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Freies Blatt · 1894-09-09 · 127 (9.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
127 (9.9.1894)
Date
1894-09-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 127. $*t1e s auf ihr „Christenthum" etwa» einbilden! LS ist die Lrinuening au die Persö» lichkeit, auf welche daS ganze Lhristenthum zurückzusühren ist. Tarum Halle» wir e» für an der Zeit und für eine» der radicalste» Mittel, diesen Racenhaß, diese Racenantipathie in ihrer ganzen Nichtigkeit ansznzeigen. we»n wir an kiese« geschichtliche Bild erinnern, diese geschichtliche Erinnerung z» Hilfe rufe». Und so tritt denn hervor, du heilig blutiger Schalten au» kein Jordanland! Tritt hervor, verklärter- Geist de« Propheten von Nazareth und last iiß Anschauung deine» Bilde» u»S erkennen, ob diejenigen Recht habe», ivelche aus ken Juden herabsehe», al» den Angehörigen einer »ns fremde», einer niedrigeren Rare, ob die, ivelche dabei sogar aus ihr „Christenthum" sich berufen, in Wahr heit dein Zeugniß, ob sie dich selber auf ihrer Leite habe»? Unsere erste Frage ist: Wer war JesnS? Und die Antwort daraus sollen uu« die biblischen Urkunden und christliche» Kirchenlehrer selbst gebe». Diese stimmen alle darin überein, daß JesnS, wie sie sage», „dein Fleischt nach", d h. »ach seiner natürlichen Herkunft stamme auS dem „Hanse DavidS", a»S dem Samen Abraham». Bon dieser lieber,engung ansgehend, berufen sic sich in allererster Linie aus Stellen de« alten Testamente», die »ach ihrer Auslegung Prophezeiungen ans den künftigen Messias sind, und von denen namentlich zivei ausdrücklich besagen sollen, daß dieser Messia» dem Judeiithui» entstammen iverde. Die eine dieser Prophezeiungen, dem „Erzvater Abraham" schon nach dieser Auslegung;ntheil geworden, lautet: „Durch deinen Sameii sollen alle Böller aus Erden gesegnet Werden!" (1. Mos. 22, 18.» Tie andere, dein König David geltend, lautet noch besliminter: „Wenn nun deine Zeit um ist, daß du bei keinen Vätern schlafen liegst, dann will ich deine» Samen nach dir ivelte», der von deinem Leibe kommen soll, dem will ich sei» Reich bestätigen, der soll meinem Namen ei» Han» baue», und ich will de» Ltnhl seine» Königreiches . bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sei», und er soll mein Sohn sein." (2 Sam. 7, 12, 13) Anschließend an diese alttestamentilchen Stellen wird ,tann von dem Apostel Panln» ausdrücklich gesagt, daß Jeiu« sei „geboren au» dem Same» Davids, nach dem Fleisch" lRöni. 1, 3), »nd diese seine jüdische Abstammung, mit Beziehung ans Paulu» selbst, der auch geborncr Jude ivar, „ach einmal mit de» Worten bestätigt: „-Ich habe geivünscht, verbannt;u sein umi Christo für meine Brüder, die meine LandSleute sind nach dein Fleiich, die da sind von Israel, welchen gehöret die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und daS Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißung — ivelche auch sind die Väter, au» denen Christus berkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über Alle» n. s. w." (Rom. 9, 3—5.) Somit ist Jesu», »ach dem uuwiderlögbarcn Wortlaut der biblischen Urkunde», wie nach der aus ihnen 'nßenden späteren christlichen Kirchenlehre ei» Angehöriger de» jüdischen LtainmcS, ein Jude, ei» Semite! Und an dieser Thalsachc wird nicht da» Mindeste dadurch geändert, daß die Stellen de» alte» Testamentes, ans welche sich Panln» und »ach ihm die Kirchenlehrer berufen, ihrem eigentlichen Sinne »ach sich gar nicht aus die Person Jesu« selbst beziehen: da» Alleincntscheidcndc ist, daß Paulus und die Kirchenlehrer sie auf Jesu» bezogen habe», d. h. daß sic nicht im Enlsernleste» daran Anstoß »ahme», JesuS seiner steischliche», natürlichen Abstaminung »ach al» einen Juden, einen Semiten zu betrachten. An dieser. Thatsache wird nun aber weiterhin auch dadurch nicht« geändert, daß in Be Ziehung aus die nähere Art und Weise seiner Abstammung ein Theil von Jesu Zei,, und VolkSgenosien, wie nn» ebenfalls die