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Freies Blatt · 1894-11-11 · 136 (11.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
136 (11.11.1894)
Date
1894-11-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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3Cite <>. caudidar in t-fr Leopoldstadt auf, welcher jetzt di: Antisemitensührer erhöhte Ausmerk'amkeit widmen, indem' Lueger, Sch freier Blatt. i ch e r und AxMann die Müde nicht scheuen, in einem dortigen WirthShaus, Agitationsreden zu halten. iZur Landtagswahl im IV. Bezirk.) 3» einer in letzter Zeit stattgrhadlen VerirauenSmänner-Ber'amnilung der hristlich sociale» Partei im IV. und \" Bezirk wurde angeblich der Beschluß gssaßr, einen eigenen Candidneu in der Perwn des Hof und GcrichtS-Advo »ten Tr. Robert Deutschin an» anfznstcllen. Das Ganze soll aber nur ein tlvinc christlich germanische Schöpfung.) tüe gerichtliche Verhandlung gegen die Vorstände und AnssickuSrälhe der.Erste» Wiener Schuhmacher- Vederhalle iir Favoriten", welche jüugst nicht zu Ende geführt wurde, da sich die Vorladung des Abgeordneten Hauck als nitbig herausstellle, wurde am 6 November wieder ausgenommen und zum Abschuß gebracht. Hauck gab als Zeuge an, daß in einigen Vcrsamiiilungen die Gründung einer Genossenschaft kiimioble» wiirde, durch welche die Kleingewerbetre beuten vor der Ausbeutung t rrrch gewine Geschäftsleute geschützt würden. Er da! e später den Statutenentwurf gcprü't und die Registrirung der Genosscnschast durch seinen Advocaten veranlaßt. Aber er habe den Gründern ausdrücklich gesagt, daß sie auf große llnicrliützungen von seiner Seite nicht rechnen könnten: auch habe er überhaupt b< stimmte IlnterstützungSbeträgk nicht genannt. 3> der Vorunteri'nchling batte Hauck einen Betrag von 469 fl. — die Summe der von ihm der Genossen- 'chafi gewährten Darlehen — als Forderung onge neidet. Run erklärte er ans Befragen, daß er diese Forderung nicht geltend mache. Ter Vertreter der SiaaiSanwalischast Tr. BobieS sagte in seinem Zchlußantrage, die Genosien,. 'äasr der „Ersten Wiener Schubmacher Ledcrha le" sei nicht nur in ihrer Ha'lnng, sondern auch in den geistigen Fähigkciter ihre« Vorstände« beschränkt Jniineibin seien die Angeklagten zureckm lngSfäbige Personen und al« 'e.che für ib:e Haltung verantwortlich. Eine Erwc bs und WirthschaslSgenossen- ’.toft iolltf die Unlerncbmung sein, aber Darlehen und Unterstützungen seien f< ui Erwerb, und statt der Wirthschast habe eS nur ein Verwirthschaflen ge- > den Die Genosienschask habe keine Ezislenzbere htignng gehabt, und sie hätte 'vgleich am Tage nach ihrer Conniiuirung liquitircn oder in EoncurS gehen n.üssrii. Tic Verkheidiger bemühten sich darzuligen, daß die Handlungsweise il-i.-r Clienten nicht stra!bar-war, und beleuchteten die Wirkiamkeit Hauck's in diner Sache. Ter Gerichtshof sprach die Angellagten Johann ötastinger, Earl Ginuzdek >:nd Ioief Hehl der verschuld len Crida schuldig und ver- Nitbeiltc Erneren zu zwei Monaten, die beide» Anderen zu je einer Woche stl engen Arrests, die übrigen Angeklagten wur »en freigesprochen. So endigte die christlich germanische Schöpfung zur Rettung di« Kleingewerbe« in Favoriten. > Auch eine Beschwerde. > In einer Fünshaiscr Anlisemilenversammlung, welcher Schneider in der Form eine« ReckenschaslsberichleS eine Menge von Unwahrheiten und Verdächtigungen zur größeren Ehre der Anlisemilcrei voibrachle, beschwerte sich ein pensionirter Postbeaiater darüber, daß man ihu wegen - seines AnlisemiliSmur nach 32 -Tienst labren quiescirl habe. Tie Beaimcii werken aus den Beiträgen aller Stei erlräger erhalten, und eS ist sicherlich ein Beweis von großer Milde und Rcchsichl, wenn man eine» Beamten. welcher die Heye gegen die jüdischen bloß in de» Ruhestand versetzt. Schneider, als taatSbürger mitgemacht hat, dessen Assistenten