Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 131 (7.10.1894)
- Date
- 1894-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 131. Freies Arbeiterzeitung „Gerechtigkeit". Ter Au-schuß »»lerer Berei«eS har in seiner gestern stattgehabterr außerordentlichen AuSichußsitzung über diese Angklegeiiheit eingehend berathen und ist nach reiflicher Erwägung aller Umstände;» sol genden Schlüssen gelangt: 1. Ta die Sache nur die Arbeiter betrifft, so ist der berufSgenossenschastliche Verein als solcher nicht in der Lage, sich irgend einer neucn Organisation oder einer gemeinschastlichen Action der Arbeiter anziischließe», weil eben seine Mitgliedschaft a»S Meistern, Gesellen und Arbeitern besteht. 2. Betreffend seine private Mitwirkung bei Schass»,ig einer , einheitlichen Orgaiiiiation könnte eine solche nur dann;»gesagt werde», wenn' der z» gründende Bund voll und ga»t auf dem Bode» des belnsSgenossen- Icltastlichen Vereine« sich stellen wollte, b. h. iven» als Grundlage deS Verbandes ausdrücklich die christkatholische Religio», reipective der Geliorsai» unserer j , heiligen Kirche gegenüber, die Treue zur angestanimie» Tunastie und zui» s österreichischen Varerlande statutarisch festgesetzt würde. Wir als »nbe.dingt katholischer Verein könnte» »ns absolut ni cht einer Vereinigung anschließen, i» welcher Spielraum für autikirchliclie oderantidqnastische Elcinente vorhanden wäre. Tiescn Weg zeichnet uns das Statut des beriisSgenossknichastlicl^n Vereines vor. Ferner »lüßlen wir als katholischer Verein darauf bestehen, daß. in der Sache' in, vollen Einverstgndnissc mit den kirchlichen Auloriläen vorgegtingen würde, den» eS handelt sich ja auch »in die Theilnahme jener katholische» Arbeitervereine, welche ni»er der Oberaufsicht Sr. Eminenz unleres geliebte., Oberbirten Cardinal Grnscha stehen. '•}. Endlicli würden wir von unserer Mitwirkung! abhängig »lachen, daß das politische Progromi» vollständig den Grundsätzen der kalholisch-conscrvativen Parlei entspricht und an de» von dieser Partei ausgestelllt» Postulate» lberuiS genossenschaftliche Organisario» und Ständeverlretungi' u» I ennvegt festgehalten wird. Eine endgil'.ige Erllärnug über dieic An- : gelegenheit wird der Generalveriammliing des Vereines Vorbehalten. Was die Unterstützung der angebliche» Arbeiterzeitung „Gerechtigkeit" betrifft, so erklärt der Ausichilß, das Alatl nicht «iitersti'itzcn;» könne», weil der Heraus geber desselben weder unser Vertrauen, noch die sachliche Befähiguiig besitzt, n»scre Berufsinieressen;» vertreten. Tie Verlesung dieier Erklärung erfolgte unter lautloier Stille. Tr. Ges; inaii» ergriff, anscheincud starl aut'geregt, das Wort zu ungefähr folgender Eikläriing: Ed sei selbst der Uebrrzeugung. daß die christliche Religio» die Grundlage jeder Gesellichasleordnung bilde» müsie. jedoch unter den "heutigen > Verhältnissen könne man Riemanden zwingcii, ob er katholisch oder | protestantisch feilt wolle, daS müsse Jede,» überlasien bleiben. WaS die beruf»•- * genosienschaftliche Orgaiiiiation betreue, >'o bätte sich die christlich-'ociale Partei schon zn Vogelfang'« Zeiten für dieselbe erklärt, die Stündeverlretitiig lei aber iiudnrchsiührbar. Was den verlangten Aiifchluß an die couiervative Partei betreffe, io warne Redner die Anweielide». dies zu' tbun u»d sich einer Partei zu ' iinierwerfen, welche da«, arbeitende Volk 'mit de», Wahlrechte n»r '' diiihalte. Redner ruirHerrnKnglci zu! Welche couiervative Partei ineineii Sie: j Wen» Sie jene meine», die mal uns durch Tick und Tüiui geht, daun bi» ich einverstandelt. Weiler macht Redner die Vertreter de« berussgenossenichastlichc» Vereines aufinerksai», daß diese Versaininlung leine Telegirieuvcrsaiiimlnng von Vereiiien sei, sondern bloß eine Vcrtraue»Suiä»»erversam»il»ng der Albeiier. Tie sernerc Anwesenheit der Herren sei also eigentlich unstallhaft. Tamit verließ Tr. Geßmanu erregt den Saal und