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Freies Blatt · 1894-11-11 · 136 (11.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
136 (11.11.1894)
Date
1894-11-11
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Freie» Blatt. Nr. 136. sicher Beleidigung zu zweihundert Guldm Geldstrafe. Trautzl wurde wegen Beleidigung zu zehn Gu den Geldstrafe verurtheilt Sowohl Tr. Foregger als auch der staatnanwaltschaftliche Functionär meldeten die Berufung gegen das llrtheil in. ((ritte omladillistische Stimme.) Die j rngtschechisch-omladinistischen .Radikal ne Lgsty" nehuien in ihrer letzten Nummer Stellung gegen den Antisemitismus. .Es sei du: chaus ungerecht, gegen ein Haustein jüdischer Ausbeuter den Vernichtungskrieg zu predigen, dafür aber auf der anderen Seite .tausende glcicher christlicher Spitzbuben' lausen zu lassen. Wolle man die Schöben, welche man gewissen semitischen Eigenschaften zuzuschreiben sich »emüssigt hält, paralysiren, so sorge man für möglichste Assimili:ung der Juden!" Sie treten schließlich für die Einführung solcher Ehegesetze ein, welche der Verbindung zwischen Juden und Christen keinerlei Schranke» setzen. Ankisem tische Blätter wollen hierin .ein Zugcsländniß an den Verein zur T chechisirung der Juden in Bobinen erblicken. deutsche Treue.) Man schreibt uns aus Trapp au: Die hiesigen deutsch nationalen Antisemiten pflegen sich wie ihre Gesinnungsgenosse» anderer Orte mit Vorliebe die .mcralische" Partei zu tituliren und alle arischen Tugenden in erster £inte ihr Eigen zu nennen. Wie es mit der Sittenreinheil dieser Partei auSsieht, bleibe ununtersucht; erzablk mag nur werden, wie unsere Urge inanen die Cardinaltugend der Deutschen, die Treue, zu handhaben pflegen. Da lebte in Olmütz ein strebsamer junger Ingenieur, der bei Anlagen von elektrischer Beleuchtung sich einen guten Namen erworbm hatte und im Etablisse- »untt Vcrenba ein gutes Auskommen fand. Der junge Mann war, dies muß vorausgeschickt werden, deutsch-nationaler Antisemit strengster Tbservanz. Sein: Connationalen luden ihr ein, auf seine einträgliche Stellung in Olmütz zu verzichten und nack Troppau zu kommen, um daselbst die elektrische Beleuchtung einzuführm. Unser Ingenieur folgt dem Rufe seiner Gesinnungsgenossen, ernirbt sich die nothwendige Conression zur Installation der elektrischen Beleuchtung, unternimmt, unterstützt von seinem reichen Vater, die kostspieligen Vorarbeiten und wiegt sich bereits in dem erhebenden Gedank n, seine nationalen Brüder .elektrisch" beleuchten zu können Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Die deutsch-rationalen Gemeindevertreter TroppauS, darunter intime Freunde unsres vertrauensseligen Ingenieurs, erklären mit einemmal, die elektrische Beleuchtung in eigene Regie übernehmen zu wollen, und unseren: Ingenieur bleibt nichts Anderes übrig, als seine Koffer zu packen und seinen .treuen" Brüdern, die ihn in eine sehr theure Tunle gesetzt, für immer den Rücken zu kehren. Der deutsch-national-anlisemitische Ingenieur wird daS> Lied von deutscher Treue nicht metr mit der gewohnten Begeisterung singen. «Nichtjüdischcs.! In dem GebirgSorte Gora in Unterkrain hat eine Frauensperson Namens Magdalena Äoregrik, die früher im Dienste eines Priesters stand, als .Volkc heilige" großen Zuspruch. Man sagt, daß sie zeitweilig in Verzückung gerathe, an Händen und Füßen Wundmale zeige