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Freies Blatt · 1894-10-07 · 131 (7.10.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
131 (7.10.1894)
Date
1894-10-07
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 131. Freies zwischen den beiden Herren der engste und freundschaftlichste Berkchr bestand, auch Lueger erscheint im Hintergründe dieseantisemitischen FrcundschaftsbandnisteS und ein Herr V., dessen voller Name unschwer zu crrathen ist. Die Briefe G e ß in a n n'S lauten: Hals, Post Pasta» 29., 8. ‘ja - Sehr geehrter Herr Ingenieur! In augenblicklicher Erwiderung Ihre» geschätzte» Schreibens beehre ich mich Ihnen mitzutheilen, daß ich ganz damit einverstanden bin, daS „Deutsche BolkSblatt" im Parteiinteresse vor irgend einer Compromittirung in Sachen de» „Phönix" zu bewahren. Ich habe darüber schon vor einigen Tagen an Herrn Dr. Lueger geschrieben und sich dieser bereit erklärt, selber in der Angelegenheit;u interveniren. Ich schreibe daher neuerlich an ihn und bitte, ihn nächsten Mittwoch Nachmittag« zwischen 4 und <J Uhr in seiner Kanzlei, III-, Landstraße, Hauptstraße, 21 (nicht mehr 26) zu besuche». Machen Sie ihn in möglichster Kürze mit hGi ganzen Stande der Angelegenheit vertraut, und er wird dann selbst und m>t aller Entschiedenheit interveniren. B. imponirt cs viel mehr, wenn Lueger gleichfalls i» der Sache etwas thnt, als wenn er mich allein hinter der Sache vcrmnthet. Auch fahre ich übermorgen von hier weg und bringe eine Woche mit täglich ivechselndem Aufenthalte im bayerischen Hochgebirge und im Salzkammergnte zu. lieber ineine» Brief wird Dr. Lueger gewiß Alle» besten» besorgen. Für Ihre beiden Briese und die wiederholte Zusendung von Zeitungen besten Dank, de» ich auch Herrn Blatt mit der Entschuldigung zu melden bitte, daß ich-lei» wertheS Schreiben wegen factisch auch hier bestehender ArbeitSüberhäusnng nicht beantwortet habe. Am!>. September bin ich in Wien und Bormittags in der Univ.-Bibliothek, Nachmittags in meiner Wohnung zu treffe». Am 12. December 1802 fand im Abgeordnetcnhausc die Debatte über die seitens der Regierung gegebene Antwort aus die Interpellation statt, welche Dr. Geßmann gegen den „Phönix" cingebracht hatte. Zu der langen Rede, die Abgeordneter Geßmann damals hielt, holte er sich bei Gelder das nöthigc Material, indem er an denselben schrieb: Sehr verehrter Herr Ingenieur! Durch einen Zufall bin ich heute Nacht» in de» Besitz deS beiliegenden AclenstückeS gelangt, welche» der „Phönix" au die Abgeordneten in letzter Stunde aussandte, wobei ich und meine nähere» Freunde natürlich leer ausginge». E» ist der Gipfelpunkt der Frechheit und der Haupttrumps zum Schluffe der „entlassene Beamte". Lesen Sie es gefälligst durch und kommen Sie alfogleich zu mir, um die heute mündlich vo» mir zu gebende Antwort zu vereinbaren. Ich hoffe Sie noch vor 8 Uhr bei inir zu begrüßen nnd zeichne hochachtungsvoll Ihr ergebenster 11. Lee. 92 Dr. A. Geßman». Es folgt hierauf eine Reihe von Correspondcnzkartcn, pneumatischen Karten und anderen Briefen, die bekunde», mit welcher Hochachtung, Perehrung und Freundschaft Dr. Geßmann die Dienste Geider's fortgesetzt in Anspruch genommen hat. Die Briefe lauten:. 19./2. 93. Sehr verehrter Herr Ingenieur! Ich bitte die Abschrift der Eoncordat-interpellatio» ja gewiß mir morgen um 9 Uhr Früh gütigst in meine Wohnung zu bringen, da in der „Extrapost", wie ich soeben erfahre, dieselbe bereit» angeküiidigt ist. In freundschöstlicher Hochachtung ' A. Geßmann. Dienstag, d. 4./-1. 93. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich erbitte mir für einen der nächsten Tage die Ehre Ihrer Besuches, womöglich um 2 Uhr Nachmittags, In sreundschaftlicher Hcch achtung ergebenst Dr. A. Geßmann. Haben Sie vielleicht heute Abends 8 Uhr Zeit, in Decker'S Gasthau», Ullrichsplatz Nr. 2, zu kommen? Beste Empfehlungen vo» meiner Frau. In freundschaftlicher Hochachtung zeichnet sich Ihr ergebenster Dr. A. Geßmann. ü./4. 93. