Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 129 (23.9.1894)
- Date
- 1894-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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feite IN freies Blatt. ,,y.t timtt baden tmf ob ein Tiebstahl silberner 1'iS fiel!vor dem Richterftnble der Moral verächlliäier in al? da-? Perbrechen an dein geistigen Eigenlhuine Anderer." lWeSle» ElkiUS.i Tie „ReiäiSpost" erzähl! ihren Leiern.: „Ter jüngste ZmlnhäiiSler in d?n Pereinigken Ztaaten von Amerika, der Zeit seines Lebens;:ii Her Irr Weiten wird, befindet sch im Zrublhau Iowa. Weslrn EikmS, jevt vierzehn Jahre alt, Sabres Eis Jahre all, ers.bost er in einer Naicht 'einen Pater und '.iiliitz mit dein l^eive!> r ko Iben seine Mittler todt. Ter Mörder, damals ein ,'chwachlilber .Nn»rbe von fast inadcheiihaft in Aussehen, zeigte die inindene Neue über die enl'eieliäie Thal, l!>bc Marker an-? Tckar'ne bewacht werden, damit qeln, die ^e- '.r.geneii weichen ihm auS, wo sie mu bemüht, den, nuaben eine gute Zelnilbildninz beiznbriugen und ant sein Gemülh e,»z>.wirken Er lerine auch gut le>'en, rechnen und schre i.-r'intie btieb-nt re-uttatto». Perichiedene froinme t'6 -.ennde. die n b 'einer aiinähinen, baden jeden Be geg.beü. In chlainon Eennlti, e Anamosa deS ZtaalcS Üesnidet sich dort schon drei nicht Im Zjichthan'e »inß der jugender keine Mordthaien bekönnen. Man bat sich wo die Ellern 4«e?lri i SK Ile Niedertracht alle? visier Weimar fortfabre». de», aber alle Pesiernngöe ell'cha'ten r»id Menschensuch der Besserung anfi S wohnten, erzählt man, kurze Zeit vor der (*eW,rt de? .'lnaben bade 'eine Mutter die Absicht gehabt, il'ren Mann zu srn'.orden, und eine halbe 'Nacht 'lang im Eebü'ch mit der rt'inte inl Arm ihrem Mann an'gelauert, und darqns >ei die stlkördgier de? .'lnadan zu erklären" 'Wozu lägt Avisier W e i IN l r dies leinen Leiern »iil- Ilieil IIV 'Will er sie darüber au'klären, da st nur Lsige und Uilbeil für iudi'ch und ,'emiti'ch anr'äircien L Zollte ein Leieipub'ueuni mit ari'chen Zchen'alen bekannt zji machen, so kann eS ihm noch schlecht r,eben: Zeine von der ..'Zsident-chen ^lind'chan" ernrittelte Ab- 'lammuna macht tbn si'etdachtig. und er wird vielleicht jeneiii löe'chlechte von Ernvertiten beigez-ab'.t werde», ven denen P'arrer Teckerl in einer „Eon 'erenrrede" -ve, das: sie rar nicht „ertan'l" werden können. (iv-in Lichtblick ' And- Tirol erbalten wir iolgende erfreuliche Llachricht: Tnrch da? Per'-.l winden der deni'ch natiönalen ii:tti; mitiütcn e n e n JnUe 11 n n g" m Talge 'd'.liväbrender Pre'sion au' l ere» Perleger seitens des ProümorS Tt. Zchevi ist die .anli'emiii'che Pewegnng in Tirol als verichwunden zu betrachten, nachdeiii sich der eiiittma:c[ lrä'tige, 1111:1 mehr kanin vegelirende P.rem in zwei sich gegen'eitig bekäini 'ende Lager geichieden hat. Niaii kört und liest nü!:s mehr von Periammlung ni und Agitationen. Wir kouite» nur uinere Eiende darüber anS'prechen, ejafj von dem schönen niid wacheren Lande der Tchandsteck deS Aniiseinitismnh genomnicit würden ist. Vre.et! . 