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Freies Blatt · 1894-09-02 · 126 (2.9.1894) · p. [Seite]

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Journal
Freies Blatt
Volume
III (1894)
Issue
126 (2.9.1894)
Date
1894-09-02
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. I2U. freies Blatt. feite jrcutUmin. Die Cöpfer > cl i e i b e. Erzählung von Eduard Kulkr. . i. ,T«nii‘t.uii;:.' | Tic Rächt verging. Als des Morgens Emanuel nach dem *\viilT | finde sich auf Sic GeschäslSstube begeben wollte und schon Sic Thür klinke in Ser Hand hatte, feinte er »och einmal nin, »mannte seine (vran, küßte sie nnS sagte: „Heut' Abend werde» wir redenUnS . kaum hatte er baS Zimmer verlassen, so kam Bkoses herein mit Ser i (vrdge: „ÜUrb c# Sein imtcr recht fein?" ' ■ ■ 1 ,,Od) weiß es »och nicht." sagte Sie Mutter. „Hast Sn ihn Senn nicht gefragt'/" - so fragte MoseS, und ans | Siete io schlichte »nS natürliche Frage SeS di nahen vermochte Sie Mutter i keine Antwort zu gehen. | -Sie machte sich im -Stillen Borwürfe, Saß sie vielleicht Soch nicht genau im .Sinne Ser Vereinbarung gehanSelt,' Saß sie den di nahen, wenn auch nicht Sind) bireete Einslüsterung, so Soch inbircct Sm‘di Mancherlei beeinflußt habe. -Sie hatte Sie diiste nidit so mit ossenem Deckel ans Sem Boden stehe» lassen sollen: wäre Sie di ine vernagelt gewesen, so hätte MofeS Sen Deckel »idft aiiflfcben und and Ser diiste nichts herauSnehmen können. Sie hätte fidi üherhaupt.mehr Sarnm i liimmcht sollen, wie MoseS seine freie Zeit verbringt intS was er j treibt, nnS so wäre eS ihr and) nidft entgangen, Saß er sich aus Sem - T achhoSen zu sckfassen inadft. Sie wars sidf ferner vor, Saß sie durch! SaS Reeitiren Sdfister'sdfer Ö'ebidfte in Ekegenwart bco di nahen, mimentlid) in Ser Abendzeit, Sie Phantasie SeS di indes allzu sehr an' geregt ttnb mit ibealen Bildern erfüllt habe: am meisten aber mußte sie sich zum Borwurs niadfen, Saß sie Sem di naben nur allzu viel von seinem Cnfel David erzählt habe, ivaS Ser Alies ftnSirt habe und was für ein i'cenid) Ser gewesen sei. „Und bodf, habe ich' mit alledem ein Unrcd» gethan'?;'d) kann eS nicht glauben! Nein und abermals nein!" so sagte sie sich; allein sie war schon völlig geneigt, aus ihren HerzenSwunsdf zu ver zichien, um Sem geliebten (hatten keinen diumnier zu bereiten. Die beiden Ehegatten befanden sich, ohne Saß Eines -von Sen O'e snhlen nnS 'der Gemüthsstimmung SeS Anderen dienntniß hatte, in einem sörmlichen Wetteifer, einander ntdft zu betrüben: sie waren Beide voll von Resignation. Sie waren Beide so hctScnhaft, fielt selbst zu bekämpfen und den Sieg über sidt selbst davon zu tragen, nnd unter soldfen llinstänSen ist wohl nidft zu befürchten. Saß bei Ser bevor stehenden llnterreSung, Sie Emanuel seinem geliebten' Weibe für Sen Abend angekündigt hatte, Sie Leidenschaften in ungebührlidfer Weise kosbredfen und einen ehelichen Eonsliet herbeisühxen würden. Emanuel besorgte SeS TageS über, wie gewöhnlich, seine Geschäfte: Sie Gattin aber, in ihrer rührenden Hilflosigkeit, griff zu Sem niemals versagenden AuSkunstsmittel, welckfeS ihr schon oft in verschiedenen stebenSlagen Trost gespendet hatte, zu ihrem stieblingSdichter Sdfiller und blätterte in seinen Gedichten. „DeS vebenS Mai blüht einmal nnd nicht wieder: Mir hat er abgeblitbt." So laS sie in dem Gedichte „Resignation". Diese Berse begünstigten die Stimmung, in der sie sidf befand. Dann wieder las sie „Die Ideale": „So willst du treulos von mir scheiden Mit deinen holden Phantasien, —-" „Erloschen sind die heiler» Sonnen, Tie meiner Zugend Pfad erhelli; Tie Ideale sink zerronnen — — — ■' Auch ihr Ideal war zerronnen oder sollte zerrinnen, und eS bemächtigte sich ihrer jene elegische Stimmung, in der man ein verlorenes. unwiederbringlich verlorenes Glück beweint. Dann rpieder las sie „Die Sehnsucht": * „Tori erblick' ich schöne Hügel, Ewig jung und ewig grün! Han' ich Schwingen, hält' ich Flügel. Rach den Hügeln zog' ich hin." Und diese Berse 'stachelten wieder auch die Sehnsucht in ihrem eigenen Herzen aus, und tief enipsand sie die Größe des Opfers, das sie bringen, die Schwere der stast, die sie tragen sollte. Sie las weiter und laut zum Schluffe: „Tn mußt glaub.'», du „m’jt wagen.' Tenn die Vöner leiti'u len, P'and-. -.Var ein 2'ännder lau» dich lrageu ö» das scheue, Minderlaüe." Und ihr gasizes Innere bäumte fieli atu bei dein GeSanten, daß SieieS schöne WunderlanS, als welches ihr-die Bhantasie