Freies Blatt
- Journal
- Freies Blatt
- Volume
- III (1894)
- Issue
- 128 (16.9.1894)
- Date
- 1894-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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reite 2 Freie» Blatt. tcwperamcnlvoller Weise in Schutz nimmt. Ein solches Lob von solcher Seite haben die gemäßigten deutschen Elemente nie erhalten, dao mar den antisemitisch»» Ultras Vorbehalten. Wenn also den Dcnifchböhmen ihr Deulschthum lieb ist, mögen sie es sich gründlich überlegen, ehe sie demselben ihren Freisinn opsetn. Sie könnten »ines schönen Morgens beim Erwachen die traurige Erfahrung machen, daß das Deulschthum nicht gerettet, die Freiheit aber — verloren sei. Albert v. De reg er. Drei „Dudenschulen". «Dnginal-Mittheitung des .Freien Blatte?".) Gaya, ll. September. Unter den der slavischen Hochslurh am meisten ausgesetzten Städten Mährens ist obenan die königliche Stadl Gaya. Dank dem selbstlosen opferfreudigen Borgehen der Gayaer deutschen Judenschaft ist cS bis jetzt gelungen, die arg gefährdete deutsche Stadt vor dem Untergänge im allslavischcn Sumpfe zu bewahren. In echt hussitischer Weise richten die jung- und alttschechischen Wortführer ihren Hauptangriff gegen daS hiesige deutsche Communal Gymnasium, das als „Residenz der Väter der frommen Schule" vom Gayaer deutschen Stadtprimator Johann Franz Philipp im Jahre 1756 ins Leben gerufen und durch die Ganaer deutsche Witwe Frau Carolina Jurowsky auf das Reichlichste fondirt wurde. Dieses ehrwürdige Institut wurde von der deutschen Gemeindcvcrtretuug in selbstständige Verwaltung übernommen, und die slavischen „Culturträgcr" geben sich' seit Jahren alle erdenkliche Mühe, diese deutsche Bildungsstätte zu vernichten. Trotz aller angewandten Bovcotmiltel gelang es doch nicht, den Schülcrbesuch zu verhindern. DaS .jüdische Gymnasium", so wird es seitens seiner Gegner genannt, »rfrent sich merkwürdigerweise eines steigenden Besuches seitens flavischer Christcnkindcr. Der vernünftig denkende Thcil der slarischen Bevölkerung gelangt nämlich nach und nach zur Erkenntniß, daß er durch einen Boycot der Gayaer Cnlturstütte in erster Linie sich selbst schädigt. Richl Jedermanns Sache ist cs, seine Söhne das künstlich erhaltene slaviiche Gymnasium zu Ungarisch Hradisch besuchen zu lassen. Das kostet Geld, und die seitens des slavischen Actionscomit's in Aussicht gcstcUlen .Freitische" sind auch nicht nach Jedermanns Gcschmacke. Zudem brichr sich die Erkcnntniß Bahn, daß mit Schülern, die ein slavisches Gymnasium besucht haben, im praktischen Leben außerhalb der Bannmeile irgend eines slavischen Kirch thurmeS absolut nichts anzufangen ist. Zwei weitere Dbjccte tschechischer Bcrsolgungssucht in der königlichen Stadt Gaya find die deutsche vierclassige Bolksschulc und der deutsche Kindergarten, welche, weil sie.größtenlheils von unseren opferfreudigen jüdischen Mitbürgern erhalten werden, von den Tschechen als „Judcnschulcn" kurzweg bezeichnet und demgemäß behandelt werden. Und merkwürdig! Diese beiden Anstalten erfreuen sich trotz all der Hi'ndernifse, die man ihnen rntgcgcnstellt, eines ausgezeichneten Gedeihens. Die