Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 129 (23.9.1894)
- Date
- 1894-09-23
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/4886575-5439163-5441557--1521-4887968- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10. =t= .freies Blatt. didiren. Maum batten sie aber die angestrebten Aemler erreicht, gingen sie in daS christlich sociale Lager über und machten sich besonders durch ihre Agitation für die „Ideen" und „Bestrebungen" dieser Partei, deren eifrigsten Anbänqern sie zäblle». bemerkbar. — Auch in anderen antisemitischen „Wirih. 'chansvereinen" geht eS nicht bester zu, und Castenabgänge fcheinen nachgerade zu den unerläßlichen Erscheinungen solcher, zur Bekämpfung der Ausbeutung und Eorruption geschaffener Bereinigungen zu gehöre». Am 17. d. M. bielt der „Berein der vereinigten Schneidermeister für Wien und Umgebung" in Neulerche,iteld eine äußerst ^»blreich besuchte Versammlung ab, i» welcher das Gebabren der antisemitischen Geiioffenschafksvorstebiing besprochen wurde. ES kam Kiebei zu beffigen Auseinandersetzungen, welche.um io interestanter sind. alS der betreuende Verein in feiner überwiegenden Majorität selbst auS Anliiemiien besteht und der bekannte Antisemit Fenzl zu seinenMitgliedern zählt. Die Dbäligkeit dieieS GeiioffenschaltSvorßebers wurde einer iehr scharfen jtrilik unterzogen und wurde betont, daß cS nokhn'endig wäre, daß der Vorsteher, statt sich um Politik zu kümmern und Gewerbetage zu arrangiien, in die internen VeiKältniffe der Geiioffenicha't Drdnnng bringe. Ein gleichfalls als antisemitischer .Agitator bekanntes Mitglied, HerrFuxa, besprach alSDbmaiin der Revisoren die Vorfälle, welche kürzlich zur Erstalinng einer Strafanzeige gegen die Vorstebung fübrien, und tbeilte als neues Factum mit, daß unter den Ausgaben des Jahres 1>93 für W a "'erm eb rverbra uch 177 st. s i ch. bef i nde n. Diese Ziffdr scheine doch ein'ach unglaublich. Redner >ei auS dem Grunde feines Herzens Antisemit, und die Versammlung, welche ihn zur Genüge kenne, möge selbst beurtbeilen, wer ein bestercr Antiieinit sei, Fenzl oder er. (Beifall und stürmische Ruie: ...Hoch Furo.!"> DaS Treiben der GenoffenichafrSvorstehung überschreite zetech alle Grenzen, i« daß man gegen dasselbe mit strenger Sach- . lichkeit auftreieu niiiffe, obne Rücksicht auf politische Freundschaft oder Feindsbati. — Die Versiinnnlnng gestaltete sich in ibrein weiteren Verlause so erregt, daß sie reii deni Vo> sitzenden vorzeitig geschloffen werden mußte. Wie mau siebt, stellen sich die wiriluchafnicheu Segnungen des AntisemikiSinuS bereits überall in einer An und Weißrin, welche au' das Zuverlässigste eine demnächstige Ge'nndung der eileirgeireibeire,bei,den vom Antisemitismus erbosten läßt. «Dir christlich sociale Inlcrnalionale.ä In einer der letzten-Rümmer,, des christlich'oc'ale» ArbeiierblatteS „Gerechtigkeit" schildert ein gewisser Wenzel Bol eil den Aufschivung, den die christlich iociale Bewegung angeblich unter der tschechische» Arbeiterscha-k gemacht bar, und kündiizt an. daß vom 7. bis 9. September i„ Leitoini>chl der „Erste Eongreß der Delegaten der katholischen Arbeiter i'checho-'lavi'cher -Raliona litäi" abgebalkeu wird. AIS erster Peograiiiinvniikl keS Eongreffe? wird rin Vortrag angekündigt: „Arbeiterschaft >i»S Rationalität", welcher gegen die „Iniernationale, die kein Vaterland anerkeiiiit", gerichtet ist. Einige Zeilen kie'er leien wir zu unserem größten Erstaunen: „Ichbin überzeugt, daß idr deutschen Brüder mit uns auf unserem Eongreß im Geiste vereinigt sein werdet, und geben uns der Hostnung hin,, daß ihr Hand in Hand iiiik uns vorwäi isma-chiicu werdet. Brüder, Arbeiter! AIS Stein, werfe ich uiiler euch den 'S,-danken, daß wir katholischen Arbeiter Oesterreichs'womöglich aists Jade in Wien den ersten Parteitag abballen wollen! .'Roch nubr. Wir'kalbolischeu Ai beiter Bob