die Zulnnst des. SohneS gezeigt hatte, für alle Zeiten verloren, für tfllc Zeilen mierreidfbar bleiben sollte. ,DeS Mittags halte der Bater de» G'egenstand nichi zur S prache gebradu. MoseS saß bei Tifche: inan tonnte in seiner Gegenwart nidft über diese ihn. betreffende Angelegenheit verhandeln. DeS Abends aber, als Eniannel zu feinem Weibe in die Stube trat,, sagte er, nadfSem Sie beiden Ehegallen sidf begrüßt halten: ,.Dn war» gestern Abend in großer Anfregung, und ich, ickf war völlig unfähig zivdenken und zu sprechen vor lleberraschung. .Es ist^ inzwischen' ein Tag vergangen, ich habe reiflidi liber Sie Sache nadfgeSachr und hoffe, Sn wirst hente ruhig genug fein, mii ohne steidenschafilichkert zu reden, und was nodi wichtiger in, reden zu hören. Seyen wir uns," fügte er hinzu, ..es redet sich leichter und besonnener," ' „Rede, Manni! rede!" sagte die Fra», währenS Sie bilde,! Ehe gatten sidf auf das Eanapee feyten, „ich .werde dich ruhig anhören, so ruhig, alS eS mir möglickf ist." ' ' „Redei^ wir ganz offen, ohne Hiuiergedanten nu> ctfite Rückhalt," sagte Eiuaiinel aiohu, Ser zwar bezüglich der Bildung an feine Frau nickit hinaiireidftc, ihr aber an Bern and. Geist und Unheil über legen war, „eS ist moihwendig, daß wir die Sackte heute zu Ende bringen, ein Entschluß muß gefaßt'' werden: wir Siineit hcitfe nichi - zu Bette gehen, ohne einander ganz anzngehören, ' Der Widerstreit unserer Meinungen darf nicht mehr ,nbe^ 'R'ackft verschoben werden Bist du einverstanden Y“ „odi bin einverstanden," sagte sie, „obwohl ich midf;a daraus bernsen könnte, daß wir uns schon vor Jahr-und Tag über die Sache verständigt nnd eine Bereiifbarnng getroffen haben." „Das ist richtig," sagte er, „ich habe, es-gewußt, SaiVSit dich daraus berufen nnd diese Bereinbarnng geltend »zachen wirst." „Ich mache sie nicht geltend," entgeguete sie, „ich sage nur, ich könnte sie geltend machen!” „Ja," sagte er, „wenn es sich zwischen uns Beiden um eine bloße Rechthaberei handeln möchte in einer gleichgiltigen Sache,' die. für uns kein Interesse hat: es, handelt sich aber um Sie Zukunft eines Menschen, um ein ganzes Menschenleben, nnd' dieser Mensch ist unser ..Sohn." „Eben deswegen," erwiderte die Fra»', „weiles fickt uni feine ganze ^ntntitt handelt, möchte ich eS gerne sehen, dag er nicht in eine stansbalfn gedrängt werde, für die er nicht paßt und die seiner R'atnr nicht angemessen ist "- „Vicbe Ietti," sagte Eniannel und schüttelte den Slops, „du meinst alf,/ ich wäre fiir diese Vaiitbalm gut genug, Mofes aber nicht." „Du hast mich mißverstanden," t'agte sie, nidft mit völliger Ruhe, „ich habe gegen die Vaitibah» des Geschäftsmannes nicht ^>as Geringste einzttwenden, ich fdiäp.e Sie Thätigkeii. des iRschästSuianneS nicht geringer als die eines Gelehrten und wollte sie dnrchanS nidft degra Siren : am wenigsten konnte eS mir einfallen, in der gemachten Be meaknirg eine Geriitgschäynng gegen dich dnrchblicken zu laffen. Idf meinte nur, Saß Sie Menidfen t'o wie in Ser Phifsiognvniie auch in ihrer geistigen Beschafsenheit einander nicht gleich find und Saß etwas für den Einen zweckmäßig fein tarnt, wirs es für den Anderen nidft ist." - „Was Sn Sa fagst," entgeguete Ser Gattn „klingt sehr schön, und' eS mag sogar auch richtig fein: das wirkliche '.'eben aber gestaltet nnS nidft, itnS>fiach solche» schönen Mariinen einznrichten Wenn man daS wirklidfe stehen betrachtet, so sieht man, wie wahr eS ist. Saß Sie Umstände Sen Menidfen bestimmen, und Sie meisten Menschen, SaS kannst du mir glauben, denn ich habe die Ersahrnng für midi, werden in ihre stansbahn mehr hineingedräugt, alS daß sie selber sie wählen." ’ „DaS geh' ich zu," sagte die Frau, „denn leider sind für die meisten Menschen die Uinstände so zwingend, daß sie sidf in sie gut oder übel fügen müssen, weil ihnen fein anderer AnSweg übrig bleibt. Wenn nun aben einmal Ser günstige Falt sich' ereignet, daß ein foldtcr Zwang nidft vorhanden ist, soll inan da von der Gunst des Ge fdfickes und von der Freiheit, die man sich gönnen darf, keinen Gebrauch niadfen'?" „Eine soldfe Freiheit, liebes MinS," sagte Emannel, "„kann für Sen, der von ihr Gebrauch inadft, sehr gefährlich werden, nnd mit Beixübniß im Herzen hat mcltcidft schon so Mancher zurückgeblickt aus seine Jugendzeit und eS bitter bereut, daß er sidf de« Umständen nicht gefügt hat. Wist ich denn elwa.S Anderes, als daß Moses glücklich

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