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Habe» Sie die Güte, mich morgen Freitag statt ui» 7 Uhr um 6 Uhr Abends mit Ihrem Besuche z» beehre». Zn freundschaftlichster Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Geßmann. Aus einer anderen Serie von Briefen ist besonders Nachfolgendes hervoxzuheben: . ' Lieber Herr Ingenieur! Ich bitte Sie, möglichst prägnante Thatsachen und unanfechtbare Ziffern ohne persönliche Angriffe in Ihrem gütigst zugesagten Exposö zu geben. DgS Bl alt. ■■ Seile 3 Persönliche bitte ich separat zum Schlüsse zuiammenzusassen, damit dasselbe vielleicht vom Lueger behandelt werde. Ten...... «hier folgt die Bezeichnung einer sehr hohen Persönlichkeit) lassen wir weg, ebenso den Finanzminister (damals Dr. Steinbach), denn e» wnrde dadurch nur Klang'S und Kaau'S Position verbessert. Dr. Albert Geßinäiz», k, k. UniversizätS-BlblivthelS Scriptor und - . ReichSralhSabgeordneier der Ziadl Wie». Wie», VII., Lerchenfrldersttaßr 3". Dcr voraiistchcude Brief, bei welchem daS Datum fehlt, gewährt eine» sehr charakteristischen Einblick in die antisemitische Arbeitsmethode. Dr. Lueger bleibt das „Persönliche" Vorbehalten, Geßmann mithin daS „Sachliche", und zwar in der Weise, daß er Alles wegläßt, was den von ihm angefallenen Persönlichkeiten zum Nutzen gereichen würde. Nun noch einige weitere Briefe über die Ausdehnung der Beziehungen zwischen Geßmann und Geider. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich bitte Sie recht sehr, gütigst alsogleich nach Erhalt dieier Karle mner Mitnahme der aus den Fall Mlzoch bezugnehmenden Papiere und de» bet reifenden Artikels bei mir zu erscheine», da eine lange Berichlignng eisigelaufen ist,„die im morgige» „BolkSblalte" gebracht werden muß. ^Mit bestem Gruße Ihr freundschasllichst ergebner * Dr. Albert Geßmann, österr. ReichSralh. (Ohne Datum) Wien, V11 , Lerchenfelderstraßr 33 < 13 0. 93. Sehr verehrter Her.r Ingenieur! Ich bitte, mir gütigst die Ihnen letztlich übergebene» Drucksorleu der Allianz und Stuttgarter BersicherungsgeseUschasl per Post übersenden zu wollen, nachdem daS betreffende Individuum, das mir dieselben i»S Hau« gebracht, versichert, er bekäme seine dort deponirten Papiere nicht zurück. Bei Herrn Zuleger war ich bereits zweimal, leider jedesmal, ohne ihn zu treffen. Ich versuche heule wieder mein Glück. In freundschaftlichster Hochachtung ergebenst - Tr. A. Geßmann. Am 1. Juni d. I. fand die Schlnßverhandlung in der Asfaire Kaiser-Pollitzer statt, bei welcher der Vorsitzende dbs Gerichtshofes gesagt hatte, Geider sei dassenige, was man im gewöhnlichen Lebe» einen Revolverjournalisten nennt. Geider war damals bereits vollständig entlarvt, was aber Dr. Geßmann nicht hinderte, mit ihm die Berbindung aufrecht zu erhalten. Er richtete nämlich an ihn an einem Tage zwei Briefe. Der erste lautete: Abgeordnetenhaus. Wie», 23., «i. 1891. Sehr geehrter Herr Ingenieur! Ich erlaube mir, Sie zu bitten, mir gütigst ehedaldigst die nugebundeueu Nummern der bereits zu Beginn de» vorigen October entlehnten Revue (Bd. XVIII, 1 — 38), welche schon lange hätte» gebunden werden sollen, sowie den Coinpaß 18!>4 wegen der bevorstehende» Revision zurückzusielle». In vorzüglicher Hochachtung und steter TiensteSbereitschasl zeichnet sich Ihr ergebenster Tr A. Geßmann. Noch bezeichnender ist folgender, auf einer Bisitlarte geschriebener Brief ohne Datumangabe, aber mit dem Poststempel vom 28, Juni d. I. nnd mit einem Eouvert, daS die. Bezeichnung „Abgeordnetenhaus" trägt: Dr. Albert Geßinann, k. k. UniveisitätS-Bibliolheks Scriplor und Reichsraihsabgeorduelbr der Slädl ° Wien. VII.; Lerchenselderstraße 33. Ich bitte, mich allögleich zu besuchen. Höchst wichtig nnd dringend, und da» gesammte Phönix Material gefälligst mit zubringen. AüS dieser Eorrespondc»; des vor'Geider in Hochachtung, Verchrung und Freundschaft förmlich zerfließenden Dr. Geßmann geht, auf das Unzweideutigste hervor, daß die Berufung Geider's auf seinen Einfluß bei der antiseniilischen Partei eine wohlbegründete war, da nicht bloß Geßmann, sondern auch Lueger, B., Zuleger u. A. um bic „Action" wußten, dieselbe wohl organisirt hatten, und daß eS sonach wahr ist, daß die Erpressungen Geider's indirect nur durch die antisemitische Partei möglich gemacht wurden. — Die „Conservative Correspondenz" würdigt das Verhalten deS Dr. Geßmann mit folgenden Worten: Abgeordneter Dr. Geßmann hat für »olhwendig befunden, sich in öffentlicher Versammlung-wögen deS ProceffeS Geider zu verlheidige». Die „Reichspost" widmet der Berichterstattung mehr alS eine Spalte. Ttr langen Rede

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