menhaben schön d i e . V erba » kl u ngen an gekiiliv'i mit den A i b e i te rsübrern anderer europäischer Lander, wir sind aber zu schwach, ihr müßt unS euere Hand reichen, und wir werden kann gemeinsam dazu arbeiten, daß die katholische Arbeiterschaft recht bald ,h>eu inicr»aiionalen Eonzzreß feiern möchte, womöglich i n R o m. Brüder! Weg mit dem Ralioiialiiäiendaß. weg mit Allem, waS unS lreuueii würde, wir müff-n u»S vereinigen, wir niüsten vereinigt vorwärtSichreiteu gegen gemeinsame Feinde und zum gemeinsamen Ziele, und das ist: Reorganisation der ganzen GeseU'cha'l auf der christliche» Grundlage." Wie soll mau da? verstehen'? D:e Herren wollen die , Iiiteriiaiiouale bekämpfen, die kein Vaterland anerkennt". und 'fordern in einem Arbem die kalholische Albeilerichafl nller Läuter au', kakinzuwirken. daß recht bald ein inleriialionaler Eongreß, 'womöglich :u Rom. zi.stände knunilr Seit wanii bat Rom ein Vaterland'? i Rachiräglitkics aus Paulsdorf.) Das Röichcnberger Antisemileiiblalk war entzi'ck: über da:- neuliäe Gaft-piel L ueger'S in Paulskor'; begeistSht es auSgerusen: „Mau muß sie hören »nd den Redner 'eben, will man die isteu a.l -der Lueger ichcn Reken er'affen Einem 'christlichen AuSzuge feblt er Freigeist" die schnippische Frage: .Deutschen VolkSzcitung" oft zur „Heiterkeit und zu wahren Beifallstürmen hinzureißen". Beispielsweise der „Binkljude", ist dai nicht ein „classischer" Begriff? Wer ist da nicht „hingeriffen"? Lder die „Lüistl-, Guliasch- und Cigarre» Abgeordneten"? Ist dar nicht ziini Lachen? We ch' feiner SarcaSmuS? Wahr sich. eS bedarf der akademische» Bildung, um de fen fähig zu sein. Darin liegt Saft und Straft". Und diese „heile en Leutchen fühlen sich nun, vollgesätligt von der Dr. Luegi r'scheu Theorie, als unstreitig berufene Verfechter des Volkswohles! — Und so liderbar, während die „Deutsche Volkszeitung" die Saftigkeit der Lueger'schc» Rede hervorhebt, versäumt gerade den kräftigsten Ausdruck, von „den 21j ihrigen Lausbuben' Lueger daS Wahlrecht nicht zulpreche» könne, zi in dieser Versanimlung, sowie in Warnsdorf sie denen da vermerke». Daß Dr. Lueger sie Socialdemokraten als eine Wai um da st st.b t.'.'-.'u v Vit:;!':, k.ini.'e, La.s .; uäu .'ira't " Hierau' ueU:e -■.-mii ,ua» dann ein,',, ststchen „Genizß" nicht der Allgemeinheit, ''o :- a! eiliubiuer c» dieer Versainmlnng nicht erst mit Einladung-?. ü.-.UiU'.::.'!: brauchte»? Warum geipäbrte man Nicht vorneweg volle doch 'ur einen 'olcheu Re'ereitlen die Bedelikeii ausgeschlossen .'Sper.it'liq Zit wezdeii? Hane bei einer, allgemein zugänglichen gewahrenden Ver'ammluyg etwa da-? ,. r-mveranienl, der W!>'"dee Hern: De. Lueger beeiniiächiigl werden können'? Sebr ' " :: ' uns d'.s Entzücken der „Drillscheu Bolkszeituiig" und ihrer 'ch.':': .: :.ä' Dr. Lueger i^ncm in den Wiener Vorstädten be. dto iigen „kiinimei! .stejil" bkllai'chien Eleinente freien L0!'ch'odene. Zililiciil aus dfr Wiener jüdi'chen Bevölkerung D eigzual.Figuren" rorge'nljl-l, welche, worazi wir beileibe :l>ä> geeiglicl waren, die Zubö'.cricha'tvom Couleur der u d .: i.;'li'-1! ui -..offene ZU i ist':». Nv. 129. igrarischen Demagogen. Andere hufentschiedener Bekämpfung ich von dieser Ansicht auch da- .stönigSberg von der Liste der agrarischer Führer eigenhändig staii'errede hat auch, si licet gehalten zu nzerden, deren nipitn, tot seusus — viele nicht gemacht; sie waren da- Aewerdetreibeiiden und einigen und Schneider sich eine iociale Judciischutzlruppe hinstellte, ist ja selbstverstäiidlici. (Nochmals der Grazer Ausflug.) Dian chreibt un«: Tie Rede sigifer : W i l hel m S in SiönjgSberg, in welcher er eine Dpp »ition des Adels gegen den Stönig für ei» Unding erklärte, begegnete de» verschiedenari igsten Eoinmentareii. Tie Eine» ' crblickikn in derselben eine Strafpredigt für die -j aber eine Einladuiig zu einer Verständigung b§ der