biblischen Urkunden berichten und ihnen wieder solgend die Kirchenlehrer sich zu dem Alanden bekannte», daß JesuS nnr mütterlicherseits an dieser jüdische» Abstammung Theil habe, weil seine Mutter ihn a>S Jungfrau, vor ihrer thatfächlichen Vermählung mit chrem späteren Manne empfangen und geboren habe. An diesem Glaube» zu rütteln, ihn auch nur im Allerenlserntesie» anzngreifc», habe» wir an dieser Stelle nicht die mindeste Ursache, weil er für die biblischen Urkunden »nd für Jene, welche sich nach Aussage dieser zu ihm bekannte», durchaus kein Hindcrniß war, an der jüdische» Abstammnug Jei» wenigstens von Seite seiner Mutter hcr lrotzdem sestzuhalten. Denn daran, daß JesnS der Sohn Marias, und daß diese eine Jüdin, eine echte, ja, eine Vollblntjndiu au» dem David'schen Stamme, daran hat weder damal» »och später auch der Allerglänbigste z» zweifeln gewagt. Al« eine echte, gotteSsürchlige, streng gesetzliche Jüdin wird sie überdies, von den biblischen Urkunden ausdrücklich noch dadurch bezeichnet, daß sie »ach der gesetzlichen Vorschrift am achten Tage, wie un« berichtet wird, den Neugebornen habe beschneiden lassen und am 33. Tage ihre» erste» Gang nach ihrer Nieder fünft zum Tempel in Jerusalein gelhan habe, um ihr ReinigungSopser in Gestalt eines TurteltaubenpaarcS darzubringen. Einen weiteren Beweis aber für die echt jüdische Abstaiittnung Jesu, und zwar nicht nur von mütterlicher, sondern auch von väterlicher Leite geben uns dieselben biblischen Urkunden in den sogenannten „Stammtafeln", deren wir eine bei Matthäus, die andere bei Luka« finde». Die erster« beginnt damit, daß sie Jesu« voll vornhereiu einen „Sohn Davids" nennt, und daß sie zuletzt in ihrer Ahnenreihe einen gewisien Jacob als Vater des Josef anssührl, diese» letzteren aber ausdrücklich bezeichnet als „den Mann Mariä, von welcher ist geboren Jesu«". Die andere beginnt mit der Erzählung, daß Jesus „ins dreißigste Jahr ging und ivard gehalten für einen Sohn Josefs, welcher war ein Sohn Eli u. s. w." Sie weicht somit zwar in der Namensnennung de« Vaters von Josts von der erstereu ab, stimmt aber darin mit ihr ganz überein, Blatt. Seite 3 - daß sie beide eS für ihre Hauptaufgabe hatte», die <v>,1»duiiili>- Absl.eniinnng Jesu durch seinen Vater von David, al>o an» der indischen Kvnigsiamilic »achznweisen. Tic cchljndische Abstammung Jes» ruid die Tb-wache. daß die biblischen Urkunden ielbst in erster Reibe kicie als ielbiiver'ländlich voran«»'»»», geht schließlich aber auch daran» hervor, daß die»- Urkunden »ich, nur überhaupt von seine» Brüdern und Schwester» spreche», sondern daj^ sie sogar die indischen Namen derselbe» ansbcivahrt haben, wie nainenilicki Mae ist ,'l, ivo e« heißt: „Ist er nicht der Zinimerman», Mariä Sobn und' der Bruder' Jaeobi und Jose» und Juda und Simonis! Sind nicht auch^lciue Säuvener» hier bei »»Sr" Das Alle» ist so schlicht und so ein'ack, erzählt, daß mau ei»?» geradezu nngrheucrlichen DeulnngS und Verdrehung«»»» hadeir inüßie. w-nn »um daran zweifeln wollle. daß dev. welcher >vc geichrieben, es gar »ich, anders wußte, als daß JesnS, alS geborncr Jude und Semite, eben deswegen auch als vollgittiges Glied 'einer jüdischen Familie z» .betrachte» sei. Und denielbe» Eindruck erhalten wir »»willkürlich »u Gänze» und Großen in Beziehung ans die Stellung Jei» in und ’jii seinem Bolle, ieine», Volts stamme, wenn wir die Schilderungen der biblischen Urkunde» vom Vedeiisgang Jesu, von ieine» Waildernngen tzand ans, Land ab, von Stadt zu Stadt, durch Galiläa, Samaria und Judäa, bis zu seinem lebten, Gang zur „Richistältr" uninittelbar vor den Thoren Jerusalem» len». T b wir ihn 'eben, ivic er gleich bei seinem ersten össenlliche» Änktrelen i„ der Synagoge Nazareths die erhöhte Ställe in der Mitte derielben. besteigt und sich vom Snnagogendidner die heilige Rolle znyi Taranslesen reichen läßt, oder ob lim- >tn, ,,, den Simagogeu anderer Städte anstrete» ieken, in Beziehimg au' ivelche >,»S in allen Cvangelie». cinstimmig. berichtet wird, daß rr „in alle Städte und Märkte ging »nd leinte in allen Snnagogen", — wa» rr doch nur thnu konnte, weil er eben Jude war, lind weil inan ihm da» au seiner Kleidung, an > ein cgt"esichtsbildnng. an seiner Sprache, a» Allein, ivaS au ihm war, beim ern.