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Freies Blatt · 1894-10-07 · 131 (7.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
131 (7.10.1894)
Date
1894-10-07
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Freie» Blatt. Nr. 131. Blattes zur Veröffentlichung dieser Erklärung. : Säckel hat bekanntlich dazu den getragen, daß der gewesene Hofprediger seit den letzten Wahlen den ReichStagSverdandlungen nur auf der Galerie beiwohnen 1 ann. Tie Ausweisung Böckel'S aus Hessen dürfte dem im Reiche mandatsloien Stöcker eine freudige Genugrhuung gewähren. Ter pietistisch angehauchte Sä luß der Köhler'schen Erklärung verfahren mit dein entthronten welche mit scheinbarem Ernst wird sicherlich seinem Geschmacke entsprechen. So hessischen Bauernkönig seine eigenen Creatnren, rersichern, sie wären in politicis auch heute no^h mit ihm „vollständig gleichgesinnt". Armer Böcke!.' lTik Urgermanen von Goslar.) Zn Görlar besteht ein „Deutscher Verein", der in liiiverfälschtefiein Antisemitismus macht. Ein tückischer Kobold muß jedocki den GoSlarer „Urgemanen" die H md geleitet haben, als sie zur Wabl ihres Borsiande? an die Urne schritten. : Der Vorsitzende, der die Juden als Angebörige einer fremden Race bekämpft, ei» Fabrikant Eario, stammt von Italienern, ein zveitereS VorstandSmitzlied, Tr. Lindström, von Schweden ab, und der Schriftsührar Jacob Bamberger sollen gar von Juden ihre Abstammung herleiren können! Tie Urgermanen von Goslar! (Wer Eintrittsgeld zahlt, darf nicht foittgewiesen werden.) Anläßlich ei»es Vrocesse», den die Veranstalter einer 4 ntiseiniieiiversammlung gegen Herrn Redacteur Kchöler au« .Hannover wecen „Hausfriedensbruches" anstrengten und welcher mit der Freisprechung des Angeklagten endigte, wurde gerichtlich festgestelll, daß auch kein Vorsitzender einer antisemitischen Versammlung befugt in, einen Gegner ohne jede Vl ranlasiung aus dem Locale zu weisen, 'all« der Berresiende das Eintrittsgeld irlegt bar. Tie Wiener Anliieniiten verzichten lieber ans ein Eintrittsgeld als Gegner an die Lust zu ietzen. Zins antifennlifchen naditi dje lüv'ir bauen Preßfreiheit! Es 'rfieim, als Staatsaiuvaltstbast eine liberalere Aussasiung der irolle. Wenigstens dark das anliseiniiische „Wiv"b! 'olgeiideu „Stoßeu'zer einer veruribeilten Jüdin rechte, warum ist i»r der X o h n ä Vorsitzender it ('.'Intifcmiitbc Xiinflfritit) BekanniliL bat auch das am Gewisses daß so viele Halbkalent ..Judenzeittinge»" als Kunstgrößen auSvosaunt w Genies mit allen Mitteln der Verschweigekunst werden. Eine Abbil'e für die Zukunft und nur durch eine streng 'schlicke und wabrhei -reie Kritik bewerkstelligt werden, und diese siirlichen Tendenzen der aniifemilikchen Presse. . an der Wien wurde kürzlich die einacrige Tper ausgesiilirt. Tie Wiener Blätter waren hinsichtlich da« „Freiudenblall" hob insbesondere die Schönb ■Jiut d:e aiui'etiiiiischeii Zeitungen fanden an der dem ,.T eut'chen Volksblan" bat Blodek jenege'chrieben, und unverdienkermaßen iei er < Blodek - er au' der Bübne viermal danken mußte. Jnzwii > chcn mebr als zw an; ig I ahre im Grabe renirie. lag MaScagni noch nicht einmal in den : ''.'tu* Dem anlifcmitischkn yinrrciuniiifcl. Erjsicii; einer in Berlin regekireliden Gruppe i'rei'innigeiii A n li'e in i len" erwähnt. Tie im „Antisemitischen Generalanzeiger" . bnpere Eikläruug; „Aui die Anzav'ung und a'. sich d>w Post', des .Volk- und der anderen T a! m ud - I udcnblä Iler erklärt der Verband Anlistmiren Berlins, daß er in gar keinem Zuiaw anti'eiiiiti'chen Partei steht, daß er durchaus li-enen Wege gehr, und daß er im Besonderen - di :.i -li\:oi Ahlwardt irgend welche Beziehiich da? lüdi'che .Tageblatt' und der jiibi 1 i . c:n ei nge' ä h rli ch und daS .Volt' i.-.ei.t .-!-ew-:>! das nur. daß wir den ' '. .» ei Mair.'