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Freies Blatt · 1894-12-02 · 139 (2.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
139 (2.12.1894)
Date
1894-12-02
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seit« 4. Freie» Blatt. Nr. ISS. auch zu einer Vernichtung „Sstdeulsche Rundschau" „ihren" Wahlsieg Vergani'S auSnützen und schreibt: 2aS „Teulsche VolkSblatt" suchte die «Landitatur Pacher» anfangs durch daduiiche Bemerkungen zu binlerireiben und spüle», al« die« nicht inehr möglich war, sie zodtzuschweigen, und zwar auS dem Gmurde, weil Paul Pacher au« io,„et Meinung von der Ebreudafiigkeir deS-HerauisgeberS des „Deutschen VotkSbiatteS", Pergani, kein Hehl gemacht halte und wäil seine Landidatur zu allererst van Anhängern der deutsch nationale» Partei, von Schönerianern. angeregt worden ivar, welche da« Verdienst besitzen, Vergani'S strahlende» Charakter ins rechte Z'ickit gerückt und 'einen Werth aller WAt klar gemacht zu haben; da« vergißt dieser Mann in seiner Bescheidenheit nie! Nnn lag aber de» der christlich -eeialen Parier angedörenden Mitgliedern der anlisemiuschen WahlauSichuffeS, weil sie fiiiduetüt, daß eine gänzliche Verschweigung der Candidalur Pacher'S im „Teul-cheii Boiksdlatt" einzelne christlich - soziale Wirbler doch irresühren la,inle, daran, in ihrem Parteiorgan wenigstens ei^en von ihnen unlerzeichneleil Wahlaufrui abgedruckl zu sehen, und die Herren lSemeinderalh Tischler und Bezirksausschuß Birrtl begaben sich am -4 November zu Vergani, um dies zu erwiilen. Dieser iagle die Ausnahme zu, wenn die Herren damit eiuverstanden waren, daß er dem Ausrufe eine Einleitung vorauSsckiicke, deren Wortlaut er biS zuin Abend ihnen zusendcn würde. I» dieser „Einleitung" nun macktte Berga»! de» Abdruck deS aittisemilii'chen WadlausrisseS davoü abhängig, daß Herr P. Pacher unter Anderem erkläre, daß er keiu^Lchönerianer, sondern ein selbst ständiger deul-ch-nalionaler Aiili'emil sei und — jetzt kommt dir Hauviiache! — daß er an der verwnlichen EdreuKatligkeit de» Herausgebers und der Schrift leiler deS „Teul'chen BoltsdlaueS" nicht zweifle. Daß diesem Verlangen nicht eui'prochen wurde, ist selbstverständlich. Vergani svollle sich also bei dieser Angelegenheit, da er seine, beziehungsweise seines Blattes Unlerstützung für un» entbebrlich biell. eine Ehrenerklärung erzwinge», »iil der er daun balle großchun lounen, wenn ibm wieder'ein lilerari-cher Diebstahl oder dergleichen nachgewiesen ivird. Nun ist Paul Pacher ohne Unlerstützung acS „Deutschen VolkSblaNeS", ,ä >ogar lrov der bami'che» Bemerkuiireii desseldel, doch gewädll worden, und tauiil lst der Beivei» gelieseri, daß man zu einer ki„ti,'emiti'cbe,i Wahl in Wien das Blatt Vergani'S gar nicht braucht: es war eigentlich recht — nnvorsichlig ran Vergani, kleien Beweis selbst zu liefern, »u» um dann nach dem seiner Meinung nach unvermeidlichen Turch'aU triuniphi:end auf 'eine Uueittbehrlichkoil hiuwei'en zu lannen! Sie „Cü&ent'die Rundschau" richtet sch ießlich au die Ckristlich- Söeialeu neuerdings die Aufforderung, sich im Interesse der „allgeinelllen antiseinilijcheii Lache" von Vergani loszusagen. ,Cillt Abbiktt.) Ser liberale ÖKmeinferath Erndt balle eint Chrendeleidigungsklage gegen seinen antisemitischen College,! Stro dach angestrengt, weil dieser ibin in der GemeinderathSsitzung vom Jii Dekoder I , in welcher Ö' r e g o r 13 und Steiner auS geschlossen wurden, zugerufen batte: „Sie Scherge! Wer bezahlt Sie denn sür Ihren Schergeildienst'?" Es kam! jedoch zu keiner geeicht