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Freies Blatt · 1894-09-23 · 129 (23.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
129 (23.9.1894)
Date
1894-09-23
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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e Nr. 129. Seite 0. Freies Blatt. fcienftfrcunblidift, von alle (sic!) Arten des Nachdrucks in einer Zeit von einem Jahre sich loszumachen, oder zu erwarten, ihren festen Verlag für die Hälfte deS Preises oder noch weit geringer verkaufen -,tt fchen." Tiefe feinen Bügel, welche hier mit der Zünftlerei ein „Geschäftchen" zu machen vorhatten, lieh sich nun G. E. Lessing in seiner Weise auS: „Hut ein paar armen HauSdieben das Handwerk;tt legen, wollen sie selbst Straßenräuber werden?" donnerte er den Krämerseelen zu. „Sie wollen dem Nachdrucken, der ihnen nachdruckt. Das möchte sein, wenn es ihnen die Obrigkeit anders erlauben will, sich auf diese Art selbst zu rächen. Abev sie wollen zugleich daS Selbstverlegen verwehren. Wer sind die, die das verwehren wollen? Haben sie wohl das Herz, sich unter ihrem wahren Namen zu diesem Frevel zu bekennen? Ist irgendwo daS Selbstverlegeu jemals verboten gewesen? Und wie kann es verboten sein? Welch Gesetz kann dem Gelehrten daS Recht schmälern, aus seinem eigenthümlichen Werke allen den Nutzen zu ziehen, den er möglicherweise daraus ziehen kann? .Aber sie mischen sich ohne die erforderlichen Eigenschaften in die Buchhandlung.' WaS find das für erforderliche Eigenschaften? Daß man fünf Jahre bei einem Manne Packele zu binden gelernt, der auch nichts weiter kann, alS Packele zu binden?" Nun, was sagen Sie zu Lessing'ö Kritik über die neue Gewerbenovelle? Ins Schwarze getroffen, nicht wahr? Aber etwas, werden die antisemitischen Sardellenbändiger sagen, muß doch daran sein, wenn Tühring den Gotthold Ephraim einen „Judäerstäminting" nennt. Wie kann ein Arier so wegwerfend über den Befähigungsnachweis denken? .1. v. D. (Gcnttindcwablcn.) Tie Ausflüge, welche die Wiener Antisemiten, wiederholt nach Türnkrut unternommen haben, um die liberale Gemeindeverwaltung dieses Marktes zu verdrängen, haben ihren Zweck verfehlt. Das Wahlergebniß 'siel zu Gunsten der Liberalen auS, und bei der Eonstituirung der neuen Gemeindevertretung wu.de der bisherige Bürgermeister Herr I. P o n z a u n e r , ein bewährter Fortichrittsn.iann, wiedergewählt. — In L a n g - E n; er Sd o r f siegten bei den Neuwahlen die Eandidalen, welche sich „liberal-wirthschaftlich" nannten. Tie „Korneuburger Zeitung" gibt der Hoffnung Ausdruck, „daß es der neuen Gemeindevertretung gelingen werde, die Parteien zu einigen, die Umlagen zu rednciren, den Fortschritt, namentlich den tcr Schule zu fördern und so Manches zu thun, was dem Wohle der Gemeinde dienlich ist". — Auch die Gemeindevertretungen von Wiener Nendorf, Petronell und Xirchberg am Wagram besinden sich in liberalen Händen: ein Anhänger Schöuerer's iu dem letzterwähnten Orte ist bei den Ausschußwahlen kläglich durchgefallen. TtfraudakionJ In Neunkirchen wurde der dortige Steuereinnehmer Josef Eissert wegen Unterschleifes verhaftet und dem (Berichte eingeliefert, da sich bei der Scoztkrirung der Steuereasse ein Abgang von . etwa 2000 fl. ergeben hatte Siliert, der einen verschwenderischen Lebenswandel führte und auch Schulden in der Höhe von beiläufig r>000 fl. hat,* war einer der eifrigsten Agitatoren des Autisentiiismus in Neuukirchen. (Eine »ililldgcbunst aus Tnrilerkrciscil.) In der „Grazer Tagespost" veröffentlicht Herr Erich Bouvier, Mitglied des Kreis kurnraihes und Ausschuß der deutschen Turnerschaft, folgendes offene Schreiben an die Vereine der deuffchen Turnerschaft, insbesondere des südösterreichischen Turngaues: Am 8. und 9. d M. 