und. Blut schwitze. Sie soll sich bei diesem .Geschäfte"- schon ein Haus erworben haben, denn der Zulauf der Frommen ist ein sehr großer. Es verlautet, daß die Behörde nunmehr einschreiten wird. (Aus den besseren Äreisen.) Auch jenseits der Leitha tauchen noch die und da Spuren antisemitischer Gesinnung auf, aber nur in den sogenannten .besseren Kreisen", wo man den in Ungarn erkämpften Sieg der Rechtsgleichheit schmerzlich empfindet. Die Art und Wesse, wie sich diese (Besinnung Luft schc fft, ist übrigens von den Kundgebungen unseres Vorstadt-Antisemitismus nicht verschieden. Am 25. Cctober befanden sich, wie ungarische Blätter berichten, mehrere Osficiere in einem Saale des .Hotels Sabaria" in S t e i n a m a n g e r, in welchem sich auch einige Reisende aujhielten. Plötzlich rief ein Lieutenant, Baron K : „Tie Juden müssefr hinaus", welchem Commando er durch einige in der Richtung der Civilisten geschleuderte Champagnergläser größeren 'Nachdruck zu gcken suchte. Tie Reisenden .'»trennen sich hieraus bis auf zwei deutsche Juden, die Viehhändler Fsaak Kulsheimer aus Pforzheim und Emil Mayer aus Rastatt, die ruhig sitzen blieben. Dies hielten die Osficiere offenbar für eine .. jüdiiche Provoeaiion", denn plötzlich flogen Salzkipfel gegen die .'Jcvre der Viehhändler, was energisch zu v»bieten Kulsheimer sich die Freiheit nahm. Er hakte jedoch kaum den Muyd geöffnet, als Baron K. aiss ihn lossiürzle und ihn zu würben begann. Kulsheimer schleuderte ihn in die Ecke, worauf er von ihm mit dem Säbel am Kopse eine schwere Wunde erhielt. Auch die anderen .vornehmen" .Herren sielen über den jammernden, übep und über mit Blut bedeckten Mann her, und ein Oberlieutenant Baltazzi, der Einzige, der, sich seiner annehmend, einen gegen den Kopf des am Boden liegenden 52jährigen Mannes gerichteten Hisb auffing, wurde verwundet. Man brachte den Verletzten in sein Zimmer, wo bald darauf Baron Marsch all erschien und zunächst um Geheimhaltung des Vorfalles bat. Am Oberst v. Barkassy bei dem Kranken, Regimentes fein Bedauern aus Summe von 1300 fl. an, die dieser auck Edmund Mayer jedoch begab sich nach Budapest, deutschen Generalconsuläte zu beschweren (Eine würdige Aufgabe für den ungarischen Clerus.) Huszt im Marmaroser Comitate wird vom 6 .Vor etwa vierzehn Tagen hat die Cholera Die Behörde traf die strengsten Maßregeln um Entschuldigung und anderen Tage erschien sjprach namens des ufid bot Kulsheimer die genommen haben soll, um sich bei dem Aus d. M. berichtet: ihren Einzug gehalten. Verhütung der Verschleppung. Das Volk ist aber von dem Alerglauben befangen, daß die Aerzte die Brunnen vergiften und daß |te auch beauftragt seien, das arme Volk zu vergiften, da eS.zu zahlreich fei und dem Staate zur Last werde. Aus diesem Aberglauben entspringt nun eine thörichte Furcht vor dem Arzte, und es wird nicht! nur die Krankheit verheimlicht, sondern, wo es möglich ist, auch des Todte verborgen. So konnte es geschehen, daß am 31. Oetober eins Frau an Cholera ohne ärztliche Consultation starb, die Angehörige^ aber ließen die Leiche zugedeckt im Bette liegen,' und erst als am! 2. d. M.. in derselben Familie auch die Tochter starb, erstattete man die Anzeige. Gestern kamen wieder drei Todesfälle vor. Schon am Morgen vor dem Kirchengange sah man die Leute in Gruppen umherstehen und mit lebhaften Gesten ihre heimlichen Besprechungeft