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Freies Blatt · 1894-11-25 · 138 (25.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
138 (25.11.1894)
Date
1894-11-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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ITr. l:JS. ' $ r c i c werden solle, dicS vom BczirkSschulrathc selbst geschehe» müsse. Einige Redner meinten, daß sich Pfarrer Decken als -Katechet nichts zn Schulden kommen ließ; nur in der Eolporläge »nd in der Bcrwen düng von Schulkindern liege eine Ungchöriqkcit. -Rack, einer längere» Debatte wurde der Beschluß, gefaßt, de» Art dem P'aildcsichnlralhe mit dem Ersuchen »oi-,»legen, dahin $n wirken, daß in Hintunst solche Fälle nicht' mehr Vorkommen. (Social-Ttmokrntcn und Antiseulileu.) Auch der leiste Zo»»tag brachte eine Bcrsammlnng der Schncidcrgchilfen, v tvelche inst einem Erccß abschloß; dieselbe war cinbernsen worden, um die ciiio iv?od)c vorher durch antisemitische AiiSschrcitnngc» verhinderte Wahl ' des Ausschusses der Krankenkasse vorzunehmen. Die Beriaiiiiiiliing fand diesmal in der „Ressource" statt und verlief bis gegen Schluß! des Wahlactcs ziemlich ruhig. Erst da»» kam eS zwischen den Ehristlich Socialen und Social-Demokraten zu einem Slraßenlampsc' vor dem Wahllocale. Als die Ehristlick) Sociale» sahen, daß sie unterlegen seien, provocirtcn sic am Eingänge des Saales einen argen Scandal durch Beschimpfung der socia! demokratischen Eandidaten. Ans der Straße stürzten die streitenden Parteien auseinander los, Stocke sausten aus die .Kopse nieder, »nd cs entwickelte sich ein regelrechter Straßen - kämpf. Die vor dem Wahllocal postirte Sicherheitswache erwies sich z» schwach, die kämpfenden (Gegner auseinander zu bringen, so daß ein größeres Detachement Wache rcquirirt werden mußte, welchem es endlich gelang, die strcilcndcir Arbeiter zn zerstreuen. Die Ehristlich- Socialen zogen hierauf ab, während die Social Drmo.krale» unter Rufen: „Hoch die Freiheit! Rieder mit de» Ehristlich Socialen! Rieder mit der Reaciio»!" in ihr in der Rahe bcsindliches AgitalionSloc^l—sich begaben. Hier wurde der social-demokratische Eandidat Sanitta bei ^scinciu Erscheinen stürmisch begrüßt, woraus er eine .'lnsprachc hielt »nd daS Bcrsprcchen gab, die Krankcncassc stets in sortschrinlichem Sinne leiten zn wollen. (Eint „Ritlialinord"-E;cschichtt.> Bor einiger Zeit wurde, wie sich nnscrc z'cscr crinner» werden, der hiesige Danicntlciderinachcr Samuel Steiner von,der Bedienerin Maria Uher verdächtigt, er habe Kcnntniß von dem geheimen Aufenthalte ihrer vcr'chwnndenen Tochter, denn er habe daS Mädchen zn einem „Ritnalmorde" der Wicucr israelitischen. EultnSgeincindc verkanit. st'llS Steiner den Bieg der gerichtlichen Klage betrat, hielt die Uher selbst vor (Bericht ihre B-^'düchtignng ansrecht und gab an, ihre Tochter habe bei Steiner gearbeitet und sei eines T.rgcS verschwunden, ohne eine Spur zu binterlasien. Rach Ansicht des Ehepaares Steiner soll das Berichwinden dcö Mädchens ans eine ViebcSafsaire znriickznfnhren sein, allein hinter der Mutter stehende Personen sollen die Urheber dieser absurden Be 'chuldigung sein und dieselbe verbreiten. Maria Uher wurde damals zn einer Gcldjtrase von ];’> fl. vern.lheilt, appellirke dagegen, jedocli ivnrdc daS Urthcil bestätigt. Seither ermüdet aber die Tran nicht, das unsinnige Märchen weiter zn colporliren, und zwar mit dein Beisätze, das Ehepaar Steiner »ähre sich von Ehristcnblirt. Tie Eheleute Steiner sahen sich nun abernialS veranlaßt, gegen die Uher die Ehrcnbcleidignngsklage zu erheben, über