'and in Mürzzuschlag das Gauturnsest de§ ntederösterrei'chischen Tttrngaues, welcher außerhalb der deutschen Turnerschaft hebt, natt. Au die'em Fest betbeiligte sich auch der Alpenturngau mit den dem ietden angeliörenden drei Turnvereinen: „Jahn" in Rottenmann, „Frieien" in Vr'uck und Mürz;n>chlact, welche am l. Jänner 1894 znianunen 82 Vereins angebörtge, darunter 4«! Turner, und zusammen 970 Besuche minuiefett. Tiefe zwei Gaue, sowie der Deutsche Turne:bund für Norddöbmeu und mehrere tose Vereine in Teutichland i^ati Nordböbmen und Brandenburgs bilden den Teunchen Tnrnerbund. Man turnte in Mürzzuschlag nach griechischem Muster . Bentatblon , und vergnügte sich in unvertäl'cht deutscher Art, erhivte sich jedoch gerade genug, um in vorgerückter Stunde laut Miltbeilung einer Grazer Blatter folgende Resolution einstimmig zu faffen: „Tie beute in Mürzzuschlag ' i e-.'.’.ntmeiteit 5<X> deutsch volklichen Turner des niederösterreichischen und Alpentnrngauer 'vrechen anläßlich der Herabwürdigung der deutschen Turnerei und de-? dent'chen Volksllntms au' dem angeblich deutschen Turnfeste zu Breriau ilire Entrüstung ans und 'ordern, daß alle deutsch volklichen Turner und Turn vereine au» der veriudeten deinichen Tnruerschaft austreten und dem aus unver'avBt deut'cher Grundlage stebenden Trutschen Turnerbund beitreten." Tteser Bund besteht seit I>"89 und zahlte am l. Jänner 1894 .45 Vereine, bat sich ionitt im levten Jahre um 2 Vereine vermehrt; von diesen Vereinen haben IS ihren Siv in Niederösietreich, :> in Steiermark, die anderen in Rortböbmen und Deutschland, er zählte -in diesen Vereinen 3580 Vereinsangehörige, darunter 2480 Turner. Der in Mürzzuschlag > efaßte Beschluß galt der deutschen Turnerschaft, welche im Juli d. I. dar beging, zu welchem fast 12.000 Turner er turnerischen Leistungen verlief, dem der Vorstand und zu welchem die deutsche S achte deutsche Turnfest in Breslau chiege» waren, daS groß in seine., Stellvertreter deS deutschen .tanets kadt Breslau und ihre deutschen B - Gebühr aufznbauschen, was niind' und was jenen nicht in den Sin,: linem Heiligenschein zu umgeben ur seid Sünder schwerster Sot-te!" Beschluß der Turnfestbesucher Mürz >et deutschen Turnerschaft, Prosestoi. Äötz über das Vorjahr berührt alle wahner aller Stände mit großen Opfirn wetteisernd herrliche Schaustütt lieferten, die in ihrem Gesammteindruckt volle Anerkennung verdienen und fanden. Ter Beschluß galt auch der Thatiache, daß die deutsche Turnerschaft sif, von den Antisemiten noch immer nicht Ma inahmen vorschreiben läßt, die daran: abzielen, daß kein Verein Juden ausnehn e» darf, sondern daß dieselbe — sin ihrem Bestände — den Vereinen in dieser Richtung freie Wahl läßt. T: achte deutsche Turnfest war Jenen nur n lieber ein gelegener Anlaß, die En: rüstung über diese Duldsamkeit anzubringtn und das vom deutschen Turnjcn in den Vordergrund zu stellen und übet werthig war oder nicht angenehm aussiel paßte; es bot ihnen Gelegenheit, sich mit den Anderen vernichtend zuzurufen: „Ihr Welche Empfindung wird nun der Zuschlags in den Angehörigen der deutschen Turnerschaft Hervorrufen, jene, .törperschast, die seit 1808 in einem festen Vtrbande steht, und am 1. Jänner 1891 in 5023 Turnvereinen, gegliedert in 245 und der vom 1. Jänner 18!