Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 134 (28.10.1894)
- Date
- 1894-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441567--1590-4888032- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Seite 4. Freie» Blatt. Nr. 134. vier Schriften wider den ckbscheulichen Antisemitismus veröffentlicht und Wurzbach übersendet hatte, schrieb er mir: „Obwohl ich für die Juden nicht schwärme, bin ich doch mit Jhwn vollkommen einverstanden, daß wir ne als unsere 'Mitmenschen betrachten und behandeln sollen. Es gibt auch unter den Juden höchst ehrmhafle Menschen und anderseits unter uns Christen, und gerade unter den Antisemiten, g r u ii d s ch l c ch t e L e u r e. Der A > isemitiSmus beruht auf dem Hafi'e, und der Haß hat noch n i e nt a 19 GuteS g estiirct. Ich verwundere mich nur, daß auch Geistliche uuicr den Antisemiten sich finden. Die Geistlichen sollen iui Lunde mit den St aatsbchörden den Antisemiten energisch e n t g c g e n t i e t e n, zumal schließlich der Antisemitismus schnurstracks wider d a s i st, d a S die «Geistlichkeit zu vertreten und zu vertheidigen h a i " Tic Neiäisrakbswahl im LandeemcindenbezirkeLt. Pölten.) Lei der am 22. d. M stattgehabken Ersatzwahl eines Reichsrathsabgeordneken im Landgemeindenbezirke St. Pölten wurde der antisemitische Candidal, der Professor der Moraltheologie Tr. Josef Sch^icher, mit 237 Stimmen gcwihlt. Auf den liberalen Candidaten, den Lürgermcistcr Johann Lomaßl in Würmla, entfielen nur 1««.'» Stimmen. Diese» Wahlergebniß kann nicht überraschen, denn von antisemitischer Seite wurde seit den Ableben des früheren Abgeordneten, des Heurigenschenkers Leopcld M u th, die Landbevölkerung ununterbrochen bearbeitet, während d e liberalen viel zu spät in die Wablaction cingriffen, um auch nur Aussichten aus einen Erfolg zu baden. Ein rechtzeitiges, umsichtiges, a »er entschiedenes Lorgehen hätte es vi ilcichi den liberalen ermöglicht, len Wahlbezirk, welchen sie am 2. Mär; I>01 verloren halten, wieder zu gewinnen. Jedenfalls wurde den Antisemiten der Sieg sehr leicht gl macht.!CKristlich sociale Humanität.) .In dem fortschrittlichen Organe' „Strä/. na Cidliuü" lesen wir^ „!?or einigen Tagen starb in Slonpno der Fabriksarbeitcr Franz Skalitzky und hinterließ eine Witwe und sechs kleine unversorgte Minder. Seine Krankheit hatte über 20 Lochen gedauert und die Faitiilie in große Noth gestürzt. Seine Collrgen in der Fabrik, in weicher er gearbeitet hatte/ veranstalteten eine Sammlung, die 38 fl. ergab, und die LetriebSkrankeneasse schenkte der Witwe 10 fl., so dcß sie im Ganzen 48 fl. zur Deckung der Begrübnißkostcn und der mthwendigsten Bedürfnisse erhielt. Durch ein bisher unaufgeklärtes Lerfhen bezahlte die Witwe dem Todtengräber bei Bestellung des Grabe! statt 2 fl. nur 1 fl. 50 kr. Der Dodtcngräber verklagte die Witwe beim Pfarrer von Metlitschan, und dieser, ein durch seine „Menschenfeindlichkeit" gegenüber seinen '.Nächsten allgemein bekannter Herr, schrieb der Witwe einen Mahnbrief, in welchem er u.-A. Folgendes verhält: . Der Todtengräber bat nur 1 fl. 50 kr. bekommen. D ts ist ein Schund kniff, der bei mir nicht gilt, und Ihr seid verpflichtet, dem Todtengräber noch 50 kr. zu bezahlen, sonst wirl der Selige im Grabe > o lange keine Ruhe finden, b«s Ihr es bezahlt habt; I st 5«) kr. bekom:::l er nur von Bet« lern, die auf Gemeindekosten beerdigt werden, und da wird.kein Lünen zum Herablasscn benützt, sondern 3triefe, die nicht gevutzt werdet müssen . . . .