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Freies Blatt · 1894-09-23 · 129 (23.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
129 (23.9.1894)
Date
1894-09-23
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Hr. 12!'. freier Blatt. Durnvcrciiie der deutschen Turnerschaft gestellte Ansiiine», die deutsche Turner i*jit — durch Ivelche sie cnlstante» »Iid gioß gcivotden sind —;» verlassen, >.nil Entschiedenheit zurück. ^llltmmitisliic — (yrfolflC.) Man erzählt Nils von vertrauenswürdiger Seile folgendes C'cschichtchen: Da war denn ein fcvu - dculscher Touristenelub, acht Mann hoch, in die Welt gezogen, nin frei von 'Actcnstaub und Bnreaulnst sich weidlich an der Älpenlusl;n ergötzen. Die durchwegs aus Christen desichende Clesellschail, darunter ein »rgcinülhlicher deutscher Bürgermcistcr, will Heini Taurenwiuh ejntchrcn. Derselbe erklärt doch kur; und bündig: „Inden ne hm' ich keine aus." Nach vielem Hinn»d Widerreden gelingt cS endlich, d.u antiscinitischcn Taurenwirth zu überzeugen, das; die siebe» »in Nachllicrbergc biltcndcn reiscuiüdcn C'üsie wirkliche C h r i si c» seien. „Na," sagte dieser Wirth, „schließlich regiert die Well daS l>'eld," und »ahm die sieben Touristen in seine Wirlhschafi auf. Wir sind sofort crbölig, die '.»iamen der sieben Herren, die bei einem solch sonderbaren Wirth Unterkunft fanden, zu nennen. Die 'Anti i emite n sch cinc it,bc» „Ircindcnverkchr" in einer hoch» sonderbaren W.eisc fördern zu wollen, ganz vergessend, daß der liebe 0'ott die Sonne für Alle, Iu^c, Chris: und Heide, M-reclite und Ungerechte, scheinen läßt. $nr Tschcchisirllllsi der gilben. I Der in Prag gegründele astrein zur Tschcchisirung der xstnden gibt nun ein „l>.->k»--nl»x>k>'- l.i-tv" betiteltes Blatt heraus, dessen am d. M. erschienene erste -.»lUinmcr C'lückwliiischschreiben von Dr. Nicger, dem Dbmann des 'unglichechenelubs Dr. Cngcl und dem Abgeordneten Crwin >vindlcr enthält. Dr. Niegcr schreibt u. 21.: „ Da? böhmische Bolk, :o:e die slavische Bölkerfamilie überhanpl, ist selbst nach dein Uribcile oeuischcr Clhnograplie» und im Berglciche mit dem dentichen BolkS :!mmc viel weicher und deshalb äußert sich bei ihm auch dem jüdischen Elemente gegenüber nicht sciic Härte, welche sich gerade in nenester Zeit unter den Deutschst! — und vielleicht bei diesen mehr alS bei . ecu anderen Nationen — in so schrosser, hie besetze der wahre» Hnnianität beleidigender Weise äußert. Bei u»S sind derlei Crichei iilliigen abnormale, ja die Crsahrnng . zeigt nnzähligenial. daß bei uns die jüdischen Bürger, wo inimersich ihr moralischer Charakter und ihre Zähigkeiten, vor 'Allein aber ihre Zuneigung zu unseren nationalen Bestrebungen bewährt haben, in den Sircise» der Unseren. sreundschastlich ivillkommen geheißen und;n verschiedenen Würden erwählt wurden 'Andererseits werden cS aber auch Sie begreiflich sinden, wenn da und ton gegen Männer des jüdischen SlammeS sicheine gewisse 'Antivaihie zeigt, welche entweder noch immer in den allen Boruriheile» stecken oder gar als schadenfrohe Gegner unseres BolleS anftretc», .zeleitet von jenem unseren nationalen Bestrebungen mißgünstigen leiste, gegen den anznkämpfcn Sie sich eben zum Ziele gesellt haben — wahrlich ein edles und ideales Ziel. Und diesem guten ehrlichen stampfe wünsche ich eben ausS Innigste einen vollen Sieg. Ich winiiche Ihnen, daß eS Ihnen gelingen möge, Ihre StannneSgenossen dahin zu führen, daß sie sich unter nnS als die Unseren suhlen, das; ne zu dem Bolle, i» dessen Mille sie leben, mit ganzem Herzen hi» neigen und endlich aushörc», sich als Irenidlinge (! i auf diesem Boden zu sühlen, auf dem sic seit undenklichen Zeilen heimisch sinh und wo ne schon Zwischen den Burgen' ihre Chen schlossen, alS unser Prag noch im Entstehen war. Cs ist mein Wunsch, daß