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Freies Blatt · 1894-09-09 · 127 (9.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
127 (9.9.1894)
Date
1894-09-09
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1-7. •freies Sljtt. fette 5> sich hervorgebracht und durch da» Christeinbum, als 'eine Tochierreliqiou. aui die Nachwelt vererbt, ja batte eS nur diele» Linen von Nazareth al» feinen echten und großen Lohn der Menschheit ge'chenkt, da» allein schon erwürbe idin für Alle Zeit das Anrecht, nicht nur nicht;u den niedrigen, sondern zu den höchsten Nacen der Menschheit gezählt zu werden. Und wohlgemerkt, da» Jude» . ihum hat jenes Evangelium verkündet, und IeiuS Kat , gelebt und gelitten zu einer Zeit, wo zumal die Rare, welche inan heute clS die >o viel höherstehende ihm entgegenhält, wo die germanische noch ein wildes Iägerleben in «titnrT und Urwald führte und den Boden per beschichte kaum erst betreten batte! DaS muß getagt werden, nicht um dem Inden oder FemitentKnm zu ichtneicheln. sondern um der geschichtlichen Wahrheit die Ehre zu geben. (Bcim GsstlI kommt Der Appetit.) l^raf W u r m bunt ist bei den Atniseiititen wieder in hohen Gnaden; haben wir'» denn nicht gesagt? Die „Gewerbefreundlichkeit" deS PkinisterS wird in der ge famutten antisemitischen Presse bejubelt. Man sackt jitit beiden Händen ein, streckt aber auch schon wieder beide Hände hin, um neue tioit Sessionen;u empfangen. Mit liebenswürdiger Unverschänitheit erinnert man den Grafen daran, daß eS noch viele Forderungen der reactionär antifeinitischen Gewerbepartei gibt, von deren Erfüllnng zwar noch nicht» verlautet, deren Gewährung inan aber bestinimt entgegeniehe. 1 .'ap'p'-tit vient on mangonnt. Beim Nehmen wuchs die Begohrlichleit ES ist nicht zum erstenmale in diesem Lande, daß man Heute lärm ende Parteien durch eine wahre EoneesstonSwnth groß und ungefügig ge macht, und sich nachher ihrer nicht mehr erwehren konnte. Lick,- Ans nahmSzustand in Prag. (Ter Deutsche «dmlticrciu und Die v\itöcii.) Die Prager „i"c meindezeitung", das trefflich redigirte „Eentralorgan für die Gefammt interessen deS JndenthumS", widmet den Beziehungen des Deutschen DchulvereineS;um antisemitischen „Bund der Deutsckten in Böhmen" sowie den AnSführungen des Dr. ü? e i 11o f in l’citincritj eine ein gehende Besprechung, in welcher sie auch unsere Bemerkungen über den „neuen Eours" des Schulvereines reprodueirt. Für die in indischen Kreisen herrschende Stimmung charakteristisch ist folgender Absatz, mit.welchem der Artikel der „Gemeindezeitung^ schließt: „-feint wir auch die im .Freien Blatt' anSgesprochette Hossnnng ans AuS sichtSlosigkeit in Bezug auf den Beitritt der Antisemiten theilen wollten, so kann nnS dies tropdem nicht adhallen, eS allen jenen unserer GlaubenSgenosien, welche dem Deutschen Schulverein als Mitglieder angehören, zur Pflicht zu machen, sich, irrsolange darüber nicht Gewißheit herrscht, ob auch Antisemiten die Reihet: der Schul vereinSmitglieder verstärken sollen oder nicht, znwartend zu verhalten. Die Entscheidung muß bald fallen, damit die Juden,>nch ihrer Dtellnng gegenüber dem Deutschen Schulverein vollkomnien klar werden. Deni^eS wäre viel zu viel von ihnen verlangt, daß sie für ihre materiellen Dpfer sich noch der Gefahr auSsetzcn sollten, anstatt freiwillig zu gehen, hinauSgedrängt zu werden. Denn voraussichtlich wird das Hinausdrängen zur nationalen Arbeit