unter dem als Lehrer und Bibelforscher in Fachkreisen bestens bekannten Dbcrlehrcr Josef Margolius stehende Volksschule wird von den christlichen Deutschen nicht minder besucht wie der deutsche Kindergarten, denen L5jührigcs Jubiläum die hiesige deutsche Studentenschast am S. d. M. in cinek Festakademic feierte. Von dem Geiste, der dicie prächtige Festfeicr belebte, zeuge nur eine Stelle ans dem vom Vrofesior Carl Riedel gedichteten und von Fräulein Felice Kämpf vorgetrageuen Prologe. Dieselbe lautet: Welch edles Ziel, dal siele wack're Schaar errungen! Jbr lei pirbeil sesbald des Herzen-? wärmster Tank! Ter lückevollen Feiiid>Sinackn ist nicht gelungen, In lupefer Statt zu löste» deutschen Laut und Sang, lind drobr uns Geiler auch von hunderttausend Zungen, Wir sagen fiir und Mir ganz frei und frans: „Tie Feinde mögen noch so würbend schnaube», \ P-ir lassen uns die teük'che Sprach' nicht rauben." Bei dem Umstande, als der hiesige deutsche Kindergarten vom T ul'chen Schulverein nicht, einen Heller Unterstützung erhält, wahrend von der Matice ikolskü dem slavischen Kindergarten jährlich f>00 fl. zukommen, dürfte der Schlußvers des FestprolggS dem Deutschen Schntverein wärmstcnS empfohlen fein: '.ln meine Tankesworte knüpfe sich die Bitte "An euch, die ibr versammelt seid IIN lrauten Xreis: ' „T helft uns treulich wahren deut'che Art und Sitte, Indem ibr pfleget jene» zarte, ekle Reis, T>e Xinsesseele, der in unserer deutschen Mine Ein Garten sprießt zu Gottes Ehr' und Preis! Wer teul-'che? Wesen lernt in Jngensjahren, Ter bleibt auch deutsch in Röthen und Gefahren." Wir müssen es dem selbstdenkenden wer in Gaya, wie anderwärts, deutsche wahrt und vertheidigt, und wer sie jn Chauvinismus aufS Heftigste bekämpst Leser überlasten zu entscheiden, Art und deutsches Wese» Bunde mit dem tschechische» Aus Atzge (Zuschrift an da» „Freie Blatt".) . — 12. September. Die Bewohnerschaft der stillen Gerteinde Atzgerödorf, welche sich seit undenklichen Zeiten der beschaulichst:» Eintracht zu erfreuen halle und vom politischen Partcihadcr nur vom Hörensagen wußte, lebt gegenwärtig in einer gewiffen Errcgunz, in einem unleidlichen Zu stände, den eine — Frau, die sattsam bekannte Gattin Dr. Brzo bohaty'S, des. Compagnons dcS Dr. Lueger, dorthin gebracht hat. Dr. Lueger, dem der Wiener Boden vielleicht nicht mehr ganz sicher düükt, sicht sich jetzt schon um ein neues Gebiet um. Frau und Herr Brzobohaty sollen da mit ihren agitatorischen Kräften aushclfcn, und zwar sollte AtzgerSdorf den Aufing machen. ES kamen die Gemcindewahlen, und was erlebten die uederen AtzgerSdorfcr? lieber Rächt gab cs da zwei Lager: die „alle Partei" mit dem fortschrilt lichcn Bürgermeister und Ehrenbürger Carl Maisgcyer s»n an der Spitze, und die antisemitische „Rcformpartci", deren Führung das Ehepaar Brzobohaty übernahm. Run ging der Kampf los. Die letztere Partei, hinter welche sich die Hefe, die gedankenlose Menge stellte, strengte alle erdenklichen Mittel an, um die Bevölkerung auf ihre Stile zu kriegen, um der geistlosesten Dumrchcit;tttit Siege zu verhelfen. Man tcrrorisirtc und drohte, man mackte Versprechungen