Mannheim
Compact Memory

Freies Blatt · 1894-11-04 · 135 (4.11.1894) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
135 (4.11.1894)
Date
1894-11-04
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
81% known words query
IRI
…/4886575-5439163-5441569--1604-4888045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 135 freies Blatt. Jahre 186-1 ließ sich Löwy in Frankreich naturalisiren: cs ist ihm eine zweite Heimat geworden. (Odessa lind die Juden.) Vor einigen Wochen beging die Stadt Odessa die Feier ihres> hundertjährigen Bestandes/ Anläßlich dieses Ereignisse» widmete der „OdcSki Listok" in seiner Fcstnummer den Inden dieser Stadt einen längeren Artikel, in welchem er ans deren Verdienste um die Entwicklung derselben hinweist. Die jüdische-' BcvölkcrungSzahl Odessas beträgt gegenwärtig 11.235 Seelen. Den Juden unserer Stadt," schreibt daS genannte Blatt, „gebührt wegen' ihres Fleißes und rastlosen EiscrS, den sic von jeher bekundet haben, um den Wohlstand in unserer Mitte zu sördcr», die größte Anerkennung. Sic waren die Ersten, welche den Grundstein zn dem Reich thumc OdesiaS gelegt haben. Im Jahre 1*22 entstand hier das Welt Hans Horowitz, 1820 daS von Efrussi. Sic haben de» tsletrcideexport ins Ausland, den Holz-, Silber- und Goldhandcl gefördert und auf die Höhe gebracht, um die wir jetzt beneidet werden. Und nicht nur auf dem Gebiete des Handels und der Industrie haben die Juden Großes geleistet, sic scheuten und scheue» auch heute vor schwerer törperlichcr Arbeit nicht zurück. Unter den Arbeitern und Täglichster» sind f)U Pcrccnt Jude», abgesehen von den Fuhrleuten iyiö Droschken kntschcrn, unter denen 25 Pcrccnt Juden sich bcsi»den. Die Geschäftshäuser Mcndelcwitsch, Drehfuß, Neufeld, JurawSty bcschüstige» tausende von Arbeitern und haben im vergangenen Jahre die Summe von 5.14*.301 Rubeln nmgcsctzt. Und welche Verdienste haben sich unsere Inden erst um die Bildung ihrer Glaubensgenossen im Reiche erworben! Im Jahre 1826 ist hier die erste jüdische Elcmcntarschnlc gegründet worden, deren' Rector Herr Sittcnscld anö Berlin war. Graf Woronzow und der Stadrpräsidcnt Lcwsopin lrngcn ihr-?Röglichstcs dazu bei, um diese Schule zu fördern. Als im Jahre 1828 Herr Stern die Leitung derselben übernahm, galt sic schon alö Musteranstalt, und 1*37 erwies Kaiser 'Ricolaus, bcglcilct von dem Thronfolger, der Schule die Ehre seines Besuches und ernannte den Rector Stern zum russischen Ehrenbürger.. Dank dem eifrigen Bemühen Stcrn's entstand in demselben Jahre eine gleiche Schule In Kischincw, niid allmälig wurden in anderen jüdische» Gemeinden des russischen Reiches Schulen begründet, Odesia aber blieb immer der Mittelpunkt, von dem Licht und Wissen in die entlegensten Winkel des Reiches ansgingcn. Hier wurden die ersten russisch-jüdischen Zeitungen ,RaS wict', -Zion', .Djcm sowie der hebräische .Hamcliv' und der jüdisch-deutsche .Kolmcwasser' gegründet, welche sich alle daS eine Ziel gesteckt hatten: europäische Bildung unter, den Juden zu verbreiten. In den Scchzigcrjahrcn wurden hier der segensreich wirkende jüdische Handwerkcrvcrcin ,Trud' und die Filiale des .Vereines zur Verbreitung der Bildung- und dcö Handwerkes unter den russischen Juden' i»S Leben gerufen, zwei Institutionen, über deren heilsames Wirken zum Wohlc der Juden selbst die Feinde derselben mit der größten Achtung sprechen. Doch der WohlthäligkcitSsinn der Odesiacr Juden beschränkte sich nickst auf den Kreis ihrer Glaubensgenossen: wir erinnern mir an die Schule von Efrussi, an das Krankenhaus von Kahanowsti und an die AlierSversorgungsanstalt von Wallich, deren Pforten für Richtjudcn ebenso wie für Juden geöffnet sind. So osl 'Roth, Elend oder Seuchen in unsere Stadt ihren Einzug hielte», waren die Juden die Ersten gm Platze, welche opferfreudig reichliche Mittel spendeten, um die Ealamitätcn zu bekämpfen. 