deS neuen Bundes gehören." . Wieder ein antisemitischer Ariucuraih.) Man schreibt uns: Der in. der RamperSdorferstraße Rr. 14 im V. Bezirke lange Jahre etablirte Gastwirth und Armenrath Eduard Holiwan wurde Dienstag Nachmittags wegen des Verbrechens eines Sittlich kei t S a 11 e n t a t eS an einem noch nicht einmal schulpflichtigen Kinde vom Polizeieommisiariate Margarethen in Haft genommen und noch am selben Tage dem Landesgerichte eiugeliefert. Das mit ihm ausgenommene Verhör wie die gleichzeitige Vernehmung mehrerer Zeugen haben ergeben, daß der Verhaftete sein schandvoUeS Gewerbe schon lange betrieben hat, und nur der Indolen; der betreffenden Mutter eS zuzuschreiben ist, daß der Verbrecher nicht schon lange unschädlich gemacht wurde. DaS Gasthaus deS Holiwan diente den BezirkS-Antisemitenführern als beliebter Zusammenkunftsort. Auch Dr Lueger und seine getreuen Schildknappen waren wiederholt dort zu sehen, insbesondere dann, wenn eS galt, irgend einen antisemitischen Handstreich auszuführen. Holiwan selbst war ein hervorragender „Gesinnungsgenosse". (Der Vorwurf des Antisemitismus — eine Ebrenbeltivigimg.) Das Bezirksgericht Landstraße hatte sich vorige Woche mit der Frage zu befassen, ob der Vorwurf deS Antisemitismus gegenüber Amts organen eine Ehrenbeleidigung im Sinne des Gesetzes bilde oder nicht. Die Veranlassung hiezu bot folgender Fall: Am 1. August erschienen in dem Branntweinlocale deS Emil Fe der dusch auf der Landstraße drei ExecutionSbeamte deS Wiener Magistrates, um eine TranS ferirung mehrerer für rückständige Steuern gepfändeter Objecte vorzunehmen. DaS gleichzeitige Erscheinen dreier behördlicher. Organe, welches int offenen Geschäfte Aufsehen erregen mußte, versetzte den Erecnten in nicht geringe.Aufregung und bewirkte, daß der PtändungS commiision kein freundlicher Emv'ang zntbeil wurde, Laut erstatteter Anzeige empfing der Ereeu! die drei. Beamten Anton D e in h art. ElemenS Lohr und Earl Kauf mann mit den -Lorten : „Was, Die wollen mich wieder anSrauben? Die.sind Antisemiten!" lleberdies soll Federbuich auch einen zur DranSferirnitg bestimmten Waichkasten vor der Eommission derart mit de» Fäusten bearbeitet haben, daß das Pfandobject hiedurch nabezn völlig eniwerlbet wurde. Federbuich hatte sich rinn wegen Beleidigung amtlicher Drgane nach cj!>>,' und llebertretitiig deS rf 1 des Erecntionsgefetzes zu verantworten. Lr'ach dem Dir asantrage deS staatSanwalt'cha'iIicheit FnnctionärS führte der Vertheidiger ans. daß die in de? Auflage inerimiilirten Aenßerungen rage und keineswegs als Beleidigungen im Dinne des -j strafrechtlich zu ahnden '.neu: inSbesondere^könne der 'Vorwurf des AirtisemiiiSmuS, welchen der staatSanwali'chastliche .Fnnctionär zu. seiner Freude gleichfalls incriminire. nicht alck Beleidigung gellen, insolange die Antiseniiien eine organistrie Partei find und als solche vom Dtaate mindestens geduldet werden Der 'IJirtitev. fand aber den Angeklagten schuldig und e-rtatuite an> eine Woche Arrests. In den Gründen des llrtheilS wurde hervorgebsben. daß der 'Vorwurf des AntiseiiritiSmus gegenüber behördlichen Drganen iedeniatls eine Ehren beleidigung inrolvire, nachdeln hierin der- Vorwurf' liege, daß diese 'Drgarte in .Folge ihrer Gesinnung nicht, »nrarteiiich vergehen dursten. l Die Affüire Geidkt.s Bor einem Erkenutnißgericht wird stch am Ll. d. M Hermann Edgar «beider, welcher belgnntlich dem Abgeordneten Käme: