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Freies Blatt · 1894-09-23 · 129 (23.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
129 (23.9.1894)
Date
1894-09-23
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 129. £cit<? ‘.U $ r t ft s gungcn zu schützen. ES habe sich hier gcwjssermaßc» »i» einen Act ' der Rothwchr gegenüber der wüste» Jndcnhctze dcS Herrn Lenst gehandelt Die Angeklagten seien im guten Glauben gewesen und hätten berechtigte Interessen vertreten. Das. Urihcil des Gerichtshofes lautete gegen jede» der Angeklagten ans 2UU Mark Gcldbnstc. Auel, die Antisemiten sind nicht dar Meinung, dast dieser Protest die befleckte Ehre des Hans fleuß vollständig gereinigt-hätte. DaS „Lchmalkaldcr Tageblatt" z. 33., welches 18'Jii die Wahl des Herrn Lenst dringend empfohlen hatte, schreibt jetzt: „Wir haben leine Beranlassnng, Herr» Lenst in Schutz zu »chinrn, i»r Gegentheil bedauern wir ausserordentlich, daß nufer Wahlkreis einen solchen Pcrtreter erhalten hat."! (Bor 7;> 3nl)rcil ) Im „Großhcrzoglichcn hessischen Regierungsblatt" vom 8. September 1*19 erschien folgender „Erlaß, Polizei widrige Angriffe gegen Israeliten bctr.sscnd", welcher auch in unsere» Tagen, und zwar nicht bloß in Hesse», Beherzigung verdiente: „Eine schmerzliche Erfahrung hat gelehrt, dast die unwürdigen und strafbaren Unternehmungen, welche sich der Pöbel in einem deutschen Orte gegen die Rechtssicherheit der Israeliten erlaubt hell, als onfleckendeö Beispiel auch auf andere deutsche Orte zu wirken vermochte, so wenig man auch dieses in einem Zeitalter hätte erwarten sollen, in welchem man mit Aufklärung und liberale» Gesinnungen so gerne zn prunken pflegt. In dem Umfange dcS GroßhcrzogihnmS haben zwar bisher nur noch wenige und »nbcdcntcndc Unordnungen dieser Arl stattgcsnndcn, und bei den stattgefnndencn hat man die angenehme 33cincrkung zn machen Gelegenheit gehabt, daß kein solider, rechtlicher Bürger und achtbarer Familienvater Anthcil gcnoinmc» bat: cs bleibt aber immer heilige Pflicht der höchsten - laatSregicrung, durch kräftige Maßregeln dem ferneren Entstehe» aller solcher Unordnungen vorzn beugen und dadurch de» Schutz der Rechte zu bewähren, auf welchen jeder Angehörige des Staates, ohne Unterschied der Religion 'und des Standes, gleichen Anspruch hat. AuS dieser Rücksicht haben Sc. könig lichc Hoheit, der Großhcrzog, gnädigst zu verordnen geruht, daß in Zukunft für jede» Schaden, welcher den Israeliten bei Zusammen rottnnge» u»d Ausläufen zugcsügi werden würde, die Gemeinden, vorbehaltlich ihres Rückgriffes gegen die Schuldigen, verantwortlich sein solle». Indem man diese allerhöchste E tichlicpungcn hiedurch zur Kennlniß des PublicnmS bringt, bemerkt man zugleich, dast man auch ferner darauf vorzüglich rechne, dast die Familienväter fortfahrcn werden, ihre HauSangchörigc», Kinder, Untergebene und Dienstboten, auf das Unvernünftige, 33crächtlichc solcher Ausbrüche des HasieS oder eines gefährlichen MuthwillcnS aufmerkiam zn machen, und man glaubt, daß der vernünftigere Thcil des PublicumS in jener Ent fchlicßung ein kräftiges Mittel, zur Unterstütznng der häusliche» Zucht erkennen werde, indem nunmehr der Unbesonncnstc begreifen lernen wird, daß die nachthciligcn Folgen der Störung der össentlichen Ordnung nicht die anSgcwähltcn Opfer treffen, sondern vielmehr auf ihn selbst und auf diejenigen zurücksallcn werden, mit. welche» er