begleiten. Es wurde beschlossen, die Todten den Behörden zu entueißen und dann im allgemeinen Friedhofe zu begraben. Zwei der Zeichen waren bereits in aller Stille im Cholerafriedhofe begraben woyden und auch der dritte Todte wurde eingesegnet. Jndeffen wurde!es Abend; das Volk, welches bisher in kleinen Gruppen umhergestastden, kam immer näher, die Menge wurde immer größer, und plötzlich brach der Sturm loS. Das Volk bemächtigte sich der Leiche und tru» sie in den allgemeinen Friedhof. Der Pfarrer konnte nicht widerstehen und mußte dort abwarten, bis ein frisches Grab hergestellt ujnd die Leiche begraben wurde. Eine verstärkte Gendarmerieabtheilung unter Führung deS StadthauptmanneS forderte die Ueberführung der Leiche in den Cholerafriedhof. Die Menge widersetzte sich, ^drohte den Stadthauptmann zu erschlagen und griff die Gendarmerie an. Die Gendarmerie rückte nun mit aufgepflanztem Bajonnet heran, doch die aufgeregte Menge stand wie Ein Mann. Weiter, Männer und junge Bursche warfen sich in compacter Masse den Genaarmen entgegen; einem Gendarmen wurde die Müsse entrissen und Dieselbe in drei Stücke gebrochen und einem anderen wurde mit der! eigenen Waffe der Fuß schwer verwundet. Die Gendarmerie schoß in die Luft, bald aber machte sie Ernst und feuerte einen zweiten Schuß in die Menge. Ein Bauer, Namens Ivan Hinczag, fiel todt zu stIoden; die Kugel war ihm durch den Magen gedrungen; Viele erhielten Stich-, Wenige aber Schußwunden. Jetzt erst konnte die Menge zerstreut werden. Bisher sind etwa sechzig Personen, unter ihnsn fast zwanzig Weiber, verhaftet. Tie Aufregung aber hat sich noch! nicht gelegt. Heute ist kein Mann bei ver Arbeit, die Leute stehen! in Gruppen vor dem Stadthause und besprechen die Vorgänge." Pie Leute, welche daran glauben, daß die Aerzte die Brunnen vergiften und hiebei einem höheren Aufträge gemäß handeln, welcher ihnen befiehlt, die StaatSlasten dadurch zu erleichtern, daß sie das ayme Volk aus der Welt schaffen, sind dieselben, denen man auch ohne!viel Mühe den Glauben an das Blutrituale der Juden beibringt. De« rmgarische CleruS, der sich jetzt so angelegentlich damit beschäftigt, den Andächtigen die mit der Civilehe verbundene» .Gefahren" darzulegen und gegen die Wahl liberaler Candidaten zu agitiren, würde aber den mit der .Seelsorge" verbundenen Pflichten auch vom confessioneflen Standpunkte besser entsprechen, wenn er den Aberglauben bekämpfchr und die Jrregeführten aufklären würde. Das wäre eine würdige Aufgabe für die ungarische Geistlichkeit, nicht aber die Aufhetzung bäuerlicher Wähler behufs Unterstützung der Ambitionen reactionärer Magnaten. (Mein Billach lob' ich mir!) Wie „sit! ofsiciell antisemitischen Sachsen, Dresden, ist, der .Leipziger Zeitung" auS Dresden hervor: .Einen schreckenerregenden Umfang nehmen hier und in der Umhegend die Verbrechen gegen die Sittlichkeit an. Es sind in Vernehmen nach nicht weniger als fünfzehn sich" die Capitale des geht aus folgender Notiz >en letzten Wochen dem Fälle zur Kenntniß der noch nicht zu ersittenstrenge Stein- Behörden gekommen, von denen mehrere Thäter Mitteln gewesen sind." — Was wird dazu der wender sagen? Vermuthlich: Mein Villach Io! ' ich mir! (Russisch-jüdische Auswanderung.) Man schreibt Berlin über die Thätigkeit des Deutschen Cer tralcomitös für russische unS auS

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