Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 131 (7.10.1894)
- Date
- 1894-10-07
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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sctte i>. .freies Blatt. voran, in welchem er sagt: „Semiten un^ Arier sipd, soweit wir ' denken können, die wichtigsten der geschickst bildenden Völkergeschlechter, die unter sich verschiedenartigsten, die;u al en Zeiten als nächste Nachbar» ain meisten aus einander eingewirkt und ihren Volksbesitz mit einander ansgetauichl haben in Frieden und Unsrieden, zu Bortheil und Schaden. Semitisch ist die älteste Evklur am Mittelmeer, und doch sträubt inan sich noch iinmer, in Religion und Eultur anregende Cf tnfliitfe derielben anzuerkenncn, man bege z«et noch immer der Vorstellung, es gereiche den Hellenen zur. Ehre, haß man ohne Aiierkenniing irgend welcher Abhängigkeit von auswärli jcn Faekoren auskommen könne, und man wein, was von mir und k luderen in dieser Beziehung geltend gemacht worden ist, mit Mißbehage, zurück, ohne die Thal iachen tu widerlegen.- Der achtzigjährige > gelehrte erörtert dann des Weiteren, wie semitische Einflüsse zu vcr chiedenen Zeiten in den hellenischen Bolkscharakter eingedrungen sind Major v. Wißmann und der Anl scmitismus. In einer lliiterredung, die der kürzlich vom Antikem lismns bekehrte Rcdacteur Wilhelm P’coi ii mit W ißma n n, B u m i l ler und anderen „Afritaiierii" haue, brachte er daS Gespräch! nch ans einen Artikel der „Täglichen Rundschau", welche sich abfällig über die angeblich „mehr und mehr in echt semitischem Geschänsge ste geleitete Deutsch-Sstasrikainsche Gesellschasi" ausgesprochen und wörtlich geschrieben hatte 7 „Es könnte sonst leicht kouunen, das; aus dmi von deutschem Patriotismits geborenen Deutsch Dftafrika ein Daitsch Reujudäa würde." Willieln: «s'eorg las die bctressendeu stellen vor, und mit Bezug aus dieselben sagte der Reichscommissür lächelnd : „B mi diesem echten .semitischen p'eschäftsgeist', in dem die DeuzjchD?stasrik> niische Gesellschaft geleitet ' :n >oli, in mir auch^ nicht, das Geringste bekannt. 'Ich bedauere l.bhas:, daß man d:e Pärlcigcgensäl-e, die uns ohnedies so viel zu 'chancu.machen, aut das Bereich der Eoloniea übertrügt. Man soll dach d e II I II d e II d a n k b a r sein, wein sie ihr Gel d in :: n ' e r e e o l o n i a l e n ll n t er n e h in u u g e i. st ecke n. Mir ist jede llntsrniil-nng unserer rolonialen Unternehm lngen — mag sie her - . rühren, von wen: sie will — willkommen.- Hiezu hatten die anlih!i,ititdk’i! Blauer, denen diese absprechende Aeußerung Wißmann's über den Antisemitismus natürlich nicht i> dem Kram paßte, die Bemerkung gemacht, der Rcichscommissär Hab; diesen Ausspruch in der Unterredung »berhauv: nicht gemacht, oder er sei unrichtig wiedera-.-geben weiten. Rcdac:cur P'.org verösienr ichte nun folgende aus Nordhansrn daiine Etkläruug: meiner Unterder sich gegen I:e aitüvtnu;\i;e '|;reiT, in eifrig bemüht. nrg mir dem kaiserlichen Reichseoiiiiniüär v. ii Theil Wißmaun, ,e ami'einiti'äieii Aiisfiihruuqeu der „Täglichen Ru uLichau" iRr. Ulli wendet, : umrahr eder nniietnig hinzasieUen. Tein gegenrber erkläre ich, dag ich den e-'ri.t: das in Gegenwart dreier Zeugen, ä . Äd-illcir und Roänis Schmidt siattgehabre Jinerview, wie solches in den veröffentliebt worden ist, voll und ganz aufrecht „veuy;vr jieueiieii •AadniJueit" . da::e Pom k>iallwlikclltagc ilt Wollt.; Zwei lervorragende EentrnniS 'lihrer sprachen aus dem Katholikentage