die Daten zu denen Anglisten gegen Ver sicheritiigSgesellsch.tsten geliefert, wegen Ervressnng .an dem „Pbönir" sowie" uv eg e n falscher Z e n genausiage in dem Procene P o I l i v e r zu verantworten haben Als Zeuge zu der Ver Handlung gegen l'viber ist der genannte antisemitische Abgeordnete vorgeladen. (Die Grilieilldewallle» in Zlvctkl. > Der LiberaliSmriS. den die antisemitische Presie fortwährend als todlkraiik hinstellt, rafft' sich manchmal nölch zu kräftigen Lebenszeichen ans. In Zwettl haben bei den Gemeilidewahlen die liberalen Eandidaten mit selsr großer Mehrheit gesiegt, nnd nur einem einzigen 'Antisemiten ist eS gelnngen, ein Mandat zn erhaschen, indent er bei der Wahl fünf Dtimine» über die absolute Majorität znsamtnengebracht hat. Georg Dchönerer, der zur Zeit, alS er sich liberal geberdete, das Ehrenbürgerrecht der Dtadt Zwettl erlangt hatte, sah sich nun veranlaßt, in einem Dchrciben an den dortigen Geiiteindevorstand ans die Ehrenbnrgeri'chaft Verzicht zu leisten. DaS Beispiel verdient Nachahninng, und so mancher Andere, der heute antisemitisch wirkt, sich aber in früheren Jahren durch gegeutheitigeS Verhalten die Aufnahme in niiterfchiedliche Vereine, Anszeichnringen und selbst Pensionen gesichert Hai, sollte iiii» ebenfalls das Feingefühl besitzen,. darauf zn verzichten. Meinen Die nicht, Herr Maiaidek, daß es Ihne» ansteben würde, ans einem * „jndenliberalen" Ionrnalistenvereine auszntreien? Die Zwettler (''enteiittc- Vertretung entbehrte in ihren Dtatuien einer Handhabe, um Herrn Dchönerer des Ehrenbürgerrechtes verlustig, zu erklären, und da kam er durch feine Verzichtleistung ihren Wün'chen entgegen. Wir wieder hole» eS: das verdient Nachahinnng, ihr Herren Antisemiten! fGill am tlctltüilrticr Alt tftll cdl C. Ma-, schreib! »NS aus Ga na:. Allen denjenigen, welche sich in dem iüßeü Dran», wiegen, daß die Alttscheche» Iudensrennde und. diene zur Keniitnißnahme folgende, geradezu unglaublich klingende t^et'chi'chte. Der hiesige deutsche Bürgermeister Dr Earl Koch hatteeine Anzahl .von Freunden und Bekannten zn eitlem geselligen 'Abend eingeladen. Unter den erstkiieneiien Gästen befanden sich ein deutscher nnd ein alttichechischev Advocat. Ersterer ist jüdischer. -Lepterer christlicher . Religion.^ Inmitten der mit AuSnahiite des alttt'chechische» Advocaten nur ans^Dentschen' be stehenden Versammlung erklärte der Dahn LibustaS. seine» Eollegen apostrophirend: „Die sind ein Jude. Ein Jude muß sich kuschen^sonst wird er —" Damit biete »»glaubliche Rohheit in volles Licht trete, sei erwähnt, daß der jüdische Advocat sich wegen seines friedlichen und leutseligen Wesens bei allen seinen Clienten ohne Unterschied der Eonfeksion und Ration der größten Beliebtheit erfreut, waS sich bei deut alttschechischen antisemitischen Advocaten nicht sagen läßt, Derselbe wäre, so erzählt man, wenn nicht ein jüdischer GtttSpächter dazu gekommen märe, von slovakischen Bauern bei einer Jagd erschlagen worden. Daß derselbe die Witwe nach einem getauften Anden zur Frau hat, ist eine Satire, die nicht erst geschrieben zu. werden braucht.. (Zur Wahl in ^bcrsleicr.) Alle Eoncessionen, welche die .Dteinwender-, auch „Fortschritts"-Partei genannt (wir wissen nicht warum'?), an die Elericalen in puncto der freien Schule zu »rächen bereit war, um sich deren Stimmen für die bevorstehende Wahl -zu ergattern.

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