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Freies Blatt · 1894-10-28 · 134 (28.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
134 (28.10.1894)
Date
1894-10-28
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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reite > l'iib die nothwendige parlamentarische Mehrbeit, Freie» Blatt. dam, in einem künftigen finden, sonst nicht. Tie Tivoli-Leute, deren Frondiren .Haiier Wilhelm für widerfinnig erklärt halt wollen. AÜr ein Regier» ngSsyste in nach dem Tenlschland zit 'ehr westlich gelegen, nnd die scheinen ihn mißverstehen zu Geschmacke Hammerstein'S ist Erfolge, welche die „mit einem cht verlockend. Bor etwa drei Monaten brachte' J Bic nun der Rechtsbeistand des ist an der ganzen Geschichte auch tropfen anliirmitischen Cel-5“ gelränkte Polilif im absoluten Rußland erzielte, find für eine constitntionelle Monarchie just n Ovin Cflfcr fdjamloftr Erpressungen.) der AKIwardt Moniteur in Berlin auSsühtliche Miltheilnngen über „einen iitdi'chetl Lünlmg Tr.'Maineiter". Derselbe .sollte seine Wirlhi» in nicht wiederzugebe.nder Weise vergewaltigt haben. Tr. Mainener. Tr. Friv Ar tedm ann, erklärt, nictt ein wahres Wort. Tr. Mamener entstalamt einer angesehenen jüdischen Aamilie in Rikolajew nnd hat sich bisher durch untadeliges Leben die Ächtung seiner Mitbürger zu erwerben gewußt. Bei der letzte» Ehelera Epidemie in iemer Baterstadt icknug Tr. Mamener Leben md Gesundheit zum Besten der leidenden Menichheit in die Schanze; er wail einer der Ersten, der in den Baracken arbeitete, einer der Letzten, der fiel verließ. Tasür erhielt er, der Znde, vom russischen Staate .eine goldene AnfrkennungSinedaille, die nur sehr ivenigen Äerzten verliehen wurde. Tr. Mainener besuchte Berlin einzig zu dem Zwecke seine Studien zu vollenden. Seiire Zimmerverytietherin betrachtete wenn nicht im jetzigen Reichstag, ibn aber als eiu geeignetes Object inr schamßoie Erprefiungen, und al« diese . dei? geirün'ckiten Ertolg mcht batten, Nichte ihl bandliingeu zu erreichen. Um diese Bergehe i Unschuld herausstellte nnd da« t der Spieß umgedreht, und die . Wirlbin ein gegen fie>verübtes unfittlickies Ällentat und bewirkte e» tatsächlich, daß Tr. Mamener verkästet wurde. Sieben Wochen hindurch saß er im Unters nichungSge'ängnisse. zu Moabit, ehe sich iein, Bei fahren gegen ihn fistirt wurde. Runmehr ehemaligen Ankläger werden ihre HandlungSivstse vor Gericht zu verantworten haben. Ter vorliegende Fall zeigt aber nenerdijngS, daß Erpresser, Seren Opfer Süden find, au' den Beistand antisemitischer können. Bismarck — bestochen. i Sin Theil der Antisemiten hansirt noch immer »nt einer judcnieindlichen Rede, die BiSmarik 1847 im preußischen Landtag gehakten hat, ei» anderer aber.beklagt es, daß er später den Antisemiten nicht genug tvill'ährig war, .und meint, er wäre lurch den Berkehr mit Bleichbachter" geht weiter und sagt,, Wetterfahne!! Freilich sseouni!» nun u!