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Freies Blatt · 1894-10-28 · 134 (28.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
134 (28.10.1894)
Date
1894-10-28
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 134. Freies Blatt. lictte V (Spitzer-Weimars Borsicht) Im Briefkasten der „Reich«post" fertigt Spitzer-Weimar einen alberne» BertuschungSsreund' mit svlgenden Worten ab: „Ihr Begehren, Nachrichten von Bereinen, die Mendelsohn'sche Werke oussiihren, deshalb nicht zu bringe», weil M. Jude war, ist den» doch etwas gar ZU — naiv." Ta hat er Recht, der Spitzer-Weimar. Er kann sich doch nicht ins eigene Fleisch „schneiden und Alle«, was von Juden stammt, boycoiiirrn. Sonst könnten um Ende seine Leser auch ans den Eiusall kommen, man dürft die „Reichrpost" nicht abonnire»,, weil deren Herausgeber ein StamiyeSgenosse Mendelsohn'S ist. Borsicht ist auch bei GeschästSantiseiniten die Mutter der Weisheit. sei,. (Ernst Bergaai's schriststrhlerische Leistinigen.) Tie „Unverfälschten" bringen zur Bereicherung der antisemitischen Literaturgeschichte eine weitere Gegenüberstellung aus Ernst Vergani'S ' gehörigen „Borahmung" Tavaststjerna'S. deutschen Worte" lautet: „Zur gute» Stunde". Seite Üüy—210. Jahrgang 1893-94. Eine Reise durch Schweden von Carl A. Tavastjerna. (Nachdruck verboten.) „TaS Fahrwasser durch BohuSlanS weile Schären hat seinen großen, frischen Reiz, wenn auch die Wellen und Stürme der Nordsee dafür gesorgt haben, daß es zwischen den kahle» Klippen nicht viel grüne Idyllen gibt. Dafür aber wird man durch die großartige Natur gefesselt, die zwar düster und karg ist, aber gewissermaßen die Gesundheit des Bergvolkes athinel. Diese Lust ist salzgesättigl und stark, das Wasser krystallklar, und die Land- 'chast wie frisch gescheuert und polirt, eigens um dem fashionablen Stockholin oder Gothenburgkine prächtige SommerzufluchtSstätte zu biete», einen Zufluchtsort, wo ei» Staubkorn oder ein Bacillus etwas noch nie Dagewejene« ist. Die Westküste Schwedens ist übrigens reich an Badeorten. Jedes kleine Fischerdorf trägt sozusagen ein EurhauS und eine WarmdadeeinrichtuNg unter seinem Felsenherze». Eine« schönen Tage« flaggt e« in Blau und Gelb, von dein gelben Holzgebäube einer neuen Badeeinrichiung, man feiert hier ein GeburtSsest, und Schweden wird ein neuer Kaltwassercurort zu den ' vielt» alten einregistrirl. Ter bedeutendste und vielleicht der älteste vo» ihnen ist Marstrand, die alle Stadl deS HäringfangS aus der. . kleinen Insel unter der alten Festung KarlstenS. Hier haben Geld und Eullur gemeinsam einen der bequemsten und ichönsten grünen Ruheplätze Mr verwähnte Hauptstädter inmitten nackter Felsen weit draußen im Skager Rak hervorgezaubert. — Aber Schweden« „liean inondc" gefällt e« hier vortrefflich. Der Tourist kann sie bei den Badesoirven zahlreich versammelt letzen, n»d wenn er bei seinem Besuche viel Glück hat, kann er den König Schweden« bewunder», der auf seinen Reise» Marstrand alljährlich einen' Besuch inacht —" NordlandS-Reisebilderii und der dazu Die ParallelaiiSgabe der „llnversälschtcn „Deutsches Bolksblati" vom 24. Juli 1894. VIII. Fortsetzung. sDurchSkandinavien von Ernst Bergan,.). „Das Wasser durch BohuslänS weile Schären hat leine» eigenen Reiz. Wen» auch die Wellen und Stürme der Nordsee dafür gesorgt haben, baß e« zwilchen den kahlen Klippen nicht viel grüne Fleckchen Erde gibt, so wurden wir datür durch die großartige Scenerie gesesselt, die zwar düster und karg ist, aber gewissermaßen die Gesundheit des Bergvolkes athmet. Tie Luft ist salzgesättigt und stark, das Wasser krystallklar und die Ländschasl von den Welle» wie frisch gescheuert, .eigen« lim dem fashionablen Stock- . Holm oder Golhenburg eine ’ prächtige Zufluchtsstätte zu biete», eine» Zufluchtsort , wo ein Staubkorn oder Bacillu« etwa« „noch nie Tagewesciie« ist". Tie Westküste Schwedens ist reich a» Badeorte». Jede» kleine Fischerdorf beinahe bekommt ei» CurhauS und eine Warmbade-Einrichlung. Eine« schönen Tage« flaggt e« in Blau »nd Gelb, den schwedischen Nalioualsarden, vo» de» gelbe» Holzgebäuden