Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 128 (16.9.1894)
- Date
- 1894-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 128. Freie» A, Herrizrann, S. Kapper, F. S. Krauß, Alex. Kaufmann, Perle«, L. Frankel. M. Bartel«, M. Landau, Tuchmann (Pari«), Terenbourg, Lövq, Tauiel Lrinlon, Jacob«, Nult, M. Winteruitz, Boas u. w. Gut ein Tritlel der um die Volkskunde verdienten Forscher sind Jude»! Aber die Namen der Männer', die in der Welk de« WisienS und KönneiiS, des Fortschritte« uud der Forschung ciwaS bedeuten, sind und waren für Antisemistlinge: Schibboleth! (Gan; was Anderes.) I» einem Kafseehause in Pilsen wttide ei» antisemitischer Fulharket von einem jüdischen Kausmarine, de» er beleidigt hatte, gezüchtigt. Tieselbe» Antisemilenblätter, welche e« al» eine Heldenibat preisen, wenn einem freisinnigen Redactenr gegenüber ein Act der Lhnchjnsliz verübt, wird, die erst neulich einen preußischen General verherrlichten, der alS Rächer der Ehre seiner Tochter zur Selbsthilfe Zuflucht »ahm, sind über die Pilsener Afsaire ebenso wie über einen ähnlichen Linzdr Fall höchst entrüstet. Ein gezüchtigter Antisemit — ja, das ist eben gan; wa« Anderes. — (Zur Asjairr Heide in Murcck.) Wir erhalte» von bescenndcter Seile solgende Zuschrift: Die nunmehr »ach wiederholten Häutungen in eine deutsch- „ational-aniiseinilische Haut gekommene „Deutsche Zeitung' hat'in der Murccker Afsaireeine BertheidigungSlogik an den Tag gelegt, die, was Tarlüft'erie anbetrifft, vereinzelt dastehen dürfte Die Leute, alio logisirt die ur - teutonische Zeitung, die Leute, welche den LandeSingenieur AloiS Franz Heide ' iür einen Juden hielten und demgemäß behandelte», waren nicht Deutsch Nalionäte, sondern Deutsch-Liberale. Hieraus ergebe sich, daß nicht die deulich- „a'.ionalcn, sonder» die deutsch liberalen Blätter sich — blainirt hätten. . . Solch einen Gallimathia« erkühnt sich ein Blatt seinen Lesern voi zubringen. Wer die Ausschreitung begangen hat, ob Deutsch Nationale oder Teulsch- Liberale, ist ganz irrelevant, geradeso wie eS glcichgiltig ist, ob Herr Heide rin Jude oder ei» Christ ist. Festgenagelt muß werde» der AnSbruch aiiti emilitcher Rohheit. Jeder, dep sich einer solche» schuldig gemacht, hat ein für allemal de» Anspruch verwirkt, ein Deutsch-Liberaler zu sein. Das weiß doch die „Deutsche Zeitung" und möchte in ihrer verknifsenen Lage diese Tkcnsache hinwegspintisire». - TaS dem Jugenieur Heide angethane Bubenstück läßt sie übrigens kühl bis an« Herz hinan. Brnialitäie», Jude» gegenüber änSgeüb), sind »ach der Moral dieses deutsch-nationalen Blattes i»»»»n. Ist der Beisolgie kein Jude, nun dann ist eS ei» bedauerlicher Jrrlhui». Wir erlaube» uns nur eine Frage: WaS würde die ehreinverihe „Deutsche Zkitung" sage», wen» der mit Schinuel Leeb stöhn und Schön verwandte Georg Schönerer-sanunt Familie wegen seine« notorisch jüdischen Typus zu Murcck;i In Heide tractirt werden würde? zAtir.Praxis der Hetzpresse) Unserer Berliner Abwehrcollegi» wird ge-, schrieben: TaS Breslauer Turnfest zeigte recht deutlich die Aehnlichkeii der Autisemilen mit jenen Kindern, denk» die Suppe ausgezeichnet schmeckt, weil daS von ihnen Gehaßte nicht drin ist, denen die Suppe aber sofort abscheulich ist, sobald sie hören, daß da« Verhaßte de»noch darin war. Am 27. Juli schrieb die „Tägliche Rundschau": „Dar Turnfest i» Breslau geht nach glänzendem Verlause zu Ende. Nach den vorliegenden Schilderungen hat vor Allem der Festzng eine» herrlichen Eindruck hiizterlasse». Zum ersteinnale war' I liier bei einem deutschen Turnseste ein historischer Fcstzug veranstallet - worden." ' Und so geht-e« »och ein ganzes Stück mit Begeisterung weiter. Daun heißt eS: „Ter Beisall der in einer Anzahl von 50.000 vertretene» Turner sowohl alS deS Public,,,uS war ein großartiger." U. f. tu., u. s. w. 