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Freies Blatt · 1894-12-02 · 139 (2.12.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
139 (2.12.1894)
Date
1894-12-02
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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i reite (freie, Blatt. uitb daran fehlt es eben unterem Haudel^minister. „Weil ich keine .Feil habe, deshalb schreibe ich dir einen tätigen Brief," leitete Börne ein Schreiben an einen Freuno ein. Stylistiische Länge» sind bekanntlich ein Merkmal der Berichivenimenheit und Unklarheit, ein Beweis der diilc deS Schreibers. Aber auch angenommen, dag C^raf Würmbrand über den Parteien nebt und kein Verlangen danach trägt, aufj bic Partei der Schreihälse besondere Rücksicht zu nehiüen, muß ihn njicht der laute Beifall, den antisemitische Soeialresormer-ihm zollen, darüber belehren, aus welcher Fährte er sich lxstndei '■ Das, was Männer anstreben und wollen welche die Verleunidung, Verdächtigung, I Verhetzung und Unter gradung jeder Autorität zu ihrem Metier Haben, kann unmöglich im .Interesse des Volkswohles gelegen sein. Dehn nicht die Viehe, sondern der Haß ist der Spiritus inovens all ihres! Dichtens und Trachtens Wahilich, mehr als die Gegnerschaft dieser Gattung von Volksver ireiern sollte ihn deren Freundschaft abhasten, ihren Wünschen aus dein (ssebieie der Gewerbegesetzgebung Rechnung zu tragen. Denn er bat allen Grund, diesen gegenüber zu sageg: „Vor meinem Freunden muß mich Gott beschützen.^ \ G—z. einmal die Aeisci^tl^eneruna. Wir erhalten folgende Zuschrift, der wir, obwohl sie nicht streng in den strähnten unseres BlatteS gehörig, doch mit Vergnügen Raum geben, uni unteren feiert: in einer einmal hngeregken Frage eine klare Ilitheilsschöpsniig zu ermöglichen: j $?ien, R>. Roveinber 1S94 Geehrter Herr Redaetemr! In Ihrem geschützten Blatte voni 2f>. b. M., Rr. 138, besindet sich ein Artikel des Herrn Robert Drill über die Fleischtheuerung in Wien und deren Ursachen, dem ich mich nicht in Gänze anzuschließen vermag, weshalb ich mir hieinit erlaube, 2ie um die geneigte Veros'enilichiing einiger anderen Ansichten zur Klarstellung der Frage zu bitten. Man muß sie zuvörderst aller Parteipolitik entkleiden und Rieniauden für eine Sachlage verantwortlich machen, sondern nur diese aus ihre Ursachen p'.üfen, und wenn solche richtig erkannt sind, in deren Abstellung die Mittel zur Sanirung finden. Feststehend ist die Theuerung der Fleischpreise in Wien .und die Aussicht, daß letztere sich noch mehr erhöhen sollen. Daraus entspringt die Petilioir der Fleischhauer, welche ganz r sich der Fleischpreis »och weiter steigert, sie chtig befürchten, daß, wenn nuuer mehr an Abnehmern mluren werden, und da weder die Masktveichältniste, noch der gebilliger zu stellen, so entes bei. den Fleischhauern. werbliehe Betrieb es zulassen, den-Artikel steht zuvörderst die Rollsteige des Geschäi Taß die Zunahme von Fleischern entgegin dein allgemeinen Gesetze der Eoneurrenz eS bewirken könnte, daß Ich die Preise deshalb vertheuerien. ist ganz undeukbar, auch wenn testen Earlelle vereinigt wären, und würde eine Beschränkang aus eine gewisse Anzahl solcher Gewerbekreidends» erst recht die Theuerung hervosrusen. Ter Artikel Fleisch ist ein Artikel der Rachsrage: diese ist immer und überall vorhanden, so daß selbst bei vermehrter Eoneurrenz der Gewerbsbeslissenen sich die Pveiie auch bann erhöhen, wenn die S uälit.ilen sielt vermindern, und ivrechen die Wiener Marktberichte es deutlich aus, daß die Austriebe der Priinawaare sehr kärglich sind, demvach zur Teenndawaare gegriffen werben muß, die sich in Folge '">■.» -tzenlieuerke, wodurch sestgestelll erseaeint, daß der ungenügend . 1:'"orgie Bedarf an Allem Schuld tiagl. Hiezu kommt, noch das unr. . ..: Tiistem des Lebendtransportes, Has in sich schließt: einen : . ..:u Trausrerltarif an und sür sich^ die durch Fütterung und ,r . Aus und Einladung, Bestallu lg des Wartpersonals ver- .h:-.u 'l'i'hriisc'eii, ferner die Fährlichleiten der Fahrt, wodurch :: z T :re zugrunde gehen, oder dos Michteintressen zum Markt- ... c. Für Alles das uurß im Viejhpreise eine Prämie liegen,; temgemaß stet, rem Tlalle bis zur Dsarktstalion Wien nicht unli.lb.ä, v.e:.e.::.:. Tie Wiener Betriebsilpesen sind bekanntlich auch ■ ge-.u.g. fern die Thiere werden per Wagen vom Markte abr.ruszr-.::>.z, f,e- Vöhne sind rheuer, die Regie dadurch gesteigert, daß :: bz.ebten Llraren nett ausgestatlete Detanyerkaussloealitäten gehalten n . -.f .» müssen. To vermehrt sich der tMskeHungspreis ganz'erheblich uuf :t::i noch f.'