einer neuen Bade-Einrichlung und Schweden hat »m einen «alt- »nd Warnnvasser- Curork mehr zu den vielen alte». Der bedeutendste und vielleicht der älteste von ihnen ist Marstrand, die alte Stadt de« HäringSfangeS aus der kleinen Insel unter der alte» Festung- KarlstenS. Hier haben Geld und CuItur gemeinsam einen der bequemste» »nd schönsten Ruheplätze für verwöbute Hauptstädter inmitten nackter FelSchtii weit draußen im Skager Rak hervorgezaubert Schweden» „>,oau mond“ gefällt e« hier vortrefflich n»d schon bei unserer Aiikuiift konnte» wir die große Anzahl Curgäste, darunter reizende blonde Damen mit blauen Augen, die uns am User erwarteie», sehen. Eben wollten wir landen, da kommt plötzlich da« große Kriegsschiff de« König« um die Insel herum, und mit einem dreifachen Hoch und dem Sängerwahlspruche sendeten wir unseren Gruß zum Könige hinüber, dessen hohe Gestalt wir am Bord sahen." (Aus dtm Wähtiugtr Bezirksausschuss«.) Die „Lstdeulsche Rundschau" ist darüber empört, daß die Ergänzung«wahlen für den Währinger Armeiiralh nicht so ausgefallen sind, wie es der Bezirksvorsteber gewünscht hatte, obwohl die Antisemiten im BezirkrauSschuffe über 9 und die Liberalen nur über 7 Stimmen verfüge». Ta« Antisemitenblalt gibt folgende ergötzliche Enthüllung zum Besten: „Tie antisemitischen Bezirksausschüsse Tr. Kren», Kerner und Palka erschienen nicht zurWahl. Da« Stimmenveihältniß war daher: 7 Liberale — 6 Antisemiten, und die Liberalen brachten alle ihre Candibaten durch. Der Bezirksvorsteher Anton Bau mann hat nun mit einem zumeist au« Juden-Liberalen zusammengesetzten Armenralh zu rechne». Wa« ca« bedeutet, weiß Jeder, der vom communalen Leben Wiens etwas versteht. Schrecklich!) Nun zu den .drei Au-gebliebenen'. Dr. Krenn war als Arzt beruflich verhindert, in per Wahlsitznng zu erscheinen. (Dr.Räder wollte einmal einen solchen Entschuldigungsgrund nicht gelten lassen; allerdings handelte e« sich damals um einen liberalen Arzt.) Wajedoch die Bezirksausschüsse Kerner und Palka, zwei Mitglieder des christlich-socialen Vereine« und de« Mariazeller WallsahrtSvereineS, betrifft, so ist deren Haß gegen Alle», wa« .sich deutsch-national nennt, längst kein Geheimniß mehr, und erweisen sich die beiden Herren al« gelehrige Schüler des . tschechischen Gcmeindciathes I e d'- liöka, der, wahrscheinlich aus Dank dafür, daß ihm die deulsckicn Wähle.-- Währing« in vertrauensduseliger Michelhailigleit seine!zeit ihre Siiülmen ge gebe» habe», offen in, Gasthausc sagt: .Ich.auf alle Deutsche»!- Ter BezirkSvorsteher Herr Banman» ist als Schönerianei der christlich-sociale» Gesellschasl nicht angenehm, denn bei dieser, unter dem c>. ,ruiiipircnden Eiufliiffc de» Bergani Blglte« immer mehr vertschechende» und verclericaltsirendkn Partei ist Jeder, der nicht auf Powidl »nd Wachskerzen schwort, ein Preußenicuchler und Hochvcrrälher. Genug an dem, Herr Palla nahm lurz vor dein Wahltage Urlaub — kein Mensch weiß, wozu-' 7- und Herr Kerner erschien einfach nicht! >» der Sitzung, er fuhr auss Land nnd tclegraphirte von do.l ans an den 1 Bezirksvorsteher Baumann, daß er nicht zur Sitzung erscheinen iönne. Die! chrliche» Aniiskmiten Währing« sind über diesen sonderbaren .Ciuigleitsbeirris' I der christlich-sociale» Bezirksausschüsse Kerner nnd Palka mit Reä 1 empört und i werde» von ihneu in geeigneter Art Rechenschast verlangen. Biellei.iOpird Dich dann auch herauSslellen, IvaS das geheiinnißvolle Gespräch, des Herrn Kqrn« -mit dem £ berjuden Emanuel Hofs in a» n und daS Versprechen zu bedeuten hatte, daS Kerner wenige Tage vor der Wahl cincin Slockliberalen gab : ,Bcrlassen'Sie sich, Sie werden wieder in den Armeiiralh geivählt!' Tie Juden liberalen waren in der Wahlsitznng ihres Siege« so beivnßt, daß man verinulhe» konnte, sie hätte» um die Ursachen . de« Urlaubes nnd Landaufenthalte« ihrer christlich-socialen College» Kerner und Palka gewußt. Fromme Christen erzählen, die« sei die Strafe dafür gewesen, daß Herr BezirkSvorsteher Banmann 'und die Teulsch Nationalen WähringS bei der Kirchenparade ,Tr. Luegers