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Freies Blatt · 1894-09-23 · 129 (23.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
129 (23.9.1894)
Date
1894-09-23
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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i reite II. Nr. 129. _ __ Freies (Jrkraiit und dir BoUSschuttrdrrr.) Zn Delitzsch liieii am il. d. M. | der sattsam bekannte antisemitische Agitator Pastor JSkraul einen Vortrag! über „Judeiithum und Soeial-Temokratie". Der Gegensatz jnm christlichen (»eist, | t sagte er, sei der jüdische Geist. Ta» beste 'A nt ise mit endlich se^ da» l alte 'Testament. Die Nächstenliebe gelte nur kür. die eigenen t Glaubensgenossen; jeder Geistliche müsse daher Antisemit sei», eben>o jeder Lehrer. Er (JSkrauts sei ein bezahlter Vertreter der evangelisch - luiberischen Landeskirche, eS sei daher seine Pstichl, lediglich den christ liche» Geist zu verlrelen, den jüdischen Geist aber zu belänipsen. Die Soet'al \ Demokratie werde nur vom jüdischen Geist beherrscht, der Grostvater diele» - jüdisch social-demokratischen Geistes aber fei der Liberalismus, einerlei, ob ' nationaler oder freisinniger. Dieser Geist müsse vernichtet werde». Jtt erster Linie habe der Mampf der liberalen Lehrerwelt zu gelte». Der Liberalismus, welcher ein Geist lei. welcher nichts zugelernt habe im Lause der Zeit, enii vre che sehr dem Berufe der Lehrers. Der Lehrer, welcher stets pur lehrt, fei ';u leicht geneigt, sich zu selbstbewußt zu entwickeln und da» Lerne» zu vergessest. Weil der liberale Geist jüdisch sei, deshalb sei auch jeder liberale Lehrer ein Diener diese» jüdischen Geister, er versündige sich daher a,ji dettt'cheit. am chrtst- : liche» Geist. Die liberalen BolkSschullehrer seien minderwerlkige BolkSschullehrer, und Eugen Rrchler sei der Oberlehrer einer Partei der ininderwerihigeu BolkSschullehrer. Nur wenn sich da» deutsche Volk zum Ebristenthttm wendet, könne e» der schweren Gefahr entrinnen, in welcher r» sich gegenwärtig, durch : den jüdische» Geist getrieben, befinde. — Diesen Auslassungen trat zunächst! 'liedaelenr Schüler au» Hannover mit aller EnilchiedenKeit entgegen, frivol >ei eS, daS alle Testament al» Antisemiienauelle zu-bezeichnen. Die zehn Gebote ioieii die Unterlage der christlichen Religion. Er müsse aüerding» gestehen, daß gerade der Antisemitismus in seinen Führern aller Welt kund geihan habe, daß er da» vierte, sechste und achte Gebot ganz und gar nicht zu erfassen vermag. ' Mit seinen unerhörte» Angriffen gegen den „niiiiderwertbigen Bolkslchnllehrer- ' stand" habe der Pastor Zslrant eine laute unk vernehmliche Warnung vor 'einem eigenen Thun ^ind Treiben gegeben, welche» mit dem wahrhaftigen Ehristenthum iticht^semcin habe. — Pastor ZSkraut war e» nicht möglich. Herrn Schüler zu widerlegen, er ergriff daher feine Zuflucht zu ganz gewöhnliche» Schimpfereien — Der königliche Seminarlehrer .Herr Wut legte lodann im'Namen de» BolkSschullehretstandeS Berwahrnng ein gegen die Art und ■beeile, wie ZSkrant da» Ansehen uud die Würde eines der wichtigsten Berufe : berabzuseyen sich bemüht bade. Er müsse aber gestehen, daß, wenn, wie e» ' kürzlich noch der Aal! gewesen, von Seite eine» Vorgesetzten höhere» Beamten der Lehrerschaft von Delitzsch in ehrenvollster Weile Anerkennung ausgedrückl worden sei, ein Lob, welche» ihn und seine EoUegen in hohem Maße erireut habe, das Urtheil an» dem Munde einer Manne» wie Zskraitt ihn nicht betrüben könne. Er und seine löniintlichen Eollegen seien sich bewußt, i» ihrem schweren und verantwortungsvolle» Berufe stet» ihre volle Schuldigkeit getba» zu habe» im Geiste der Humanität. Er protestire gegen die »nivürdige Behandlung, ivelche ihm und seinen BerusSgenossen mit der Bezeichnung ..»lindenverlhige Bolkrlchullehrer" zutbeil geworden sei. — Der „bezahlte Be,tretet der evaiigeii'.b lutherischen Landeskirche" Hat sich mit seinen Aeußeruiigen über da» alte Testament und über die Nächstenliebe in Hohem Grade blamirt unk mit 'einein brutalen