Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 134 (28.10.1894)
- Date
- 1894-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Sette *j. Freies Blatt. Nr. 134. socialen Herbergsvater» im hellsten Lichte erst »einen lasten. — Förster hat, um alle» Eoruequenzen seiner christlich-iocialen Handlungsweise zu entgehen, im Gefängnisse zu Gabel seinem Leben selbst drängt sich nun wieder die Frage auf, woher die ehr und tugendsamen BildungSvereinler Wochen vor Zusammenbruch de« Förster'scher welche dar finkende Schist verlasten — ihre hauie de» Herrn Habenicht sich einwgirten? kunst auch über diese Frage noch Antwort, nur der bochwürdige Herr Pfarrer Puma. ein Ende geuiacht. Unwillkürlich und auf welche Weise erhielten den Wind, daß dieselben einige Geschäftes — gleich den Ratten, Herberge verließen und im Gast Vielleicht bringt die nächste Zu Pei der ganzen Lache dauert uns Läuft dieser überaus wahrheitsliebende Mann alle Woche» so und so viel, tat in» BereinShau». um seinen bildungSbedürikigen Zuhörern vielleicht Rath lnd Unterweisungen zu «rtheilen. u lehr im -rinne ge* am meisten haste, wen ich ani wie am besten die Juden und Social-Temo raten venilgt und die Liberalen vernichtet werden lönmen, und nun macht det Herbergsvater seinem Lehrherrn einen solchen Sch .... . doch Pardon, Dietteidit waren dem ehemaligen ehr samen Hausirer die Worte eines geistlichen Hwrn, die derselbe in der con stltuirendcn Versammlung so salbungsvoll gekrauchte, 5: blieben. „Wistlfli Lie, meine Herren, wen meisten verachte? Tie Juden!!!- (Tik Eisenacher Vrrsöhnuugskomödie nitd dir Wirklichkeit.) Es ist eitel Geflunker, wenn einzelne Antifemitenblätter van einer Einigung aller Judenfrester im Reiche der GolteSjurchr und frommet Litte faieln. Tie Zurücksetzung AdlwardiS in Ei'enach aus Rücksicht für die Tivoli-Leute befriedigte wohl Stöcker, der um kein Haar bester ist al« Nhlwardt und demgegenüber da« rheinische EentrumSorgan bemerkt: „Zn Tewichland wird nicht eher Frieden werden, bis Herr Stöcker und feine Freun!« da« Hetzen und Verleumden lallen" Tie conservanv-antiseminichen Sachsen begnügen sich aber mit der Tegradirung Ahlwardt's zum „Hospitanten" nicht, und ^deren Organ, die „TreStener Nachrichten-, urtheilt über da« Eisenacher Einigungswerk sehr abfällig. Ählwardt, meint eS, sei nunmehr eine An von antisemitischem Pfahlbürger geworden und habe das Recht, bei allen antisemitischen Zuiammenkünfteu und festlichen Veranstaltungen der Partei ali „Zugmittel" mitzuwirken. Tie Haltung, die man auf der Eisenacher Berd auenSmännerversammlung dem Apostel der allen Acten und unbeweisbaren Behauptungen gegenüber einzunehmen beliebt hat, ersckklue alS ein sehr »mnder Punkt au dem Leibe der neuen Fraclion, der voraussichtlich in Eiterung übergehen und da« Wohlbefinden des anlllemiliichen GesammtorganiSmu« ernstlich in die Gefahr einer allgemeinen Blutvergistüng bringen dürfte. Tem laugiäh igen Vorkämpfer der deutschsocialen Lache, Herrn Liebermann v. Sonnenberg, scheine die alte Elasticitat in-der Vertretung.des „gemäßigten Antstei titiSmuS" abhanden gekommen zu sein Wenigstens habe e« seltsam angemuthe:, auS se.nem Munde, während er zeitweilig den Vorsitz führte, die kategorische G rklärnng zu hören, daß er eine Kritik der persönlichen Eigenschaften ASlwardt'S unter keinen Umständen dulden werde. Taß Liebermann den Ahlwardt-HocuSpocu« milmachle und sich sogar al» Schildträger lür den „Rector aller Tentchen" gebrauchen ließ, den er vordem so oft in die Pfanne gehauen hat — >a« sei eine blutige Ironie der Ereigniste, die zeige, daß e« nun mit Herrn v. Liebermann Matthäi am Letzten lei. Taß die geeinigte antisemitische Fraclion ‘lhlwardt nicht entbehren kann, bewei'e bester al« alle Worte, weg Geistes Kind seits hat die „Antisem i ki sch e Vereini gu og fr täuterung ihre» Veschluste«, tem Eisenacher Einig: klärung abgegeben, welche besagt: Mil diesem Veikrillc handle man im Sinne Ahlwardt's, der wiederholt erk.