'Nachdem man aber gebärt dar, daß auch Jude» mitgewirki haben, war eS nicht mehr großartig. Tie „Tägliche Rundschau" schreibt am 18. Angrist im Bericht über eine von der „Vereinignnq zur Pflege deutsch-volkSthüinliche» Turnens im Geiste Jahn'S" einberuscne Ver- ,'animlung. da« ganze Turnsest sei überhaupt „graußartig" gewesen. Und i» dem in BreSla» erschienene» „Mahuworte an die deutschen T»ri,c>>" heißt eS: „Im Festzuge hatten wichtige historische und allegorische Figuren anSgeiproche» jüdische Physiognomien" n. s. w. Und dennoch hat der Festzug einen herrliche» Eindruck hinterlaffkir'? Tie „Tägliche Rundschau" meint am Schl-,sie de» oben erwähnte» Berichte«: „Tie Leitnug deS .deutschen'Turnfestes wird nicht ninhi» löiiuk», sich über die gegen sie erhobene» Beschuldigunge» (!) eingehend;» außer»." Äir glaube», daß, nachdem die Leitung sich ihrer Ausgabe i» einer Weise entledigt hat, die begeisterte Anerkennung gefunden, sie keiner Äenßernng , weiter bedarf. Und wa« die Inden dabei anlangt, so hat sich ja gezeigt, daß das Turnfest trotz ihrer Mitwirkung „großartig" verlaufen ist. Warum al>o da« Geschrei hinterher? Doch nur aus Gehässigkeit. Tder auS Aehulichkeit mit den stindern'? .... Nach einem Hinweise aus das im „Freien Blatt" schon gekeniizeichnete Verhalte» anli'emilischer Schriftleiter gegenüber den Bayreulbcr Festspielen schließt der Einsender wie folgt: „Wollen wir aber den Vergleich mit de» Kindern nicht machen, so bleibt nur eine übertriebene Ttulschihümelei übrig, die ebenso bedauerlich ist, wie eine andere Uebertreibung der Anti-emilen, nämlich die, daß jeder christliche Deutsche ei» geborener Biedernran», jeder Jude dagegen ein geborener Schurke sei. Aber den Herren ist Alles recht, auch wenn es mit der wahren Knust oder der Vernunft nichtzu thn» bat; sie'brauchen Swss zum Hetze» und ihre Blätter zu füllen." (Selbsterkeuntniß.) Au« LstsrieSland läßt sich die judenfeindliche „Hannoversche Post" schreiben: Mit scharfen Worten ist daS Jndenlhum angegriffen, wenn der schädliche Einfluß dieser fremden Race besonders deutlich hervortrat; aber die deytfche Presie würde ihre Pflicht nicht erfüllen, wenn sie Blatt. . Seite .. nicht in derselben Weise gegen die Schäden im eigene» VolkSkörper verginge. Wer kann aber leugne», daß auch i» diesem Manches sirul ist? Viag dies ui erster Linie aus daS schlechte Beispiel zurückzuiübre» sein, die eigentliche Schind trifft daS Volk selbst. Wäre eS'seine» ciufactn'u Sillen, seine» volkSlbümlichcn Gebräuche» treu geblieben, kalte es sich nicht von dein gerade» Wege deui'cher Wahrhaftigkeit ableite» lasse» und wäre eS de» veiherblnhöit äußeren Einstüsi'e» sofort mit 'Nachdruck ciitgcgengcncle», Vieles würde blüer >ei».'M>l Recht taun daSJudeuthnin in Sstfriesland der a»t»'e»iiti>cheu Bewegung Ereignisi'c-riiiserer eugeren Heimat und de« benachbarten 'Tldeuburg uorkalie», bei denen eS nicht -~- Jude», sondern Teut'che gewesen sind, die das Veriraner, ib,er Mitbürger in der schamlosesten Wcic gemißbranül haben. Tie deutsche Treue >r>ar bdl^ikucn nur ei» leerer Wah». Vor der Will winde .der Säiein ausrect-l er kalte». Man prunlte und prahlte, aber der innere »um war sanl. Wird das Verirane» derartig geinißdraucht, so ziel» sich Jeder-znlcbt von 'einen, 'Nächsien ziuück, und wer i» Nolh geräik, lau» sicher iein, leinen .Heiser z» finde» Großartigkeit, Prunksucht ist durchweg der erste Anlaß zu», 'Niedergänge geivesi». Trat Geld Mangel ein, so suchte man nicht duich Eiii'chiänlnng zu 'raren, 'ondern inan speculirte. So Mancher ist durch die« Hilssiniliel zu Kolici, Wurden und koke», Anjehe» cinporgefliegen, iveSkalb 'sollte es »ich, auch il'ipn lnlicii'? Ter vielen Teulichc», die von de», verderblichen Gisilanch ihren "Tod,sie,in, leiblich und seelisch, empfange» habe», wird nicht gedacht^ Wiillich, es >si an der Zeit. daß gerade die besser gesteUien Stände zur EiN'.ichhe'l zurückkebren. dl'», geiarninlen Volle mik gutem Beispiel rorangelie». WaS alle» gute» Mal,nunnntn ge lingk, wird de», guten Vei'piel leicht gelinge».