." . Ter Jude im Tcnlscheu.' - Unter dem Titäl „Ter Jude im Teulichen' : icl d:> t'.,.:....er,.T :-che-T stw acht": „Es gib in früheren Jahrhunderten lr.i,m eiii.n! -.L.trete::. :ineu anjeiebeneten, glärjenDiren Stand, alscken deutschen xa istnaiiiiestand. und wenn wir an die Blüldezeik dieses Standes im Mittelaller, an di.- reichen .'taufkäiuer und Kautherren, welche -brannieu i!riigger>, an die Xaussarlei'.-lnsse. den H> ne.--ie denken, welche z'änder und Meere beberrichien (v.-iiiüib, iiiid wir lehnen uns zurück nach jenen all - und aller Edre weriben Patticiergeichlechiern der nittelalierlichen Kaufleute, die nicht wie die heutigen last ohne Ausnahme in Materialismus, in der aut da« volkiiche. Vergnüge», Blättern. ob man seitens der löblichen Presse gegenüber walten lassen atl„Kiker iki" unbeanständet abdrucken: „Gott, der Gemein Proceß!" das „Judenlbum" inter -alia und Nullen mir Hilfe der ifrde», während die „arischen" und des Tadels unleidtückt tägliche Richtigstellung kau» ijtSgelreue, vorurtheilsu üben, ist eine der qrößien ss exemplum: Im Theater am Brunnen" ron Blodek derselben des Lobes voll, und ii des „Intermezzo" bervor. Over keinen Gefallen. Rach Intermezzo von Ma'cagni abherausgerufen worden, io daß n ruht der arme Blodek und als er diese Oper com* indelii. Ist das nicht heiter'/ öir haben schon einmal der von „deutsch-liberalen njerkwürdigen Patrone erließen qom Ü3. September folgende angebcri'che Veidächligung Ta l in ii d - E hri sten- und wutsch liberaler (freisinniger» r nenhange mit der bestehenden ändig und unabhängig seine weder zu Profesior Förster gen gehabt Hai, noch unters ch e,Vorivärls' uns als verins als Wodan-Gläubige klage! auf den Kopf gelrossen Königen Schuldscheine veraiikebiint, die freien ReichSdaun wird es uns weh im n, stolzen, aber lreudeutschen MammonSjagd und Gewinnsucht ausgingen, sondwn, wofür namentlich die herrlichen Denkmäler und Prachtbauten süddeutschst berg) zeugen, allem wirklich Wahren, Großen und Gegensatz zu dem Talmiwesen der Gegenwart) hüll Herz und Geldbeutel öffneten." Während also die der jetzigen Äausleute, insbesondere der jüdischen, kam aber ein anderes Antisemitenblatt und citir^e, culantenthum zu treffen, Luther'S Aussprüche „Deutschen Reform" war zu lesen: „lieber dai Luther ein scharfes und treffendes Urtheil gefällt. Großstädte (Ulm, Nürn- Schönen (im schneidenden igten und ihm Aug', Ohr, Lstwacht" zur Herabsetzung da« Lob der FuggerS sang, um da« moderne Spender die Fuggers; in der Speculantenthum hat einst Ec spricht von den Fugger«, die damals die Welt durch ungeheuerliche Speculat! inen in Waaren und durch Bankgeschäfte brandschatzten. Tr. Luther sagt von ihnen: .Diese Gesellschaften haben alle Waaren unter ihren Händen,, machen mit ihnen, wie sie wollen feigen oder niedrigen nach ihrem Gefallen, drücken Kaufleule, gleichwie der Hecht die kleinen Fische wären sie die Herren und Gottes Ereaturen, Glaubens und der Liebe. Tavon kommt es, daß kaufen muß. Heuer laffen sie den Ingwer im P wieder den Safran rc, und sie wissen es so anzufljngen, daß sie weder Gefahr noch Schaden leiden. Tenn ob sie auch einmal et vaS zusetzen beim Ingwer, so wissen sie sich im Saffran schon schadlos zu ha weiter, so daß sie alle Zeit ihres Gewinnstes sicher Speculanten machten die Regierungen Geldgesäi ,der verderben alle geringen im Wasser, gerade so. als fijei von allen Gesetzen de« man daS Gewürz so theuer eise steigen, nächste« Jahr dagegen mit folgenden Worten: ,Tie Könige und Fürsten sollten darein sehen und solches wehren. ..... Sollten diese Gesellschaflen bleibeji, so muß Recht und Redlichkeit zugrunde gehen, soll aber Recht und Rel lichkeit bleiben, so müssen die Gesillschasten untergehen. Man sollte de» Fugger- und solchen Gesellschaften einen Zaum ins