1 :tv»trcttet.' Ter jüngst iit Brüx abgehaltene „Bur'chen'cha'tertag" bat be 'chloiien, mit allen Pkittel», das heißt mit den Ta-chesigelderii. welebe die Pava? den Herren Puben g'hen, dahin zu ivirken, daß derl„Teutickie PolkSbote", der lüngn ,regen „aiargh it der Nergter" fein Er'cheineit einstelleu mnßte, den antiieinitifchen Pölkern erhalten bleibe. Wie anti'emiii'che Platter wisien wollen, ist der Pesiand des Plättchens nie eine Zeit binatsS gesichert, und wird sich daSielbe >ogar einer öfteren Ausgabe erfreuen. Mit welchem EesinnungSopfer mag sich der Fnibaiker Xießlich tiefe Rettung erkguft baden? (lvewistenloses Revorkerthum I Ein so verlötteiteS Reporterihum, wie es die anti'einiti'che Heyvrene an'weisi. sindet man tönst nirgends in der Welt. Ans Ser Jagd nach jüdischen Missetbäterit sind sie glicht immer glücklich die Gewährsmänner der nnter'chirdliche» Herren „Zehrittleiter". Uni aber beit Bedarf dxr Letzteren unter allen Umständen zu decken, iiehnien die. Lieferanten der Hepv! Herp!-Noii;e» auch keinen Ansiand, axische GeietzeSverächter als .Zemiien biiiznstelleli, ,1 selbst nnbefchottene Leute ^gleichviel, ob Juden oder Nichijudeni zit iüdiicheii Verbrechern zu stempeln, ^aß sie dann Lügen gestraft werden, geiurt sie nicht: der erfundene oder entsijllte Bericht hat inzivischeii 'eine Tchüldigkett gelbau. und die meisten ihrer Btotgeber verstehen eS, ihre Intentionen zu ivürdigeu, und den „gut gemeinten Eifer" nachsichtig zu beiirtbeiien .. . TaS Ztöcker'>che „Polk" brachte in den ersten Zeptembertagen die Melkung auS Leer: „Ueber den 'Nachlaß de? Jaden Pohlmann, der sich erst zü vergifleii ver'tichte und sich dann ertränkte, weil er wegen Betruges verhaftet werden aellte, ist der Eatieurs erösinet worden. Tie Unterbilanz beträgt bliiO0>»i Mark. größienibeilS durch die verichwenderi'che LebenSweiie Poblmaun'r derrorgernfen. Piele kleine Leute sind um ihren Zvarpfennig gebr.acht." An der ganzen 'Notiz ist nur da« Eine r chlig, daß Pohlmann freiwillig den Ted gesucht bat. Pohlmann war kein Jude, «onderit entstammte ein ei alten, tu Cftfrieälanb augeiehenen christlichen Familie. Z.t rtegtriebiie ist preußi'cher Lamdrath. Auch hat Betrug re'ubi TaS „Poll" eut'chuldigt sich nun worden >'et Allein derlei „Mnsitsieaiionen" gehören hei der autt'emilischeit Presse keine-iveos d'N Zeltenhelten. — Neulich meldete Säoniitcre'.i:, daß der Besitzer T Mühlbradt .mädcheu dae Genick umger'eht habe. TaS Blatt arlaininer: „Tavid'r" AuS BreSlau berichtete mat von dem Zchneidermeister He'ie einen Fall haarsträubender AuS'augung der Arbeitskraft. Eine Anzahl ant,semitischer Blätter bezuchnele Hesie alS Juden ' luch in diesen beiden Fällen handelt eS sich um Ebrtstett von durchaus „german scher" Herkunst. Einer seiner e Pohlmann niemals einen mmit, daß es „mystificirt" der Ahlwardt-Moniteur auS seinem 16jährigen Tieustfetzte hinter den Namen in Nr. 129. L-cinIlcton. Die Föpfersclä^iläe Erzählung von Eduard Kulke. (7. jZörlsktzimg.j Der Äcscllc endlich, Töpferscheibe, an der wie er sich dein un- Ttillschweigen untermußt ihm sagen ^—" »1 Meister wieder in In der Wohnung des Töpferiueisters herrscht: große Freude über seine Ankunsr. Genoska, da sie verlegen war ni d nicht wußte, waS sie ilnu sagen solle, gab dem Knaben ihre Freude daß sie den braunen «ammtrock, den er trug, s »ist streichelte. Der Meister legte den LonntagSrock ab und blieb, wie er gewöhnlich in der Werksialle zu sehen war, in Hcindärmeln; er zog die geputzten icfcl ans und vertauschte sie mit ein Paar Pantoffeln, band die blaull Handwerksschürze um und stand nun g nau so da, wie ihn Moses bisher allzeit bei den ^efen gesehen hatte, dipser war bei der Ankunft deS Knaben von der x gesessen war, anfgestanden, wußte nicht