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Freies Blatt · 1894-09-16 · 128 (16.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
128 (16.9.1894)
Date
1894-09-16
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Freie» Blau. Nr. 128. «Wieder (5tner.) Zn Altona wurde der mit sechs Jahren Zuchthau« vorbestrafte anliieinilische Agitator Bene sch, welcher im antisemitischen BereinSleben von Hamburg, Altona und Umgebung eine gewisse Rolle spielte, wegen zehnfacher Wechselfälschung zu vier Jahren Zuchthau« verurtheilt, Aus antisemitischen Blättern. Antisemitenlsgik,) Al« Beweis dafür, daß „eS dem Juden meistens am Ge'ühl iiir Rechtlichkeit und Gesittung selilt", xeproducirt da« Psenner'sche Organ auS dem „Zllustrirten Extrablatt" einen Aufsatz vom — Cafetier Franz Seidl, der den Tr, Markbreiter einen gewissenhaften Advocaten nenne, Thatiachlich schrieb Herr Seidl: „Tr. Markbreiter studirt über Hals und Kopf Englisch und eS wird nicht lange dauern, wird er die Prüfung als Advocat machen. Wenn einmal Tr, Markbreiter diese Schwierigkeit hinter sich hat, bin ich überzeugt, daß er in Amerika großen Reichtbum erwirbt, denn gute und gewissenhafte Advocaten fehlen in Amerika, und die Advocatie ist ein Feld, daS in diesem Lande noch reiche Früchte trägt." Ob Herr Seidl seine Prophezeiung glücklich stvlisirt hat, möge dahingestellt bleiben, WaS bat aber die Austastung , und Schreibweise eine» „arischen" Kaffeesieders mit dem Gefühl der Juden sür Rechtlichkeit und Gesittung zu schassen, und ist e« nicht ein auf die Logik deS niedrigsten Antil'emitenpöbelS berechneter Kniff, wenn man Aeußerungen deS Herrn Seidl unter dem Titel „Judenmoral" wiedergibt? (..llnreditfätfc des Talmud."' Unter dieser Ileber'chrift bringt der „O este rreichi sche Bo lkSfrennd" einen Aufsatz, in welchem die alten, schon unzähligemale widerlegten Lügen über den Inhalt de« Talmuds neuerdings aufgetiicbt werden, Ter mit „Amen" schließende Austatz ist eigentlich nichts Anderes alS eine Predigt deS „hochwürdigen" Herrn Teclert, deS Freundes des „Hebraisten" Paulus Men er. Tie Juden werden darin als „Feinde" behandelt, und die Nothwepdigkeit des Talmudstudiums der bedrohten Christenheit mit der Begründung dargelegt, daß e« namentlich für junge Theologen den selben Zweck hätte, „den das Rttssischlerne» nie umere Osficiere und da« Teutfchlernen sür die sranzöfiichen Officiere hat" . , . Tie amtliche „Leipziger Zeitung", welche nur zu oft antisemitisch angekränkelt ist, brachte vor Kurzem eine Besprechung der Schrift von Tr, Edm, Friedemann: „Jüdische Moral und christlicher Staat". Reben zablreichen Chtaten aus dem alten Testament und dey talmudiftischen Schriften wird in dieser der Rachweis der Gleichwerthigkeit der jüdischen und der christlichen Ethik hauptsächlich durch den Abdruck einer deutschen Uebersetzung der int Jahre 1867 von Hippolyte RodrigueS dem französischen Unterricht-minister^ überreichten Schrift versucht, in welcher den Worten Christi in der Bergpredigt die jüdischen O-uellen seiner Lehren in Aniührungen au« den Büchertt des allen Testamente« und deS TalmudS gegenübergestellt find. TaS Leipziger Blatt konlnte nicht umhin, dazu Folgendes zu bemerken: „Ist auch der ParalleliSmuS bei einzelnen dieser Citate ein ziemlich gesuchter, so lasten fie doch selbst den btelgeschmähten Talmud in einem besseren Lichte erscheinen, als man nach den Berurtheilungen desselben von Rohling u. A. annebmen sollte, >tnd es scheint Grund zu der Annahme zu sein, daß man eS in den von jener Seite angeführten Stellen mit lieber - treibuugen und Spitzfindigkeiten einzelner Talmudisten zu thun hat," Man hat eS, fügen wir hinzu, bei den antisemitischen Schriften über den Talmud oft 'genug auch mit vollkommener Unwissenheit oder mit bodenloser Schlechtigkeit einzelner Jndensretser zu tluttt Auch eine Zeitung ) Man schreibt uns: Ter antisemitische Landtags abgeordnete und Bezirksvorsteher von Währing, Bau mann, gibt seit einiger Zeit ein kleine?