ärt habe, daß i »in die Sache über die Person geh«.-- Ter Vorstand selbst und alle zur „Anrise deutichland" zählenden Gesinnungsgenossen erblicken nach wie vor in Ählwardt einen, ihrer verdientesten und erfolgreichsten Führer und stehen in Treuen zu ihm au« Tanlbarkeit für die von ihm gebrachtea Opfer, und weil sie.für die Zukun't »eine Mitarbeit nicht entbehren können und wollen. Sie vertrauen, ie eigentlich sein will. Andererr R0 rd d eutschl an d" zur ErngSwerke beizutreten, eine Er- Ta« ist ent'chieden falsch, denn der g Plötzen'«« hoipilirende Ählwardt läßt die von ihn in Tonmunb herausgegebene „Westphäli'che Reform" schreiben: „Ter deutsch mannerlag ui Ei'enach ist nach den Anordnungea der führenden Macher pro genwärkig im Gefängniffe zu ocial-resormerisch« Vertrauen«. können wir zwar, da wir bei tzungen ausgeschlossen waren. jrammmäßig verlausen. Aus eigener An'chauung :*r Heimlichkeit der Verhandlungen von den ~ :tov den Weift der Versammlung, über die Beschlüsse und die Art der GeschäflS- '.itrung nichts "berichlen, doch läßt sich au« len ZeilungSmillheilungen er- >e!e:., taß :roy der von den beiden Parleidickaisren mir größter Vorsicht ge- 11 o-- 11.il :«.ii-:wabl der VerkrauenSinänner dennqch eine mehr als achlflündige, tbetliv.fbi ..regle Beraihung erforderlich war) um die grundlegenden, schon vor Wochen :on den .Führern' bekanntgegedenei. Gedanken zur Annahme zn bringen. Von cinei Einigung aller Zudengegner ist aliv durchaus keine Rede. Auch 'cheiol es nicht in dem Willen der Parteiiaacher gelegen.zu haben, eine solche ehrlich anziisireben' Bei der nun einmal Ih< tsächlich vorhandenen Tisterenz in den.wiribicha'lllchen und sittlichen Anschauungei der Zudengegner wird selbstverständlich eine dauernde Einigung derlei! en aus dem deutsch-jocial-resormalori'chen Boden nicht möglich sein. Sewld die begeisterte Freude der in Ei'ennach anwesend gewesenen 1"»0 Vertrauens Männer einer ruhigen Ueberlegung gewichen in, werden die Herren die Undurchfühbarkeit der iiidrenickeu Zrrihüuier schon erkennen oder durch die Praxis eine« B^nerecki belehrt werden." daß er in nicht zu ferner Zukunft in die Fraclion ausgenommen werde. Diese Beitrittserklärung verrälh also Unzufriedenheit nit der Ählwardt zugewieseneu „Hospilanten"-Stellung. Auch der aus Hessen ist von den Vorgängen in Eisennach so wenig erbsaut, daß er in seinem „Reichs Herold" über dieselben nur folgenden „Bericht" bringt: „Eisenach, den 7. October. Heute fand hier die Vereinigung der deutsch-socialen und der Reformpartei statt. Die Versammlung eiöffnete Herr Schulze auS Moabit, der sich als den Veranlasser der.Zusammenkunft bekannte Der Abgeordnete Ählwardt wurde nur alS Hospitant zugelassen." Böckel'S jetziger Gehilfe, der Gastwirtb Bodeck, welcher ihm bei der Schaffung eines „Antisemitische» Verbände« wirthschaftlicher Interessen in Berlin" zur Seite steht, zählt natürlich ebenfalls zu den Malcontenten. Mit der Eisenack er Versöhnungskomödie scheint sich ferner der antisemitische Vertreter von Riitele», Dr. König, nicht befreunden zu können! Derselbe wurde plötzlich mandatsmüde und erklärt im Wiltener „Märkischen Tageblatt", daß er beim Zusammentritt de« Reichstages sein Abgeordnetenmandat niederlegen und sich gänzlich vom politische» Leben zurückziehen werde. Weiter« liegt ein Protest se lens der bayrischen Antisemiten vor, die man nach Eisenach gar nicht einzeladeu hatte. Zu einer Bersammlung zu München erhoben sie ausdrücklich Widerspruch dagegen, daß die Eiienacher Conferenz al« die Gesammtvertretung :er deutschen Antisemiten auSgegeben wurde. UeberdieS — last, not least — bes eht ja