nicht erschienen seien WaS sagt Herr Tr. Lueger zu dieser.schönen Einigkeit und PartcidiSciplin seiner Anhänger Kerner nnd Palka? Tie Teulsch Nationale» und init ihnen alle wirklichen Antisemiten sagen: K ahlig Nr. L-ünd 3!" Zum besseren Berständniß für unsere Leser außerhalb Wien» sei hier bemerkt, daß die Währinger Antisemiten schon vor längerer Zeit das Berkalten des von ihilen gewählte» Herr» Kahlig im^ dortigen BrzirksaiiSschnsse als Treubruch hinstellte». Tr. Lueger dürfte aber aus daS an ihn gestellte Ansinnen ichon des bald nicht eingeben, weil der Ansdruck „Kirchenparade", der »»« große» Svaß macht, ihm sicherlich mißfällt. Er-opferte nicht Herrn Schönerer zuliebe den Galiziauer Bergani, obwohl man Lob nicht sparte, urst ihn hiesür zu ge winnen. Wie soll er nnu, wenn er verspottet wird, bestimmt werten, Herrn Baumann dyl Gefallen z» ihn». Keiner und Palka sollen;n lasse»? (Ttutschuatilmalt Btrlogenhtil i Wir erhalten an» Brunn folgende Zuschrift: Bekanntlich gibt sich die mit der deutsch-nationalen Siaiidärtr, gax ungeheuerlich herumhanlirende „Teutsche Zeitung" die redlichste^Blühe, auch ihrem antisemitische» Faible Tag für Tag lhuulichst gerecht zu werden. Ein deutsch nationale- Ragout will n»n einmal heulzulage etwas anliskiniliiche Würze haben! So brachte z. B. diese« in nationalen Tinge» stch al« einzig anloritativ brüstende Blatt in Nr. 8191 eine Zuschrift au« Brünn, in welckier über die Fortschritte der Tschechen in der mährischen Landeshauptstadt geklagt wurde, lieber die Berechtigung oder Nichtberechligiuig dieser Klage» wollen nur nicht streite», sondern nur die ungualificirbare KainpseSwcise dieses Blanc« etwa» niedriger hängen, «in wieder einmal zu zeige», aus welche Alt die abgefeimteste» Mittel der Berdächligung von deutsch nationaler Seile gebraucht werden, um de» Juden eine» KläpS zu versetzen. T as bei- Lueger,. Schneider :c. i» die Schule gegangene Blatt schließt nämlich seine Kassandra klage über da« Uebergrcisen de« TschecheulhumS in Brün» mit 'folgenden Worten: „Interessant ist wohl der eine Umstand, daß'auch mehrere Juden in . Brünn fest eittschlosse» sind, nächsten« mit den Tschechen durch T ick und Dünn zu gehe». Ganz dieselbe Geschichte wie in Prag! Wir werden ja sehen, und die Zukunft wird e» lehren, ob die« auch al« cinc.Errungenstln.ti der Tschechen zu betrachten ist." Jeder, der. nur halbwegs die Brünner Berbällnissc kennt, muß staune», wie man solche Enten in die Luft fliegen lassen kann. Unsere deutschen Mitbürger jüdischer Consession haben stets treu und unentwegt zur deutschen Sache gehalten, besser und enlschiedencr geiviß al« die Patrone der „Deutschen Zeitung", deren Kampsartikel gegen die deutsch-liberale Partei, säst Wort für Wort, Satz für Satz den Ejpectoralione» de« in deutscher Sprache geschriebene», aber da« deutsche Bolk in Koth tretenden Tschechenblatte« zu Prag, der „Politik", gleichen. - Ja, ei» Wunder ist er geradezu, daß unsere wackeren deutschen Kainpfgcnossen jüdischer Consession im Angesichte der niederträchtige» Lieben-wurdigkeiten, die ihnen seiten« der Deutsche» christlicher Consession ost angclhan werden, nicht schon längst de» Sirenenlockrufen tschechischer Stiinmeinverber Gehör gegeben. Die geradezu dumm-blöde Schlußbcmerkung der „Deutschen Zeitung", ob die Parteigäugerschast der Jude» auch als eine Errringenschaft für die Tschechen zu betrachte» sei» werde, gibt einen schlagenden Beweis, edaß da» schillernde Mäntelchen der Tentsch Nationalen nicht« al» eine allzu dürftige Hülle ist sür den — wnthigsten Racenhaß. Uenuami*. (Ein christlich-socialer Kanzler.) Tie „Kreu.zzeitung" verlangt nicht« mehr und nicht« weniger al« eine» christlich socialen Reichskanzler, nnd sie ist sogar so nachsichtig, dem Grasen Caprivi sür den Fall, a!« er sich bessern sollte, ihre Gefolgschaft zuzusagen. Entfalte Gras Caprivi, oder wer sein Nachfolger werde, da« Banner einer mit einem Tropft» antiseinilische» SclS getränkten christlich-conservativen und wirthschastlich socialen Politik, dann werde

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