und titaiii pulirte mit Vollmachten in unlautestcr Weise. Und was man in Atzgeisdorf noch vor Kurzem für unmögl ch gehalten häkle, das geschah: Die Antisemiten siegten mit acht Mat baten im dritten Wahlkörpcr (ein Mandat siel dem freisinnigelt Bürzcrmcistcr MaiSgcycr zu), sic siegten auch im zweiten Wahlkörpcr volloidS, obwohl ein Mandat dem von der „alten" Partei ausgestellten Bäkermcister Ignaz Sagl zusicl, der cs jedoch mit seiner Ehre vereint» reu konnte, sofort nach dem Wahlacte zu der Partei des Dr. Brzibohaty hinüberzugchcn. Der erste Wahlkörper siel den Freisinnigen zu, so daß das gegenwärtige. Vcrhältniß in der Atzgersdorfer Gemein »Vertretung 17 gegen 10 ist. Sb dieses Sieges herrschte selbstverständlich eitel Freude im Lager der Gegner jeder Anständigkeit. Jetzt cr't kam die freisinnige, „alte" Nr. 128. sdorf. Partei zur Besinnung, jetzt erst erinncr die der antisemitischen Wahlaction ein Man kam auf die verschiedenen Machin kannt, in welchen Leute gezwungen werden, für die „Reform" zu wühlen, man erfuhr, daß todtkrankc L> utc zur Urne geschleppt, daß mit Vollmachten förmliche Geschäfte gemäht wurden :c. Die freisinnige Partei berief auS diesen Gründen eine vertrauliche Sitzung ein, deren Resultat der Beschluß war, gegen di» Vertretung einen Protest cinzulcgcn, der so viel wir von wohlunterrichteter Seite folge für die freisinnige Partei begleitet demnächst in AtzgerSdorf der Freisinn zuin zweitenmalc mit dem Antisemitismus zu messen haben wird.' Wenn man dem ganzen Falle au man zu der Erkcnntniß, daß nur g rücksichtslose Entstellung der Thatsachcn c sic sich der zahllosen Fälle, schlechtes Zcugniß ausstclltcn. itioncn, cs wurden Fälle bc- Wahlcn in die Gcmcindcauch cingcbracht wurde und, erfahren, von günstigem Erscin dürfle, so zwar, daß sich den'Grund geht, so kommt cnzenloser Terrorismus und iuistande sein konnten, solche verderbliche Früchte zu zeitigen. So wußte Dr. Brzobohaty in den zahlreich abgehaltenen Versammlungen der Wählerschaft mit Wohlbehagen mitzuthcilcn, daß die alte Gemeindever retung ein Deficit von über 60.000 fl. heraufbeschworcn hätte, während in Wirklichkeit die Gc mcindc AtzgerSdorf über ein Rcinvermözen von über ILO.000 fl., dank der Thätigkeit der „alten" Partei, verfügt Beispiel für viele. Auch eine Zeitung, sie in der Geschichte dcS Zeitungswesens auf die Füße gestellt, allerdings mit Umgehung von Gesetz und Behörde. (Wir berichten hierüber an ander:r Stelle. Die Red.) Cs ist nur traurig und beschämend, daß avch die Lehrerschaft und der Coopcrator einer Partei, welche solche folgschaft leisten. Hoffentlich werden s werden. Coopcrator Illwer, der zu den eifrigsten Besuchern der Sitzungen der Frau Brzobohaty zählte und als Stimmcnwerber sich besonders auSzeichnete, ist seither für AtzgerSdorf lichcn Behörden daS politische Tempera zu lebhaft geschienen haben, und Herr nach Siebcnhirten, zum Verdruß der dottigen Bewohnerschaft, versetzt Das nur ein so gemein und pöbelhaft, wie vielleicht einzig dasteht, wurde Mittel anstrcbt, blinde Gec noch eines Bcsieren belehrt ,erkoren. Es mag den geistment des CyoperatorS etwas Pater Ülwdr wurde deshalb