“ Zum Schluß sprach der'hochwürdige Herr noch etwa« von einer Belastung des Mannes im Fegefeuer, wenn d e 50 kr. nicht bezahlt werden. Eine recht praktische und — christliche Execution daS/ nicht wahr? Die herzlosen Peiniger und Bedrücker des Lölkes sind aber nur die Inden.! teilte Universal tentschnlüllsnllfl. Bor der Strafkammer in Lrgmberg wurde Anfangs Octoier inder Berufungsinstanz 'elgeuder Fall verhandelt: Der Angekligte, Hausbesitzer und Steinrnl Dreher, befand sich am ). Mai l. I. im Wartesaal 5! Classe der Bahnhossrestauration zu Brombcrg und machte sich in : .: ’e5;it durch antisemitische Redensarten in.auffälliger Weise lästig, v. vi d dbalb mehrmals von d,m Bahnhossrestaurateur auf- .:, sich ruhig zu verhalten, jcdock ohne Erfolg; auch den An-, . v Statiönsvorstehers leistet« er keine Folge und betitelte ■ v.'1 . s.nd u'kn.-chtjc. Schließlich erschien der Bahnhofsportier r:::e .:i mir 'Gewalt aus den« Wartesaale. Auch diesen be- . .d rer J;. r. b: (ic in gröblicher W«ise. Für dieses Berhalten anacklawn-.e.- L'rkber vom Schössen zericht in Bromberg, weil er angab. r Sita v tiuttUn gewesen zu sein sreigesprochen. Gegen dieses "raivrech-'nd: Ii>'.be:l baue der Staates iwalt die Berufung eingelegt, lu.idKT zu llnguniren des Angeklagten uatlgegeben wurde, denn nunmehr ward dieser zu 40 Mark Geldstrafe verurtheilt. Auch bei dieser Lerhandlung suchte sich Dreher >urch sinnlose Trunkenheit zu ' entschuldigen: dicke Entschuldigung ließ der Gerichtshof aber nicht gellen, da k.uier der Zeugen eine deraetige Trunkenheit bei dem Anloch besvr bekt |tige ,Co ne me gelrjll! geklagten bemerkt haben wollte. Es ist Antisemiten selbst für ihre Rohheiten imnte die Bolltrunkenheit, haben. (Anatole Leroy-Beaulieu über a In der „Revue ckee ckeui monckes die Aufsaugung des Kleinhandels durch Magazine und sagt mit Bezug auf „Wem soll man die Beschwerden des Klei Concurrenz der großen Magazine ruinirt Dem Capitalismus? Oder etwa dem ,SociologerL, dem SemitismuS? Der Zusammenhänge damit. Große industriell« wenn sie auch hie und da mit jüdischem keineswegs eine jüdische Erfindung. Mast die großen Magazine mehr den Juden weil sich in der Mitte und im Osten En viele Juden mit dem Kleinhandel beschä ist, wie man eS ihr nur zu oft vorwirfh Handel verwachsen. So haben die großer Hinsicht auch die großen Banken, fern Semiten zu verdanken und ebenso fern genannten jüdische^ UebergewichteS zu fei Schlappe beigebracht, der der kleine Jude, zuerst zum Opfer fällt. Sogenannte gehabt, die öffentlichen Anleihen als er zustellen, welche den modernen Nationen schäften auferlegt ist. Nach ihnen wären jährlicher Tribut, welcher deu Regierung« n Finanzwelt, besonders durch die jüdische r Ich schäme mich, solche Kindereien zu die Rolle, welche die Banken dabei spielest mehr zu entstellen. Wenn die Banken siä« theiligen, so thun sie es nicht, um die halten, sondern um dieselben weiter zu b Zinsen ein, sondern die namenlose Menge (Jüdische Lfsiciere in der französisch sanier Bethciligung wurde dieser Tage in arzt der französischen Armee, zu Grabe Nachrufe feierte der Oberrabbiner Z a d o c esse, welches der Lerblichene dem Judentl entgegenbrachte. In dem Trauergefolge Divisionsgeneräle und zahlreiche andere j; (Zur Auswanderung der russischen die Bevollmächtigten des Petersburger zur'Gründung jüdischer Colonien in von der russischen Regierung genehmigt folgenden