innig verbunden ist. Darmstadk, den 4. September 1S19; Ans blonderem allerhöchsten Aufträge: GroßhcrzoglicheS Hessisches Geheimes SlaatSministeriuni." (Tic Jlldcnvcrfolguilg in Rußland.) Eine kürzlich im Ezarcn reiche getroffene Berfügung. welche den Inden selbst in Städten, wo sic in beträchtlicher Anzahl leben, das Recht nimmt, Stadtverordnete aus ihrer Mitte zu wählen, scheint man auch aüf die Juden im asiatischen Rußland, welche sich bis jcpi des vollen Bürgerrechts zu erfreuen hatten, auSdchncn zu wollen. In Folge dessen herrscht, wie aus Petersburg berichtet wird, unter den kaukasische» Jude» große Erregung. Sie überreichten dem Bürgermeister von Tiflis zur Weiterbeförderung' an den Minister dcS Inner» ein Gesuch, in welchem sic sich auf daS Gesetz berufen, das ollen Juden, welche sich vor dem Jahre 1869 im Kaukasus niedcrgelasien habe», dieselben Rechte wie den anderen Bewohnern deS Landes verbürgt. Die Berufung auf Recht und Gesetz bewirkt leider in Rußland nicht immer den gewünschten Erfolg. '(Roger Williams.) Herr Dr. M. Kahserling schreibt in der „Allgemeinen Zeitung deS Judenthums": Bor einige» Jahren hat Herr Oscar S. Straus in Ncw-3jork. der frühere Gesandte der nordamerikanischen Freistaaten bei der Pforte und der gegenwärtige Präsident der „Amerikanisch.Jüdisch Histoiische» Gesellschaft", auf Grund umfassender Studien in seinem Werke „The Origin of repuhlican form of government in tlie United Statesden Rachwcis geliefert, daß die Gründer der Unabhängigkeit der Bereinigte» Staaten die Bibel, d. h. die altjüdische Bersasinng, zum Muster für ihre 3*«* sassungsform genommen haben. Gcwisierinaßcn im Anschluß an diese auch'inS Französische übersetzte Schrift Hai jetzt Herr Straus alö Ergebniß sorgfältiger Studien das Lebens- und Charakterbild Roger Williams', eines der früh.sten Kämpfer für Glaubensnnd GewissenS- Blatt. frcihcit, dcS Gründers von Rhode-Island, in einem umfassenden Werke zum erstcnmale dargestelll. (l! m-w Williams, /tlie l’ioneor<■!' reliüious I.jt»e,tv. ln Usi-ar S Straus. .V-.v-Ymk. Tim (Vntnrv i.'u. 18'. *4 |XI11. l’.")7 S-s>. Roger 3'Iilliams, in Wales geboren/ studirt'e auf Wunsch seines titönners,. des großen Rechlsgelehrlen Ekrurrd Eockc, unter dessen Führung die cngliichen Presbhteriancr sich eine völlige Organisation gegeben harten, zuerst Inrispruden',, widmete.sich aber bald, deiner Reignng folgend, dem Studium der Theologie und wurde'Eaplan in einem kleinen Orte in Euer.. Scho» als - junger Man» stand er gut Seile der radicalen Puritaner, io daß er, . von dem Primas von England, dem päpstlach .gesinnten Bischof Land, verfolgt, mit uiehreren Anderen sich entschlost, nach Amerita auszn wandern. Aber auch hier gcricth er mit den weltlichen und geistlichen Behörden bald in Eonsliet: sein ganzes Leben, war ein fortwährender Kampf für sein Princip, für die Freiheit des >Glaubens und des Gewissens. Unerschütterlich Iren .seinem Prinriv . wurde er auch ein ' Anwalt der Jude». Er Üble, was bisher nicht crlannt wurde, direcren Einflnst ans die Freiheit, welche ihn.cn in. England eingeräuml würde, cbeusoivohl-wic ans die freie Stellung, welche sie sehr irnh in Amerika genossen. Mil Hngh Peters, dem Sccrelär Eroinrvell's, der schon int Jahre 1«> 18 für den TLiedereintrill der Juden in England ieinc Stimine erhob, mit Thomas Goodwi» und Philipp Rne, welch: Mitglieder der Eominisnon waren, der