den Breis wie. ' Vierde in alle Selt verkauft.waren Ueberwindcn ließ sich dies kleine j Volk nicht von den damaligen 'Seileroberer», den Römern: es..mußte; zerstreut, es innßle gleichsam mit den Snrzeln aus seinem valer! ländischen Boden gerissen und in alle 'Selttliesle auseinander geworfen I werden. Und dock, .war eS nicht vernichtet Es blieb ein 'Volk obne i Vaterland, ohne Sberbaiivt lind Slaatsge'ev: lebte Oakn lausende als > Fremdling unter den verschiedensten Nationen, 'ohne sein B>ni mit denselben, obne Sine. Sprache, ('stauben mit ihnen zu vermenge,>, rein, selbstständig. standhaft. Alle Schandflecke der europäischen Völker, geschichte. alle Greuel der RcligionS und Bürgerkriege, Blutliochzeilen, Dragonaden, stei'.iannelie Ve'pern. Fii'iladen.. Nanaken, ('stiillolinaden, findet man in der (.''Schichte des welirloien jüdischen 'Volkes nnier anderen Namen 'wieder bei'ammen. Unk doch bestand dieses Volk nn ausiilgbar. e:.n;:g in ''einer Art, bis ani den heutigen Tag Die ganze Seligeichich:.' teniii kein Beispiel diesem Völkeriviinder gleich " i Ein Dciitidi.r Biiucr gegen Die Ngnirier. (>» einer 'Sählei versammluiig zu Ni n p p i n Harder Bauer-Bo b m.. der freisinnige ReichslagSabgeordnele für Rnppin Teuivlin. das Verhallen der Agrarier und Tivoli Valroue in öffentliche» Fragen gelühi^iid beleuchtet, Rach dem 'Bolim gegen die Deckung der erhöhten Mililärlasten durch eni'e ErliöKung der Tadakstener gesprochen und inner dem lehba'lesteii Beifall der Versammlung auSgeführi halte: ..'Sir lvoüen nicht, daß der kleine Mann erst das lebendige Material für das. Militär und dann auch »och das Geld dazu liefert!", titlner über die Haiidels venragSpolitik fort: Bei - dem- Abschluß ,deS vsterrelchischen Handels Vertrages ist vom früheren Reichstage, mit Einschluß,, der Eonser vaiiven, der Regierung "die Vollmacht gegeben worden, auch mit anderen Staaten Uinerlian-lniigen anznkilüvfen. R'iemalS ist. eine Regierung so schlecht behandelt worden, man kan.n in jeder inneren Frage Opposition machen, von vornherein anch in solchen dem AnS länd gegenüber. - 'Senn aber -hier das Prineip gebilligt ist und da»» später diese Billigung zurückgezogen wird, dann blamirt' man such selbst und die eigene Regierung. Och habe da eine Agilalipn kennen gelernt, so.wüst, so ungeheuerlich, wie ich sie mir nicht denken konnte. Ei» Eonf^rvaiivcr wies ans die Liebe zuni Vaterland hi», an daS man sich anschließe» soll: daS thatcn wir, wir schütten daS Vaterland vor den Angriffen der Eonfervativen, auS Liebe zum Vaterland stiminten avir für die Handelsverträge. Der StaatSfeerctär Freiherr v. Marschall sagte ganz richtig: ,,'Scr in solcher maßlosen 'Seiie die Aufreizung predigt, beleidigt anfS Schwerste die Land wirthschaft." Und daS war der „Bund der L a n d w i r thc". Der Bauer ist ruhig, soviel ihm auch anfgepackt wird, der Groß grundbesitzer schreit und sträubt sich, sobald an ihn eine Forderung hcrantritt. Die Landwirthschaft ist nicht auf Rosen gebettet, aber auf