Manl legen.'" Unsere Berliner Abwehrcollegin, welche die Auslassungen beider AntisemiteublStter einander gezenüberstellk, verweist auch l leußeriing des Historiker« Volkes" (I, 390): „Großsüddeutschen Handelsgesell- Jmhof, Ebner, Volkamer zur Belehning der „Ostwachl" aus folgende I. Jan sie n in seiner „Geschichte des deutschen Wucher und Schinderei legte man insbesondere den schasten der Welier und Höchstetter in Augsburg, de in Nürnberg, den Ruland in Ulm und vielen Anderen zur Last... Tie >o genannten Handelsgesellschaften traten zur AuSbeulniu einer bestinimlen Handels richtung oder eines bestimmten Geschäftszweige« auf bestimmte Zeit zusuinmeii und lheilten nach.Maßgabe der von den -einzeln n Mitgliedern eingelegten größeren oder geringeren Geldsumme den erzielte! Gewinn.... Sie vereinigten sich zu Auskaufs-, PreissteigerungS- und da airch zu BolkSansbentnngs- Gesellschasien in Bezug auf alle möglichen Waaren. das Korn oder schon die Feldfrüchie, in Halm Kaisersberg nennt sie darum größere lister und Schinder de« Volkes, als je die historische Kenntnisse scheint das Breslauer Aniisechiteublalt nicht zur gemeinen Judenhetze hat man das auch nicht uolhwendig. (Paulus, Gott und der Ezar.) Tas„Thüri teil Und in dieser Art so bleiben.' Mit dieser Art äste. Luther wendet sich Sie kauften den Wein auf, utd Garben. Geiler von n ii d schlimmere U e b e r- )uden gewesen." Große u besitzen, ger Vo lksblatl" macht aus dem Apostel Paulus einen Antisemiten, und V^ir Bewer schreibt: „Gott und der Czar sind Aiitiieiniren". (Enthüllungen bft „Vadischcn Landpost") Hi einer Meldung, daß der badi'che Antisemileiiführer Herr Vogel sich zurückzi he. bemerkt'die „Badische Lantvost" : „Herr Vogel war immerhin eine rornthmL Ranir, er war einer der wenigen aufrichtigen Liberalen, die aufrichtig iiitijemitisch sind. (!( Tie Vornehmheit ist aber in dem Dunstkreis, den die Herren Hirsche!, Reutber, chmidt :e. begrenzen, ein überwundener Slandp inkt. Als darum die ,Exlreiuen' kamen und ihren demokratische» Eaiilinarismus als Maske für eine allerdrdinärste Radauonkelei brauchten, war das Sch cksal des Herrn Vogel besiegelt. Er^ mußte den Plebejern weichen. Tas inaz man immerhin beklagen, denn der badische Antisemitismus wird nun ansschl eßlich Domäne der Herren Reuther und Schmidt und bei der Wandlungsfähu keil beider Herren ist nicht ausgeschlossen, daß aus diesem Antisemitismus eine .'chper Ahlwardt'sche Nuance herauSgearbeiiet werden soll. Ter Rücktritt deS Herr i Vogel ist aber gleichzeitig die Bankerotterklärung des badischen AntikemitiSinu«. so weit er sich von den Eoniervativen entfernt hat. TaS ist nicht so zu ve stehen, als ob der Antisepiilismils zunächst keine Geschäfte mehr machte — die Bankerottirer machen ja sehr häusig die allerbesten — wir meinen nur, moralisch hat dieser wilde demokratische Antisemitismus bei den Tenkenden auSgesz ielt, und darum fehlt ihm auch die Grundlage für eine zukünftige gedeihlich! Entwicklung, denn die Herren Reuther und Schmidt sterbe» eines TageS fcherlich an ihrer eigenen Unbedeutendheit und dem Mindestmaß allgemein! r 'und parteigeschäfllicher Noblesse, ohne das bis jetzt nur die Social-Temolr itie Lebensfähigkeit gezeigt hak." An einer anderen Stelle beschäftigt sich das -berwähnle Blatt mit der „Programmwüthigkeil der Antisemiten" und schreil t: „Tie Herren möchten Jedem nach dem Munde reden, um dessen Gunst zu erlangen; sie .mausern' sich täglich und .mausen' aus allen. Parteiprogramme i, was ihnen für ihren Bauernfang zugkräftig dünkt. So hausiren die ,reir en' Antisemiten gleich den kasker'schen .Eulturträgern' mit allem Möglichen unk Unmöglichen und handeln nach Grundsätzen, die sie sonst angeblich als jüdische tifrig bekämpfen." i

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