- Blättchen, die „W ähr i nge r B ez i rks n ach richten", heraus, -Run ist e« eine Tbatsache, daß diees „Geisteserzeugniß" fast nie an dem bestimmten Tatum M. und 1">. jedes Monats) und feit zwei Monaten überhaupt nicht erscheint. In Währing tritt aüt' da« Bestimmteste die Fama auf, daß Baumann'S Gattin, die allein da« Vermögen besitzt, eS -endlich kalt bekommen habe, Geld für das Organ' ihres Prinzgemahls herzugeben. Ein Cafetier in Währing, der pünktlich da« Abonnement bezahlte, sandte vor einigen Tagen keinen Jungen in das „Bureau" der „'Nachrichten", um sich nach.dem Schicksal derselben zu erkundigen. Und was erfuhr e: da? Ter Herausgeber, der Herr Vorsteher, ist aut Erholung in Italien: bis er znrückkommen wird — wann? — dann sollen die „Nachrichten" wieder erscheinen «!>, Mehr christlich-sociale Reform au' iournalisti''chem Gebier! kann man nicht einmal von Bergani rerlauaen, K. F. ' Tie Reform in AugerSdars) Tie „ApgerSdorser Zeitung", eine Beilage 'er ’eemtmnen „Bezirksvost", schreibt: „SamStag den 25. August ward Atz,;,", s re'pective feine .reformirten' Einwohner, mit einer neuen .geistiger,' Svecialität überrascht: ,Ter Schotterbauer von der Wai'ser- 90'' e', -i;i elend geschriebenes, gemeines Flugblatt, als denen Herausgeber mit Stolz fiär die — Refcrmpartei bezeichnete, überschiveininte ganz AtzgerSdorf. WaS da in die>em Sä underemvlar. welches von der geistigen Jmpoten, der Parteigenossen der Frau Brzobodati,;u^ Genüge zeigt, an Gemeinheit geleistet worden ist, das zu erörtern überlasten wir getrost der anständigen Bevölkertin,i von AtzgerSkot', die da in itnaualificirbanter,Weise besudelt wurde on Leuten, deren Reinigung nicht einmal der .resormirte' Rauchsangkehrer zu besorgen imstande ist. Jeder Mensch in AtzgetSdorf, der in geschäftlicher oder gewerblicher Weise hervorragt und bei dem d<« Attribut .Anständigkeit' noch zu finden ist, wurde da verunglimpft, und damit dem unsauberen .Werke' noch die Krone aufgesetzt werde, hat man fich sowe t vergessen, dem infamen Texte nach ein infameres Bild vorzusetzen, durch d >» die alte bewährte Gemeindevertretung in der unqualificirbarsten Weise be i die den Namen Brzobohaty im Schilde führt, wendet sich nun mit Ekel von einer solchen Kampfesweise ab, auch fie hat der ätS die Gemeinheiten der eigenen Parteigenosten satt. Vergangenen Sam" ag, den 1. d. M-, debutirten die sauberen Herren mit einer zweiten Nummer i >re« SchonderzeugniffeS, das sie, bloS als Inseratenblatt, abermals masten»eise verbreiteten. Jeder anständige Bürger, Geschäftsmann, ja jeder Gebildete in AtzgerSdorf wurde in der schändlichsten Weise begeifert. Doch nicht nur mit politischen, abgeschmackten Witzen wird in der zweiten Nummer der AtzgerSdorfer Reform-Gehirnerweichung herumgeworsen, auch körperliche Gebrechen Ein; liier mußten herhalten, um dem schamlosesten Treiben der Reformer dienlich z t sein. Nachdem die beiden zur AuStheilung gelangten Wische doch, bei dem U nstande, als sie bereits in zwei Nummern erschienen, als regelmäßig erscheinende Zeitung zu betrachten sind, erlauben wir unS an die löblichen Behörden tinige ergebene Anfragen: Besitzt die den Druck der beiden Wische besorgende Diener Bachdruckerei KamitS Sc Strezek (VII., Burgaffe 104) eine beschränkt' oder unbeschränkte Concession? Erhielten die löblichen k. k. Behörden (Polizeipt isidium und Staatsanwaltschaft) die im Preßgesetze vorgeschriebenen Pflichtexemp are jener beiden Nummern deS im Berlage des Carl GeiSler in AtzgerSdorf erschienenen .Schotterbauer von der Waffergaste'? Ertheilze die löbliche Behörie dem Herausgeber das Recht, sowohl in AtzgerSdorf als auch in Liesing und Sieben Hirten die freie Colportage einzelner