Angrifie auf die BolkSschullehrer auch leine Aufgabe al» amiieimtiMitr Agitator schlecht erfüllt. Aus antisemitischen blättern. (Christlich sociale Zudriigöniicr.) Zm „Deutsche-» BolkSblatt" ist tolgende beiiierlenSwerihe Belchwerde zu lesen: ,,E» kt'ird un» geschrieben: Am Donntag, den 2. d. M., fand in Eichgraben an der Westbalm ein Fest statt, dessen Erträgniß dem Fonds zur Erbauung einer Eapelle in Eichgraben bestimmt war. Zn Folge de» eminent christlichen Zwecke» war der Besuch ein lehr Leger, und mau spendete mit freigebigen Hände». Sehr verstimmt hat e» aber, als man die Wahrnehmung machte, daß man den Berkaus von Eigarre» und Lamvjo»» dem in Eichgraben bekannten Inden Hölter übertrage» hatte. Ein Besticher de» Feste» konnte sich »ich! enthalten, eine», Comiieniitgliede gegenüber iciinrr Berwupdernng Ausdruck zu geben, daß man bei einem so' eminent christlichen Feste einen jüdischen Berkänser zulasie, und stellte die Frage, warum man denn nicht einem der beiden christlichen Tabak- und Eigarrenverichleißer de» Brie» . den Berdieyst zukommen li^ß. Er sprach sich einem Eoinitöiniigliede gegenüber i» dieser Hinsicht auS. Da kam er aber schön au: .A wa», a Znd iS ab a Mensch. Wenn'» Jhna net recht iS, so warn» daham blieben.' war die Antwort de» judensrenndlichen Mannes! Ter genannle Besucher wandte -sich nun an , s.iiiiinlliche ihm bekannte Comileinitglieder mit der Frage,' ob ne e» mit dem Ebarakter de» Fester und mit den christlich-sociale» Grundfäven vereinbarlich finden, die ansässigen christlichen Geschäftsleute z» übergehen und einem Zuden de» Berdienst zu lassen. .I bin' Zlma, hör,,'» mir au!, wegen au Znden io-viel G'schlchten mache».' .Der Zud will a leb'»' (!!> u. i. w. waren die Antworten, die. er erhielt. — E» wundert im» nur, daß diese» Eotntiv, an dessen spitze (Kooperator Latschka steht, ein derartige» Borkoiiunen billigen konnte." Diele Beschwerde gewährt »nS große Befriedigung. Sie zeigt, daß selbst viele unter v I a 11. den Leuten, ivelche die Mode der „christlich loeiale» Reform" ntitmacheiz. und in Bersaminlunge» zur Boneoliirung von Znden und Zndengenosse» »lit-chceien, wenn e» ernst wird und zn handeln gilt, doch »ach huinanen Grundsätzen per sahren. Die Albernheit der beschwerdesührenden Partei b-weifen die zwei An» rufnng-k-zeicheu Hinter dem Satze: „Der Zud will a leb'»", denn der „in Eichgraben bekannte Znde" Hat keineswegs verrathen. daß er lebensmüde fei. . .... Zu einer nachttäglich int „Denilchen Bolksblatt" erfchienenen Be richtigung wird zur Ehrenretinng Latschka'» eonnÄirt, daß ihn joivie da» Bau eomitö keine Schuld tresse und für die Bevorzugung eine» Znden nur Sommer Irilchler, die ei» eigene» Feneomitö gebildet Hanen, verantwortlich erscheinen. sFingirtr MotSk.) Ein Wiener Aniiü-mitenblalt brachte neulich sohzende Notiz: „Ein antiliberaler Gemeinderath erhielt von befreundeter Seite ein Schreiben übermittelt, demzufolge am l.'l. 3in(i in Eltronotv in Galizien ein siebenjährige» Ehristenmädchen von Zuden in einer geradezu besttalilcheu Weile ermordet wotden lein soll. Die .stunde von der Ermordung de» stindc» verbreitete sich ralch im Drte und Hane zur Folge, daß die ans da» Aenßerfte erbitterte Menge, mit Sensen bewailnet, die Hänfer der-Znden stürmen wollte. Die gerichtlichen Erhebnugen .-sind bereit» eingeleilei,' koch sind -nähere Mit» iheilnngen »och ausständig. Wie »»''ereilt Wiener Berichterstatter unlgetheilt wurde, sind während der letztverstoffeneu ZaKre nicht weniger al» sieben.'linder, lech» Mädäieu und ein .'tnabe. in Ipurloler Weile vee'estwttndett and lounteu nicht mehr anfgesunden werden. Sonder barer weistin e» den Behörden bi» . jetzt nicht gelungen, auch nur die Spur der vermeintttchen Mörder zu ent -r decken, wiewohl man in der Dm'chali ganz allgemein die Zud,» mit den'Mord thaten tu Berbindung krachte." Diele Notiz ivutde voneiner Anzahl cetch» deatscher Auli-entit.