> t ldas Gelü. stinkt nicht t" heißt eS in liem Fnrther Antiiemitenblättchen, röder verludet worden. Ter „Fürther Beo die Zuden Kalten BtSmarck bestochen. „Welche ivelcheS auch noch felgenden Erguß bringt: Preußen haben sich die geplante Wallfahrt z im Rationalheilige» in Barzin n ieder überlegt <wegen" mangelnder Tbeilnahmi Sr Geld sammeln .ztl eigener Berwendung'. samtnen'lomint, soll ikm am I. Avril k. 2. zu deigleiche« .verwendet', weiß man aus den Er ssbnisseiz trüberer Betteleien: er »aminelt Alles an und bebält es für sich, aus daß Bleichröter chder wie sein jetziger Leibjude beißt) es mehre und verpiel'iltige, damit der arme Ex, der bereits mit 40—f>0 Millionen bebaktet ist, nit>t gar noch verhungern muß in feine»-alle» Tagen. Sr ist ein gar sparsamer Herr und nimmt lieber ein, alS daß er ivas ausgibt.“. * Mann dies durch brutal» Mißzu verschleiern, erdichtete die öchriitleiter" unbedingt zählen Tie BiSmarck-Anbeler in Ost-?) und wolle» für den' armen WaS an Bismarck-Nickeln zu- Füßen gelegt werden. Wie er L-cuillcruu.! Die Töpferscheibe. Erzählung von Eduard Moses halle. 'vitülr der Erde keine andere Vorstellung Mensch Kal, der nichts gekernt, und wie Kultzr. li». K-njetzong.) io lange er in seinem HcimatSorte war, von der als die naive, welche jeder sie auch die alten Griechen :ten: er dachte sich die Erde als eine sessr weite, ausgebreitete Fläche, gut welcher Erhöhungen nstd Vertiefungen Vorkommen, das 'sind die Berge und die Thäler. Welche Gegend d e Aequatorgegend sei, wußte er nicht, und von den Bolen wußte er assch nichts. Von allen diesen Gingen Hane er -erst, da er aufs Gymstasium kam, die primitivste Keniitinß erlangt, und der Globus, denj der Professor in der Geographieilunde aus dem Katheder stehen hakte, gab ihm erst die Anschauung von der Gestalt der Erde, Nust erinnerte er sich, daß der Brosessor den (^lobu« beim Unterrichte aujch schon gedreht hatte; man hatte aber nichts davon bemerkt, daß sich auch der Globus in der Aequatorgegend ausbauche: auch der Kreisel hatte sich wahrend der Trehung nicht auSgebaucht. Also wieder etwas Neues: Nicht jede Drebnng bewirkt eine Ausbauchung: eS stibt Drehungen, bei welchen keine Ausbauchung stattfindet. Bei welchen Drehungen findet eine AuS- Nr. 134 war die neue Frage, auf und des Globus geführt der Globus auch nicht, dsr Töpfermeister auf die bauchung statt und bei welchen nicht? Dal die er durch die Betrachtung deS Kreisels worden war. Er dachte der Sache weiter rach und verglich im Geiste die Drehung deS Kreisels mit der Drehui g der Töpferscheibe. Der Thon baucht sich aus, der Kreisel nicht Woher dieses Unterschied? Er erinnerte sich, daß der Thon, Ötnl Scheibe gelegt, feucht war und weich, so ddß man ihn kneten konnte wie einen Teig, a^s dem die Köchin ein: Mehlspeise macht. Dies brachte ihn auf einqn Gedanken: Wenn die Hervorbringen soll, müsse der Stoff, der gedieht wird, weich und feucht sein, so daß er sich ausdehnen laßt, daß aker an einem harten Stoffe, der sich nicht auSdehnt, auch durch die T rehung keine Ausbauchung entsteht. Als er diese Betrachtung nun auf die Erde anzuwenden versuchte, fand er es glücklich heraus, warum die Erde trotz ihrer fortwährenden Trehung die Kugelform behalt! und nicht immer mehr platt gedrückt werde. Dies erschien ihm jetzt ganz selbstverständlich, weil die Erde hart ist. Da tauchte nun aber sogleich ein neue) Näthsel auf: Wenn die Erde hart ist und sich in Folge "dessen nicht auSbauchen kann, wie kommt es, daß sie doch ausgebaucht ist? muß also, folgerte er, eine Zeit gegeben haben, da die Erde nicht hartj sondern weich gewesen ist Er dachte lvieder an