liehen Verhandlung. Sie Sache wurde ir in?ein Sirobach eine Ehrenerklärung abgab reguug. in welcher er sich damals befui den, entschuldigte rlrobach wird aber gullhun, sich künftighin iiicktt Iederman» ist io versöhnlicher N'aiur Sur j\lci|(t)tbcucruitg*iJolitif Der ftntiicmitcn i' Vergleichswege geordnet, und sich mit der Ausin Acht zu nehmen, me Herr Erndt . > In sprach Herr denn einer .'iinigg stangehadien Volksrersamiiilung in Favoriten sprach die Arbeilertubrerin Frau Vopp Dworzak über die Fleischibeuerung und iagle ii. A.: „Sie christlich soeiale Partei, welche sich imuier als wahre Vertretung des Volkes aunpieli, hat sich., in dieser Frage mit Rücksicht ans die Großgrundbesitzer, mit denen sie am .'iardolikeiitage neuerlich innige Freundschaft geschlossen dar. gründlich auSgeschwiegen. Sr L neg er hat im Gemeinderalhe erklaei, daß au der Flei'ch ibeilerniig bloß die Juden Schuld tragen. Sie Arbeiter sind nicht so kurzsichtig und engherzig, dies zu glauben, o wohl sie die Schäden des ■ ,-lwischenhandeld und SreeuIanienidumS ane kennen. Wir sind nickt io boiuirr. ei n e^Conse'non da'ür verantwcrilich zu mache», wie es Christlich Socialen ihun. Wenn zufällig ein Jude Großgrund bestper ist, >'o wild , er ans .Clasteilinlereste d:e christlichen Aararier einnebmeii. Man kai denielbeii Standpunkt wie n nicht, wie die Christlich So.:a!eu es tknn, für alle Hebel eine Coiisesston veranlwörtlich machen: '...i diesem Wege werden wir ihnen nicht so gen." Sic ouDtll und das HanDwcrk. Ist Folge des enormen An. tialigts r.'il ans allen Mäudern der Vcouarchie um Ausnahme an. ilicheiiden naben und der großen, mir der Versorgung und Bekleidung der dermaiigeii Zöglinge verbundenen Auslagen, hat der Vorstand de» ...Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten" beschlösse», die Aufnahme von Knaben während der Monate e eeeniber und Jänner zu sistiren. i'.lbflrorDuctcr Tiimba vor feinen Äählcru.» In W ie „ e r .'»eustadt ersialleie dieser Sage der LanhiagSabgeorduele Ricolaus Sumba in einer gut besuchten Versammlung snner ländlichen Wähler den Rechenschaftsbericht über seine Thätigkeit im Landtage. Er kam dabei auf das Vorgehen der Antisemiten in ler Landesvertretung zu sprechen und bedauerte es, daß sich in derselben Debatten entwickelt haben, welche nie und nimmer einer parlamtutarischen Körperschaft zur Ehre gereichen können. Ebenso könne die Urt und Weise, wie gar nicht zum BerathungSgegenstande gehörige Dinze in die Debatte einbezogen werden, nicht scharf genug veru theilt werden. Eine Hauptschuld an diesen bedauerlichen Zuständen treffe jene Wiener Gemeinderäthe, welche nach den saftigen Grobheiten, die sie im Gemeinderathe auSgetauscht haben, ganz echau firt den landtäglichen Sitzungssaal betreten und unter SuccurS ihrer Parteigenossen vom Lande ihre Kampfweise vom Ralhhause forlsetzcn. Dies sei ein beschämendes Vorgehen der Opposition. Abgeordneter Dumba, deffen Ausführungen lebhaften Beifall fanden, schloz mit einem warinen Appell an die Wähler, sich vor Jenen zu hüten, die unter der MaSke der VolkSfreundlichkeit der Corruption im ärgsten Sinne deS Wortes Vorschub leisten, indem sie Hoffnungen im Volke erwecken, von denen sie wissen, daß sie nie verwirklicht werden föiinrn. (Der Fall Schcrzer.) Der in Folge seil er Thätigkeit als antisemitischer Agitator in Wien vielgenannte Pfarber von Schrick, Leopold S ch e r z e r, hatte sich am List Rovember vbr den Geschwornen in K orneuburg wegen deS ihm von der Stai tSanwalkschaft zur Last . gelegten Verbrechens , der AmtSveruntreuung Höhe der von Scherzer veruntreuten Gelder bezifferte die Anklageschrift mit NO,.'» st. 5>3 kr. Der Angeklagte stellte Abrede und behauptete, den größten Theil deS vertrauten KirchenvermögenS auf einer Fahrj haben. Scherzer gab indessen zu, daß er die < 'sich verwendet habe, leugnete jedoch die SchädistungSabsicht, indem er miltheilte, daß der minderjährige Bruder sein r Wirthschafterin, den er durch längere Zeit unterstützt, ihm versprochen hatte, bei der GroßjährigkeitSerklärung ihm sein ganzes Vermögen fügttng zu stellen. Ferner gab Scherzer zu, kleinere, auS dem Klingel beutel, den Fnneralgeldern :c. herrührende Beträge für sich verwendet zu haben, und behauptete nur, er hätte sie Zur Charaklerisirung der Lebensweise Scherzer , Umgebung bekanntlich der „lustige Poldl" geiittiinl wurde, führte die Änklagesetirifk auö: „Scherzer war schon zur Zeit, als er die Pfarre in Schrick anirak, verschuldet. Dies gehl aus an den ReichSrathSabgeordneten Dr. Lueger er schreibt, daß er schon als Cooperator durch C r eine Unterschlagung in seiner Verwaltung anrach Wien verloren zu ümme von tu 8 fl. für biS Ende I8U4 ersetzt. S, der in Schrick und gerathen sei. Bei seiner Ernennung eonlrahirtk er neue Schulden im Trotz dieser Schuldenlast führte er vernachlässigjte seine Pstichten als ufern herum, fuhr mil Wagen in der Rach Betrage von mehr als 1300 fl. eine leichtsinnige Lebensweise, er Pfarrer, trieb sich sehr gerne in den WirthShi feiner Wirthschafterin Marie Kautz häufig zu barschail umher, ebenso oft allein oder mit ljer Wirthschafterin nach Gastwirth P u tj aus s in der' Woche von ein Zustande und dann chrick verlangte. Der Wien und verweilte dort mehrere Tage. Der Mistelbach gibt an, daß Scherzer oft mehrma Wien kam, und zwar meist in ziemlich lrunkeii> von ihm den Wagen zur Rückfahrt nach Kutscher Kräder sagt auS, daß der Beschult igle, wenn er ihn nach Mistelbach oder Zistersdorf führte, regelmäßig Gasthäusern zubrachte und daß sie häufig erst Schrick zurückfnhren. In Schrick ging Scherzes meist nach der Früh messe ins Gasthaus, blieb bis Mittag, kam l ann wieder, blieb bis in die Rächt, spielte Karten und trank viel, deponine, Scherzer sei oft nach Wien gefahrin, habe viele Wagen gebraucht und sei bei Tag fast gar nicht im Vf^rxhosigewesen. Bei einer solchen- Lebensweise sei eS kein Wunder, tpenn die Einkünfte nicht dinreichlen: überdies drängten noch die Gl ES konnte nicht festgestelli werden, was Sche! er nicht im Spiel oder im Verkehre mit Frauen verausgabte. Allein nach dieser Lebensweise is ihm anverlraule Geld zur Befriedigung seiner habe." Die Verhandlung, aus welche wir uock schloß damit, daß der Angeklagte auf Grund Geschwornen freigesprochen wurde. (Auf wcsfcn Conto kommt Das?) Ser Ninoritenparer Philipp Slögerer, Direclor "der Knaben Erziel,ung, in Graz, wurde am L8. Rovember vom. dortigen Schwurgerichte in geheimer Verhandlung nach § ll’Ob St G j Verbrechen der Unzucht wider die Ratur, und zwar mil Personen deS 13L St. G. sVerführung. wodurch Iema id eine seiner Aufsicht oder Erziehung oder seinem Unterrichte anverlraule Person zur Begehung oder Duldung einer unzüchtigen Händlung verantworten. Die einem Briefe, den er gerichtet, hervor, worin ulherzigkeit in Schulden die meiste Zeit in den um 3 Uhr Früh nach ubiger auf Bezahlung, zer in Wien trieb, ob immern große Summen eS k(ar, daß er das Bedütfnisie verwendet zurückkovimen werden, deS WahrfprucheS der verleitet) zu einem

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