Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 133 (21.10.1894)
- Date
- 1894-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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reite 2 Freies Blatt. Nr. 133. dem End« zu, denn die „beati possidt ntes“ zeichnen schan lächelnd die Pläne ihrer dunkelfärbigcn Jnstitu ion zur Volksbildung. Sie haben die kleine mißglückte Spcculation mit dem Organe des Fremdenverkehres schon verschmerzt, die Fanfaren ihrer Leibtrompcter, der Antisemiten, übertönen neuerdings den bescheidenen Widerspruch der letzten Liberalen, und der Grundsatz: „Schreien hilft, Thatsachen beweisen nichts", hat heute neue Beweise seiner Lebensfähigkeit vorzuweiscn. Wo es am meisten lärmt, auf den großen Jahrmärkte des Lebens, dort rennt die Menge hi», sperrt den Mund aus und glaubt der Rhetorik des Gauklers, welche die Wunder im dunkeln Innern der Bude deckt. Solche Hände arbeiten für die Jugendbildung der Zukunft, und dem Bunde sind abtrünnige Liberale beigetreten, welche hlind sind für solche Minirarbeit, welche nicht erkennen, daß die iBcgriffe „Universität" und ,,katholisch" einander vollständig auSschlzeßen, ebenso wie es lächerlich wäre, zu sagen: liberale Universität, gemäßigte Hochschule, buddhistische oder jüdische Universität. Ein: Universität soll eben über allen Parteien stehen; die Wissenschaft sei frei. Aber die, welche sie binden wollen, fühlen eben ihre Macht,, und darum legen sie ihr Handschellen 'an in jenem Kerker am Ufer der Salzach, in dem schon mancher Geist dem Drucke »er Finsterniß erlegen. „Katholische Universität" schreiben sie, eS sollte aber heißen: „Elericales Tirocinium", in dem di: Recruten für das Heer hcrangebildet werden, die unter Führung der Feinde der Gleich berechtigiiiig aller Racen in der—internationalen Fremdenstadt Salzburg die Waffen zu schwingen habm gegen Aufklärung, Un abhängigkeit des Gedankens und für die Unumstößlichkeit der Dogmenhcrrschaft. Prosit Juvaviae! —I)— Belc, Graf Egbert belcredi. (rkrigiiial Mülheikung de« „gieien Blatte«.") i Brünn, 18. Cctober. Vor wenigen Tagen ist auf seinem Schlosse Lösch nächst Brünn Graf Egbert Bclcredi gestorben. In i>m verlor die christlich-sociale Bewegung einen ihrer hervorragendsten Väter und Förderer. Ter Verstorbene gehörte nämlich zu jener Grippe von Hochtories, welche ihre slarrconservative Gesinnung geschickt nit populären Tendenzen zu bcmäntcjn verstanden und denen es auf diese Weise gelungen ist, die öffentliche Meinung breiter Schichten z l Gunsten feudal-clericaler Vcllcitäten umzuprägen und die dcmotri «tisch-revolutionären Ströme der Volksseele wenigstens zum Theile in die große Reaclionspfütze abzulenke» So gehörte Graf Egbert Bsscredi in der Aera seines Bruder Richard sowie in der Hohenwarts zu den eifrigsten Vorkämpfern deö FörderalismuS und TschcchitmuS. Man weiß, daß diese Bewegung der Sechziger- und anhebenden Siebzigerjahre insoferne eine .große Aehnlichkcit mit der heutigen christ ichisocialen hat, als es sich damals, wie heute, darum handelte, durch V »rantragung eines volksthümlichcn Banners — der aus dem Jahre 18-18 herübcrgenommenen föderal-demokratischen Idee — die Masse des Volkes als Sturmböcke für die feudalen Aspirationen gegen den Liberalismus vorzuführen. Graf Egbert Belcredi verschmähte cS damals so wenig, wie heute sein engerer Gcsinnungsbruder AloiS Liechten kein, von seinem Piedestal herabzusteigen und dem Volke die Carmag aole vorzuranzen. Wie aber besonders die Geschichte des Tages bereist, gelang es nicht, die Tschechen ebenso dauernd für den Feudalilmus zu erwärmen, wie es gelang, sie gegen den Einheitsstaat zu erbittern. 'Glücklicher waren die stolzen Besitzer der Ritterburgen wie die Fürsten im Prieskertalare in ihrem Versich, dem Liberalismus mit Hilr: der ehemals demokratischen Mittelklasse der großen Städte fest an den t'eib zu rücken. Tie einem leider fast unvermeidlichen Mcderaange rreisgcgcbene Handwcrkerclasse, schon halb der Social-Temokratic verfallen, seit jeher radical und doch nicht aufgeklärt genug, persönlich ebenso beg.brlich für sich als scheelsüchtij auf Andere, bereit, mit Jedem zu gehen, der ihr Hebung des Wohlstandes ohne eigenes Hinzulhun versprach, daS war eine ganz vorzügliche Operationsbasis für die BelcrediS, Liechtenstein«, Sissva-Taioucas e tutti gnanti, welche alle Aussicht hatten, den ElericakismüS i:i die bürgerliche Classe einzn'chmuggeln, wenn es nur gelang, ihn etwas mit socialistischem und demokratischem Flitter zu slafsiren und einigermaßen unkenntlich zu machen. Und wie seit f>0 Jahren in Oesterreich immer, so oft eS galt, auf den Freisinn loSzuschlagen, Conve liten, scrupellose Gelehrte, verarmte Edelleute u. dgl. aus dem Auslande eS waren, welche