sie in ihren all gemeinen 'Anschauungen über die moralischen 'Aufgaben dcS Bürgers überhaupt und über ihre Pflichten zu de» eultürcllen Interessen unserer "simcinschast insbesondere, mit der böhmischen Bevgtterung allzeit eines Sinnes seien; ich wünsche dies in der Ueberzcugnng, daß die thalbereile Ächtung vor dem Gesetze der Ehre, daS eine veredelnde Zrncht der wcstländischen Cultur ist und neben dem (Glauben und dem bürgcr- Uau'ii Gesetze die Hanptslüllc unseres gesellschaftlichen Organismus bildet, auch für sic ein nnaiitastbarcS Schild bieten wird." Wenn man in der beschichte der Cnuneiationcu der Führer dcS tschechischen BolkeS ein klein wenig zurüllbläucri, so ivird man, bemerkt treffend taS „Montagsblatt ans Böhmen", sinden, daß nicht immer ein solch versöhnlicher und entgegenkommender Ton, wie in dieser ncucstcn .st undgebung Dr. Ricgcr'S, den Juden gegenüber angeschlagen wurde. Havlidck z. B. erklärte kur; jeden BerschmclzungSvcrsuch der Juden mit dem tschechischen Bolle für allzeit aussichtslos, und die „politischen Testamente" Iran; Palackv's waren gegen die Inden stets voll, der heftigsten Ausfälle, ja geradezu von feindseliger Tendenz geleitet. Man lese nur sein „Testament" auS dem Jahre IB7."> und wird das «besagte bestätigt finden. Trotz aller Reserve, welche sich die -tschechische Provinzpressc der journalistische» Neugründung dcS IudenlschechisirnngSvcrcincS gegenüber aufcrlcgt, erklärt sic übrigens schon jetzt, der ganzen Unternehmung mit kalter Skepsis gegenüberznslche». Die rMlmlo-_ •mleshivske I-isty erklären rund heraus, daß sic an der inneren Seite 7 j Wahrheit der soeben insecnirten Aelion zweifeln, da de» Juden in i .Böhmen jedes Interesse an den Bestrebungen des tschechischen BolleS mangle. Die Juden, -meint daS Blatt, lausen feine tschechischen Bücher, ihre Jugend studirc nicht an tschechischen 'Anstalten, anS ihren Reihen, reernlirc» »ich die ärgsten Zeinde des tsäiechischen BolkeS i» den.diversen ' stredaelionen der deutschen Blatter und, schließt daS Blatt, die . ii.liivsk.- I.i.-ir" werden bald an sich selbst erfahren, daß sie gerade unlcr den Inden die schrvsisten Gegner sinden werden. Unserem Dafür Hallen nach stellt da die Inngbnnzlauer Zeitung der Anhänglichkeit der Iude» an das Deulichlhum eigentlich ein sebr günstiges Zeugnis; aus. 'Ans einen Berbündeten kann indessen der .Bereut zur. Tiche'chisirung der Inden unbedingt zähle», cs ist dies der 'Anlisemiienbund der Herre» Schüller. Prade und l^euosien. - - Ter 7v>ltl Crloiu-Mi.) Bor den Geschwornen in strakau begann am l7. d. Bk. die Schlnßvcrhandluug gegen Dr. Ioies D rlowSki, gewesenen Clfesredaeleur eines antisemitische» Blattes, wegen Betruges, begangen durch Wechselsälichnngen und durch listige Heraus lollung eines Wechsels, sowie wegen Beruntreuung und leichtstnnigcr . Crida. In der 'Anklageschrift wurde anSgcsührl: ,. Josts Drlois'Ski, welcher jclll st > I.rlire alt ist.-war nach Beendigung - stiner juridischen Dludieu in z'euiberg:>kedaelionSiniig:ied d.-S eorr rrlcheiiieilden „Dzieunik PolSki" une Ser volilistche.» Zeit-chri'le» ,.Eba:a"' »nd . .,-A'eivii.n". - -.stach stiner Angabe kain er zur llebeizeugnug, daß Sie Herausgabe eines ..im patriotischen »ud katholischen .«'leiste" redigirteir polni'chrn Blattes sich der Umer stülluiig der einst,ißreichsieu und ange'ehensten sirei'e in, Galizien ei'eeueu gnd die naliouale» Interest'eu beeemciid löidern würde. AlS iiu Jahre der ,,'!ui»er .'irakowsl," zu elicheiiiki! aushvrle. beschloß D-.lou-sli, dasttbü - ein -anderes polnistbeS Blau zu giünden. 