«3 bis Mil e 1804 allein 409 Turnvereine zu wuchsen, gegen einen Abfall von 59 Tur tvereincn, die also heule über 5132 Turnvereine mit 500.000 VereinSangehörh ten zählt? Ter gemeinsame Geschäft» bericht des stellvertretenden Vorsitzenden Löthke, und des Geschäftsführers Dr. Vorgänge in der deutschen Turnerschaft, »sbesondere scharf das Vethalte» der Gegner und Neider; er streift die Stellung der Turnbündler lediglich mit folgenden Worten: „Tie antisemitischen Turnvereine des .Turnerbnndes' nebuic» der deutschen Turnerschaft gegenüber in ihrem Organe, dem .Tnrnerhort'. eine fortwährend ablehnende und beleidigende Stellung ein." Gegen die sogenannten „freien Turner", daS ist der Gegensatz dr deutich-volklichen Turner, da die>e internationale Ansichten vertreten, hat de: Ausschuß der deutschen Turnerscha't ebenfalls Maßregeln ergreifen müssen: ii demselben Berichte wird dieser Ber einigung der Standpunkt klar gemacht, t nd es wird das hierüber Mitgetheilte den Genossen der deutschen Turnerschaft zn c Beherzigung empsohlen. Im Lchlnsi save, welcher sich zunächst auf diese Angel genbeit bezieht, der jedoch auch a»i daS vorbesprochene Verhältniß ausgedehnt werden muß, wird dem Ausschüsse und den .Kreisleitungen der deutschen Turnerschaft als Richt'chnur Nachstehendes empfohlen: „Gleichwohl dürfte es am Pl ttze sein, den Schwache» in nin'eren .streifen zu Hilfe zu kommen und dort T, timte anszurichten, ivo es, wie schon geschehen, die Feinde aus geheimen Schle chtvegen versuchen, in unsere Burgen einzudringen und nanientlich woblerworbe teS, im Dienste der dent'chen Turnsache geschaffenes Eigenthum durch List eiltzuheimsen." WaS bedeutet alo die Resolution de» Deutschen TurnerbnndeS eit eL.stvrperschaft gegenüber, die so reich an Erfahrungen und Erfolgen, stets ger istet und zur Wehr bereit, dasiebt - Oder wollen die 500 Turnfestbesucher, welche in 'Mürzzuschlag waren, die 5s>0.000 Angehörigen der deutschen Turnerschaft iamitit bereit in Dienst der Tnrusache ergrauten Führern belehren, t ai sie jtt tfmit haben, tim deutsche Tunter zu 'ein? — Nein! Tie Reiolu ion ist nichts Andere» alS eine Ausgeburt des Größenwahns und der W ichltg thuerei und daran: berechnet, einzelne mit der Sache nicht V ttrauie in ihr Lager zu bringen. Mögen der Deutsche Turnerbund tut) seine Anhänger endlich erwägen, ob ein Streit unter politisch reisen Deutsche, über ihre Anschaunngen ein Vortbeil für daS deutsche Turnwesen ist oder ob > s nicht desier wäre, das Beschimpfen Andersdenkender einzusiellen, ihnen ihre 2 ieinung zu lassen, dafür desto emsiger die Arbeit auf dem Tutnboden zu betreib:». Dort ist der Weuplan für alle Deutschen, wo sie aus der Jugend Mänt er heranbilden sollen, die eine Fülle von ,'i.ran, Wagemuth und Liede zu ihrem deutschen Volke besitzen, lo daß sie einst dem Vaterlande und Volke kräftige S ützen sind, ob sie in der angestammten Heimat oder aus sremder Stätte wohnen 'Mögen doch alle deutschen Turne-, die Augen ösinen und weiter sehen als des, was ihnen zunächst im Sinne liegt' Wie viele, viele deutsche Stamtnesgenoffe a baden noch leine .stenntuiß von de. Wohlthat des deutsche» Turnwesens,-au wie unbedeutender Stufe steht das Turnen in unseren Schulen, und wie vie e deutsche Brüder werden durch allerlei Irrlehren dem deutschen Volke entsrenik:t? Das ist ein so große» Feld, wo alle wohlgesinnten Deutschen, die schaffen» lreudig genug sind, noch Vieles roden müffen: auf diesem Felde trat die den iche Turnerschaft auch dem Deutsche',' Turnerbt,nde entgegen und sie ließ da: -Haberfeldtreiben in den Fachblättern des Deutschen Turnerbundes vollständic über sich ergeben, weil ein derlei Wortgefecht werthloS ist. Wenn aber mii einem derlei Treiben in die Oeffentlichkeit getreten wird undobendrein in lern Wahlkreise zSteiermark, .tarntet-. .Hrain und .stüstenland', aus dem ich in en.treistnrnrath des XL. Turnkreite „Deutsch-Oesterreich" und in den ÄnS'chuß der deutschen Turnerschaft berufen bin, da werde ich nicht müde werden, so! ches Treiben abzuwehren. Daher wen ich die in der von 500 Festtheilnehmern! in Mürzzuschlag gefaßten Resolution enthaltenen Ausfälle' gegen die deutsche Turnerschaft, ebenso wie daS an die

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