i» dieser Versammlung Schcicher und Steiner ausliraten, scheint allerdings der Meinung zu ''ein, der AutisemiliemuS wäre ein ein Beamter ein Avancement begehren könnte, bälkuine bei un« nicht gediehen: wir lebe» in O oder Rumänien. iBoll der Sk^uckcr-Prade-Partci.i Ta« „i „Ter angeküntigre deutsch-nationale Parteitag soll RechtStitel, auf Grund dcsicn So weit sind ckber die Vcr- Üerreich und nicht in Rußland oebl. cutiche Volksblatt" berichtet: aus tak'iichen Gründen nicht abgebalten. sondern au? spätere Zeilen verscho >en werden. Tiefe Nachricht dürfte umsomehr überraschen, als nicht nur die maßgebenden Partciblälter in Böhmen, wie der .Deutsche BolkSbole, sondern auch die Wiener .Teutschr Zeitung' bereits ausführlich über de» Parteitag schrieben. Tie taktischen Gründe 'ür d,e>en Beschluß liegen vorläufig — so sagt man — ii> einer starken Ueber» bürdung der'nationale» Abgeordneten, wie' auch in mancherlei Bedenke», die sich seit dein liberalen Parteitag geltend -machen Wie verlautet, besteht die Absicht, vorerst den .Bund der Deutschen in Böhmen' seine Aufgabe, nationale Sgreilkiane zu sammeln, noch mehr und vlllständiger erfüllen zu lassen and erst au' Grund dieser OrganisakioiiSergcbnis e eine» Parteitag abzubalten." .'.ach di.'ei» reibtünittn Zugeständniß, daß die Schücker-Prade-Partei derinalen .-’»« rsientliche Parade ihrer Streitkräfte nock zu schwach sei, und der auch r.'U! Berea::, Blaue niitgemachle Rummel von d n kolosialen Fortschritten der Aniiseintlismus i» Böhmen doch nicht ganz bwechiigr war, thut daS ehrenwerlhe Liga» der Wurstkeüelpartei sehr unwirsh über die Scumseligkeii der Herren S.lucker und Prace, welche die sehr günstige Lage in Böhinen nur nicht auSzunüyen ve>sieben, und meint: „Mau hat eS mit Verstimmung ausgenommen, daß der nationale Anti'emitirinuS > on Seite der nationalen Abgeordneten aui dem liberalen Parteitage nicht m i einer Silbe erwähnt wurde, und ebenso verstimmen wird c«, daß der nario rale Parteitag nicht abgehalten iverden soll." Wenn aber die Lisiciere vorderhend noch keine Soldaten haben, und diese erst anwerben wollen, wie sollen sie^d nn eine Heerschau halten? Nr. 136. (Eillk beherzigruswerthe Historik.) Man schreibt nn« au» O l m a tz: Seit Jahr und Tag geben sich Herr Schönerer und Consorten die Mühe, die von ihnen .Hochburg de» Judenthum«' genannte zweite königliche Landeshauptstadt Mährens, Olmlltz, zu erobern. Leider ist oll die liebe Mühe vergebens. Ter kerngesunde Sinn der Bevölkerung Hai eben nicht das geringste Berständniß, an dem antisemitischen Narrenseil zu N itz und Frommen einiger Streber mitzuzieheu. Der Versuch, mittelst deutsch-nationaler Studenten Schönerer'scher Couleur in Olmüy Boden zu gewi rnen, ist in den Ferien kläglich gescheitert. Die Hauptversammlung, welche eine Verbrüderung aller unverfälschten Deutsch-Nationalen bezwecken sollte, w rrde wegen eines Formfehler« behördlich verboten, und an ihre Stelle trat i i einem Gasthanse außerhalb der Stadt ein Commer«, an dem etwa dreißi z Studenten theilnahmen.' C’etait tont. Der allerjüngste Versuch der Deutsch-N< tionalen, sich der Festung Olmütz zu bemächtigen, hat ein noch viel klägliche, e« FiaSco erfahren. Ta hatten sich etwa dreißig junge Leute, zumeist Ha idelsbcfliffene, zusammengesunden und einen Verein gegründet, der den urgeri aanischen Namen „W i ng o l f“ führt Ziel und Zweck des Vereine« ist, i, n Sinne de« Herrn» von Rosenau volklich radical zu arbeiten. Da»'Mißliche b:r der Sache aber ist, daß ein großer Theil dieser Urteutonen bei Juden in 2 iensten steht oder geschäftliche Verbindungen mit Jude» unterhält. Die bösen, dösen Juden erklärten nun kurz und bündig, mit den urteutonischen Wingolfiam rn nicht geschäftlich verkehren zu wollen, ein Entschluß, den jeder »ernst» tig denkend« Mensch nur gerecht und billig finden wird. Damit dürfte