welche am -I. d. M. vor dem Strafrichter Dr. HoerncS verhandelt wurde. Die Angeklagte war nicht erschienen, hatte aber eine Eingabe überreicht, in -welcher ne erklärt, der Vorladung nicht Talge zn leiste»; sie werde erst dann kommen, biS man ihrem Wunsche gemäß den „Eriminalproccß" wegen BerkaufcS ihrer Tochter ^durchgeführt hallen werde,. Der Richier ver nrihciltc die Angeklagte in e-antuinn'-inm zn einer weiteren Geld strafe von zwanzig Es ul den. Wir hgbe» es auch bei dieser „Ritualinord"-(beschichte mit einem Ergebnisse der voltlichen Erziehung christlich socialer Reformer zu thnn. sSchönrrcr's Srhiisuchl »ach der „Plauschbudc".! Man schreibt unS ans Zwettl: Der große Moment, in welchem Georg.Schönerer wieder in de» so oft von ihm „Plauschbudc" genannten Rcichsraih treten will, scheint bevorzustche». Wie verlautet, soll nämlich der gegenwärtige Ersatzmann Schönerer'-, der ReichsralhSabgcordnetc Dptz, dem jüngst die Trau starb, stcUvertrelungSmüdc sein und der o>crr und Meister die Absicht hegen, selbst wieder in der politischen Arena zn erscheinen. Selbstverständlich wird er sich hiezu ^von seinen urtcutonischc» Agitatoren auffordcrn lasten. Freilich ist cS bei einer Rcuwahl auch nicht auSgeschlostcn, daß Schönerer, dessen Ansehen im s'andwahlbezirk Waidhofen-Zwcttl allen Glan; eingcbüßt hat, sich eine Riedcrlagc holl und daß das deutsch-nationale Mandat dann einem Christlich-Socialen ü In Pater Eichhorn zufüllt. sTie Juden und das Handwerk.) Paul Geschäftsbericht des Prager „CcntralvercincS zur Pflege jüdischer Angelegenheiten", erstattet in der Generalversammlung vom 4. Rovembcr, betrug die Zahl der unter der Patronanz dieses Vereines dem Handwerke zugeführtcn Vchrljngc im abgclaufcnen VerwaljnngSjahre cinundscchzig, und - Blatt. - - Seile .'> zwar: l«) Han-schuhmachcr, U> Schneider. hi Schloster. >! Tapezierer. <> Goldarbeiter, 2 Gerber, - Bnckillinder, - Posamentierer, - Klempner, - Selcher, hh/hographe» und je'I Allst-.eicki-.r. Tchtimetzer, Gotdstasstcrer, Schuhmacher, Tischler. Tlci'cher, <^.ll-.,:.-pr, rRechaniter und i Sattler. , . '! lr-in christlich socialer Agitiuvr. ,'n.T.' ,st vor einige» l Tagen der. christlich-sociale Agitator Barer Sranisi.ins Siojaiowsti, welcher im Boi sichre auch in Wien qastir, ,r.,s l».-r in mehreren j Aniisemilenversammlungen ansgetreie» ist, um -'.Ul'-- R-djis nach An . i knntt des Per'onenznges aus 'Ungarn im Babnhoic r.rh niei iind-L-en, KreiSgerzchte eingeliefcit worden. Ltojalawsl:, der'in Dn-ckien ein'Hetz^ ' blättchcn hepansgibt, das er-aber ii> Eiae-a! Ungarn' "drucken läßt, i hat wegen Preßvergehkn ver!chlede>>e A-.^>.nßra'.-a ahzudußen, roar »bei' nie in seiner-Wostnung zn rinden ' . ' r Ciiic polnischc Slimmk gcstc» dir Wirnci'Aiiliiciiiucu.» Der l ..Przeglnd" nnlerzieht das l^elaliren ter -Wiener Anliseiniten > einer scharfen Kriiik und sagt: Diel'.- zguie, wstche de» Mangel an! geistigen Tähigtcilen durch ai-geschniackte und üngeruinn Sdiimp'ereicn - über die Enden zn verdecken-trachte.», dicie El-ane, sie >i.-h erst jüngst durch den ver-te,in, benschen Augrist auf die Tr-!-? Pr.-ste" eine! so schänd.lichc Ricderlage zugezogei, hal-e, schiede silst die Eaiaruiläte,/! in der Apvrovinonirnngsfrage den Eude» :n die Tchnbelind enl . blöde sich nicht,, durch alberne s'ügen, die ste in vss-nilucher tsteineinberalhsfivung vorbringc, dasösterreichische E-rporiglschalt, welches zur! Kräfkignng des Handels wereirtlieli beigetrag.» habe, dnü 'Anzlandc' gegenüber in Berrnf zu bringen Durch die Belianpinng, daß Sester-! reich Pofclwaarc ins Ausland verschicke: daß djeser Eroonhandel ve - trügerisch und aut Ansbenlnng bered,net >ei, werde ein A''sd>laq ans! den Toribestand des für die ' <^es.ru>nil»lonarchie nl-eraus w dstigen Erporthandels vcriibk: Den .'