die von M'euasse be» Israel bl'ni Prolcclor Eroinwell übe»reichte Petition zur-'Bcgiilachinng überwiese» wordenz mit dem Dichter John Milton, der in 'einer „Areopagiiiea" mit rundender 3'cgcislernng die Freiheit, die'Mutter aller, großen Gedanken, sowie die 3Lahrheit als die höchsten Gitter der Erde pries, und mit anderen Independenten, welche Gleichheit in allen staatlichen und religiösen Angelegenheiten anstrebtcn, war er innig beirenndei. Und als sich R >gcr 'Williams spater im'Jahre I6.'»4 in England anfhicll, «in die Auerlennung der von ihm gegründeten Eolonie zu erlangen, reichte er der Eoinniisfio», in der Eroinwell den Borlitz führte, in, 3-erein mit »ichrcren Gesinnnngsgenossen eine Petitioiuai», in welcher er völlige Toleranz forderte und in der es n. A. heißt: „ob cS nicht die Pflicht der Obrigteil wäre, den Inden zn gestalte», frei und friedlich unter uns zu leben". Zugleich erhob er für—tcu Wiedereintritt der Jude» in England seine Siiinmc. „Ich erachte e.S sür Pflicht der Obrigkeit," heißt cS in cincin jener Petition bcigclegtcn Mcniorial, „nicdcrzureisteu jene bbergläubikchc nnd gcwifscnS ängstliche Scheideivand zwischen uns und den Inden und ihnen das freie und .friedliche Wohne» unter uns zu gestatten. Wie andere 'Rationen hat besonders diese Ration saniml ihren Röniqen allen Grund zu fürchten, dast die nnchristlichcn 3R'drücknngcn und < Urania in keilen, welche diese Ration gegen die Jude» so lange geübt hat, gegen Himmel schreien gegen diese Ration, ihre Könige und Regenten. .Welch schreckliche Bedrückungen nnd schreckliches Blntvcrgiesten haben die Inden von d§n siünigcn und 3'ölkerichasten Englands erduldet unter den Regierungen Heinrichs II., Königs Johann, Richards I. nnd Eduards I! Richr allein wir, auch diese Juden haben die l^'rcnclthalcn in ihren Chroniken verzeichnet." 'Roch bevor Meltaue bcn Israel in London cintraf unb ^dic Iudenirage zur 3'crhandlnng gelangte, trat Roger Williams, nachdem er die Aiierkeniinng der von ihm gegründeten Eolonie erlangt halte, die Rückreise nach Amerika an, Rhode Island wurde die Znslnchlsstälte aller Berfolgten: ohne Unterschied des Glaubens und des Bekenntnisses .konnte Jeder, welchem Lande und welcher Ration iiiinicr er angehörle, an allen Orten der Eolonie sich nicderlafscn: alle Bewohner sollten im Genüsse gleicher Rechte sein Drei Monate nach seiner Rückkehr wurde Roger Williams znm Prüsidcnte» der vereinigten Eolonie gewühlt und einige Jahre später-ließen sich die eisten Inden in Mcwport-nieder. Sie. waren ans Llnifterdai» nach 'Ren-'Auistcrdam, dem heutige.» Rew Llork,' gekommen, das sic aber in Folge der Beschränkungen seitens des damaligen holländischen Gouverneurs Siuhvcnsant bald wieder verließen und mit dem freie» Rewport vertauschten. In 'Rcwport bildete sich die erste jüdische Gemeinde Amerikas. 2lus antisemitischen Vereinen und Versammlungen. «Zum Eapitel: 3i3irtbslhas»ichk Segnungen.) In der Xeankencasse der Frileurc Wiens wurde bei der kürzlich vorgenoiniiiciieii Revision ein ziemlich betiächtliches Manco entdccki, welches aus die »»lauteren Manipiitationeii zweier Fnnctivnäre, Karlowip »nd Ehniel, zurückzusühren ist. Tie Beiden, welche ans ziemlich großem Fuße lebie», waren ansänglich Anhänger der social.denio kraiiiche» Partei und ließen sich von derselben auch sür ihre Ehrenstetten cau»

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