diSpurirtc im Gastziinmer mit cinei» Arbeiter, dcm die Tdüre gewiesen worden war. Herr Grall, cbcnsallS sehr erregt, gab-über die Erklärung gegen ihn seiner Verwunderung Ausdruck. daS fei eine Ungcheiierlichkeil. er stehe mit dem Versager de« Statuts der bernirgcnosscnschastlichk» Vereines aus bestem Fuße. Taraus erhob sich der mit einer glänzend rothen Cravalte gcschmUcllc christlich-sociale Arbeiter Wedral und verlangt von' der Vcriammütng die Entscheidung, .ob sie die fernere Anwesenheit der Vertreter deS belusSgenossciischastlichen Vereines für zweckmäßig halte. Herr Kugler erklärte, daß die Versanunlung sich über diesen christlichen Antrag nicht zu entscheiden bralichc, den» die Vertreter deS beruf« genossenschaftlichen Vereines hätte» wirklich bereits ihre Pflicht als Katholiken erfüllt. Hierauf verließen die drei Herren de» Saal und Tr. Geßnian» kehrte in denselben wieder zurück. Tie Haltung der Vertreter des berussgenosscnschaftlichen Vereine« halte, wie später »litgclheill wurde, in der Versammlung eine gelheilte Meinung erweckt und wurde deshalb längere Zeit gestritten. Endlich gelang es, die Ruhe wieder hcrzustelle», und wurde daS von Tr. Geßniann vorgeschlagene Eomilö gewählt. Unter de» Gewählten bcfinde» sich auch Vertreter des katholischen Arbeitervereines in Margarethen und der katholischeai Eongregation der frommen Arbeiter iu FünshauS. (Tie Geschichte eines Schöiierer-Vereines.) Tie „Unverfülschlen Teuljchen Worte" brachten vorigen Monat im Briefkasten. solgende Notiz: „DaS .Kremser Amtsblatt' vom st. August 18i»4 enthält thalsächlich die Mitlheilung: .VereinSauflösung. Ter Deutsch-nationale h'eseverein in KremS hat sich, >vie amtlich erhoben worden, schon vor längerer Zeit wegen Mangels an Thetlnahme ausgelöst.'" Tieser Verein war, wie nuu die „Niederösterreichische Presse" erzählt, von Herrn Schönerer vor ungefähr zwei Jahre» ins Lebe» gerusen worden, zu welchem Zwecke Schönerer alS Obmanu auch auf seine Kosten ei» Blakt. Seite 7 abgesonderte« Ziinmcr i>n Vranliause zu Krems niicllieie und Zeitungei, und Bücher dort auslegte. Ta nun aber die'eS Lesezilniner in der Regel yfr.ir von Schönerer allein besucht wurde, so legte derselbe seine Obntalinstelle nieder, und. nachdem der ObniannsteUverlreler Tr. St in gl gestorben war, ging der Verein seiner Selbstauslösung ciitgegeii. «Zur Giitifliing der deiltschcn A»tisri»ilc».> Eilt antisemitischer Parteitag für Rorddeutschlaiid fand letzten Sonntag >„ Berlin st.«:. :K :chdei» nia» für unterschiedliche antisemi'.ische Zeiilingrn bei de» Versammelte» um ikiiterstützzing gebettelt haue, besaßte man sich'mit der „Elnigniigs" Frage. Fe euer, Pachter und Bodcck wollte» von einer Einigung nur etwas ivifsen, wenn auch Ablwardl zngelast'en würde: Bodcck trat anßcrdem noch für Bcckel ein. Rach langem H», und Herredcu „eiuigte" man sich vorlänsig daluu. ant.-m Eisenacher Auliseiniteuparteiiag, der »üchsteuS stattfinden soll, die Eini.,.:»g ,uit oder ohne Ablwardt und Böckel zu beschließe». Eine benierkeuswerlhe Resolution iaßie der antiiemiiistche-Parleitag bezüglich der Polcnfrage. Tie Vln:■'Tctniteu tverden der Geistlichkeit und dem Adel, enlgegentreien, ctlläreu sich ab-l ..gerne bereit, mit der polnischcn Bevölkernug, so weit cs sich mit unserer "glichen Gesinnung vereinbaren läßt, bei den Wabletz Hand in Hand zu geben" len Täncn in NordschleSwig, denen die Antisemiten schon vor geraiiiucr Zeit ciii c'oouf ratio» augebolen hauen, tviirden sie bekanntlich. znriickgewiesen — Auch in M ü » ck>e „ bat eine Versamntluiig der bäurischen Aiitisemile» slaUgesundci, bebu-'ö Stellungnahme zu der von Berlin au« ergangenen Anregung, daß sich.alle die zahl reiche,, Spielarten, inwelche diese edle Partei sich zeripliuerl. vereinige» ii Utru. ES machle sich bei diesen echten deutsche» Männer» der PaUiculärisinus deutlich genug fühlbar, und io wird den» voraussichtlich ^das baueriichc Häusleni nach