-»d- :i werden die j»ut;irmitiidu'ii Albern- ■ beiten nicht schade», ivolü. aber den ehristlid,.-n Erporleurc», welche , die Mehrheit bilden: eS >'ei 'id,on a» der Seil, zn .erwägen, ob diese! Art von Antiscinitlsmus, 'n-elehe einrad, als Anarchie crsd,eint. nod> - länger geduldet werden soll, und ob der österreidsisdre Handel nodi ..weiter i» so blödsinniger Weise discrediiiri iverden dn-.ie. -- iAiilistin tut Coiislict Illik chc» Slrüjgtsclstit. Das Vaud! geridst Hannover hat das Anjjtidle» des, >v e beridst'et, wegen des! Berdadstes des Meineides verhaftete» antiseinili'chcn Rerd,SlagS! abgeokdnete» Venß »in Enilaifnng ans der Hart, gegen Erlag einer \ Enrmon beivilligk. Endest liegt iin.S bereits wieder eine 'Rad»r'id,i von derii' Eonsli k eines anitieniilischen Tiibrers »ul den Strasgei'evci! vor: ' t'st-gc» den antiseinitiidien Reichsiag-mbgeordnete» ,-s - m m sr-m a n n in Dresden schwebt eine strasgeridsttidie Umeriiichnn,; 'we,, en'be-' k r ü g c r i s d> e r Br a n > p n l a : i o n bei Uinwandtnng der von :-)>mmer nian» beraiidgegcbencn -Deiisidien Wad»" in .'eine Ae:iengcsetlsd>ask. -Paulus Mthtr.) Der i'-st-ivahrsniänn des Pfarrer.- Deckelt -Nich dessen tist-none aut der Anklagebank, Panlns Me »er. ist nun i'ür tangere Zeit nnsdsiidlidh geinaeh:' nooiden - Das Dandgeri . r Leipzig ' verurlbeiltc ihn nach mehrtägiger Berhand-lnng w gen vcrlclimderi>d>cr - Angrinc gegen eine Anzahl von P r'oiien zn eine»-. En Irre » n d zehn Monaten c fä n g n iß. E» einer von ilnn ven'aßlen, zu Beginn des Eahres!>'.»."> cr>ch:e»e».,» Sdunälspl-r-'i: ..Wölfe im Schafspelz — Schafe im Wolrspelz" hatte Panliis Mev.-r die Pastoren B o d c I ick) w i n g h i'n Bielefeld und Boß in Pari--- es niisiilückien 'Umganges mik zwei Diako»i.ssinnen, de» Sladti»i>sioiiär Sl'idiati in Danzig der Beriliilrelinng geiamiiieller. i'-elder idjnldige. »nd : Professor Dr. St.rack in Berlin schwer beleidigt.' Seine v-..ri-»mdcri--' sd,cii- Angaben vcrmod)Ie-der - in Danzig, wegen .B.eiü-Iiis lind in Wis» ivcgc» Ehc--nbc>eidign»g sowie Brajestäisbeiisdignng vorbestiatic Angeklagte nickst zn rechtfertigen. Ans der Berha-.idlnng ging hervor, daß '-Panlns Mcncc" fick, »ickst ii»r der t>sti:ist eii-es Arohling erfreute, ionderti and, in slcn»did>as!lid>eii und ge ckiästbicksen Beziehungen zu Witte, Trilsck, ec stand, wie er ja anckj der pnbticistiidic Eotlege dcS Dr Wesendonck war, ivelckicr, in tucicn Proceß ebenfalls verwickelt, mit einer <ist-ldstkife davon kam. sAlIlisrinililchc Jllgcilv. Eine absche»lid,c Roheit begingen mehrere christlidje Knaben, hosfniingsl-oUcjAntiiemitensvrößlinge, in der Srtsckjaft K öl'l n ini Posciicr Kreise 'Renstadl Lie gossen dem etwa ' vierjährigen Tvdjtcrlciii des jüdiidien - Handelsmannes Bi idjaclis - Petroleum über die Hand und zündeten cs an. (^lücklicklerweiie eilten auf das <ttcfd)rci des armen K indes sofort Helfer herbei,, welche die! Flammen löschten und sdilimmcrc Folgen dieses 'antisemitischen Bubcnstrcichcs verhüteten. DaS Kind hat indeß schwere Brandwunden erlitten. : ' (Zur Schächtfragc in dcr Schweiz.» 3» der Absicht, eine strenge! Turchsilhrung des vcrfassnngSmäßigc» Sdjädjlverboics in allen Eanj tonen zu erlangen, richtete der Eentralvorstand der schweizerischen I Thicrschntzvcreinc an die Bundcsvcrsainm'luug ein <s)csnch »,n Erlaß

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