in Köln gegen den Anki- -.::::lismus. D.r Brter.'r sagte: „Unsere Religion verbietet uns, l.'gcnd einen Menschen an hasten, im Gege itheil, sie befiehlt uns, Alle zu lieben. Daher sind zvir in der glücklic»eu Lage, unsere anderstelilenden Biitmenschei: nicht bloß zu dulden, sondern zu achten und zu lieben . . Lind wir Katlwlikeu es vielleicht, die andersgläubigen Mitbürgern ihre bürgerliche Gleichberechtigung mißgönnen? Das wäre gegen unser Gewissen und gegen unsere kathvl scheu Grundsätze. Bei 'uns iü es Gewisteitöpfli'chk, die bürgerliche Gle chberechtigung der Konfessionen, wie sie histdrisch geworden ist, voll erlzuerkennen. Und thäten tvir es nicht, ie würden wir von unserem Pa »st Leo XIII. zur. kerd- .l.nng gerufen werden." Freiherr v. Schorl mer-Alst gab seiner Dte.inng gegen den Anlisemiiismus in folget den Worten Ausdruck: Wir verwerfen den Sturm der Socicch-Dcmc kratie gegen Besitz und E:,z.-u:hn!n huso wie die Bestrebungen der Pfadsinder der Social» 7 ai:e, ei. die Ausräubung des Iudeutilums empfehlen. Was ::: Ach:.:.:g ’ür das Ehrislenthum betrifft, so können Sie das int D::.:d'l>ue. l en, sic stehen viel niedriger als die Social-Demokraten." •'« dev „Rsichsp.si" wurden - diese Aeußerungeu selbstverständlich nicht lvied.rg:g: D riercr und Schorlemer" find eben keine Katholiken,;i:e 'i: S y •*■:. - W : i :n a r für sein (Äctchäfl braucht. l'icbtrmautl als Klüger. Bor dem Schöffengerichte in Wies- I a t en kam : orige Woche eine Ehrcnbeleidigungkklage des antisemitischen Abgearduet..: Vic Hermann r. Sonnenberg gegen den dortigen Kau-mann Bencdiri Strauß zur Verhandlung. Eines Tages im Wlittir -and ein. Versammlung im ,-Römersaal" statt, in welcher der Prrräkt.äger a.s Rcdncr auftrat. Unuittelbar vorher erschien ilbcr in einem Wiesbadener Blaue ein Jnserit folgenden Inhalts: Nr. 131. „Diejenigen hiesigen Geschäftsleute, welche ror etwa 25 Jahren an den "damals hier wohnenden Hauptmann Liebermann v. Sonnenberg ihr schönes Geld verloren, werden aufgefoi dert, heute Abends im .Römersaal' zu erscheinen, um vielleicht eine li inigung herbeizuführen." Dieses Inserat bildete die Unterlage der Klag! sich als Berfaffer und bemerkte, er habe sich bet Abfastung des Inserats in der irrigen Annahme befunden, der Reichstagsabgeordnete lieber mann v. Sounenberg sei mit dem Hauptmanil gleichen NamenS, der die Wiesbadener Geschäftswelt so schwer gischädigt habe, identisch. Einige Wechsel des Herrn Hauptmanus, die terselbe einzulösen unterlassen habe, lege er;um Beweise für die Sch> welt dem Gerichte vor. Das Inserat beleidige neteu Liebermann gar nicht, dasselbe richte sich Geschäftsleute. Der Bertreter des Beklagten, ii o w s k i, führte noch a»S, der Privatkläger sich durch das Inserat sehr beleidigt zu füh Handlungen des Reichstages haben ergeben, daß er nicht nur gewöhnlich! selbst Ehrenschulden zu zahlen verge treter des Klägers, Rechtsanwalt Frey, beant agte die Vertagung der Verhandlung, um Herrn v. i'ie&crinaitn Gelee enheit zu geben, über diesen Punkt sich zu äußern. Das Gericht entsprach diesem Anträge. (Paulus Picucr.) Der von Rohling als , Hebraist" gefeierte und von Teckert seinerzeit als Gewährsmann für wen Ritualmord benützte Paulus M e y e r hat bereits seine doppelte St:afe in Stein abgebüßt und befindet sich gegenwärtig im Untersuchungsgefängniß zu Leipzig, wohin er direct von Wien aus transportirt w in Leipzig neben dem Verleger Rust und dem Beleidigung des^ Pastors Bodelschwingh nissinnen zu verantworkeu