Parteie» de-? „Umsturzes", undsie ließe»! durch nicht abbringk», daß Staiser Wilhelm in . zum Provinzialdiuer Einzuladcnden eine Anzahl gestrichen hat. Ein gleiche-? Schicksal wie diese parva eoiuponere ma^iiis. der Ausflug der Wiener Antisemiten nach Graz Während einzelne anliscmiliiche Drgane ihrer Fecude über denselben Ausdruck gebe», spreche» audeie in lehr tespeclirlichem Toi e von den »ngebetenen Gästen, welche jede» nalionaleu Sinnes bar, nur .V rwirrung in die Reihen der steierischen Antiiemile» tragen könne». Man w ll von den Schneider und Lueger, welche mit den L u c a c i it, Va?« t » und D r n in o n I gemein* 'ante Sache mache», nichts wiffe»; einige Deutsch ') ätionale geberden sich auch zur Abwechslung „frcisilinig" und sprechen in wegwcr enkem Tone von den clericalen Allüren der christlich-sociale» Wiener. Allein Juden einde im clericalen Lager lehnen es auch ab, für Bunde-genoffeu jener „VolkSinär ner" Racenibeorie durchaus unchristlich ist. ()uot Proseililen haben die Wiener Ausflügler in Gra selbst »ur gcwiffen Radau Elemente» unler den Streber», die mit Hilfe von Gevatler Sckiuster Position sichern wolle», willkomincn. Wir kenne i deutsch nationale Antisemiten, die, wenn ihnen nur die Macht zur Verfügung g-standen wäre, am liebsten den' Meister SlampigliuS per Schub soriexpedirt hären. iSchlcsischcr GcilosicnschastSvcrballd.f Bo jiiirzem fand in Teichen die Hauptversammlung des 'chlesi'cheii Genosseuick rfiSverbandes stall, in welchem Zieger und Genossen, confuse antisemiliiche , Socialpolitiker", das Hei't in Händen haben. ES kam auch bei diesem Anlässe zu Verstößen gegen Anstand und gute Sille, wie dies übcrbanpl in Veriam nluugc» .üblich ist, in denen Antisemiten das große Wort führen. Superint« ndenl Dr. Haafe mahnte die „Socialpolitiker" zur Raison: e-s war aber vergebliche Mühe, sie'wollten nicht Vermliisl anntbmcn, nnt Leute, welche nicht werih sind, Herr» Tr. Haast die Schuhriomeu zu lö'eu, erziellcn „Erfolge", als re den Argumenten desselben ihremit dem Aufgebote aller Lnngenkrast voigebrachleu Phrasen enigegen- , stellten. Es ist übrigens dai'ür geiorgk, daß die Bäume nicdl in den Himmel wachsen. Die VerbandSleitung iü erfreulichern eisc außerstande, das Gros der gewerbcsteißigeii Bevölkerung Schlesien? nach heilig zu beeinstuffen. i Dcr anliicmilischc ZnkuilftSstaat. l Vor eir igcr Zeit habe» wir das Bild des antisemitisch - großdeut'chen ZukunftSftaales rep :oducirt, wie esPau^Förster jn seinem Drgane malte. In einer zu Berlin an: 13. d. Pi. abgekallenen Vev- ,'ainniluiig der Förster'schen Partisane wurde nun für die Beralkung eines im Sinne jene-:- ZeituiigsanikelS gehaltenen Pancipr tgrammcS eine siebengliederige Eommiision g.wäblt und derselben für ihre A itgabe folgende Direclive mit auf den Weg gegeben: Eine großdeuliche Politik Zusaminenschluß aller de,« tschen un d-ekcm alS deutsche» Länder zu Groß-Deutschland mit eiutl» Wahl .eiaiierldui» auS den dmlschen BniideSfürsten (Volks wabli, Zusaineneiiictzuiig der Volksveriretuntz auS Vertretern der. einzelneu Stände, Heranziehung der Einloinme» der Fürsten zur Staats und Eonimunalsteuer, Beseiligung aller Standes-, Adels und ^rdensvorrechte, Ausmerzu ig de? alten Testaments auS Siirche und Schule und Ersatz dur h den Glauben unserer Väter, überhaupt eine gründliche Reform de-? Iuden-Ehri stentkum», Verbot der Iudentaufe und 'RanienSänderung der Juden unter rückwirkender straft, Verbot der Ehe zwischen Jude» und Deutschen und Verbot de» Haltens deutscher Dienstboten und Arbeileriniicil durch die Juden, Wied'raufnadme der Ritnafmortvrocesic unter B-bankluug der Israeli>en alS Talmudjiiden, Ausweisung säuinitlicher Jude» nach ent egenen iiikerumsvillten Eolouien, staatliche Einziehung aller Indenvermöge» und Ber- Wendung derselben zur Au'befferung der socialen' 'age der Arbeiter. Commentar überflüssig.