'Roch lebt in Aller Erinnerung der Name des Juden Jacob Rublcw, der im Jahre 1*02, als unsere Stadt von einer gräßlichen Epidemie hcimgcsucht war, sein ganzes Vermögen hingeopfert hatte und Tag und 'Rächt in den Häusern der Kranken, einem rettenden Engel gleich, anzutrcssen war. Als die Regierung ihm für seine beispiellose Bethäkigung der Rächstcnliebc einen Ehrengehalt und Orden angeboren hatte, lehnte er beides dankend ab, mit dem Hinweis darauf, daß er nur seine Pflicht als Mensch und als Jude erfüllt und kein Recht habe, sich dafür bezahlen zu lassen. Wenn Odessa jetzt aus einem türkischen Torfe eine Weltstadt geworden ist, welche mit ihren Einrichtungen und öffentlichen Gebäuden allen Städten des Reiches als Muster dient, so gebührt in erster Reihe der Dank dafür den jüdischen Stadtverordneten, von denen wir besonders den seligen Abraham Brodsky .und de» noch unter :»>S lebenden Raphael Chari erwähnen." Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. (Lik lenfeu scholl ein.) Wir kenne» unsere Pappenheimer ganz genau. Als die Wahlrechtsfrage noch in weiter Ferne stand, waren die Antisemiten die de-' geistertsten Anhänger de» allgemeinen, gleichen und directe» Wahlrechtes, obwohl sie genau wissen, daß der Geburtstag de» von den Arbeitern geforderte» Wahl- | rechtes der Todestag der aiilneinili-chen H.-l-.ri.vi n r.a! f. al-cr die j Entscheidung der Wahlrechltiiage rückt, desto ie'..unter drucke» sich d-.e Herren; in der bei,inenden Frage aus. Mechaniler Zch-wach am -7.iel-.-r > i» einer Wäklerveriainiulung in Simmering und ,.--ß sich bei diesem Ane lasse in folgender geivälilter. Form ans: „.«t, tu! ■ lu u A? 'T.-'leren erllärl, > daß ich für die Heranziehung der Arbeiter zum W.-.bl-eg - -bin. W i r müsse» diese» Wal»lrecht nl'Vdccki A rbeilern >'e d'l-r'r. daß -je .nicht; dnrch dasselbe noch m ebr verlock>;veede n. a'.. i.i-on >i „d." Liechtenstein ivird 'chon deninäck>'i erlläre». wa» 'ein Fr--':., d de, ineinte:! ledeniall» >>', in uaitsburg und >'emer gelingen Uin.l'bim : i eninmalige Be- J geisierung s»r da) allgeineine Wahlrecht bereits einig,-,»ia-, . >,. | . tGegrn >ierncr »nd Palla., An, :»> 'Dciob,r 'and an- ...n.inmig des l Wälzringer B,-zil>s-.>orst--he>s n»d randiagsabgeoidnele» B n n in. l. n. d'r die t Herren jterner ^,nd Palla für die Niederlage . der Ai-ü-, na!.,, hei den - Arnienrathrwahlcie veraiiiwortlich iiuwlit. ein.e „^it'aimn.'iitiiii'i ' it, über welche die „Siidemiche :1>,i»d>chan" berichtet, ,,ö» diear '.ii»uu-i;[iiiift> welcher auch T r. Lueger über Einladnng anwohnle,, ivlirde er. v-n.--enden BezirtSansichiilleu .'ierner »nt- Palla van alten Zeilendi> "i, biltignng aii)ge>'prv.tien. -znin Schinne 'allie Ir. Lueger ein - r. :». „üches . llrlheil: Tie,Herren sterner nnd- Palla batten eigemlich ihre B.zw!-.--.ins>ckmßniandale niederuilegeiz: ui» aber die Pailei »i,m ,n Ge'gh, z,i l-.mg>-„, ntö.ze man ihnen ihre?.>,'andale belaste» n„k-ilnien da) Ebrenworl ab»>I>mc„. daß sie >orlan linnier mit den aiitise>„,ti>'cheiz B.",i-.-Isaiw'ck-::fsen eitrig vo-.gehen wollen Im llebrigen mögen die anli!emillichen Be;,rl rns-chune jeden Perlehr tmt dieien beiden — — meiden! Fnriraln ein 'onde.I ires llribcil Wir dächte», die Herren .'tcrner nnd Palla haben schon bei ihrer Weih-Nen er!enng >nr den Bezirk»aus''chus; ihren Wähler.» das Ebrenn-eil gegeben, J-a der Pa-.lei;i, halle», ivelche sic gewählt Ii.it lind jem >'ollen sie wie.ee gin Elremverk gehen? llnd lrotzdein inan ein »engebackneS Ehrennarl -.-on den Herren »eener und Palla velsaiigl, soll man dann »ich« mn lm-.