habe». digungen der Geschäftsübrigens den Abgeo.rdniir an die beschädigten Rechtsanwalt B o j ahabe gar keine Ursache, en, denn die B c rdoch zur Genüge Schulden, sondern f f c ii habe. Der Bernde. Meyer wird sich Tr Wesendouck wegen und mehrerer Täaco- Aus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. . (Elcricale und Antisemiten.) Wie weit die Lc>eidnng der Geister unter den einst als „vereinigie Christen" gefchlosien dein antisemitiichen Banner folgenden Masten bereits gediehen ist, wie lies hier b reit» wieder die vorübergehend durch den gemeinsaineii Judenhaß überdeckte Kl ist zwischen dem clericaleonservaliven und dein radical demokralischen Element« ist, lehren die Vorgänge einer am ■J‘>. September sialtgebabten „Vertrauensirännerversammlung Der christlichen Arbeiter", über welche wir im „Vaterland" folgeiid.'ii authentischen Bericht lesen: lieber Einladung des AibeiterS Johann Mälzer (vom christlich-socialen Arbeitervereine) fand Samstag Adends in Jetzinger's GasthauS, VIl. Bezirk, Hermoiinsgaffe Sir.!>, eine Pertrc uensmäiinerversainmlung der christlichen Arbeiter-stall. Nachdem auch an den Dbinanii deS benlssgenössenschastlichen Handwerker- und Arbeitervereines die E nladung ergangen war, VertraiieuSmünuer zu dieser Besprechung zu entsenden nahmen drei Personen dieieS Vereines an der Besprechung theil. ES wlren zur Versammlung 4!* Vertrauensmänner aus dein Arbeiterstande, mehre; e mit rothen Cravallen, der Abgeordnete Tr. Geßinann, der Lbmann des äristlich-socialen Vereines, Tr. P sen ne r, der Herausgeber der Zeitung „Gerechti steil','/.Herr G ra tl. und zwei geistliche Herren erschienen. Die Versammlung wählte den Drechslerge'hilfen porenz Frisch vom christlich socialen Arbeiterverein« zum Vorsitzenden und Buchta (ebenfalls christlich-social» züm Schriftführer. Er ergist zuerst Abgeordueter Tr. Geß mann das Wort, um über eine ckristli he „Arbeilervereinigung" zu sprechen. Ter Redner lobte vor Allem die „müsteri iltige" Organisation der social-demokratischen Arbeiterpartei, der eine christliche Arbeilerpartei entgegengestellt werden müste. Alle christlichen und kalholischen Vereine müßlen in eine zu schastende einheitliche Organisation verbunden werde i, in einer dem Gesetze entsprechenden Form, vorläufig nach hem Svstem der Vertrauensmänner, welche z. B. ein zehngliedriges Executivcomilö z» wählen hält'», daS den VertrauenSmännergruppen die nöchigen Weisungen gibt. Später sei ein großer österreichischer Actionsverein der christlich socialen Partei zu gründen riit Bezirks-, Landesverbänden und einem Reichsverband. Die christlich-sociale Pai lei perhorrescire die Aufstellung eines positiven Programme«, weil, wenn ein Programm nicht durch geführt werden kann, man dann sage: Die wollen da;; oder jenes nicht durchführen. Trechslergehilfe Elemen« K ngler, welcher einmal in einer christlich-iocialen Versammlung wegen Vertretung seines conservativen 2 landpunkles mißhandelt worden war, sprach die Erwartung aus, daß man ihn heute als geladenen Gast anständig behandeln werde, und gab namens des beruf; genoffenschafilichen Vereines folgende Erklärung ab: Rach der dem berussgenossenschaftlichen Handwerker- und Arbeitervereine zugekommenen Einkadung zur heutigen Besprechung handelt eS sich bei derselben um ein gemeinschasllicheS Vorgehen aller sogenan iten christlichen Arbejtervereine, beziehungsweise »m die Schasiung einer gemeinsamen und einheitlichen Organisation derselben, ferner um die Unterstützung der christlichen