5a er die biezu eriorderliüie» st-ouds uiä.t besäst, war er geuöihigl, stch deshalb an hervorragende 'llerwiillchleilcu zu wenden, »nd es gelang ilnu auch, von einigen ter'elbeii, »aureistlich von d,»i Britsbestver Adam T siasze.ivSki ein 'Aeeeru über ilt>• '0 sl und vom (.Hiafci A dal beit 5 ziedns z» e k i eines über Ioiki g erhalten, -l’i.it diesem Eapnal begaliu Brlewsli in sirakan im Lepientber da-S Blatt ,,'lnnicr Polsli" he^anSzngebe», daS nach seiner eigencil 'Aussage gleich am '.'lnstrug de» Todes keim in sich trüg, iveil dessen Erislen; lediglich ans BSechieleredit beruhte und sogar zur Zeit ieineS größten Anistlnvuilge-j ei» Besieil von 7ü l» t> sl. Kane. llm diesem Uebelsiande abznhelsen, ivollte 'Brlewsli eine Elesellschast ans tllrniid läge von '.'lniheilscheiue» gründen. AlS timt dies nicht gliillte, i.at er millesil -.'ioiarialSacteS vom 27. N-oveinber!>!'! das Eigenihnuisrecht an den »er PolSki" und die Berechtigung zur Herausgabe desselben Herrn Bslaszen-sli ab, der idn alS lebenslänglichen Elie'redaelenr mit eil,ein IahveSgehalle von 2l«a»sl. anslellle und auch die Berpslichiung nbernakin. ihm, n-eiiii er ans welchem lllrunde iiiilner dieieii Posten verliere» sollte, einen Betrag von 2iuho si. z„ jiihldi. Im Jahre Ill!'2 Crloivsti eine Z-iNale des-„.'turuer Polsli" in beinberg. Bcitielst NoiarialSaeieS vom 2st. -.l'i.ii;!>!-.! Halle Herr TstaSzewsli läiliinlliche Eigeilihnmsrechie an den „.'iniuer Polsli" dem -Brlonsli znriill erstattet, »nd an dciinelbe» Tage ancrlaume'T rlon-sli, daß er Herrn HstaSzcivSki •KUX’ii fl. ichnldele, n»d vervslichieie sich, die Sämld sowie säinmtliche gleich zeitig überuoniiiiene» Wechstlveipslichtniigen des Herrn 'Bstaszeivsli im Betrage ' von .'>2.!'t!t sl. bis znin .'llt. Bcär; 1*!»> zu bezahle» Bald, daraus halten andere G.läubiger Lrlowrki's die «egnestration der Eil>küu;le des genanmen polniichen- Btaltel erwirkt, und im Deiober >>!'!> hatte dasselbe;>> erscheinen ansgehorl. Llliou seil dem Jahre winde TrloivSIi mil B.stch eltlageu und Ereen lioucii verfolgt, indei» gegen, ib» inehr alS -"«> Broeene anhängig waren, bei denen eS sich lim einen Betrag von u»gesäk>r iH'WH sl handelte. Die ge iainnitt» Schulde» Tclowslis betrage» uiclir als 20".«»lischst., zu deren Tilgung er leine ,HondS besillk, und dieie große Schuldenlast ist durchaus nicht durch die Herausgabe de» „.'turuer Polsli", sondern lediglich durch den lostivieligcit Ailsivand 'DrlowSli'S cnistandeii. lim sich ans seiner Iläglicheu 'Sage zu besreien, wendete sich 'DrlowSli im Herbst ld>>!» au de» cstraseu -.'ldalberr Dzicduszueki mit dem Eriucheu um materielle llnierstiillltiig des.„.'turuer, PolSki", unter den, Bor wände, daß dieieS Blatt den löblichen Zweck verfolge, die polnischen 'Abgeordneten z»l Wahrung und I-örderung der baiidesimeresse» anzneistril. Gras Dzii-dnS.zhcki gab auch einen mit seiner Ilnlerstlirist versehenen Wechsel über 2"tr.» st. dein 'DrlowSli, der sich verpslichlcle, keiiselbe», den er bei dein.stralauer gegenseitigen Eredilverei» eSeoinvlirle, am BersaUSlage pünktkich eiuzulösen. Er har dies aber nicht gcidan und vcranlaßle. rielinehr den Grafen, eine» Prolongasious Wechsel über einen gleiche» Betrag ailSzustellcil. 'AsthlSdestoweniger aber wurde Gral TzieduSzulli ivcge» Zahlung des Wechsels über 2fX»0 st. geklagt. Wie der Gras deponirle, hat er für DrlowSli einen Betrag von mehr als 7000 sl. siir Wechielaeeeple l'ezahlt, was den Bcrdachl rechlferligt-, Laß Drlowsli den crivähnleii ProlongaliönSwechsel weiter eSconiplirte, statt ihn zur Eiiilöinng der fällige,, 'Aecepie deS Grafen zu verwenden. Unier letzteren befinde» sich zwei Wechsel mit gefälschten Unterschriften des Grasen D.zicduS;»lli, und zivar ein - . Wechsel über 700 st. und ein zweiter über stüll st. 'Als der Gras hievon . .'tellillniß erhielt, erstaticte er sofort die strasgerichtliche 'Anzeige gegen Josts j D rlowSli, der am 5 April l. I. verhaftet wurde und seitdem in Uuleriuchungs.

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