recht, nschlen Gast gegenüber verhalten solle. HanS," begann der Meister das allgemeine brechendu „'du mußt ihn um Berzeihung bitten, dn l „Litchrs davon," siet ihm Moses in die Rete, „eS ist hier nichts zu verzeihen. Wir Beide haben dasselbe geihan, wir haben das Unvechl nicht unbestrast hingechen lasten ivoUen." „')iur, daß du den wirklichen Uebelkhäter cezüchtigt hast," sagte der Meister, „und er —" „Er konnte ja nicht wisien," siel Moses d: die Rede, „daß ich eS nicht bin." Bei diesen Worten reichte Moses dem Gesell:» die Hand, und eS hätte in dem kleinen Kreise mit; auch innerlich dieselbe Harmonie geherrscht, welche äußerlich her^estelll war, wein der Geselle 'es hätte verwinden tönnen, daß Genofka feinen Roä noch niemals so gestreichelt, wie jetzt den «ammtrock des schönen Judenknaben, der sie nach seiner Meinung ja eigentlich gar nichts anging. Abgesehen aber von dieser Geinürhsstimmung deS Gesellen, von 1 er ja Niemand etwas wußte, war der seit Kurzem so tief erschüttetl, Friede in der stillen Werkskälke deS Töpfermeisters wieder hergestelll, und man ging munter an die Arbeit. Ter Geselle kehrte an seinen Platz zurück, Genofka ging hinaus in die Küche, für das Miuagmahl zt sorgen, der Meister setzle sich zu seiner Scheibe und Moses rückte st h einen Stuhl zurecht dem Meister gegenüber. Moses hatte bisher nur immer die fertigen Thonformen, wie sie aus der Werkstätte kamen/ zu dem Sfen trapen gesehen; er wußte wie die Tqpfe und Krüge aussehen, bevor sie im. Cfen gebrannt werden: wie der Topf aber gemacht wird, auf velche Weise der Topf seine wie mit dem Zirkel abgemeffene kreisruude Form erhält, das wußte er nicht. Das sollte er jetzt gewahr weiden. Mit gespannter Ausmerksatukeit folgte sein Auge jeder Bewequnc des Meisters. Dieser hatte ein Stück feuchten Thones in die Hand g monunen und legte eS auf die Mitte der Scheibe. Dann drückte er 1 iit der Hand auf den Thon und bewirkte so eine kleine fast unmerklick e Bertiefung; zugleich aber begann er mit dem Fuß die 'mit der 0 'eren Scheibe parallele untere Scheibe, die mit oer oberen durch einen vertiealen Pflock verbunden war, zu drehen, und so wie das Ganze n drehender Bewegung begriffen war, schienen'die einzelnen Theilchei des Thones förmlich auseinander zu fliehen; die AnfaichS unschein >are Vertiefung wurde immer größer, die Oeffnung nach oben immer weiter, zugleich strebte der Thon immer mehr in die Höhe und ba d zeigte sich innerhalb desselben ein großer Hohlraum. Ter Meister dichte bald rascher, bald langsamer; war die Bewegung beschleunigt, i,ann wurde die Ausbauchung immer größer, verzögerte sich hingegen die Rotation, so schienen auch die Theilchen des Thones die entgegengesetzte Bewegung anzunehmen und anstatt auseinander vielmehr gegeneinander nach der Mitte hin zu streben. Scheinbar vollzog fidjTber ganze Proeeß vyn selber, ohne daß der Meister hiebei sich sonderlich zu bemühen brauchte; so glatt war der Verlauf und so schön ging Alles von statten. Wer aber schärfer zusah, und Moses sah zu mit aller Aufmerksamkeit, derer er fähig war, dem konnte es nicht entgegen, daß die Formung des Gefäßes einzig und allein Sache des Meisters sei. Moses war in den Anblick des Vorganges ganz versunken, und unwillkürlich begann er, ohne daß er sich besten recht bewußt war, eine alte eigenartige Synagogenmelodie auf einen Text in hebräischer Sprache vor sich hin zu supimen. Er sang: -!