Nummern zu betreiben? Darf eine Zeitung, ob politisch oder Witzblatt, ohne Nennung eine« verantwcrtlichen RedacteurS erscheinen? Eine Anfrage an hie Finanzbebörde: Darf ein Blatt, da» regelmäßig eininal in der Woche erscheint, ungestempelt die Trucker s verlosten?" — Wie unS aus AtzgerSdorf berichtet wird, hat sich, offenbar in Folge dieser Enthüllungen, die Behörde ernstlich entschlosten, einzuschreiten. Ei t Gendarm erschien dieser Tage in der Wohnung des Verlegers und verlangte die AuSfolgung der noch vorhandenen Exemplare jenes SchandblatteS. We tere Schritte sind abzuwarten. lZur Kennzeichnung der antisemitischen Prefft.) Herr Masaidok schreibt, in der „Ostdeutschen Rundschau": „Zeit ingSherauSnehmer kann nur ei» Schrift ste hl er sein." — Die „Hinter Scl nellpost" hat einem Berliner Antisemitenblatte einen Artikel entnommen und ihn in Bergani'scher Weise für Eigenbau ausgegeben. TaS bestohlene Blau schreibt nun in seinem Briefkasten: „Gewiß bat die Zeitung da mit 'mieten Leitartikel gethan, wa« man mit einem groben Worte .Stehlen' nennt, Wir wollen aber doch in Anbetracht, daß es sich um ein gesinnungsverwanttes Blatt handelt, einstweilen noch nicht scharf inS Zeug gehen," Tie Nachsicst gegen gesinnungSverwaudte Tiebe ist echt antisemitisch, „ (Bkrganisches Gentanschcl.) Man schreibt uns aus Baden bei Wien vom 0. d. M.: WaS man unter „Gemauschel" za verstehen hat, wird Einem am besten durch die Lectüre der „volklichen" Blätter klar. Die Herrschaften strengen sich gewöhnlich an, entweder Proben d:r judendeutschen Mundart ui liefern oder sich in guter deutscher Schriftsprache auszudrücken. Sie sind ad» der einen wie der anderen so unzulänglich mächt g, daß sie nur ein Geländer zuwege bringen. daS wie billig die Bezeichnung e »eS Jargons oder, wenn man will, „Gemauschels" verdient. Unter dem Decknamen „GermanicuS" meckert ein wackerer GesinnungSgenoffe Bergani's im „T utscheu Bolktbl'än" vom 8, d, M, über die Sprache und Redeweise „der Juden" und benamset sein Geschreibsel „Sch ibb ölet h". TaS Wort eiilstammt dem herrlichen alttestamentarifchen Epos von Jepbtha's Sieg über Ammon, E dt episch ist die uugehenetllzche Uebertreihung, daß 42 000 Ammoniter um« Lebt n kommen mußten, weil sie das gedachte Wort nickt auSzusprechen vermochten. Dem biederen „GermanicuS", dem der Sinn für echt naive Poesie eines auf verhältnißmäßig primitiver E»twickluiigsstuse befindlichen Volkes gänzlich abgeht, > immt den dichterischen Bericht für baare Münze und schlägt ihn breit, um die Juden der Gegenwart zu beschimpfen und zu verhöhnen. Er spricht ihnen > ie Begabung ab, ein schönes Sprechen sich atiziteigiten, und die Fähigkeit, das VolkSthum der jüdischen Confessio» nicht zugehöriger Völker zu begreifen. Seine Belege bekunden eine intimere Vertrautheit mit Auswürflingen unter Juden, undich bin leider, oder bester Gottlob, außer Stande, die Richtigkeit seine c AuSführungeti aus meiner Erfahrung zu prüfen. So viel ich als Schriftstelle: auf weiten Reisen durch die" Welt Juden gekehen und gesprocken, immer fand i<), daß die Inden die Sprache des Volke«, mit dem sie leben, durchschnittlich ebensp gut oder ebenso schlecht beherrschten als nur irgend ein Andersgläubiger au gleicher Bildungsstufe unter gleichen Lebensverhältnisten. Hervorznheben ist jedoch unbedingt, daß zu den hervorragendsten Begründern der Sprachkunde Juden zählen. Indem „GermanicuS" den Juden in ein VolkSthum zu versenken, legt er von seiner Zeugniß ab, daS köstlicher Natur ist; denn gerad« ickaft vom Menichen ist die Specialdomäne jüdisch, r Forscher, aber nicht allein in Europa, sondern auch in Amerika. ES seien glnannt: Vantbsry, Goldziher, tnd der Sprachvergleichung die Fähigkeit abspricht, sich besonderen Unwissenheit ein die Volkskunde als Wissen-

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