.durch gesteigert, daß alle' hier bezeichneten Kosten .ui die Fleischuiiauniät fallen, welche als s-lche verkäuflich ist, während sie tbicntdtci, .'iebenproduele, ipie Talg, , Haut, Beine und andere ungenießbare Theile, welche alle, den lhchieren Bahntransport nach Nr. 130. Wien und die Betriebsspesen hier mit gekostet haben, nur zu Unterpreisen verkauft werden. Herr Drill beziffert in einer sehr schätzenswerthen Vergleichung zwischen Engros- und Detailpreisen den Fleisch hauergewinn auf 3():—40 Verbeut brutto, aler ich fürchte, daß die sehr ehrsamen Herren der Fleischhauergilde mit ihrer Behauptung, nicht auskömmlich arbeiten zu können. Rech behalten, denn meine Aufzählungen von Ursachen der Theuerung rürften de» berechneken Bruttogewinn aufzehren. Ich kann mich vorn inereantilen Gesichtspr nkte nicht entfernen und nur den als maßgebend anseheii, wodurch ich zu finden glaube, daß die Hauptursachen der Fleischtheuerung in dem stets wachsenden Be darse. an Waaren,. bei nicht genügender Bdeckung desselben, und weiters in localen Ursachen des theuern Gesch istSbetriebes liege». Cb sich beides bessern läßt, kann ich in Ansehung der Frage der Deckung deS Bedarfes, da ich kein Landwirth bin, nicht behauptest; es sei mir jedoch gestattet,' die Meinung auSzusprechen, >aß mit Abstellung des LebendtranSporteS und seiner Eonsequenzen, dl r Berlegung der Thierschlachtung in die Produetionsgegenden des Pi hes, außerordentlich viel erspart würde und daher sofort viel billiger«, Fleischpreise zum Vorschein kommen müßten. Denken wir uns das Gewerbe etwa so organisirt, daß der Wiener .Fleischhauer mit dem Landwirthe oder Biehmäster im Geschäftsverkehr steht, wie;. B. der Waarenhändler m l dem Fabrikanten, und daher wöchentlich eine Partie Mastvieh, wie eil sein Absatz ergibt, aus dein Stalle des Herrn X. in Mähren, Gali ien oder Ungarn verschleißt. Herr X. ist natürlich ein Mann, ber' einige hundert Stück Waare in Fütterung hat und wöchentlich eine bestimmte Zahl zu Markt schickt. Sein Abnehmer nun ist direct >er Wiener Fleischhauer, welcher aber die Thiere dort schlägt, wo sie < ekauft werden ■ das ist billiger wie hier und ergibt obendrein die gn ßen Vortheile, daß er, anstatt den hohen Transporttarif für lebende Thiere per 2f>0 Kilo bis Wien zu bezahlen, für 170 Kilo Fleisch oder »och weniger den kleinen Frachtsatz für Waare zu tragen hat. Desgleichen werde» an Crt uizd Stelle die Rebenproducte abgesetzt und vermindern auch den Verlust, der sich zwischen Fleisch-Lebendgewick t, worin sie inbegriffen sind, und deren Marktpreisen ergibt. Daß die Transportanstalten Mitwirken müßten, den Verkehr durch die entspreihenden Einrichtungen zu fördern, ist selbstverständlich, und möchte ich zlauben, daß eine solche Umformung, sür welche, die Industrie und der Handel zahllose Beispiele abgeben, mit großer Bestimmtheit Abhilfe gegen die Wiener Theuernng gewähren und obendrein für alle Interessent!» Vortheile einschließen würde, denn Mäster und Fleischer könnten mehr verdiene», wenn sich ihnen nicht Alles so theuer stellen würde. Die Fleischpreise müßten dann auch aus dem Grunde sinken, weil ein: große Zahl von Land fleischern mitconcurriren könnte, die auf deiiselben Wege die Pro duction ihres Gewerbes dem Wiener Eonsum anbieten würde, wobei ich die Frage offen lasse, ob dies durch eir c städtische Marktbehörde oder durch privaten Verkehr mit Wiener Fleischern geschehe. Hierin würde ich de» am meisten zu leranschlagendeu Vortheil - sehet!, daß das billigere Fleisch den unbeinitte ten Schichten zugänglich gemacht würde: denn wenn diese auch dis Fleisch der Secunda C-ualitäten nicht zu kaufen vermögen, so gesc zieht es einzig und allein wegen seines hohen Preises, welchen die geschi derten Verhältnisse auch bei diesen Sorten bewirken. Hingegen werden die geringen Viehsorten zur Wnrsksabrieation verwendet und das Product alsdann noch theuerer in den Eonsum gebracht, besten Käufer die unbemittelten Elaste» vorwiegend bilden. Um 40 Kreuzer p r Kilo ist es ihnen;. B. zu theuer, verwnrstet wird es jedoch mit dem doppelten Preise bezahlt, woraus sich ergibt, daß die Armen für eine Surrogat-Fl'ischnahriing dieselben 80 Kreuzer per Kilo entrichten, «welche die Reichen für Fleisch allein bezahlen. Kann jedoch der Fleischpreis durch die vor geschlagenen Einrichtungen herabgemindert loctfoen, so würde wohl auch der ärmere Eonsument sich damit beköstigin können, und deshalb allein muß Alles aufgewendet werden, dies Ziel zu erreichen. Richl um die Landwirthe, nicht um das Fleischhauergewerbe und auch nick» um die den heutige» Preis noch aufbringenden Eonsumenten handelt es sich bei der Frage, sondern um jene große Menge, die darunter am allermeisten leidet. Abgehalten von der ^Fleischkost, greift sie zu anderen minderwerlhigen Nahrungsmitteln und vertheuert solche gleich zeitig mit dem vermehrten Eonsum, so daß ne sich eonstant schlechter und theurer ernährt. Das ist die Rückwirkieng der theuren Fleischpreise, und deshalb müsten sie vermindert Wwden! Hochachtungsvoll Ig. Zucker, k. k. «Lommereiairalb.

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