Wortlaut: 8 1. Tie Aufgabe der 'Bevollmächtigten Ceniralcomite in seinen Arbeiten zu uiilerstüsie haben sich sowohl nach dem Statut der Affociai bereit« am 8. Mai 1892 genehmigt wurde, zu betreffend die Emigration der Juden nach Argeil nisterium des Innern demnächst bekannt gebet sation in Argentinien anbelangt, d. h. so oft ligten Eolonisten nach Argentinien geschickt werdf Anordnungen und Verhaltungsmaßregeln Di § 4. Das Centralcomitv bezweckt mit dieser Juden, welche, ob nach Argentinien oder naä auswandern.wollen, mit Rath zur Seite zu si kürsen nur. solche Auswanderer unterstützen, fassen, Rußland zu verlassen. § 6. Geldunterffü! überseeische Reise zu ermöglichen, gewährt die dürfnißsälle» erhalten die Bevollmächtigte» Auskünfte, wie z. B. Berichte über die socialest Gewerbe und Industrie und die politische Sit Auswanderer sich ansässig zu machen beabsichtig dem Schutze der Gesellschaft eine überseeische «nächtigten verpflichtet, daS Centralcomite in Pet zu fetzen, sowie das Tatum der Abreise und einzuschlagen gedenkt, anzuzeigen. § 9. Die sormationen einzuziehe» über den Stand und ihren Orten, über das Verhalten der Schiffrag!« ivanderer, «velche ihre Reise ohne Hilfe der Ge über deren Reiseziel. § 10. Die Bevollmächtigts« die militärpflichtigen Auswanderer vorher iverden. 8 II. Tie Gesellschaft unterstützt in ke recht bezeichnend, daß die r nur eine Entschuldigung, chisemilische „Sociologen".) icht Anatole Leroy-Beaulieu große Genossenschaften und jüdischen Antheil daran: »Händlers (daß er durch die vcrde) in die Schuhe schieben? Sündenbock der aufrichtigen SemitiSmuS steht in keinem Werke oder große Magazine, Capital gegründet sind, sind kann sogar behaupten, daß als den Christen bedrohen, ropas, auch in Frankreich, en. Vielleicht keine Rare so wie diese mit dem Klein- Magazine und in gewisser tavon, ihren Ursprung den l avon, ein Werkzeug des sodcn Kindern Israels eine der kleine Detaillist immer ciologen' haben die Stirn Art von Hypothek dar- >urch die hohen Bankgesellfälligen Staatsrenten ein durch die kosmopolitische Banken auferlegt würde, erlegen. Es ist unmöglich, , weniger zu begreifen und an den Staatsanleihen be- Titel im Geldschrank zu beezeben. Nicht sie cassiren die ihre? Kunden." en Armee.) Unter impo- Paris Dr. B i d a l, Generalgen. In seinem ergreifenden Kahn das lebhafteste Inter--' um und seinen Interessen befanden sich vier jüdische üsdische Officicre Juden.) Das Statut für tralcomiteS der „Association gentinien" ist vor Kurzem worden. Das Statut hat Ceu A:« cm «eben v« i Bero in Reiche ist, das Petersburger n. 8 2. Tie Bevollmächtigten on, welchötz von der Regierung richten, sowie auf die Gesetze, tinien, zu achten, die das Mi wird. 8 3. Was die Eoloniius den Orten der Bevollmäch », erhalten die Bevollmächtigten Petersburger Centralcomil« seiner neuen Einrichtung, allen anderen überseeischen Ländern, 8 5. Die Bevollmächtigten velche von selbst den Entschluß ätzung, um Auswanderern eine Äesellschaft nicht. § 7: In Be , m Centralcomitv alle nöthigen Verhältnisse, den Bestand der iiation der Länder, in denen die 'n. 8 3. So oft Jemand uiiter steife antritt, sind die Bevoll rsdurg sofort davon in Kenntniß den Weg, den der Betreffende llmächtigten haben genaue In Fortgang der Emigranten in nten, über die Zahl der Aus ellschaft angetreten haben, sowie n haben daraus zu achten, daß der Stellungsliste gestrichesi i ner Weise Auswanderer, deren