sich hier auf unsere Lehrmeister im wahren Oesterreichthum ausspielten, in der Thar aber die Jnstructoren für di: etwas flachsinnigen Macher der Rcaction waren, so waren es auch dies, aal Ausländer, uvie Baron Vogelfang, Rudolf Meyer und der noch vhm Hohcnwartismus übernommene, wenn auch nur auS der Ferne nirkende Schaeffle, welche unseren HochtorieS den sicheren Weg zur Cirriöre wiesen und jenes merkwürdige Mischmasch aus modernem Kathedersocialismus, Clericalismus, Feudalismus, und Demokratie schuf m, daS sich heute christlichfocialeS Programm nennt. Der Mann, n elcher zum großen Theile diesen Proceß einleitete, in dessen Salons wie in der Retorte eines Alchymisten diese heterogenen Gcdankenelement« zusammengebraut wurden, war Graf Egbert Belcredi. Er war es a> ch, der den so geborenen Homunculus bei dem ersten Schritte ins i praktische Leben geleitete. Die von einem liberalen Minister eingeleiteke, von liberalen Gewerbetreibenden und von freisinnigen Journaliten betriebene gewerbliche Reformbewegung wurde durch eine wähl hastige Maulwurfsarbeit, welche der damals vollkommen unbekannte Mechaniker Ernst Schneider mit unversiegbaren Geldmitteln und allen Ränken der Jesuiterei durchgeführt, in kürzester Frist unbemerkt ins an isemitisch-reactionäre Fahrwasser gelenkt, und es war kein Geheimnis, daß Graf Egbert Belcredi der Förderer des Mechanikers Schneider war. Als im Jahre 1889 eine Cnquöte über die Krankcncassen stattfand, an deren Spitze Graf Egbert Belcredi stand, war er eS, we cher Ernst Schneider unter die Experten berief und lieber in Folge dessen auf die Mitwirkung der angesehensten freisinnigen Förderer der gei »erblichen Reformbewegung verzichtete. Es ist bezeichnend, daß damal,! die Stampiglicngeschichte Schneider's sowie sein famoser Brief an At enberger, in welchem er diesen zu falscher Zeugenaussage vor Gerichl verleitete, bereits bekannt »varen. Graf Belcredi nahm an dem rascher Anwachsen der durch ihn mit allen Mitteln geförderten christlich-socic len Bewegung regen Antheil und gehörte auch zu den Hauptfaiseuien und Rednern der verschiedenen Katholikentage. Er genoß auf dem C terbebette die Befriedigung, auf einen siegreichen Kampf zurückblicken zu können, wenn auch von ihm der Satz gilt: Nemo propheta in patria, da speciell in Mähren, seinem Heimatlande, seine Ideen wenig durc chrangen. Die Antisemiten weinten an seiner Bahre ungeheucheltc Thronen. arm. Die Wahrheit über dcn Neichthurn der Duden. Bon Isidore Loeb. Man sagt, die Juden seien reich. Ach! >vie wünschte ich, daß eS so wäre; so schwierig es ist, Rothschild zu s an, wünschte ich doch, wir ivären zum mindesten kleine Rothschilds, selbst unseren Gegnern wünsche ich'S. Sie würden mir zu diesem Wunsche gewiß nicht „Pfui!" sagen. Leider stehen wir hier noch immer vir einem Märchen. Nein, die Juden sind nicht reich; die Juden Damit sage ich nur die volle Wahrheit und Zeilen gleich den Beweis dafür an. Die Illusion von dem jüdischen Reicht! um wird dadurch hervorgerufen, daß eS in allen Ländern einige reiche Juden gibt, - welche gewissermaßen als Deckmantel dienen, bint :r welchen sich das Elend der Anderen verbirgt. Jn^-den meisten Fa len würde man gar nicht darauf achten, wenn eS eben keine Juden wzrcn. Wer kennt in fipurtuidf außer einigen der englischen ^ordSj welche ebenso reich, Rothschilds siv Banderbilt, Gpulh schild ist im Gegentheil in der ganzen Welt bekannt, und vor nicht langer Zeit las ich in den Erzählungen eims französischen Reisenden, welcher alle Khanate Asiens bereist hatte, laß, als einer der Khane von den Juden sprechen wollte, derselbe vor allen Anderen den Namen Rothschild nannte. Der große, jüdische Bangt ier hat eben daS traurige Privilegium, die Aufmerksamkeit, den Neid, und den Haß der Welt zu erregen; »veil er. Jude ist, versteht eS sich r on selbst, daß seine Caffe Gemeingut der Juden ist, eS versteht sich aber auch von selbst, daß alle Juden Rothschilds sind. Gibt es ein bürgerliches, kirchliches oder natürliches Gesetz, welches den Juden verbietet, reich zu werden, uud eS nur den Christen erlaubt? Existirt ein Maximum, über welche«! das den Juden gehörige Vermögen nicht hinausgehen darf? Weshalb soll dieses Vermögen nicht ebenso legitim sein, wie das Vermögen Anderer? Dafür gibt eS absolut keinen anderen Grund, eS sei denn »erjenige, daß dieses Vermögen eben den Juden gehört. Dieser Grand nun, wäre wohl im Mittelalter stichhältig gewesen, auch mag :r vielleicht für Menschen triftig sein, welche blinder Glaubenshaß oder das Vorurtheil irrefahrt. sifid arm, schrecklich trete in den nachfolgenden Eingeweihten die Namen ja reicher noch als die oder die Namen der amer kanischcn Millionäre, wie Mackay, die AstorS u.!A. m. Der Name Roth-