irie vor seine eigencn Wege gehe». Ter Versuch eines der anlisemiuichen Häupilinge, eines Herrn 'Wengg, die Stammeslind Religio»-?liktze auch auf daS vlaile h'aild zu ube:tragen, scheiterte vor einer Woche kläglich: die biederen Bauer», deren Piehrzabl vielleicht »och gar keinen Zuke» z i Gesichte cheloinmen balle, zerrineu die ihnen, alligedriingenen Flugblätter vor den Augen de» enttäuschten S.endlingS.' Zwei antisemitische Tücaler.s Der Berliner „Vorwärts" berichtet über zwei sich »enerdingS an die Oefsenllichkeik ivagcnde Gründungetr, die sich beide als anliscinittschc Specialiiäten dalstelle», gleich den „christlichen Bazaren",—• „Aniistniilenltteivdii" ic. .Tie eine Gründung: :.Antiscmst>icheb Theater" nild den -iinveisälschlen Anliselililisnins auch von den Breuern, die die Welt bedeulest, herabpredigen. DaS „aiilisdmilische Theater" ist. eigentlich ganz überflüssig, ist doch der ganze AnlileniitiSmnS eine große Eoniödic! Tie zweite ' Gründling ist eine „Ä n llie »i il n'ch e A r b ei lerver ei ni gun g", die offenbar linier den Arbeitertl Prose!u:en für den Antisemitismus werben und' der Social- Ten.olrulie Eottcurrcnz machen soll. „E>n ai>iisenlii»'ches Theater in anderer Foim" nennt der „VorlvärtS" dici» Gründling. (Zur AilSwcisitiig Buckels a»S Hcsjcii.t Ter a»lise„iril-che ReichSiagsabgcordneic Köhler .verösseiilticht im Stöcker'schen „Volk"' eine Elkläriing iv.elche naincutlich die antiscmilische Tankbarkeil lresilich ^ünstrirt und die wir daher im Nachstehenden wicdergebcn: Zch erkläre: Es ist aliati'ache, I. daß Herr Tr. Böckel durch ''eine „ehemaligen Freunde", die Abgcordnelen Bäbr, Bindcwald, Hirichel, Köhler, Rippcr und sämmllichc Vertreter der OrlSgruppcii des Mitteldeutschen Bauernvcreines genöthigl ivorden ist, den Vorsitz nicderznlegcli; st daß für Tr. Böckel sich in der Veriaininlnng leine .einzige Sliinme erhob, er aber auch nirgends angegriffen oder beleidigt »nd Überhanvl sehr großinnlhig und schonend behandcli. wurde: ", daß vor der Gencralpersanittilnng die Abgeordneten Bindewald und Hirschl Oberinnen bereisten. »in die Parleigenoss'dn ans da« Komineiide vorzubeieilcii: 1. daß diese Bor bereillinge» unbedingt erforderlich waren, da die Zustände in Marburg durch Dr. Böckel'» einzig eigene Schuld unhaltbar nnt lcbcnsgesähr'- lich t'ür das Weiierbestehen der Partei und deS Mitieldeut-cheii Banernvercines geworden waren', daß Tr. Böckel'« „ehemalige Freunde", damit sind insbesondere gemeint die Abgeordnete» Bahr, Bi.ndewald, Hirichel, Köhler und Ripper,, dazu Tausende treuer Patleigciiossen, nicht' aus „Bosheit" handelten, als sie Tr. Böckel zwange», an« Hessen sortzugehen, viel mehr daß das Vorgehen dieier „ehemalige» Frenndc" ein 'Werlder unbedingte» ßcoihlvendigkeil ivar, um die Partei in Henen und Len Mitteldeutschen Bäuernvcrri» vordem sonst sichere» Untergänge zu bewahren. Nach wie vordem sind wir, Tr. Böckel « „ehemaligen Freunde", >» Hinsicht der politischen Tinge vollständig um Herrn Tr. Böckl gleichgesinnt, ja mit ihm gerade mehr alS mit irgend cincni anderen Mitgliede der Teuischen Resormpartei. Ties gilt insbesondere sür de» Abgeordneten Hirsche! und mich. Len Untcrzcichnelen. Aber e« war von jeher die schwache Seite Tr. Böckel'j, seine gelreucste» und edelsten und gtilgesinnteste» Freunde zu verstoßen'und-ganz in il Leib und Seele sei» Heil unlauteren Elemciiten an e;uve rl rauen. 'Nnn hatte eS Tr. Böckel aus die Spitze getrieben. ,'I'u I'ns'vonlu. . bieurg« Itanckiu!'' Ta mußte dieser Schritt geschehe»! Und nun haben wir ihn gclhan und werden im Vettrauen aus Gott auch siegreich herborgelsen aus diesem schweren Kainp-e sür Teutschihui» und Ehristenthlim, wider „falsche Göuer" in- und außerhalb der Partei. Mit demschein Gruß! Bauer Philipp Köhler, Mitglied des Reichstag« und de« hessischen Landtags, Vorsitzender de« Mitteldeutschen BauernverkineS. — Bezeichnend ist aetch die Wahl deS Llöcker'ichön