-nbläuer reproduetrt: uniete Berliner AbweHreo'.tcgin erhalt nun aber au» Lemberg nahsteltenden Be'chetd: i.,E» in nicht betäimt, daß in irgend einer Crt'etiaft Galizien» ein Anlruhr tvegeu Bersät vinden» eine» stntde» kittstanden wäre, und iveiter» ist eS hier vollständig unbelarnt. daß tm levlen Zahre sieben christliche .'linder ermordet worden wären. E-rwetleu lassen sich au» der Lttft gegriffene Tbatsachen nicht, weit man ja da» Zengniß aller t'>ertchte und aller Gendartnenposten in Galizien sonst anrttten mußte, aber so viel kann. festgestellt werden, daß, tun eine» Zeitraum zu nennen, int Laufe de» letzten Zahre» kein einziger Fall von einem von Znden ermordeten öder gebeintnißvoll verschwundenen .'ltnde ttnd nicht» Aebnliche» >>> Galizien zur öffentlichen .'lenntuiß gelangt ist, trotzdem acht polnische Zonrnale und zwei rnthentlche in Lemberg und ,'lrakan, sowie eine Menge von Proviuzblätletn erlcheinen, von denen manche ganz antisentitisch angehancht sind und die sich die Gelegenheit, über die Zuden Herzusallen. nicht batten entgelten lassen." tBcrgani'S schrislsichIcLischc Leistung.I Ungefähr vierzehn Tage, nachdem die „Unversälichten Denilchen Worte" uachgewiesen hatten, daß Ber gani einen mit E. B. gezeichneten Reisedries einem Buche von "Earl A. Tavastjerna nahezu »'örtlich entnomiue» hat, bringt da» „Deu liche B »II»- blatt" in seinetn Briellasten folgende Berailttvortuttg de» Angeklagten: „Eisen bahnet. Die Stelle ist au» dem Reelamebeite de» Hotel», und habe ich sie,, wie manch andere Beichreibnng, dietut» überreicht würde und die mir l vollkomtneii tvahrbettSgeiteu eitelsten, in meine Berichte etilbezogen. Die wissen ' >a ganz gut, daß ich nur die paar Nachisittttden zur Benstguttg batte. Die ganze - Neisebetchreibung. die ich Zbrem Bereiite nächste!:» esnscnden werde, macht eben ' mir Anlprnch ans Genätttglett und wahrheitsgetreue Berichtet stltttung.. . .'Union- Sie ft.lt da» citirte WerI. da» ich übrigen» gar nicht kenne, und ver ' gleichen Sie. kamt werten Sie die Bertächt'gnngen . . . genau würdigen." Dazu bemerkt nun die „D st de ul nlt e R n n d l ch a n": „Wir Kaden dem Sckwpser der ' amiietnitiiilteu Eorrnpiion beteitv einmal — die ,'Dstdeutlche Rundschau' er ' schien damals noch al» 'Wochenblatt — einen vielleicht noch, stecherett litetari scheu Diebstahl nachgetviele». Der.Fenistetonist'Bergani batts damals eine mn sangeeiche r teile an» der Biographie Engen D üb ring'» ein'ach abgedrnckt e und-sie mit der Bezeichnnng .Ein Bestich bet Dültring' uiner' Beibeltattniig der zwischen kein Beliasser der Biographie und. Dsthrtug gepflogenen Gespräche al»; die Frucht seine» Besuches, ali» al» ietn geistige» Eigenihntn anSgegeben Bei ' jedem anderen Borke wäre ein derartig Entlarvter angendlicklich ein^odtee Mann getvelett, die Wiener chrtstltch 'oeiale Partei hat dieier lilerarii'che Tatchen- 1 diedstalil ihre» iiutnialiftt’.lteti Bertrelet» nicht—im Mindesten gemrl, der Manu, dem nicht» heilig ist -»l» lein körperliche» Wohlbehagen, durste sich nicht nur ein Zweite» ähnliche» Stücklein „leisten, sondern er hat noch die Stirne zu be , ' lui.ptett, leine Reise'childernnge» machen ,mir Anlprnch ans Genauigkeit und walirbeiisgeirette Berichierstaiittng', e» sei mithin etttschnldbar, wenn er die betrenende Beschreibung, .wie manche» andere' in leine .Berichte einbezogen', 1 >,abe. Um nun zu zeigen, daß sich Bergani keineswegs ans da» vielleicht enti Ichuldbare Ablchreibeit von Daten beschränkt, sondern die einfachsten Etitpfindungen , und Beobachtungen, für die selbst ein Ghmnastast eigene Worte sucht und finöej! von einem Anderen gestohlen und al» leine eigenen anSgegeben hat, lassen wir eine GegettübetsteUnng be» Driginal» und de» Plagiate» folgen." tZm „Freien Blatt" war eine solche Gegettüderstellmtg bereit» enthalten.) Die „Dst detw'che Rundschau" schließt dann mit solgetiden Worten:. „Wir überlassen e» nach dieser Gegeitüberstelluttg dem Ehrgefühle unlerer Leier, zu elttlcheideu, ob sie e» ftict mit einer bloßen Berbächtignng de» üterari'cheu Talente» Bergani'» 4

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