die Töpfern, trkstätte und erinnerte sich, daß die Töpfe, die aus weichem Thon gesa mt wurden, nachher, wenn sie aus dem Sfen kommen, auch hart fiiti> und ihre Form behalten. So batte er wieder eine neue, Tjheorie gewonnen und glaubte sich durch diese in der Lagees sich assch er lären zu können, wie es komnt^. daß die Erde an den Polen abg, plattet ist. Bei der Ausbauchung in der Aequatorgegend mußten die Pole gleichsam einsinken. Diese pleihe von Fragen, Bemerkungen und Einfällen beschäftigte seinen Geist, als er des anderen Tages mit seiner Strafaufgabe zur Schule ging. Der Kostherr, der sich inzw scheu an die Strafaufgabe erinnert hattiy führte zwar die Drohung, d:m Herrn Rosenthal davon Mittheilung ju xnachen, nicht aus; er hielt eS aber für feine Pflicht, zu erkunden, weshalb Moses eine Strafe lekommen habe. Er ging ins Gymnasium, zunächst zum Direetor. Dieser konnte keinen Aufschluß ertheilen; er wußte nichts davon. Nach l0 Uhr, während des RespiriumS, da die Herren alle im Confereizzimnier Zusammenkommen, da könne er es erfahren. Als der Kostherc zu dieser Zeit ins Conferenzzimmer kam und .sich nach der Anf ührung des Moses Kohn erkundigte, erfuhr er, daß die Professor! n alle mit diesem Schüler recht zufrieden waren und nichts an ihm zr tadeln fanden. „Er hat aber gestern eine Strafaufgabe geschrieben," bemerkte der Koslherr. „Ah ja," sagte der Geographie-Professo,' „daran habe ich ganz vergeffen. Nun, es ist mit dieser Strafe niest so arg. Er hat sich erlaubt, ohne daß ich ihn aufgefordert habe, zu sprechen. Ich mußte ihm die Strafe geben wegen der Disciplin, denn das kann in der Schule nicht geduldet werden; aber ich habe sonst nichts gxgen ihn, er ist sehr brav und gesittet und sehr aufnurksam; er scheint ein aufgeweckter Junge zu sein. Sagen Sie ihm, wenn er in Zukunft irgend etwas sckgen oder fragen will, so soll er las Zeichen geben oder er soll die Unterrichtsstunde abwarten, und dan t kann er mir sagen und mich fragen, >vas er will." Mit dieser nicht unerfreulichen Auskunft begab sich der Kostherr nach Hause; der Geographie-Professor aber begab sich in die erste Claffe und fand die Strafaufgabe des MoseS Kohn auf dem Katheder. Er lächelte, als er den Blick darüber schweren ließ. Der Professor behandelte ein schwieriges Lhema, die schiefe Stellung der Erdachse und die Wirkungen dieser s hiefen Stellung, die vier Jahreszeiten und die verschiedene Länge der Tage und Nächte in den verschiedenen geographischen Breiten. Nach Beendigung der Unterrichtsstunde tber forderte der Professor den Schüler Moses Kohn auf, mit ihm zu kommen. „Du hast deinem Kostherrn die Strafatfgabe gezeigt," sagte der Professor, als sie miteinander gingen. „Ich habe sie ihm nicht gezeigt," antwortete der Schüler, „er hat sie aber gesehen." „Wgr er dir böse?" fragte der Profefflr und lächelte. „Er hat gesagt, er wird es dem Herrn Rosenthal anzeigen," erwiderte Moses; und auf die Frage des Professors, wer das fei, „ein Bekannter von meinem Vater," gab der Knabe zur Antwort. Der Professor aber sagte: „Du brauchst keine Furcht zu haben; er wird es ihm nicht sagen. Du hast aber die Stra e doch verdient?" Der Schüler schwieg; der Professor wiererholte: „Nun? Hast du sie nicht verdient?" 1

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