-n ve> i,T ieiec- Unheil ist Herrn Tr. .Lueger lrov 'eincr 'aneilamil, ,i lniisti-ckren I-egalmiig wohl misilmigen. Pietleichl lt.it der all zu mlime Umgang ntil Elne» Pergani — einem Zpeeialiilen in Ehrenwörlern- und . 2 .iir.'iir'ir -- die llriheildiällnng in diesem Gegenstände eln-as ' uerwnrl, diese Eim-nndn»g schein! .»ich Abgeordneli-r Panlnanii habe», der über eine all» der R'ählcii.i-a>l an ihn ge richtete An'iorderlmg das Versprechen gab, für die lomniendc We.be eine els-iilliche WählerveiiamniMiig einzllberli'en, welcher tat- »ständige lleibeil in dieser Sackte vorbchalien bleiben innß Im Vnrgellemb des Wiener Genicilide-. raihe» wurde den, l-'chech„'ch,-,i lVemeinderalbe Je.d li.'-I a ivegen seiii^S!>llhte»-.'ien gegen den delllich-nalion.Nen Vezirtsvorsleber Vannian» die Mißbilligung anSgedrückl. das christlich vertüdellc .Temsche Volleblali' deS Lären Ve^gani schweigt die ganze de» 'X VIII Vezirk lies berührende Angelegenheit toM “ >>. l'Richt liberal, iiirtit clrricnl, fonDcrii — rnSicrtl.i i'ia» ilu-iit uns aut Dem Wäldvicriel wlgende heilere Anekdote-mii: Velannt ist die LAarrzle aller eoiilnieii poliliichen Parieien, inil o>'l iiichlsiagenden Sch>agioor-en zn lumircn. Welche Ans'assnng d.-rariigc „ § chlagcr." inillmler ersahren. davon eine f(eine heilere Probe. Ta hielt denn der ehemalige ...Herrgen ron ('u-ofieitöplrip a. D. W. vor einer Valier>,l'er'ai»i»limg eine Rede, in deren Höhe plinli er in feinem banansilchen Patlet die Warle herve-.-sti-'ß: „der Bauer sei nicht liberal, nichl cterical, sondern — radi eal." Ei» e-in-as verlanleS, aber wißbegieriges Bäuerlein riet, „ Was ist denn dösL" und — oliinlps dich, lag cs vor der Thür. Tas „linxlalmli, -l-i.-er n-; allen an-.l-einilischen .Preisen -zuin L.achdenlen bestens einv'oklen. ' iAliS Miir-Peliiig.» In einer der lev!.-» S izmnge» des t'lrazer Gemeinde, ralhe» wurde das Anboi einer - jüdischen Firma ivegen V.-riniellmng de» ts>e-' wölbes Ar. I in, Hanl'e L.r Bl am Jgkomimplltp über Anlrag det Re'erfiilcn Geineinderaihct F-c i ch l i» ge r t i n st! ili m i g zn r ü ck g e'.v i c je n und der Beschlnft gckaßt, das ,völbe n„aan eine christliche Firma zu ver »tietden. Ter Referent l'alle bei Begliindnng leinet Anträge» c|iif die.angebliche» Schäden hi»gewik>'ei>, ivelche den christlichen Gkickiä'lslemen dlirch die „jüdische Eonenrrenz' erlvach-en sollen. Tie Einsttiniiiigleil dc^- l'Pmeindclalhes von Mnr Peking ivird we-'enllich dam beilragen, daß man in der gedildelen Well die kurze Glanzrolle, welche die,'e Sladl in der Geschichte der österreichischen Freiheiisläniv'e eingenoinine», vergißt und sich wieder jenrr populär gewordenen zwei Worte erinnert, welche da» steierische Volk zwar nicht besonders schnieichelkast, aber uni >o bezeichnender charakterisiren. lAntiskinitischrs auS Turiitrkrriscn.v- Tie „Innsbrucker Nachrichten" berichten über folgeiiden Vorfall, der in.der Landeshanplstadt von Tirol"viel Aussehen Hervorrust. Tort bestehen zwei Turnvereine, der Innsbrucker lind der Teutiche Turnverein. Der letztere Halle immer eine» ansgesprocheii antisemitischen lLharaktee, während man von dem Innsbrucker Turnverein annahm, daß er die antisemitische Ansteckliiig von fick> sernzuhalten gewußt habe. Dem letzteren Vereine gehörte Herr Wilhelm Dannhauscr, ei» ichr angesehener israelitischer Bewohner Innsbrucks, an, welcher von dein Vereine wegen seiner Verdienste für dciiselbcn zum Ehrenniilgliede ernannt worden war. Vor etwa vierzehn Tagen stichle nun der Sohii Däunhauscr's um die Ausnchme in diesen Verein an, wurde aber in Folge einer von anliscinilischer Seite eingeleiteten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.