auch der im „Social itären Bund" vereinigte Anhang Tühring'S, der auf öie gemeinen Antisemiten mit Verachtung herabsieht: dieser Bund gab vorige Woche wieder ein Lebenszeichen, indem er in Berlin eine Versairmlung abhielt, in welcher der EonfusionSpalron Struppe die antisemitische „Angstmeierei" ebenso scharf geißelte wie die social-demokratische. Die um! lühring sind ja so couragin, sich nicht nur „radikale Antisemiten", sondern auh „ehrliche Anarchisten" zu nennen. Auf einen Anschluß dieser Gruppe darf eine Partei nicht bosten. welche in ihrem Programm da« Wörtchen „christl ch" nicht entbehren zu können glaubt. Mögen Stöcker und Liebermann noch so s hr über Jude» schimpfen, für Tühring und sein Gefolge sind sie nichts anderes als Neu-Hebräer. (Bill der Schülker-Prade-Partei.) Wie vel lautet, gedenken die deuiichnationalen Antisemiten Böhmens, welche auf dem!ürzlich abgehaltenen deutschen Parteitag in Prag eine so klägliche Rolle spielten, nu 11 einen eigenen Parteitag nach Reichenberg einzuberufen. Zu diesem Zwecke wurde bereits ein Aufruf erlassen, in dem unter Anderem erklärt wird, die Herstellung der Einigkeit mit den Liberalen wäre das Gra'i des deutschen Volk«- thumS in Böhmen. Die Teulsch Nationale 1 hätten zu der EoalitionSregierung nicht das geringste Vertrauen und Haller die Aera Taaffe für nicht schlechter und nicht besser, al« die Aera einer un ratürlichen Eoalition, in der trotz der deutschen Minister Slovenen, Clericale i nd Polen die Ernte halten. Essei danim die Abhaltung eine« deutsch-nationalen Parteitages dringend nochmöge da Licht und Klärung wendig. Der nationale Parteitag in Reichenberg bringen. Man müsse einen Volkstag abhalten und dort die Antwort auf den Prager Parteitag geben! Eine merkwürdige Antwort auf daS versöhnliche Entgegenkommen der Liberalen gegenüber, den natioiu len Antisemiten (Rettung des Mittelstaudes.) Der sächsische LaadtagSabgeordnete Schubert gastirte neulich in Stuttgart, hatte aber nur geringen Zuspruch. Schubert verwahrte sich dagegen, ein Judenhetzer zu sein; er sei bloß ein Feind de« MammoniSmus und wolle ihn auch auf christlicher Seile bekämpfen: er spielte überhaupt die ganze Action antisemitischer Socialr sormer aus die Rettung de« Mittelstandes hinaus. Der sächsische Gast fand weni j Anklang, am allerwenigste» bei denjenigen, die er angeblich rette» jvill. U l m hat ohne Zweifel ein für solche Rettungspläne empfänglicheres Publicum al» Smttgart. Aus antisemitischen blättern. (Eiuc Vision.) Aus Krem» wird uns lstfchrieben: Herr Aurelius Polzer, der sattsam bekannte Leibpoet des SchlojbesitzerS von Rosenau, verössentlicht in Nr. 289 der „Ostdeutschen Rundschau" unter dem Titel Sturm" ein Gedicht, dessen Inhalt so recht klar uhd anschaulich die patriotische Denkweise der deutsch-nationalen Kreise Schönereii'scher Couleur widerspiegelt. Herr Polzer hört da« „alte Gemäuer" einen „rasetzden Sturm morschen zerfallenden Thurm „schreit widerlich eine „Der Sturm rüttelt so wülhend an wäiikenden Zinnen Und tobet und toset so fürchterlich wild: Da malt in die brandenden Wetter meii: Der Ostmark todienbleicheS Bild. ' Nun poltert und dröhnt es: aus qualme iden Trümmern Entflaktert die Eule und kreischt und stöl nt, Und auS dem Schutt ein leises Wimmegn Wie eme« Ersterbenden Wehruf tö.it. Ta« Horoskop, welches in dieser Vision uuschem gestellt wird, ist, wie ma» sieht, kein erfreuliches, wünsche der Deutsch-Nationalen Rosenauer Bekenntnisses entsprechen dürfte. Jedem Lesterreicher, ohne Unterschied der Nation solche Poesie die Schamröche ins Gesicht treiben, nationalen Kleinarbeit, derartige Schandgedichle zu umtoben; im häßliche Eule" n. s. w. enden Zi Sinnen Vaterlande Oesterreich wiewohl e« dem Herzens- und Eonsession, muß eine Gehört das etwa auch zur lerössentlichen? p. 1