übe, „Wingolf" bald „Götterdämmerung" eiubrechen. lAntiscmitische Spässr.) Man schreibt uns als Ga ha: Mit welchem Ernste oft gewerbliche Angelegenheiten von den Herien Kleingewerbetreibenden behandelt werden, hiekür eine Probe, die wohl in ihrer Art vereinzelt stehen dürste. Ter hiesige Schmiedmeister und diplomirte Ciirschmied Herr Sigismund Sonnenschein sein Jude), meldete bei der geniischtcn Genosienschast für Tischler, Schlosser rc. an, daß er den zweijährige» L chrlingscurS als Schlosser bei einem geprüfte» Schlosiermeister machen wolle, l Der GenossenschaftsauSschuß erklärte. Herrn Sonnenschein, der verheiratet ist und 32 Jahre zählt, dann als Lehrling auszunehme», wenn er sich protokollarisch verpflichtet: 1. nicht zu rauche» und in kein WirihShau« zu gehen, 2. die?chrling«schule zu besuchen, 3. bei zwei oder drei Meister» zu dienen, 3. nach erfolgter Freisprechung zwei Jahre auf Wanderschaft zu gehen rc. Mit dieser öeschlußfaffung beschäftigte sich der Ausschuß säst den ganzen Sonntag den 4. November 1894. Da Herr Sonnenschein sclbstveistündlich aus dar an ihn gestellte Ansinnen nicht einging und gegen derartige „Spasse", die dem Geist de« Gewerbegesetzes znwiderlauien, Einsprache erheben wird, io dürften die Veranstalter diese« gewerblichen SpasseS zur Verantwortung gezogen werden ei ken. »sing, <Tie (yinigfcii ötr dkutschcn Antisemittn.) Beleuchtung der Eisenacher EinignngSkomödie lieferte München stattgehabte Versammlung, welche von „dcutich-socialen Reformpartei", Lau, eindcrufen i haben sollte, die in München dahinsiechende antistini^h anzusachen und in „deutsch-nationale" Bahnen zu l, Bindewald behandelte da« Thema: „CapitaliSm und die antisemitische Bewegung". Gleich im A Einigung der Antisemiten in Eisenach sprach, wurde Anhängern der „bayerischen (antisemitischen) Bolkjp, konnte nur das cnergische Auftreten des Vorsitzenden cussion die Ruhe wiederherstellen. Au dieser Discuss^o Vorstandsmitglieder der „bayerischen Volk-Partei", Angriffen gegen die „deutsch-sociale Reformpartei" gingen. E« fielen Ausdrücke, wie „komödienhafte „preußische Schablonisirung", „norddeutsche Sippe in bayerische Verhältnisse" und „Nordlichter". Wied'r zur Ordnung rufen und mit Wortentziehung dro)en Aipecten für die Einigung der deutschen Antisemiter besondere für die Wiederbelebung deS nach dem semitischer Blätter „dahinsiecheitden" Judenhasses in (PrakkischerAntisemitismus.) JnBerlin stll ein „Verband wirthschast licher Interessen" zur Förderung praktischer antisemitischer Be strebungen ins Leben gerufen werden. Dieser Berbastd soll de» Zweck verfolgen, Handwerker, Geschäftsleute, Arbeiter, Beamte und Gewerbetreibende zu vereinigen, um dadurch wirthschastliche Vortheile zu Großenhain in Sachsen ein „Allgemeiner leinen weiteren Beitrag zur eine am 30. Oktober in dem Vertrauensmann der rden war und den Zweck che Bewegung von Neuem . RcichStagSabgeordneler t« und productive Stände als Redner von der er durch Zwischenrufe von ,artei" unterbrochen, und und die Zusage einer Di«- n betheiligten sich mehrere die sich zumeist in heftigen die „Norddeutschen" er- Einigung in Eisenach" unberechtigte Einmischung, holt mußte der Vorsitzende DaS sind ungünstige im Allgemeinen und inseigenen Geständnisse anti- München. l »d erzielen. Ebenso wurde in >eutscher Handwerterbund" aus antisemitisches Betreiben in« Leben gerufen. Auch dieser Bund soll diepolitischen und wirthschaftlichen Interessen Geltung bringen; natürlich nach dem Maßstabe kceises. Wen» e« nur nicht damit ebenso geht, „Mitteldeutschen Bauernverein" und mit den Schneider- und Schusterverbänden in Wien, die ihre Carriöre bi« jetzt stet« rm GerichtSsaale endeten. der Handwcrkerkreise zur >e« antisemitischen GesichtSwie mit dem Böckel'schen rcrschiedenen antisemitischen

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