-n Blick a»!al>: ob wir ihn sehen, wie er am Berge gelagert, vor sich die lie'blaaicn FlntKen de» See» Genezareth, oder im Verhole de« TenrpelS in Jerusalem, in der Säulenhalle Salonioilis zum versaniinelien Volke iprian, da« ziiin größeren Theil an» den Angehörige» der untern »nd unterstell Stände, den Arme» »nd Elenden, den Paria» der Nation bestand, wie er zu ibnen-iprichl vom Reiche deS MeisiasJ dem „Gottesober Himmelreich ans Erden", wie er llöstei und mahiii, sich die'eS Reiche« würdig zu machen, wie er droht, daß e» den Heide» werde ge geben werden, wen» sie, die Kinder de» Reiches, die Jnde>i da» ihnen jcbt durch ihn angcbolene Heil von sich stoßen — ob wir ik» sehen, belauert von den sanatischen Schristgclehrtc», in» Streitgespräch mit ihnen, sich berusend ans Moses und die Propheten, und vom echte» Geiste dieser erfüllt und durchdrungen, oder ob >vir ihn erblicke» fernab von der lärmenden Menge im tränten Krei» seiner nächste» Freunde und Bekannten, im stillninfriedete» Heim der Schwestern Martha und Maria, der Jüdinnen in Bethanien, kepcn eine be sonder» seine hohe Mission ganz erkannt und an ihm mit stillglülsenher, reiner Begeisterung emporsah, al» dem Retter ihre» unglücklichen Volke» — wo wir ihn sehen, wo wir ihn nach de» Darstellungen dieser Urkunden erblicket!', - selbst am Kreuze noch, an da» ihn die Wuth der jüdischen Psast'en und die Feigheit de» römischen Statthalterr,gcbracht, in seinen» höchsten, letzten Schmerz, al» er verzweiklungSvoll fein-Kli. Eli. laiua saba.-htliani rief »Matth. 27, 43), überall steht er vor u»S im fcstbegrenzten Rahmen seine» jüdischen Volke», seine» jütischen Landes, seiner jüdischen Heimat. So hat kein Grieche und kein Römer, >'o dal kein Perser lind kein Egypter gesprochen, so hat nnr er ge sprocheu, nur er gefühlt und gedacht und gewirkt? weil er ieine» Volke« eilt Jude, weil da» „Vaterland", da» ihn al» „Propheten" nicht wollte gellen lassen, da» jüdische war. <Mo. 3,4"Jod. 1, 44 i Darum stimmt e» auch vollständig zu dem Bilde, da» wir durch diese Dar - stellnilg erhalten, daß Jciu» in Beziehung a»s Sitten und Bräuche sich^ebensall» denen seine» jüdischen Volkes, wenn auch in sreierci» Sinne, unierivorfe» hat JesuS hat sich der von Johanne» eingesührlen, au' echt prophetischer Anschaiiung von der Rothwendigkeii einer, radicalen Reinigniig beruhende» Jordanlaufe freiwillig unterzogen, hat gesastei, hat den Seine», wen» sie sastelen, empfohlen, ihr Haupt zu iatben und ihr Angesicht z» ivaichen. Jesu« hat die Fest und Feiertage feines Volke? lmigtunett, in seinem Sinn, wie namentlich den Sabbalh, aber er hat sie gefeiert: er bat vor Allem sich da» altjüdische Past'ah mir dem Passahinahl nicht nehmen lassen: „Brich hat herzlich verlangt, daS lSstcrmahl mit euch;»> esten, ehe ich leide." zLuc. 22, 15) Und er hat e» mit den Seinen gegessen ganz-nach jüdischer Weise, er hat den mit Wein gefüllten Kelch hcrumgehen lassen, Halden in, Stücke zerbrocheneil Ssterknchen dernmgereicht, und auch die Gebete vor »nd »ach dem Mahle sind nicht vergessen worden. Wer übrigen» trotz all dem bisher Angeführten noch im Geringsten daran zweifeln oder eincn Anstoß daran nehincn wollte, daß JesnS seiner Abslamniung, sekner Nationalität »ach ihatsächlich ein Jude, also ein Semite war, und daß die biblischen Urkunden selbst ihn als solchen darstellen, de» verweisen wir zu allerletzt noch aus die Erzählung im Johannes Evangelium, in ivclchcm die Unterredung Jesu mit jenem anderen Weibe, dem an» Saniaria, geschildert wird. Mag man über die Echtheit diese« EvangeliuinS und somit auch dieser Erzählung denken, wie man will, hier handelt cS sich nicht um die. Frage, wer

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