^er A»ge>.bene tiagt eine große Verantwort»»^ Möge er sich dieser stets volk^bewußl sein. Ten äiäuip'en, iür deutsche Sitte» und Wahihailigleilen ertvächsi die Psii'cl't, in.die'eni ",:edi',che„ »ianip'e die FübrersteUe einzunehnie» - (Ilkberall dieselbe»., 'Den, TncU gegenüber ne!',reu die A»l>','innen alteroiten zene» Standpunkt ein, welcher ihnen gerade paßt Wil leime» eine» einke,mischen Worlsülirer der Racenliever, der einen -Bürger zuisi Zweikampf ge fordert balle, von welche», er voransilpen lonnie. daß der'elbe bei 'einen Grnnd'även die Fo'.dernng nicht anuebinen werde. Tie-er anlijciniti'che .Held , ' verschanzte sich aber-hinler Gesib und Ebrisienlbn»,, als bei einer g.»deici. Gelegenkkit crnsi zu „chniende Sccundaninr bei ib», mit einer Forderung erschienen, und seine Getreue» crivieicn ihni den Ge'atlen, gib» zu ersuchen, er möchte sein kostbarcs Lebe» ja keiner Gestikpreisgeben. Auch di; „Badi'che Landespost" ist mit Bezug ans rar Tuell Anbängerin der 'Tpporinniläls. politil. Vor wenige» Tage» rechiserligic die ionsi christlich sromine Zeunug daS Tnell, weil es einen Jnfen uu'chädlich gemacht bai i,.S,c ''chricb-.- , Tie .'ingel de» Herrn v. Raloivib Kat Lass alle ehrlich verdient." Sie. sind überall dieselben, die Herren Aliliieiniieii. ('Noch aus eiilkiil judciireiilcil Lande.Aus P a r a g n ua> ,'chieibk ei» E. v. T. i» erncr Berliner, anliieiiiili'chcn Kennug, daß cs leine Inden dort gäbe, mit AnSnabine eines einzigen, der sich als Hambueger Bürger bekennt. Wahrend bei »nS die Antisemiten sich aü der Anive-euben d>'r Inden stoße», zerbricht sich der genannle Belichlerstaller den .'lopst ilber die Frage: „Warnt» gibt es hier in Paraguan keine Jiideu? ' Tie Antwort, die darauf erfolgt, ist i». mancher Hinsicht lehrreich: „Paraguay befindet sich 'eil geraumer Zeit styon in - einer fiuanzicUeu 'Noihlage, gegen welche die auch niän gerade blühenden Finanzverhälinisse der alidereu iildatnerilani'cheil''lrevublrleu immer noch golden genannt zu iverdcn verdienen. Ter EourS des Gwldes ist >o hoch, daß es zu fast nnerschivinglichen Preisen gekauft werde» muß, sind e», Sinken steht i„ absehbarer Zeit nicht z>i erwarte», Händel und Wandel liegen durch die Steuer Maßnahmen der Regierung, welche durch die ungiu si-ce Finanzlage vernr'aän sind, gänzlich darnieder, uüd der einzige Handelszweig, welcher, no.kr einen neiinenSwerlhen Gewinn abü'irfl, der Handel mit Verba Paragriau-Tbee) de findet sich i» scsten Hände» und ist saß Monopol,sirk. Es ist al'o hiciznlaude nichl» zu holen, am alleiweuigsten aber »uibeloS etwas Zu verdienen, cbwpbl das Land an sich fruchtbar und ertragSsiibig ist. Aber Planta.zenban und Vieh, zucht erfordern eigene Hane und eiubebri'iigSreiche Aibcii' bei - verhältnißüiäßig geringem Gewi»», und da« ist nicht Jedermanns Sache Warn,» sie nichl auch nach Paraguay kommen, ist klar: da« Volk ist hier arm, es gibt, nichts auSzu'augen, daS Wenige, was vorhanden ist, wird durch die eigenen Landsleute schon auSgcbentet," Taß es von de» Juden, dumm rrnd "schlecht ist, nicht eine transatlantische, verkrachte Republik aufzusnchen, um >>» Schweiße ihres Angesichtes die Steuern dort zahlen z» heben. liegt auf der Hand. Was uns an diese» Änscinanterietzunge» imereisirr, ist das "st'laiidinß, daß die Judenreinheil Paraguays nicht vor finanzicller'Nolhlage schühr. Das pflegt doch »aäi-der auliseinitifchcn Moral und Statistik ausschließliche Domäne der' Inden zu sei». Und da erführt man nun '.'löblich, taß Arier das >>i:.h 'erlig be kommen. Einem solchen Staate soUle» die Anliiemite», so lange sie noch G>ld habe», beispringeii/ damit er erhalten bleibe und so die 'ariiche Vielseil'.gleit, zur Geltung u-rd Würdigung komme.. Ungünstge Finauzlagi—dlme Ji:den! An' Monopole verstehe» sie sich auch, uud die Ausbeulung be'orgen sie in Elnianglung von Jriden ebenfalls selber! Ist da« nicht mcrln'lli big V 5 eilte» dre Ureinwohucr von Paraguay nicht doch verkappte Inden iein?